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Jesus ist geboren

Kaiser Augustus hat gesagt:
"Alle Menschen in meinem Reich
müssen aufgeschrieben werden.
Jeder muß dazu in seine Heimatstadt gehen."
Josef wohnt in der Stadt Nazaret.
Er muß nach Betlehem gehen.
Der Weg ist weit.
Er nimmt seine Frau Maria mit.
Maria erwartet ein Kind.

In Betlehem ist kein Platz.
Sie müssen in einem Stall schlafen.
Dort bekommt Maria ihr Kind.
Es ist ein Sohn.
Sie gibt ihm den Namen Jesus.
Sie wickelt ihn in Windeln.
Sie legt ihn in eine Futterkrippe.

 

Draußen auf dem Feld sind Hirten.
Sie passen in der Nacht auf ihre Schafe auf.

Plötzlich steht ein Engel bei ihnen.
Er leuchtet ganz hell.
Die Hirten erschrecken.
Sie haben große Angst.

Der Engel sagt:
"Fürchtet euch nicht!
Ich bringe euch große Freude.
Der Heiland ist geboren.
Heute in Betlehem.
Geht und sucht ihn!
Er liegt als Kind in einer Krippe,
in Windeln gewickelt."

Auf einmal sind da noch viel mehr Engel.
Sie singen:
"Ehre sei Gott in der Höhe
und Friede auf Erden!
Gott hat die Menschen lieb."

Dann sind die Engel wieder fort.
Die Hirten gehen nach Betlehem.
Sie haben es eilig.
Sie wollen den Heiland sehen.

Die Hirten kommen zum Stall.
Sie sehen Maria und Josef.
Sie finden das Kind in der Krippe.
Die Hirten erzählen allen,
was ihnen der Engel gesagt hat:
"Das Kind ist der Heiland!"
Dann gehen sie wieder zu ihren Schafen.
Sie loben und preisen Gott.

In einem fernen Land leben kluge Männer.
Man nennt sie "die Weisen aus dem Morgenland".
Jede Nacht blicken sie zu den Sternen auf.
Auf einmal entdecken sie einen neuen Stern.
Was hat das zu bedeuten?
Sie machen sich auf den Weg.
Sie folgen dem Stern.

Der Stern führt sie nach Betlehem.
Über dem Stall bleibt er stehen.
Sie freuen sich. Sie sind am Ziel.

Sie gehen hinein.
Sie finden Jesus mit seiner Mutter Maria.
Sie knieen vor Jesus nieder.

Sie haben Geschenke mitgebracht.
Es sind kostbare Geschenke,
wie für einen König.
Sie schenken dem Kind
Gold, Weihrauch und Myrrhe.

00 Vorwort
01 Gott erschafft die Welt 1. Mose (Genesis) 1,1 - 2,4
02 Der Regenbogen 1. Mose (Genesis) 6,5 - 9,17
03 Abraham Aus 1. Mose (Genesis) 12 - 25
04 Esau und Jakob Aus 1. Mose (Genesis) 25,19 - 28,22
05 Josef Aus 1. Mose (Genesis) 37,1 - 45,15
06 Der Auszug aus Ägypten Aus 2. Mose (Exodus) 1 - 14
07 Der Weg ins versprochene Land Aus 2. Mose (Exodus) 16-20; 34; 37; 4. Mose (Numeri) 10, 11-28; Josua 3, 1 - 8
08 Rut Aus Rut 1 - 4
09 David wird König Aus 1. Samuel 16 und 17; 2. Samuel 5 und 6; 1. Könige 6 und 8
10 Jona Aus Jona 1 - 4
11 Zacharias und Elisabeth Lukas 1,5 - 79
12 Jesus ist geboren Lukas 2,1 - 20; Matthäus 2,1 - 12
13 Der zwölfjährige Jesus Lukas 2, 40 - 52
14 Die Hochzeit in Kana Johannes 2, 1 - 11
15 Jesus und seine Jünger Aus Matthäus 4 - 10
16 Jesus und der Gelähmte Markus 2, 1 - 12
17 Jesus und der Sturm Markus 4, 35 - 41
18 Jesus besiegt den Tod Aus Markus 5, 21 - 43
19 Der barmherzige Samariter Lukas 10, 25 - 37
20 Der verlorene Sohn Lukas, 15, 11 - 32
21 Bartimäus Markus 10, 46 - 52
22 Zachäus Lukas 19, 1 - 10
23 Die Arbeiter im Weinberg Matthäus 20, 1 - 16
24 Jesus in Jerusalem Matthäus 21, 1 - 11 und 26, 17 - 36
25 Jesus ist auferstanden Aus Markus 14-16, Johannes 19 und Lukas 24
26 Himmelfahrt und Pfingsten Aus Apostelgeschichte 1 und 2
27 Ein Afrikaner wird getauft Apostelgeschichte 8, 26 - 39
28 Hilfen zum Verständnis

illustriert von Kees de Kort

herausgegeben 1994 von der Deutschen Bibelgesellschaft Stuttgart

ISBN 3-438-04142-1

12 Jesus ist geboren

Zwei Geschichten sind hier zusammengefaßt: die Geschichte von der Geburt im Stall mit den Hirten und die Geschichte von den "Weisen aus dem Morgenland".

In beiden wird die Geburt des Erlösers, die wir fast nur noch als Weihnachtsidylle erleben, in einen weltweiten Zusammenhang gestellt. Indirekt, aber beziehungsreich in der ersten: Der Kaiser, der die Volkszählung oder Steuerveranlagung angeordnet hat, wird zum heimlichen Gegenspieler des göttlichen Kindes. Während Augustus in Rom, auf dem Höhepunkt seiner Macht, sich als Weltheiland feiern läßt, der den Völkerfrieden garantiert, kommt der wahre Heiland der Welt und Friedenskönig in einem Winkel seines Reches im Stall zur Welt. Nicht die Mächtigen der Erde, sondern arme und verachtete Hirten machen ihm ihre Aufwartung. Eine Umkehrung der Maßstäbe künidgt sich an, die in Jesu Umgang mit den Verachteten und Ausgestoßenen ihre Fortsetzung und in seinem schmachvollen Sterben ihren letzten Ausdruck finden wird.

In der zweiten Geschichte kommen die Vertreter der großen Welt direkt zur Krippe. Es sind allerdings keine Könige, zu denen sie erst der Volksglaube gemacht hat. Das Wort, mit dem sie im griechischen Text bezeichnet werden, läßt sie als Sterndeuter erkennen: Angehörige einer Gelehrten- oder Priesterkaste, die aus den Sternen das Schicksal lesen. Offenbar kommen sie aus Babylonien, wo diese "Kunst" hoch entwickelt und hoch geachtet war.

Nun führt der Stern von Bethlehem die gelehrten Heiden zu dem, der das wahre Licht ist, vor dem alle Sternenweisheit verblaßt. Man hat viel darüber nachgedacht, was für einen Stern sie gesehen haben könnten. Handelt es sich, wie der Text nahelegt, um einen neu aufgetauchten Einzelstern oder vielleicht um eine außerordentliche Planeten-Konstellation?

Aber es gilt, nicht an vordergründigen, vielleicht unlösbaren Fragen hängenzubleiben. In dieser Geschichte, wie in der von der armen Geburt, steckt ein tiefer, zeichenhafter Sinn. In den Hirten standen Vertreter Israels an der Krippe (nicht Vertreter des offiziellen Israels, sondern der Armen, die Jesus selig preisen wird). In den "Weisen" kommen die Vertreter der übrigen Völker und huldigen dem Kind als ihrem König mit Gaben, die eines Königs würdig sind.

Für beide, Juden und Heiden, ist Jesus gekommen, und beide finden den Weg zu ihm. Seitdem kommen - durch die Jahrhunderte - Menschen auf den Spuren der Hirten und Weisen zu dem Kind in der Krippe:

"Ich steh' an deiner Krippen hier,
o Jesu, du mein leben,
ich kommen, bring' und schenke dir'
was du mir hast gegeben..."

 

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