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Jesus geht weiter in die Stadt Jericho hinein.
In der Stadt wohnt Zachäus (Zachä-us).
Zachäus ist ein Zöllner.

Leute bringen Waren in die Stadt.
Sie müssen Zoll bezahlen,
sonst dürfen sie nicht hinein.
Zachäus nimmt mehr Geld, als er darf.
Die Leute können nichts dagegen machen.

Jesus geht durch die Stadt.
Überall erzählen sich die Menschen: "Jesus ist da!"
Zachäus hört, daß Jesus in der Stadt ist.
Er will ihn unbedingt sehen.

Zachäus ist klein.
Die Menschen stehen ihm im Weg.
Schnell läuft Zachäus voraus.
Dort ist ein Baum!
Zachäus steigt auf den Baum.
Jetzt kann er Jesus sehen, wenn er vorbeikommt.

Jesus kommt.
Er sieht Zachäus.
Er sagt zu ihm:
"Komm schnell herunter!
Ich will heute in deinem Haus einkehren."
Zachäus steigt vom Baum,
so schnell er kann.

Zachäus führt Jesus in sein Haus.
Zachäus freut sich,
weil Jesus bei ihm ist.

Die Leute haben alles gesehen.
Sie ärgern sich. Sie schimpfen:
"Zachäus nimmt zuviel Geld.
Er ist ein Betrüger.
Wir wollen nichts mit ihm zu tun haben.
Jesus darf nicht zu Zachäus gehen!"

Drinnen sagt Zachäus zu Jesus:
"Ich habe Unrecht getan.
Die Hälfte von meine Geld gebe ich armen Leuten.
We zuviel bezahlt hat, bekommt es zurück."

Jesus sagt zu Zachäus:
"Heute ist ein Glückstag für dich und dein Haus.
Gott freut sich über dich.
Jeder darf zu Gott kommen und neu anfangen."

herausgegeben 1994 von der Deutschen Bibelgesellschaft Stuttgart
22 Zachäus
Zachäus ist nicht nur klein, sondern gehört auch zu einer Menschengruppe, die von den meisten Juden der zeit Jesu verachtet und gemieden wurde : zu den Zöllner und Zolleinnehmern. Sie kassierten für die verhaßte römische Besatzungsmacht Marktzölle, Straßen- und Grenzzölle. Sie arbeiten dabei als freie "Unternehmer": Die Römer verpachteten an den Meistbietenden das Recht zum Einzug der Zölle eines Bezirks. Es waren zwar Tarife festgesetzt, aber ihre Einhaltung wurde nicht überwacht. Darum galten die Zöllner allgemein als Betrüger.
Zachäus ist sogar Oberzöllner, und man kann sich vorstellen, daß er seine körperliche Kleinheit damit kompensiert, daß er andere seine Macht spüren läßt. Zachäus ist in Jericho und Umgebung unbeliebt.
Für die frommen Juden gab es noch einen weiteren Grund, sich von Zöllnern wie Zachäus abzuwenden und auf sie herabzusehen: Diese kamen durch ihren Beruf in enge Berührung mit Nichtjuden und wurden dadurch nach den Bestimmungen des alttestamentlichen Gesetzes "unrein". Das bedeutet, daß sie vom erwählten Volk Gottes praktisch ausgeschlossen waren und insbesondere nicht an den Gottesdiensten im Tempel teilnehmen durften.
Gerade an dieser Stelle hebt sich das Verhalten Jesu vom Verhalten der frommen zu seiner Zeit ab. Er kennt keine Schranken zwischen Mensch und Mensch, zwischen Guten und Bösen, und wo er Schranken findet, sucht er sie zu überwinden, Gottes Einladung gilt allen Menschen.
So kann Jesus in Zachäus den Menschen wahrnehmen. Er sieht sofort, daß da nicht bloß ein Neugieriger auf dem baum sitzt, sondern ein Suchender, der bei all seiner Macht und seinem Reichtum im Grunde seines Herzens nicht glücklich ist. Aber nicht darauf spricht Jesus ihn an. Er geht einfach zu dem Menschen, den alle meiden. Er nimmt ihn bedingungslos an. Er läßt ihn spüren: Auch du bist von Gott geliebt. Auch du gehörst zu Gottes Volk (zu den "Kindern Abrahams", wie es der Bibeltext sagt).
Die Wirkung auf Zachäus ist ungeheuer. Jesus hat nichts von ihm verlangt. Aber Zachäus weiß, daß er neben Jesus nicht bleiben kann, wie er ist. Er fühlt auf einmal, was ihn von Gott und den Menschen - ja, was ihn vom wahren Leben trennt. Nicht seinen Beruf muß er aufgeben, aber die Art, wie er ihn ausgeübt und seine Stellung im eigenen Interesse mißbraucht hat. Und jetzt erst ist Zachäus wirklich froh und frei. Die Geschichte schließt mit dem Wort Jesu, der von sich sagt: "Der Menschensohn ist gekommen, um die Verlorenen zu suchen und zu retten."
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