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In dem Dorf Kana leben zwei junge Menschen.
Sie haben sich lieb.
Sie wollen heiraten.
Es gibt ein großes Hochzeitsfest.

Viele Gäste sind zur Hochzeit eingeladen.
Maria, die Mutter von Jesus ist dabei.
Da kommt Jesus mit ein paar Jüngern.
Maria winkt ihm zu.
Alle sind fröhlich.
Sie essen und trinken.

Die Diener schenken den Gästen Wein ein.
Auf einmal ist kein Wein mehr da.
Und das Fest hat erst angefangen!

Maria hat es gesehen. Sie sagt zu Jesus:
"Der Wein ist ausgegangen!
Du mußt den Leuten helfen."

Jesus sagt zu Maria:
"Meine Zeit ist noch nicht da."

Maria geht zu den Dienern.
Sie sagt zu ihnen:
"Tut alles, was Jesus sagt!"

Draußen stehen sechs große Steinkrüge.
Sie sind leer.

Jesus sagt zu den Dienern:
"Füllt die Krüge mit Wasser."
Die Diener füllen die Krüge bis zum Rand.


Jesus sagt zu den Dienern:
"Schöpft daraus einen Becher voll!
"Bringt ihn dem Wirt."
Die Diener machen es, wie Jesus sagt.

Der Wirt trinkt aus dem Becher.
Er weiß nicht,
daß in den Krügen Wasser war.
Die Diener wissen es.
Der Wirt wundert sich:
"So ein guter Wein! Wo kommt der her?"

Der Wirt ruft den Bräutigam und sagt:
Jeder gibt doch zuerst den guten Wein
und dann den weniger guten.
Du hast den besten Wein bis jetzt aufgehoben."

Alle sind fröhlich.
Jesus freut sich mit.
Die Jünger sehen:
Wenn Jesus kommt, wird das Leben zum Fest.
Gott lädt die Mensch an seinen Tisch.
Alle Tränen sollen getrocknet werden.
Gott hat die Menschen lieb.

herausgegeben 1994 von der Deutschen Bibelgesellschaft Stuttgart
14 Die Hochzeit in Kana
Das Wunder von der Verwandlung von Wasser in Wein bereitet manchen unter uns Schwierigkeiten. Wie bei der wunderbaren Brotvermehrung (der Speisung der Fünftausend) fragen sich die einen, ob man das denn wirklich glauben könne. Andere, gerade fromme Menschen, nehmen Anstoß daran, daß Jesus die Hochzeitsgesellschaft ausgerechnet mit Wein versorgt - und auch noch in solchen Mengen (der Bibeltext spricht von 600 Litern).
Schon die frühen Ausleger, die "Kirchenväter" haben erkannt, daß man diese Geschichte als Sinnbild verstehen muß. Hochzeit, Wein und überschäumende Freude, das sind schon im alten Testament Bilder für die kommende Heilszeit, wenn Gott sein Reich aufrichtet und alles Leid überwunden ist (Jesaja 25,6-8a):
"Auf dem Zionsberg wird der Herr der Welt für alle Völker ein Festmahl geben mit feinsten Speisen und besten Weinen, mit kräftigen, köstlichen Speisen und alten, geläuterten Weinen. Dort wird er den Trauerflor zerreißen, der allen Völkern das Gesicht verhüllt, er wird das Leichentuch entfernen, das über den Nationen liegt. Den Tod wird er für immer vernichten und von jedem Gesicht die Tränen abwischen."
Jesus will also nicht einfach den Brauteltern aus einer Verlegenheit helfen. Wenn Jesus Wasser in Wein verwandelt, dann will er damit sagen: Jetzt, mit seinem Kommen, bricht die Heilszeit an. Zwar ist es noch nicht soweit, daß alle Tränen abgewischt werden; aber die neue Zeit der Freude hat schon begonnen. Auf das Noch-nicht weist die merkwürdige Antwort an Maria: "Meine Zeit (oder Stunde) ist noch nicht da." Später im Evangelium macht Jesus deutlich, daß seine "Stunde" die Stunde des Todes am Kreuz ist. Dann wird die wahre Quelle der Freud esichtbar werden: Jesus gibt sein Leben dahin für die Überwindung von Schuld, Leid und Tod. Wenn er mit dem Wein des Abendmahls den Jüngern sein Blut, die Frucht seines Sterbens, reicht, ist der tiefste Sinn des Weinwunders von Kana erfüllt.
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