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Rut

Die Israeliten sind über den Jordan gezogen.
Sie haben ihr Land in Besitz genommen.
In der kleinen Stadt Bethlehem,
da wohnt eine Frau mit ihrem Mann.
Sie haben zwei Söhne.
Die Frau heißt Noomi (No-omi).
Es hat nicht lange geregnet.
Auf den Feldern wächst nichts mehr.
Es gibt nichts mehr zu essen.
Die ganze Familie zieht in ein fremdes Land.
Dort gibt es zu essen.

In dem fremden Land stirbt der Vater.
Noomi und ihre Söhne sind jetzt allein.
Die beiden Söhne werden groß
Beide finden eine Frau in dem fremden Land.
Sie heiraten.
Die beiden Paare feiern miteinander Hochzeit.
Noomi ist glücklich.

Ein paar Jahre vergehen.
Da werden die Söhne von Noomi krank.
Erst stirbt der eine, dann der andere.
Noomi ist jetzt allein in dem fremden Land.
Nur die beiden jungen Frauen sind bei ihr,
Orpa und Rut.

Noomi sagt zu den beiden:
Ich gege zurück nach Bethlehem.
Dort gibt es jetzt wieder zu essen.
Ihr beide habt hier eure Heimat.
Bleibt da und werdet glücklich!"
Orpa bleibt da.

 

Aber Rut sagt:
"Ich gehe mit dir!
Dein Volk ist auch mein Volk.
Dein gott ist auch mein Gott.
Ich verlasse dich nie."
Sie geht mit Noomi.

In Bethlehem ist Erntezeit.
Die Leute arbeiten auf dem Feld.
Sie sehen die beiden Frauen kommen.
Sie sagen zueinander:
"Das ist doch Noomi!"

Rut und Noomi sind arm.
Die Armen dürfen auf dem Feld die Ähren auflesen.
Rut geht aufs Feld. Noomi ist zu alt.
Rut sammelt Ähren, die liegengeblieben sind.

Das Feld gehört Boas.
Boas fragt einen Knecht:
"Wer ist diese Frau?"
Der Kencht sagt:"Das ist Rut.
Sie ist mit Noomi gekommen."

Boas macht mit seinen Leuten eine Pause.
Sie essen und trinken.
Rut darf mitessen.
Boas sagt zu seinen Knechten:
"Seid freundlich zu ihr!"

Es wird Abend.
Rut kommt fröhlich nach Hause.
Sie hat viele Ähren gesammelt.
Sie erzählt von Boas.
Noomi freut sich.
Sie sagt:
"Gott ist gut zu uns!"
Ich sehe, er will uns helfen.
Boas ist mit uns verwandt.
Geh jeden Tag auf sein Feld!"

Boas geht zum Tor der Stadt.
Er trifft dort einen Mann.
Der ist auch mit Noomi verwandt.
Boas sagt zu ihm:
Noomi ist wieder da. Sie ist arm.
Du bist näher mit ihr verwandt als ich.
Willst du Noomi und Rut helfen?"
Der Mann antwortet: "Nein."
Boas sagt:
Dann will ich es tun.
Rut war gut zu Noomi.
Ich will Rut heiraten.
Sie solll hier eine neue Heimat haben."

Boas heiratet Rut.
Sie bekommen einen Sohn.
Sie danken Gott für das Kind.
Noomi freut sich.
Das Kind ist wie ihr eigenes.
Die Nachbarinnen sagen: "Gott sei gelobt!
Jetzt hat Noomi wieder einen Sohn."

00 Vorwort
01 Gott erschafft die Welt 1. Mose (Genesis) 1,1 - 2,4
02 Der Regenbogen 1. Mose (Genesis) 6,5 - 9,17
03 Abraham Aus 1. Mose (Genesis) 12 - 25
04 Esau und Jakob Aus 1. Mose (Genesis) 25,19 - 28,22
05 Josef Aus 1. Mose (Genesis) 37,1 - 45,15
06 Der Auszug aus Ägypten Aus 2. Mose (Exodus) 1 - 14
07 Der Weg ins versprochene Land Aus 2. Mose (Exodus) 16-20; 34; 37; 4. Mose (Numeri) 10, 11-28; Josua 3, 1 - 8
08 Rut Aus Rut 1 - 4
09 David wird König Aus 1. Samuel 16 und 17; 2. Samuel 5 und 6; 1. Könige 6 und 8
10 Jona Aus Jona 1 - 4
11 Zacharias und Elisabeth Lukas 1,5 - 79
12 Jesus ist geboren Lukas 2,1 - 20; Matthäus 2,1 - 12
13 Der zwölfjährige Jesus Lukas 2, 40 - 52
14 Die Hochzeit in Kana Johannes 2, 1 - 11
15 Jesus und seine Jünger Aus Matthäus 4 - 10
16 Jesus und der Gelähmte Markus 2, 1 - 12
17 Jesus und der Sturm Markus 4, 35 - 41
18 Jesus besiegt den Tod Aus Markus 5, 21 - 43
19 Der barmherzige Samariter Lukas 10, 25 - 37
20 Der verlorene Sohn Lukas, 15, 11 - 32
21 Bartimäus Markus 10, 46 - 52
22 Zachäus Lukas 19, 1 - 10
23 Die Arbeiter im Weinberg Matthäus 20, 1 - 16
24 Jesus in Jerusalem Matthäus 21, 1 - 11 und 26, 17 - 36
25 Jesus ist auferstanden Aus Markus 14-16, Johannes 19 und Lukas 24
26 Himmelfahrt und Pfingsten Aus Apostelgeschichte 1 und 2
27 Ein Afrikaner wird getauft Apostelgeschichte 8, 26 - 39
28 Hilfen zum Verständnis

illustriert von Kees de Kort

herausgegeben 1994 von der Deutschen Bibelgesellschaft Stuttgart

ISBN 3-438-04142-1

08 Rut

Die Geschichte der Ausländerin Rut, die wegen ihrer Treue in die Ahnenreihe des großen Königs David (und damit zugleich in die Ahnenreihe von Jesus Christus) aufgenommen wird, kann nur verkürzt dargeboten werden. Es empfiehlt sich, sie vollständig in der Bibel nachzulesen.

Die Menschen in Palästina sind früher oft von Hungersnöten heimgesucht worden, wenn der Regen ausblieb. Man konnte dann in einem Nachbarland Zuflucht suchen; aber in der Fremde zu leben, war damals noch weit schwieriger, als das heute ist. Deshalb ist es verständlich, daß Noomi, als sie jedes männlichen Schutzes beraubt ist, in der Heimat zurückkehrt, und ebenso, daß sie den beiden Schwiegertöchtern rät, sie nicht in das fremde Land zu begleiten.

Wenn Rut ihr dennoch folgt, so verläßt sie nicht nur ihr Volk, ihre Heimat, ihre Freunde und Verwandten, sondern - nach der Auffassung des Altertums - auch den Einflußbereich ihres Gottes. Sie tut das bewußt: Noomis Gott soll auch ihr Gott sein. Sie tut es aus Treue zur Familie ihres verstorbenen Mannes und im Vertrauen auf den Gott Israels.

Der Schluß der Geschichte setzt schwierige, uns unvertraute Rechtsbestimmungen voraus: Wenn ein Mann kinderlos stirbt, soll ein Bruder oder auch entfernterer Verwandter die Witwe heiraten. Der erste Sohn aus dieser Ehe gilt dann als Sohn des Verstorbenen und führt dessen Linie fort. Rut hat sich dafür eingesetzt, daß Noomis bzw. ihres verstorbenen Mannes Familie nicht ausstirbt. Sie wird für diese Treue mit einer ehrenvollen Heirat und einer neuen Heimat belohnt.

Die Geschichte zeigt also, wie Gott Menschen, die ihm vertrauen, wunderbar führt. Aber auch das will beachtet sein, daß durch Ruts Heirat ausgerechnet eine Ausländerin in die Ahnenreihe König Davids gerät. Wir erkennen darin ein deutliches Zeichen dafür, daß Gottes Liebe sich nicht auf eine bestimmte Gruppe von Menschen beschränkt. Die Kinder können an dieser Geschichte lernen, daß Gott unseren menschlich-allzumenschlichen Gruppenegoismus ("der gehört zu uns - der gehört nicht zu uns") durchaus nicht teilt.

 

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