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Epochen in der Kunst

Epoche

 

Zeitfenster

 

Schlüsselbegriffe - und alles was schwer einzuordnen ist, vor allem ab 1890...

 

Steinzeit
35.000 v. Chr. - 2700
Ägypten
2740 - 600
Griechische Antike
600 - 336
Römische Antike
336 - ca. 200 n. Chr.
Sechs Dynastien Zeit (China)
~ 500
Byzanz
391 - 568
Gupta Periode (Buddhistisch)
5. - 6. Jhdt.
Han Dynastie (China)
6. Jhdt.
Keltische Kunst
~ 680
Kaiserkrönung Karls
586 - 843
Ommayyadisch (Naher Osten)
700 - 750
Maya (Südamerika)
~ 790
Abbasidisch (Irak)
~ 837
Romanik
843 - 1027
Gotik
1027 - 1225
Scholastik
1225 - 1321
Frührenaissance
1321 - 1450
Giotto...
Hochrenaissance
1450 - 1483
Leonardo da Vinci, Michelangelo, Raffael...
Manierismus (Spätrenaissance)
1483 - 1555
Rembrandt...
Barock
1555 - 1715
Caravaggio, Diego Velaszques, Rubens...
Rokoko
1715 - 1789
Watteau...
Klassizismus
1789 - 1818
Romantik
1818 - 1838
Caspar David Friedrich, Salonmalerei, William Turner...
Realismus
1839 - 1848
Revolution
1848 - 1869
Präraffaeliten, Edouard Manet....
Impressionismus
1869 - 1890
Claude Monet, Toulouse - Lautrec, Auguste Rodin, Paul Gaugin, Max Liebermann...
Jugendstil
1890 - 1897
art nouveau, Symbolismus, Expressionismus, Edvard Munch, Paul Cezanne, Gustav Klimt, Tiffany Glas, Beardsley, Gallé, van der Velde, Behrens, Eckmann, Darmstädter Künstlerkolonie....
Moderne
1897 - 1914
Kubismus, Fauvismus, Realismus, Suprematismus, Konstruktivismus, Dadaismus, Bauhaus, De Stijl, Neue Sachlichkeit, Realismus, Surrealismus, Zeit der Avantgarde,
Erster Weltkrieg
1914 - 1929
Otto Dix, Max Beckmann, Piet Mondrian...
Drittes Reich
1929 - 1945
Dali, Edward Hopper...
Nachkriegszeit
1945 - 1963
Matisse, Miró, Picasso...
Vietnamkrieg
1963 - 1969
Roy Lichtenstein, Beuys, Performance, Pop-art, Minimal-art, Konzeptuelle Kunst, Land-art, Rauminstallation...
Entspannungspolitik
1969 - 1985
Henry Moore, Neue Wilde, New image painting, neo-expressive Malerei....
Ende des Kalten Krieges
1985 - ????
tja... wie soll man das nennen??? Wahrscheinlich wird man unserer Zeit im Jahre 2050 einen Namen geben, den wir so niemals gewollt hätten... :-))...
Digitale Revolution
2002 - ????
warten wir's ab... :-))

 

Wie alles begann ... philosophische Epochen und historischen Ereignisse

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500 v
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1650
1700
1750
1800
1850
1900

ZEIT
EREIGNIS
PERSONEN
KOMMENTAR
1200 v Mosaische Gesetze  
Mose erhält auf dem Berg Sinai die Gesetztafeln
1000 v jüd. Könige Saul, David, Salomo
  Mythen Zeus, Apollon, Hera, Athene,Dionysos
750 v Israelische Propheten beginnen  
700 v. Chr. Niederschrift der Mythen Homer, Hesiod
585 v Der Tempel von Jerusalem wird zerstört  
570 v. Chr. Mythenkritik Xenophanes
natürliche Erklärung für Naturprozesse

570 - 526 v

Anaximenes

Anaximenes

540 - 480 v

Parmenides

Parmenides

Vernunft Rationalismus

 

Thales

Thales

 

Anaximander

Anaximander

540 - 480 v

Heraklit

Heraklit

Sinneserfahrungen

494 - 434 v

Empedokles

Empedokles

Erde, Luft, Feuer, Wasser

500 - 428 v

Anaxagoras

Anaxagoras

kleinste Teilchen

460 - 370 v

Demokrit

Demokrit

Atomlehre

Orakel von Delphi

Apollon OrakelGott

Erkenne dich selbst (sei nur Mensch, kein Gott)

480 - 400 v

Geschichtswissenschaft und Medizin

Hippokrates

450 v

Athen kulturelles Zentrum

487 - 420 v

Sophismus

Protagoras

Der Mensch ist das Maß aller Dinge

470 - 399 v

Sokrates

Sokrates

Der griechische Sokrates lebte in Athen.

Unter der Anklage neue Götter eingeführt und die Jugend gefährdet zu haben, wurde Sokrates zum Tode verurteilt.

Unsere Kenntnis seiner Philosophie verdanken wir den Dialogen von Platon und den Überlieferungen des Xenophon. Insbesondere aus Platons frühen Dialogen können wir einigermaßen glaubwürdige Informationen über Sokrates ableiten.

Sokrates befaßte sich vorrangig mit der Erforschung des Menschen und der Möglichkeit seiner Selbsterkenntnis. Die Inschrift des Apollotempels in Delphi Erkenne Dich selbst diente dem Sokrates als Ausgangspunkt seiner Philosophie.

Die Philosophie soll die Menschen vervollkommnen, und sie kann es, weil richtiges Handlung aus richtigem Wissen entspringt und die Tugend lehrbar ist. Der Naturphilosophie maß er keine Bedeutung bei, sondern nur der ethischen Erziehung seiner Mitbürger.

Die Ethik des Sokrates wird dem Eudämonismus zugerechnet.

Sokrates unterschied zwischen Wissen und Wissen überhaupt. Er meinte, man könne auf einem Gebiet weise sein ohne daß man über die Weisheit selbst etwas wisse. Der wahre Weise müsse den Begriff des Wissens besitzen.

Voraussetzung, um zum richtigen Wissen zu gelangen, ist die Selbsterkenntnis, besonders das Wissen um das eigene Nichtwissen. Bekannt ist in diesem Zusammenhang sein Ausspruch Ich weiß, daß ich nichts weiß.

Typisch für die Philosophie des Sokrates ist das Gespräch. Sokrates stellte sich unwissend und überführte durch Fragen den Wissenden der Unwissenheit. Dabei brachte er oft nicht nur den Befragten selbst, sondern auch die Zuhörer zum Lachen. Diesen Effekt nennt man auch die Ironie des Sokrates. Sokrates faßte wahrscheinlich bereits begriffliches Denken als Einheit des Vielen in der Form des Begriffs und entwickelte erstmals Prinzipien der logischen Unterordnung des Besonderen unter das Allgemeine.

Die sokratische Methode der Wahrheitsfindung heißt Mäeutik (Hebammenkunst). Sokrates soll gesagt haben, er übe die Kunst seines Vaters eines Bildhauers aus, indem er den Menschen Form zu geben versucht, und er lasse sie wie seine Mutter, eine Hebamme, Erkenntnisse gebären.

427 - 347 v

Platon

Platon

Der griechische Philosoph Platon stammte aus vornehmer Familie.

Längere Reisen führten ihn u. a. nach Sizilien. Er gründete in Athen seine eigene Schule, die Akademie.

Platon kannte Sokrates von früher Jugend auf und stand ihm in den letzten Jahren vor dessen Hinrichtung sehr nahe.

In fortgeschrittenem Alter reiste er noch zweimal nach Syrakus auf Sizilien (366 und 361), wo er den jungen Tyrannen Dionysios II unterrichtete. Vielleicht hoffte er, auf Sizilien seine Vorstellungen vom idealen Staat realisieren zu können.

Alle von Platon veröffentlichten Schriften sind überliefert, zudem eine Reihe von Texten, die ihm fälschlicherweise zugeschrieben worden sind. Seine Schriften sind mit Ausnahme der Apologie (Die Verteidigung des Sokrates) und einer Anzahl Briefen als Dialoge abgefaßt.

In allen Dialogen (mit Ausnahme der Nomoi) tritt Sokrates auf, zumeist als derjenige, der das Gespräch leitet und das letzte Wort behält.

Weitere Informationen

  • Platon zur Logik
  • Aspasia von Milet in Platons Dialog Menexenos
  • Diotima von Mantinea in Platons Dialog Symposion
  • Eva Sachs über Platons Pythagoreertum
  • Theaitetos von Athen
  • Platonismus

Logik bei Platon

Platon unterschied relativ klar die realen Dinge, die sprachlichen Definitionen der Begriffe und die Ideen der Dinge voneinander.

Er faßte jedoch in der Ideenlehre letztere als Urbilder und Zwecke der Dinge. Platon interpretierte die Meinung (doxa) dialektisch als Mitte zwischen Wahrheit und Falschheit, hielt jedoch das Erfassen der Ideen nur durch Anamnesis für möglich.

Platonismus

Als Platonismus bezeichnet man die unterschiedlichen philosophischen Richtungen, die von Platons Gedankengut ausgehend ihre Philosophie entwickeln.

Der Platonismus hat seine Wurzeln in der von Platon gegründeten Akademie in Athen.

Der Platonismus der Akademie von 385 bis 25 v. u. Z. wird auch als alter Platonismus bezeichnet.

Der Platonismus von ca. 25 v. u. Z. bis ca. 200 u. Z. heißt mittlerer Platonismus. Die Bezeichnung steht für eine geistesgeschichtliche Strömung, die keine eigentliche Schule bildete (z. B. Eudoros, Theon von Smyrna, Plutarchos und Celsus).

Mit dem Neuplatonismus wurde ab ca. 200 u. Z. eine systematische Philosophie auf platonistischer Grundlage geschaffen.

Von entscheidender Bedeutung für die Entwicklung des Platonismus in Spätantike und im frühem Mittelalter war der Einfluß des Neuplatonismus auf die christliche Theologie und Philosophie. Das ganze Mittelalter hindurch stützte man sich auf die neuplatonisch-augustinische Tradition, besaß aber zu Platon keinen direkten Zugang. Lediglich Calcidius' lateinische Übersetzung und Kommentierung des Timaios aus dem 4. Jh. u. Z. war allgemein bekannt.

Erst im 12. und 13. Jahhundert erschienen weitere Übersetzungen von Platon und Proklos.

Mit der Eröffnung der Akademie in Florenz (1459 - 1521) und dem Wirken von Ficinos begann dann der Platonismus der Renaissance.

H. More brachte den Renaissance-Platonismus nach England. Dort erlebte er mit der Cambridge Platonist School nochmals eine Blüte (ca. 1560 - 1700).

Erst die romantische Ästhetik knüpfte wieder umfassend an Platon an.

Ein durchgearbeiteter, an Plotin angelehnter metaphysischer Platonismus findet sich bei Schelling.

In der Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich eine intensive philosophiegeschichtliche Platonforschung mit philologischer Ausrichtung.

Im 20. Jahrhundert dient die Bezeichnung Platonismus als Bezeichnung von Theorien, die Begriffen, abstrakten Größen und mathematischen Entitäten einen selbständigen Status zuschreiben, d. h. sie als unabhängig von unserem Wissen von ihnen betrachten.

100 Platon glaubte an die Wirklichkeit hinter der "Sinnenwelt". Diese Wirklichkeit nannte er die Welt der Ideen. Hier finden wir die ewigen und unveränderlichen "Musterbilder", die Urbilder hinter den verschiedenen Phänomenen, die uns in der Natur begegnen. Diese bemerkenswerte Auffassung bezeichnen wir als Platons Ideenlehre.

384 - 322 v

Aristoteles

Aristoteles

128

Der griechische Philosoph, Logiker und Naturforscher Aristoteles wurde im makedonischen Stagira geboren. Daher wird Aristoteles auch der Stagirite genannt.

Aristoteles ging 367 nach Athen, um an Platons Akademie zu studieren.

In den 20 Jahren, die er dort blieb, entwickelte er eigene philosophische Auffassungen, die von denen des Lehrmeisters immer weiter abwichen. Obwohl Platon Aristoteles mit großer Achtung begegnete, überließ er 347 die Leitung der Akademie seinem Neffen Speusippos.

Aufgrund beträchtlicher Differenzen mit Speusippos über das richtige Philosophieverständnis verließ Aristoteles die Akademie und ließ sich in Assos und später in Mytilene nieder.

342 rief Philipp von Makedonien Aristoteles an seinen Hof, damit dieser die Erziehung des Sohnes Alexander, des späteren Alexander des Großen, übernimmt.

Acht Jahre lang war Aristoteles in Makedonien tätig. Als Alexander den Thron bestiegen hatte, kehrte Aristoteles nach Athen zurück und gründete dort 335 seine eigene Schule, das Lykeion.

Aristoteles hielt Vorlesungen, betrieb Forschungen auf diversen Gebieten und arbeitete an zahlreichen Manuskripten über Themen der Naturwissenschaft, Psychologie, Metaphysik, Ethik, Dichtkunst und Rhetorik.

Nach Alexanders Tod im Jahre 323 erhoben sich die Athener gegen die makedonische Herrschaft. Aristoteles war in Gefahr, wegen Hochverrats zum Tod verurteilt zu werden. Aristoteles floh nach Chalkis auf Euböa. Dort starb er einige Monate später im Alter von 62 Jahren.

Von starkem Interesse für die heutige Logik sind die Ansichten des Aristoteles zur Logik.

Wissenschaft im weitesten Sinn wird von Aristoteles in theoretische und praktische eingeteilt. Theoretische Wissenschaften untersuchen "das, was nicht anders sein kann", und fragen schlicht nach der Wahrheit. Sie zerfallen in drei Disziplinen mit je eigenem Thema: Die Physik studiert Gegenstände mit selbständiger Existenz und der Tendenz zur Veränderung. Die Mathematik studiert das, was unveränderlich, aber ohne selbständige Existenz ist. Die Erste Philosophie (griech. prote philosophia, von Aristoteles' Nachfolgern Metaphysik genannt) handelt vom selbständig Existierenden, das zugleich unveränderlich ist.

Die praktischen Wissenschaften beschäftigen sich mit dem, "was anders sein kann". Sie zielen letztlich darauf ab, Anleitungen zum Handeln zu geben. Ihre wichtigsten Gebiete sind Ethik und Politik.

Sein Werk Über die Seele beschäftigt sich mit den allgemeinen Grundzügen des Lebens ebenso wie mit der Frage der Sterblichkeit bzw. Unsterblichkeit der Vernunft.

Bei dem mit Physik betitelten Werk handelt es sich um eine überwiegend naturphilosophische Abhandlung, die die Begriffe Werden, Veränderung, Ort, Zeit, Raum, Endlichkeit, Unendlichkeit u. a. m. erläutert.

Aristoteles geht davon aus, daß eine Anzahl natürlicher Dinge existiert, die sich bewegen und über die man in der Alltagssprache reden kann. Der Philosophie soll an die Alltagssprache anknüpfen und einen Begriffsapparat entwickeln, um die Dinge und ihre Bewegungen angemessen beschreiben zu können; ebenso soll er die Voraussetzungen für die Möglichkeit einer solchen Bewegung untersuchen. Dagegen ist es nicht Aufgabe des Philosophie, die Existenz der Welt oder der Bewegung von abstrakten (göttlichen) Prinzipien aus zu erklären oder zu beweisen; denn die Existenz von Welt und Bewegung ist von vornherein als unproblematisch vorausgesetzt.

Bezeichnend für das später Metaphysik genannte Werk ist, daß es im Gegensatz zur Naturphilosophie der elementaren Periode nicht die Natur in ihrer Ganzheit zu erklären sucht; statt dessen will es eine Theorie der veränderlichen Einzeldinge entwickeln.

Vom alltäglichen Sprechen ausgehend, nimmt Aristoteles an, daß jedes Werden etwas Zugrundeliegendes voraussetzt (griech. hypokeimenon; lat. substratum), etwas, das im Lauf des Prozesses eine bestimmte Gestalt annimmt (griech. morphe).

Von hier aus gelangt A. zur Unterscheidung zwischen Stoff (griech. hyle; lat. materia) und Form (griech. eidos; lat. forma).

Form und Stoff können als zwei Aspekte eines Dings voneinander unterschieden, aber nicht voneinander getrennt werden. Die Form ist nämlich immer das Innewohnende. Eine Form existiert nur als die Form dieses oder jenes Einzeldings.

An diesem Punkt steht Aristoteles im Widerspruch zu Platon, sofern er die Annahme einer selbständig existierenden - transzendenten im Gegensatz zur immanenten - Form (eidos) leugnet. Es gibt eine Ausnahme, einen Fall, in dem eine Form existiert, ohne zugleich Stoff zu sein. Diese Form ohne Stoff ist Gott.

Wenn von einem konkreten Einzelding die Rede ist, wird der Begriff Stoff nur in relativem Sinn benutzt.

Die Prozeßhaftigkeit wird in der Unterscheidung zwischen Möglichkeit (griech. dynamis; lat. potentia) und Verwirklichung (griech. energeia; lat. actus) vertieft, eine Unterscheidung, die mit der zwischen Stoff und Form eng zusammengehört.

Für die Erklärung eines konkreten Prozesses reicht es nicht aus, auf eine Ursache hinzuweisen, die bewirkt hat, daß der Prozeß in Gang kam. Neben der Wirkursache muß der Stoff berücksichtigt werden, der es ermöglicht hat, daß die Form einen bestimmten Zweck erreichen konnte. Insgesamt sind vier Ursachen zu berücksichtigen: die Wirkursache, die Stoffursache die Formursache und die Zweckursache.

Der entscheidende Unterschied zwischen der Psyche des Menschen und der aller anderen lebenden Wesen besteht in der Fähigkeit des Menschen, vernünftig zu denken. Der Mensch ist das vernünftige Tier, behauptet Aristoteles und diese Bestimmung öffnet auch den Zugang zur Ethik, der Wissenschaft von dem, was anders sein kann.

400 v

Kyniker

Diogenes 412v - 323v

157 (Tonnenphilosophen)

Der kynische Philosoph Diogenes von Sinope lebte in Korinth. Er ist der bekannteste und populärste Schüler des Antisthenes.

Diogenes von Sinope ist in die Geschichte vor allem als Verächter der Kultur eingegangen (Diogenes in der Tonne). Diogenes führte trotz vornehmer Herkunft ein Bettlerdasein (daher erhielt er den verächtlich machenden Beinamen Kyon (griech. "der Hund"). Er wirkte mehr durch seine Lebensweise als durch seine Lehren. Er forderte die Aufhebung der Ehe, befürwortete in Übersteigerung der sokratischen Selbstgenügsamkeit äußerste Bedürfnislosigkeit, verachtete alle Konventionen und bezeichnete sich als Weltbürger. Die Erziehung und Stählung soll diesen Prinzipien entsprechen.

Es ist die Anekdote überliefert, daß er Alexander den Großen, als dieser ihn besuchte und versprach ihm ein Bitte zu erfüllen, bat, aus der Sonne zu gehen.

Diogenes von Sinope soll auch mittags auf dem Markt von Athen mit der Laterne nach Menschen gesucht haben.

Der Satz von der "Umwertung der Werte" geht auf Diogenes von Sinope zurück.

300 v

Stoiker

Zenon

158

323 v - 50 v

Hellenismus

 

von Alexander dem Großen bis zum Zerfall Griechenlands.

341 - 270 v

Epikurer

Epikur

Der griechische Philosoph Epikuros (auch Epikur) ist Schüler des Demokritanhängers Nausiphanes. Er gilt als Fortsetzer der leukippischen-demokritischen Atomistik. 310 begründete in Mytilene auf Lesbos eine Philosophenschule, die er 306 nach Athen verlegte, wo sie der Garten (griech. Kepos) genannt wurde, und der er bis zu seinem Tode vorstand.

Von Epikur sind drei Lehrbriefe und die Kyriai doxai (Hauptlehrsätze) im 10. Buch des Diogenes Laërtios sowie Reste des Hauptwerkes Über die Natur (auf Papyrus), daneben zahlreiche Fragmente aus anderen Werken erhalten.

Epikur's Lehre gliedert sich in Kanonik, Physik und Ethik.

Die Kanonik (Logik) trägt diesen Namen, weil sie den Maßstab dafür gibt, was wahr und falsch, zu erstreben und zu vermeiden ist. Die Sinneswahrnehmungen sind ihm sämtlich wahr. Es gibt keine angeborenen Ideen. Quelle des Wissens sind die Empfindungen, die unter der Einwirkung des pausenlosen Stromes feiner Atomschichten entstehen, kleinster Teilchen, der Idole, die von den Dingen der realen Welt ausgehen. Empfindungen können nicht trügen. Ein Fehler ist nur in mittelbaren Schlüssen möglich, die auf der Grundlage der in der Empfindung gewonnenen Angaben entstehen.

Täuschungen sind auch dann möglich, wenn Atome, die sich von den Dingen getrennt haben, auf ihrem Wege zu den Sinnesorganen unter irgendeiner Einwirkung ihren ursprünglichen Bau verändern, sich gleichsam untereinander verirren.

Wenn man sich aber erneut den Hinweisen der Empfindung zuwendet, kann man sich von der Wahrheit oder Falschheit des mittelbaren Schlusses überzeugen. Die Annahme über die Festigkeit eines Dinges kann man z. B. durch eine zweite Prüfung auf Biegen, Brechen und Pressen bestätigen.

Wenn auch das nicht genügt, muß man den Schlußsatz eines mittelbaren Schlusses den natürlichen Gattungsbegriffen gegenüberstellen (Proplepsis), die sich auf natürlichem Wege bei allen Menschen aufgrund der Verallgemeinerung ähnlicher Einzelwahrnehmungen von äußeren Gegenständen bilden.

Diese Begriffe sind immer und bei allen Menschen wahr und können daher als Wahrheitskriterium für einen mittelbaren Schluß dienen.

Der Satz vom Widerspruch wurde von ihm als Gesetz verstanden, das verbietet, einem Faktor der Sinneserfahrung zu widersprechen.

Als Nominalist akzeptierte Epikur nur die Existenz von Einzeldingen und negierte die Existenz des Allgemeinen in den Dingen. Daher richtet er in seiner Lehre von den mittelbaren Schlüssen seine Hauptaufmerksamkeit nicht auf den kategorischen Syllogismus, wie dies bei Aristoteles der Fall ist, sondern auf Induktion und Analogie.

Ob die aus Sinneswahrnehmungen abgeleiteten Meinungen wahr sind, entscheidet auf theoretischem Gebiet die Wahrnehmung, auf praktischen das Gefühl der Lust bzw. Unlust. Seine Ethik ist damit eine Variante des Hedonismus.

Auf Epikur's Naturlehre (Physik), die sich an die Demokrits anlehnt, ist auf die Gestaltung des praktischen Lebens gerichtet. Sie soll den Menschen von Aberglauben, Religion und Todesfurcht befreien. Daraus erklärt sich auch die Veränderung seiner Atomtheorie gegenüber der seiner Vorgänger durch die Lehre von der Deklination der Atome (d. h. ihrer willkürlicher Abweichung vom senkrechten Fall).

Diese Annahme ist bei Epikur nicht nur erforderlich, um das zur Weiterbildung notwendige Aufeinanderprallen der Atome während ihres Falles im leeren Raum zu erklären, sondern auch um der dem menschlichen Individuum eigenen Willensfreiheit eine naturphilosophische Begründung zu geben (Ethik).

Auch die Seelenatome besitzen diese indeterministische Freiheit, und von ihnen hängt unser Handeln ab, das keinem Zwang unterworfen ist.

Das Ziel des menschlichen Lebens ist die Lust, gemeint ist jedoch nicht so sehr sinnliche Lust als vielmehr die Beseitigung swa körperlichen Schmerzes, der Ruhelosigkeit der Seele, der Todesangst und der Fesseln des Zwangs.

Erstrebt werden Ruhe, Ausgeglichenheit, Seelenfrieden, die Meeresstille des Gemüts, also viel höher zu bewertende geistige Lust.

Epikurs Ethik wird dem Eudämonismus zugerechnet.

Das Leben im Verborgenen (Epikur hatte den Leitspruch: Lathe biosas = Lebe verborgen), im engen Freundeskreis, die Nichtbeteiligung am staatlichen Leben sind Konsequenzen dieser Lehre und zugleich Widerspiegelungen der Zeit, deren politische Unsicherheit Staaten und Individuen gefährdete.

Epikur's Ethik ist daher individualistisch und kontemplativ. Um der geistig-seelischen Lust willen soll man auch tugendhaft sein; um tugendhaft zu sein, muß man wiederum weise sein.

Den üblichen Glauben an Gott lehnte Epikur ab. Die Götter sind glückliche Wesen, die in den Intermundien (Zwischenwelten) leben und sich nicht um den Weltenlauf kümmern.

Von seinen zahlreichen Freunden und Schülern, mit denen er ohne äßeren Reichtum zusammenlebte, und von späteren Verehrern wurde er hoch geachtet.

In seiner Schule nahmen auch Frauen und Sklaven am Unterricht teil.

120v - 75v

Asklepiades von Prusa

griechischer Rhetoriker und Arzt († 75 v. Chr.)

106 - 43 v

Cicero

159 Humanismus

4 v - 65 n

Seneca

159 Der Mensch ist dem Menschen heilig

Lucius Annaeus Seneca (4 v. u. Z. - 65 u. Z.)

Der römische Staatsmann, Schriftsteller und Philosoph Lucius Annaeus Seneca d. J. war ein Stoiker. Allerdings hielt er seine Philosophie auch für nicht-stoische Einflüsse offen (Pythagoras, Epikur, Kynismus).

Seneca ist der Lehrer und Erzieher Neros. Er war 54 bis 62 in hohen politischen Ämtern. Er mußte sich auf Neros Befehl das Leben nehmen.

Senecas Werk umfaßt neun Tragödien und eine Vielzahl moralphilosophier Abhandlungen und Essays.

Seneca trug wesentlich zur Ausbildung stärker religiöser Akzente im Stoizismus bei (Betonung der Gottesidee, der Gottesverwandtschaft des menschlichen Geistes und der Weltvernunft, Vorsehungsglaube, Schicksalsidee).

Zu den Grundzügen seiner Ethik gehört die Frage der Todesbereitschaft, die Forderung nach Menschenfreundlichkeit, sozialem Verständnis und menschlicher Vervollkommnung und das Lob der Armut und Bedürfnislosigkeit.

Der Zorn gilt in Senecas Moralpsychologie als einer der Affekte, welche die Gemütsruhe stören. Zorn ist die Lust, eine erlittene Kränkung zu rächen. Doch wenn man von der Annahme ausgeht, daß ein Unrecht geschehen ist, ist man bereits nachdenklich geworden. Genau deshalb kann der Zorn auch beherrscht werden: indem man sich nicht kränken läßt. Handelte es sich beim Zorn um ein unabhängiges Gefühl, wäre er nicht zu zügeln. Aber der Mensch ist ein Vernunftwesen und nicht wie ein Tier der Gewalt seiner Instinkte und Impulse unterworfen. Daher besteht seine moralische Aufgabe in der Verwirklichung der menschlichen Natur und der Beherrschung seiner Affekte.

1

Jesus 7 Jahre alt

 

Ovid

10

1. öffentl. Bibliothek in Rom

28

Bergpredigt

37

röm. Kaiser Caligula, Nero, Cäsarenwahnsinn

45

Missionsreisen des Paulus

55

Wasserräder / Wassererhitzung

55 - 115

Römischer Geschichtsschreiber

Tacitus (55 - 115)

Publius ?, Cornelius Tacitus

Das Werk des Tacitus, bedeutendes Zeugnis senatorischer Historiographie, interpretiert, von dem Grundwert "virtus" (die bed., tapfere Tat) und seiner Bedingung "libertas" Freiheitausgehend, den polit. und moral. Verfallsprozeß unter der Monarchie, dargestellt an einzelnen Kaisern und der durch sie bestimmten Zeitsituation.

 

Kaiserzeit

67

Buddhaismus gelangt von Indien nach China

70

Zerstörung Jerusalems

 

Römische Kunst

84

Römische Herrschaft bis Schottland

98

Kaiser Trajan

102

Römer erkunden China

 

Pantheon

116

Judenaufstand in Ägypten

121 - 180   Marc Aurel Adoptivsohn des Kaisers Antonius Pius, Adoptivenkel Kaiser Hadrians. Mit Marc Aurel endete die Reihe der Adoptivkaiser.

125

Hadrian trägt als 1. Kaiser einen Bart

 

Circensische Spiele (Circus Maximus)

 

Adoptovkaiser

130

1. Talmudsammlung

145

Schreibpapier in China

150

5 gesch. Wohnh. in Rom

164

Ausbruch der Pest in Rom

170

Ptolemäus "Geographica"

189

Galan: Verschiedenheit der Temperamente

193

Severus entmachtet den Senat

 

Syncretismus

205 - 270

Neoplatonismus

Plotin

205

Christliche Kirche heißt katholisch

216

Caracalla- Thermen

221

Africanus: Synchronist. Weltgeschichte

230

technikerschulen in Rom

242

Mani: Gleichheit aller Menschen

249 - 305

Christenverfolgung

Die energ. Restaurationsversuche des Römerreiches unter Decius (249-251), Valerian (253-260) und Diokletian (284-305) führten zur system. Verfolgung der ganzen christl. Kirche.

 

Urchristentum

250

Ägypten: Schriftrolle wird zum Buch

265

Eiserne Hängebrücken in China

275

Chinesen entdecken Teegenuß

289

1. Mayastadt Uxaktun

293

Diokletian Tetrarchie

306

Zölibat für Priester

313

Christentum anerkannt

Im Römerreich

203

313

Edikt von Mailand

 

Neoplatoniker

325

1. Dogma für die christl. Kirche

Konzil von Nizäa. Grundlegende Aussagen hinsichtlich der Einheit der christl. Gottesauffassung und über das Verhältnis Jesu Christus als des Sohnes zum Vater durch die Statuierung der Wesenseinheit der Kirche

325

Konstantin Alleinherrscher

330

Konstantinopel wird Hauptstadt römischen Reiches

335

Fünfschiffige Basilika in Bethlehem von Konstantin dem Großen erbaut

338

Juden verändern ihren Kalender

347

1. Bischof St. Nikolaus

350

große Beamtenentlassung in Rom

354 - 430

Kirchenvater

Augustinus

209

369

Steinsägen mit Wasserantrieb in der Eifel

370

Mönchtum in Europa

378

Westgoten siegen in Rom

380

Christentum Staatsreligion

203

387

Augustinus wird Christ

391

Verbot heidnischer Kulte

395

Aufteilung Römisches Reich

204

395 - 640

Byzantinisches Reich

406

Rom: farbige Kirchenfenster

410

Rom wird von barbarischen Volksstämmen geplündert

415

Hypadia von Christen gesteinigt

 

Völkerwanderung

425

Vandalen bauen Mittelmeerflotte

439

Vandalen erobern Kathargo

 

Dogmenstreit

445

Attila wird Hunnenkönig

459

China Todesstrafe für Alkohol

460

Kamasutra und Urschach in Indien

471

Maya: astronomisch. Kalenderrechnung

476

Weström. Reich Untergang

486

Chlodwig gründet Frankenreich

495

1. kath. Index verbotener Bücher

500

Artus * Ritter der Tafelrunde

510

Kirchenglocken in Nordafrika

 

Reichsbildungen

522

Älteste erhaltene Chinesische Pagode

529

Platons Akademie geschlossen

529

Benediktinerorden gegründet

537

Hagia Sophia in Konstantinopel

 

Mönchtum

549

Hochkultur im Sassanidenreich

552

Seidenraupe nach Europa

 

Spiritualisierung

563

Sanskrit Wörterbuch

577

Mohammed 7 Jahre alt

589

Kirchenzehnt

593

Buchdruck in China

600

Tibet einheitlicher Staat

 

Bilderstürmer

610

Mohammed gründet Islam

 

Mosaik

622

Beginn der islam. Zeitrechnung

 

Expansion der Araber

631

Sternwarte in Korea

632

+ Mohammed stirbt

634

Spätantike zuende

als Ende im Weström. Reich gilt der Einfall der Langobarden in Italien (568), im Oström. Reich gilt der Abschluß der ersten Epoche der byzantin. Zeit (610) oder der beginn der arab. Invasion.

641

Bibliothek Alexandrias verbrannt

653

Koran

665

Porzellan in China

671

Griechisches Feuer

 

Franken

685

Buddhismus Staatsreligion in Japan

 

Buchmalerei

693

Unterdrückung der juden in Spanien

700

Fränkische Klosterschulen

 

Wikinger

714

Karl Martell einigt Frankreich

 

Monophonie

726

Byzantinischer Bilderstreit

735

Beginn der christliche Zeitzählung

748

1. gedruckte Zeitung in China

 

Gregorianischer Gesang

753

Konstantinische Schenkung

 

Sufismus

766

* Harun al Raschid

771

Karl der Große Alleinherrscher des Frankenreiches

785

Alkuin an Karls Hof

790

Aristoteles auf arabisch

800

Kaiser Karl der Große

814

Araber: indische Ziffern

 

Frühscholastik

820

Hildebrandslied

 

Drei- Felder- Wirtschaft

 

Karolingische Renaissance

830

Übersetzerakademie in Bagdad

844

China: Bankrott durch Papiergeld

855

Päpstin Johanna "Homo est"

862

Rurik gründet russisches Reich

 

Maurische Kunst

870 - 950

Alfarabi, Kommentar zu Aristoteles, Neoplatonismus

Alfarabi

Abu Nasr Mohammed ben Mohammed ben Jarkham al-Farabi (ca. 870 - ca. 950 u. Z.)

Der Philosoph, Mathematiker, Astronom, Biologe, Geograph und Arzt al-Farabi (auch: Farabi) lebte in der Stadt Otar (im heutigen Kasachstan), die im Altertum verschiedene Namen hatte, von denen einer Farab lautete.

Er studierte und lehrte in Bagdad, ging dann nach Damaskus und Aleppo, wo er von dem Lehrer der Sûfis beeinflußt wurde.

Al-Farabi kommentierte Schriften von Aristoteles. So hat er wohl als erster unter den arabischen Philosophen die logischen Schriften von Aristoteles kommentiert. Zudem ist er vom Neuplatonismus beeinflußt.

Gott, das Ur-Eine, ist das notwendige Sein, das die Voraussetzung der ganzen Kausalreihe des Universums ist. Gott ist Weisheit, Macht, Wille und das Gute.

Aus der göttlichen Einheit emaniert der Erste Intellekt. In ihm erkennt sich das Eine selbst. Außerdem tritt in ihm die Welt der Ideen hervor, welche die Formen der Dinge in der Welt im Zusammenspiel mit der Materie bestimmen. Der Erste Intellekt geht mit Notwendigkeit aus Gott hervor und erkennt nicht nur seinen Ursprung, sondern auch sich selbst.

Erkenntnis und Erkennbarkeit wurzeln im Ersten Intellekt. Aus der Erkenntnis des Einen emaniert der zweite Intellekt. Ihm folgen weitere Intelligenzen. Diese sind jeweils einer Himmelsspäre zugeordnet.

Dem untersten Intellekt, dem zehnten, untersteht die Ordnung unterhalb des Mondes, also auch Erde und Mensch. Dieser Intellekt, wird an Aristoteles anknüpfend, als tätiger Intellekt vorgestellt.

Wie vorher schon al-Kindi nimmt al-Farabi auch einen erworbenen Intellekt (intellectus adeptus) an. Der erworbene Intellekt umfaß das Wissen, das sich der Mensch erworben hat.

Alles geistige Licht geht vom Ersten Intellekt aus. Das geistige Licht erreicht den Menschen in der tätigen Vernunft. Jeder Vollzug von Erkenntnis folgt daher einer Erleuchtung aus dem Ersten Licht.

Erkenntnis beginnt nach al-Farabi mit der Wahrnehmung. Auf der Grundlage der Wahrnehmungen entstehen Ideen von einzelnen Gegenständen.

Die tätige Vernunft ermöglicht uns die Bildung von Universalien. Al-Farabi definiert die Universalien als das Einheitliche von Vielem und in Vielem. Universalien sind mit Individualbegriffen verbunden. Das Allgemeine ist nicht selbständig, sondern in den Dingen. Mit den Universalien vollziehen die Menschen den Wesengehalt der Dinge nach.

Die Vereinigung von Vorstellungen ergibt ein Urteil. Urteilen kommt die Eigenschaft zu, wahr oder falsch zu sein.

Um die Wahrheit oder Falschheit zu klären, muß man einen mittelbaren Schluß aufstellen und mit dessen Hilfe das Urteil auf Axiome zurückführen.

Als Logik bezeichnet al-Farabi die Wissenschaft zum Unterscheiden von wahr und falsch. Aufgabe der Logik ist es, den Menschen zu lehren, ihre Gedanken in der Sprache korrekt auszudrücken.

Al-Farabi unterschied zwei Teile der Logik:

  1. die Lehre von Ideen und Definitionen und
  2. die Lehre von Urteil, Schluß und Beweis.

Er unterscheidet logica docens und logica utens.

Höchstes Prinzip der Logik ist der Satz vom Widerspruch.

877

Lehnerbe im Frankenreich

880

Abul Kasim versucht Gleitflug

 

Romanik

896

Pornokratie in Rom

901

Normannen entdecken Grönland

916

Ungarn in deutschen Gebieten

925

Töne mit Buchstaben bezeichnet

930

Merseburger Zaubersprüche

947

Tolteken in Mexiko

 

Alfarabi

950

Araber: Musikinstrument nach Europa

950 - 1024

Ottonisches Reich

962

Otto 1. hl röm. Reich dt. Nationen

971

Fadentelefon und Feuerwerk in China

980 - 1037

Avicenna pers. Philosoph und Arzt

Avicenna

Autodidakt, beeinflußt durch Aristoteles, Al Farabi und Plotin. Entwickelte den Aristotelismus speziell in der neoplat. Fassung weiter; trennte dabei die Stoff-Form -Unterscheidung von der Potenz-Akt (Möglichkeit-Wirklichkeit-)unterscheidung so weit, daß im Stoff der Möglichkeit nach auch seine Formen bereits enthalten sind.Gott verleiht lediglich allen diesen Formen ihre Wirklichkeit.Die neue Unterscheidung von Essenz und Existenz geht durch Vermittlung seines Gegners Wilhelm von Auvrgne in die lat. Scholastik ein und wird bei Albertus Magnus und Thomas von Aquin zu einer Grundunterscheidung. Avicenne nimmt die Position dieser beiden Scholastiker im Universalienstreitvorweg.

983

Chin. Enzyklopädie 1000 Bände

999

gest. Adelheit dt. Kaiserin

1000

bis 1000 haben die Klosterschulen das Unterrichtsmonopol

1000 - 1100

Erste Domschulen

1003

Realismus - Nominalismus

1000

Leif Erikson erreicht Amerika

1015

Koffein als Heilmittel in Arabien

 

Troubadoure

1021

Tanzwutepidemie in Europa

 

Ars Antiqua

1039

1. dt Roman "Ruodlieb"

1047

Erdumfang fast richtig berechnet

1054

Trennung der Kirchen Rom und Byzanz

1050 - 1100

Investiturstreit

Konflikt zwischen dem Papsttum und dem engl. franz. und dt. Königtum um die Einsetzung der Bischöfe und Äbte

1061

Normannen erobern Sizilien von den Arabern

1075

Chanson de Roland

1083

90 Millionen Chinensen

1098 - 1179

Hildegard von Bingen

Hildegard von Bingen

222

1098

Zisterzienserorden gegründet

 

Universalienstreit

 

Kreuzzüge

1101

Festlegung der Elle

1118

Abaeloird und Heloise

1122

Wormser Konkordat

1126 - 1198

Aristoteles Rezeption

Averroes

Der Philosoph, Mediziner und Jurist Ibn Rushd (auch Averroës genannt) ist ein Anhänger des Aristoteles, den er als die Verkörperung des menschlichen Geistes ansah.

Man vermutet, daß Ibn Rushd etwa 50 bis 80 größere Werke verfaßt hat, darunter das Werk Über die mögliche Vernunft, in dem die aristotelische Logik dargelegt wird.

Die Welt ist nach Ibn Rushd ewig und unerschaffen, da Gott mit ihr gleichaltrig ist und ihr nicht vorausgeht. Auch die Bewegung, deren Substrat die Materie ist, existiert von Ewigkeit her.

Die Materie ist die allgemeine Möglichkeit des Seins.

Ibn Rushd vertrat die Lehre von der doppelten Wahrheit und bekämpfte die orthodoxe und antiaristotelische Philosophie von al-Ghazàlì.

Er selbst wurde scharf angegriffen, insbesondere von Albertus Magnus und Thomas von Aquin.

Nach Meinung von Ibn Rushd kann der Mensch ohne Kenntnis der Logik nicht glücklich sein. Die Aufgabe der Logik besteht darin, die Regeln und Wege des Übergangs von den in den in der Empfindung gewonnenen Daten zu Erkenntnis der reinen Wahrheit zu lehren.

Alle Dinge und Erscheinungen sind nach Ibn Rushd durch notwendige Kausalität verbunden. Sie bilden eine Hierarchie, an deren Spitze das göttliche Denken steht, das alle Universalien enthält.

Ibn Rushd befaßte sich mit Problemen der Modalität von Urteilen. Er vermerkte eine Gradation innerhalb der Modalitäten möglich, wirklich und notwendig und unterschied starke, indifferente und schwache Möglichkeit.

Die Herausgabe von Aristotelischen Schriften brachte ihm den Titel des Kommentators ein.

Aus die Philosophie von Ibn Rushd nimmt der Averroismus Bezug.

1138

Arab. lat. Übersetzerschule in Toledo

1147

Hildegard von Bingen gründet Kloster

1150 - 1300

Feudalismus

1155

Kaiser Barbarossa

1163

Grundsteinlegung Nôtre Dame

 

Mystik

1171

Kaiser Saladin

1180

Brieftaubenpost Kairo - Bagdad

1193 - 1280

Albertus Magnus

Albertus Magnus 1193-1280

(Albert von Bollstädt) Dominikaner, Theologe und Philosoph. Er lehrte in Padua, Paris, Köln und Würzburg; zwei Jahre amtierte er als Bischof (1260/61) von Regensburg. Die Gelehrsamkeit dieses Mannes wurde mit Bewunderung, aber auch mit jener verhaltenen Ängstlichkeit bedacht, die ein Wissen hervorruft, das es etwa zu gut mit den Menschen meint. Albertus Magnus vertrat die Meinung, daß die Philosophie des Aristoteles mit dem christlichen Glauben vereinbar sei. Letzterem mußte er, seinem Stande gemäß, jedoch immer die höheren Wahrheitsrechte zusprechen.

1193

Gummibälle in Südamerika

1200

Universitäten werden gegründet ° Kathedralenbau beginnt

 

Minnesang

1208

Hofnarr vom Orient nach Europa

1215

Magna Charta

1224

Franz von Assisi: Sonnengesang

1225 - 1274

Thomas von Aquin

Thomas von Aquin

Thomas versuchte die aristotelische Philosophie der christlichen Glaubenslehre anzupassen.

Er schrieb Kommentare zu allen Werken des Aristoteles, die in fünf Bänden herausgegeben wurden.

Fragen der Logik untersuchte Thomas in den Schriften "Über die Natur der Gattung", "Über die Natur der Akzidenz", "Über die modalen Urteile" u. a.

In der Universalientheorie vertrat er einen gemäßigten Realismus, wonach Allgemeinbegriffe vor den Einzeldingen existieren und danach in den Dingen selbst als Wesen auftreten. Sie stehen dann von neuem außerhalb der Dinge als Begriffe der menschlichen Vernunft.

Thomas negierte nicht die Rolle der sinnlichen Erkenntnis, hielt die Erkenntnis aber für passiv. Aktive Erkenntnis ist nur durch die Vernunft möglich.

Außer den Vernunftwahrheiten annerkannte er als Theologe die Offenbarungswahrheiten, deren Erkenntnis ausschließlich auf dem Glauben basiert.

1232

Carmina Burana

Carl Orff

1240

Albertus Magnus Alchemie

Der deutsche dominikanische Philosoph Albertus Magnus (Albert von Bollstädt, Albert der Große, Albertus Teutonicus) wurde wegen der Breite seines philosophischen Wissens doctor universalis genannt.

Er stand unter methodologischem Einfluß des Philosophen Ibn Rushd. Heute kennen wir ihn vor allem als Lehrer von Thomas von Aquin, der diesen dazu brachte, die Argumente des Aristoteles in das christliche Denken einzubeziehen.

Er selbst schrieb Kommentare zu Aristoteles und untersuchte die Syllogismen und Ableitungsprozesse von Folgerungen aus Prämissen.

Die Logik nannte Albertus Magnus eine Wissenschaft, welche Regeln lehrt, wie man vom Bekannten zum Erkennen des Unbekannten kommt. In ihr sah er ein Mittel der Erkenntnis.

Die Universalien hielt Albertus Magnus für ewige Urbilder der Dinge, die durch den göttlichen Geist hervorgebracht werden.

Philosophielehrer von Thomas von Aquin

1254 - 1273

Interregnum

Konrad II - Rudolf I

Zwischenherrschaft (es gab noch keinen neuen Kaiser)

1258

Mongolen zerstören arab. Reich

1266

Karl von Anjou übernimmt Sizilien

1273

Thomas von Aquin: "summa theologica"

 

Gotik

1284

Rattenfänger von Hameln

1298

Marco Polo "Il Milonese"

1300 -

Kathedralen

1302

Bulle "Unam Sanctam"

1304     Francesco Petrarca, geboren am 20. Juli 1304 in Arezzo
1308 (†) Duns Scotus    

1315

Dante ° Giotto

1316 (†) Raimundus Lullus    
1321 (†) Dante Alighieri    

1326

Meister Eckart: Rechtfertigungsbruch

1335

Kasperletheater und Handfeuerwaffen

1336     26. April 1336: Petrarca auf dem Mont Ventoux
1341     Petrarca wird in Rom zum poeta laureatus gekrönt

1348

Schwarze Pest in Europa

 

100 jähriger Krieg

1350

+ Til Eulenspiegel

1356

Goldene Bulle

Kontinuität der Reichsverwaltung

1364

Normannen im Senegal

1374     Petrarca stirbt 70jährig in der Nacht vom 18. auf den 19. Juli 1374 in Arquà

1375

° Boccassio

1388

1. öffentl. Schule in England

1390

Canterbury Tales

1400 - 1600

Humanismus

im weitesten Sinne eine Auffassung, in der der Mensch mit all seinen Fähigkeiten im zentrum der Betrachtung steht, der Mensch der Ausgangspunkt der Erkenntnis und Welterschließung ist. Die Vervollkommnung des Menschen ist das Zeil und das Ideal.

Der Ren. Hum. wendet sich zum Zwecke einer von der kirchl. Dogmatik befreiten und diesseitigen Lebensgestaltung gegen die Scholastik, indem er die Wiederentdeckung der griech.,und lat. Sprache, Literatur und Wissenschaft fordert.

Es bietet sich eine Unterscheidung von Humanismus und Renaissance in der Weise an, daß H. von seinem Begriff her für den Rückgang auf die lat. Schriften (bes. Cicero) steht, während er sich unter Hinzunahme des griech. Denkens zur Renaissance ausweitet.

Der H. nimmt seinen Ausgang in Italien. Besonders wichtig ist der Einfluß der byzant. Gelehrten, die 1453 nach dem Fall von Konstantinopel mit antiken Texten im Gepäck nach Italien geflüchtet waren (Petrarca, Dante, Bocaccio).

Ihren Höhepunkt findet sie in Erasmus von Rotterdam und Ulrich von Hutten. Der Humanismus findet mit Conrad Mutianus Rufus, Reuchlin und Melanchton Eingang in die Universitäten

1400 - 1500

Renaissance

Renaissance nennt man die Wiederentdeckung und Pflege der antiken Kultur und Philosophie.

Man unterscheidet die karolingische Renaissance im Frankenreich während der Regierungszeit Karls des Großen (771-814) und die von Italien im Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit sich ausbreitende Renaissance.

Ihr Beginn war in Italien um 1300, in den anderen Ländern Europas im 15. Jahrhundert. Sie endete in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts.

Geprägt ist die Zeit durch eine schnelle Entfaltung von Kunst, Literatur, Philosopie und Wissenschaft.

Antike philosophische Strömungen lebten wieder auf. Die Entwicklung begann mit der Wiedergewinnung der originalen Texte und Lehren.

Bei den Humanisten des 14. Jahrhunderts herrschte die römische Stoa vor. Sie wurde im 16. Jahrhundert durch M. E. de Montaigne mit dem Skeptizismus verbunden und diente Rückgewinnung einer autonomen philosophischen Reflexion.

L. Valla und L. Vanini griffen die Philosophie der Epikuräer auf, Joannes Chrysostomus Magnenus, G. Fracastoro und Sebastian Basso knüpften an die demokritische Atomistik und an Empedokles an. Eine atomistische Naturphilosophie vertraten beispielsweise auch J. Bodin und N.Taurellus.

Auch der Platonismus, z. B. der der Platonischen Akademie von Florenz, und die aristotelische Philosophie wirkten auf die Renaissancephilosophie.

G. Bruno griff auf den hylozoistischen Materialismus der frühen griechischen Philosophie zurück. Sensualistischen Empiriker (z. B. B. Telesio, F. Patrizzi, T. Campanella, F. Bacon) und Vertreter der natürlichen Magie (Paracelsus, Agrippa von Nettesheim) nahmen Gedanken der Ionier auf.

Zur Renaissancephilosophie gehört auch eine mysthisch-pantheistische Richtung (S. Franck, V. Weigel, J. Böhme).

Auf die Neuzeit wirkten zwei Entwicklungsbahnen der Renaissancephilosophie:

  • die rationalistische Subjekttheorie und mathematisch-mechanische Naturtheorie von Kepler und Galilei sowie
  • der Emprismus von F. Bacon.

Die Renaissancephilosophie begann den mittelalterlichen Dualismus (Gott - Welt, Wissen - Glauben, Heiliges - Profanes) durch die Platonisierung der Gott-Welt-Beziehung und durch anknüpfen an pantheistische Motive aufzulösen.

So faßte Cusanus das Verhältnis von Gott und Welt als das Verhältnis von Urbildlichem und Abbildlichem.

Das Verständnis von Gott als Einheit der Gegensätze bei Cusanus wird von der materialistisch-pantheistischen Richtung der Renaissancephilosophie im 16. Jarhundert als schaffendes, bewegendes Prinzip in das Universum verlegt. Bruno spricht von natura naturans.

In antiker Tradition ging der Renaissancesensualismus von urspränglichen Qualitäten der Materie aus, die unseren Sinnesorganen entsprechen und im Erkenntnisvorgang in Form kleinster Partikel mit verwandten Teilchen in uns zusammentreten.

Zu den Grundkräften gehören Wärme - Kälte, Sympathie - Antipathie der Stoffe. Das Liche erhielt (bei F. Patrtius) besondere Bedeutung als belebender Stoff und Träger der Qualitäten.

Die beschleunigte Fallbewegung ergibt sich nach B. Telesio aus dem Drang des Körpers, die ihm lästige Entfernung von seinem natürlichen Ort zu überwinden.

Im Mittelpunkt des italienische Renaissancearistotelismus (Pomponazzi, Zabarella, Cesalpino, Niphus, Achillini, Cremonius, Vanini) stand die Absicht, die Natur der Welt und des Menschen anhand des Wirkens immanenter Prinzipien zu erklären.

Der Aristotelismus entfaltete sich vornehmlich in Padua, dem Zentrum des damaligen Averroismus.

Der naturalistische Aristotelismus begann psychische Prozesse und moralischisches Verhalten aus dem Prinzip der Einheit von Seele und Körper zu erklären.

Er schuf wissenschaftliche Klassifikationssysteme (Cesalpino). Die Induktion wurde als Leitmethode entwickelt.

Die Vertreter der Paduaner Schule (J. Zabarella, C. Cremonius) bilden die Logik zu einer Forschungsmethode für die Physik aus.

Die Logik wird mit den Arbeiten der Platoniker zur Sprachtheorie verbunden (Valla, M. Nizolius).

Die Aristoteliker unterschieden das kompositive Verfahren und das resolutive Verfahren. Sie entwickelten die Theorie des subnotio.

Der Renaissancearistotelismus entwickelte die logische Problematik empirisch getreuer Wissenschaft. Er überwand den Methodendualismus von Wesenserfassung (Metaphysik) und analogisierender Empirie.

Charakteristisch für viele Vertreter des Renaissancearistotelismus ist ihr Bemühen um selbständige empirische Naturforschung. So werden bei Achillini und Caesalpinus die philosophischen Aussagen in Beziehung zu Biologie und Medizin gesetzt.

Die Alexandristen der Renaissance (Hauptvertreter: P. Pomponazzi) knüpften an Alexandros von Aphrodisias an um den Dualismus Gott - Welt, Seele - Leib, Form - Materie zu überwinden, indem sie das Göttliche säkularisierten.

Die auf Averroës zurückgehenden Aristoteliker der Renaissance (Achillini, Niphus) versuchten dagegen eine Vergöttlichung der Welt.

Die Lehre von der doppelten Wahrheit wird sowohl von den Alexandristen als auch von den Averroisten aufgegriffen.

Der Mensch, seine intellektuelle und seine moralische Autonomie, bilden ein zentrales Thema der Renaissancephilosophie.

Der Mensch steht als sein freier Bildner zwischen Gott und der Natur.

In Frankreich entwickelt sich am Ende des 16. Jahrhundert eine skeptische Strömung. Die wichtigsten Repräsentanten der Renaissanceskepsis sind M. de Montaigne, Marie le Jars de Gournay, P. Charron und F. Sanchez. Wahrscheinlich entwickelten sich in Frankreich der Sekptizismus, da dort die Scholastik besonders stark war und die Naturforschung behinderte. Außerdem waren die Religionskriege dort besonders stark. Calvinismus und katholische Religion relativierten sich gegenseitig.

 

nicht vergessen Kompass, Pulver, Buchdruckerkunst

1401

Störtebeker enthauptet

1401 - 1464

Spätscholastik

Nikolaus von Cues

Der deutsche Theologe und Philosoph Nikolaus Krebs von Kues (auch: Nikolaus von Kues, Nicolaus Cusanus, Nikolaus Chrypfs von Kues) wurde 1448 Kardinal.

Cusanus faßte das Verhältnis von Gott und Welt als das Verhältnis von Urbildlichem und Abbildlichem. Gott geht über alles Endliche als Vollendung hinaus, wie die Kugel das unendliche Vielecke, die Gerade das minimal Ungerade ist.

Die These, daß daß zwischen Endlichem und Unendlichem, Gott und Welt kein in endlichen Stufen zu denkendes Verhätnis bestehe, führt Cusanus auf das Prinzip universeller Relativität alles Endlichen und entband die Erkennntis von theologischen Voraussetzungen.

Nach Cusanus gelangen wir zur Erkenntnis eines Gegenstands a durch Vergleiche, in denen festgestellt wird, daß a etwas anderes ist als b, c usw. (oder kompliziertere Beziehungen zu b, c usw. hat). Arithmetische Proportionen stellen ein gutes Modell für das Erkennbare dar: Wir können ein Netzwerk von Beziehungen erkennen, nicht aber das Wesen der Dinge. Das Ziel unseres Strebens nach Erkenntnis muß daher eine erweiterte Erkenntnis dessen sein, was die Dinge nicht sind, eine aufgeklärte Unwissenheit (De docta ignorantia, 1440).

Die Unbegrenztheit Gottes macht es uns unmöglich, ein a zu finden, das sich von einem b unterscheidet, und Vergleiche anzustellen: In Gott fallen die Gegensätze zusammen (coincidentia oppositorum), und der Satz vom Widerspruch verliert seine Geltung.

Cusanus unterschied vier Stufen der Erkentnis:

sinnliche Wahrnehmung (sensus), die das nicht klar widerspiegelt, was auf der Oberfläche der Dinge liegt;

Verstand (ratio), der Gegensätzliches gegenüberstellt,

Vernunft (intellectus) die Gegensätzliches vereint,

Intuition (animus) durch die eine völlige Einheit des Gegensätzlichen erreicht wird.

Cusanus ist für seine geometrischen Darstellungen dieser Verbindung der Gegensätze bekannt. Meistens stützen sie sich auf die Idee einer Geraden als Grenzfall einer ständig flacheren Kurve oder eines ständig stumpferen Winkels sowie auf das Prinzip, daß jedes unendliche, unbegrenzte Ding mit jedem anderen identisch ist.

1410     Piero della Francesca zwischen 1410 und 1420 in Sansepolcro (oder Monterchi?) geboren
1414 1414—1418: Konstanzer Konzil    
1416     15. xii. 1416: Poggios Brief über die Handschriften-Endeckungen seiner ersten Reise während des Konzils (2 Cicero-Reden; Valerius Flaccus, Asconius Pedianus, der vollst. Quintilian)
Bis 1418 noch drei weitere Reisen: die 2. erbringt Lucretius, Silius Italicus, Ammianus Marcellinus, die 4. 8 Cicero-Reden; Statius, Silvae, Columella. [Textüberl. 540/1]

1417

Rom 17.000 Einwohner

1419

Brunelleschi: Findelhaus

 

Zentralperspektive

1421

Hussiten entwickeln Haubitze

 

Novelle

1424 * Cristoforo Landino (†1498)    

1431

Jeanne d'Arc verbrannt

1432 1432—1440: Basler Konzil Zwischen 1432 und 1440 entdeckt im Zuge des Basler Konzils Nicolaus Cusanus Ciceros Somnium Scipionis und die Komödien des Plautus (12 davon bislang unbekannt). [Textüberl. 542/3]  
1433     (*) Marsilio Ficino, geboren am 19. Oktober 1433 in Figline Valdarno. Vater ist der Arzt Diotifeci (genannt Ficino d’Agnolo di Giusto (1401/4—1478), Mutter Alessandra di Nannoccio.
1434 Medici - Cosimo il Vecchio kehrt aus der Verbannung nach Firenze zurück, herrscht ohne Titel    

1434

Medici

seit Beginn des 13. Jh.s. bezeugte, im 16. Jh. zu großherzogl. Rang aufgestiegene Florentiner Bankiersfamilie. Die Medici gelangten zunächst durch Handel und Geldgeschäfte zu Reichtum und Ansehen und nahmen seit dem Ende des 13. Jh.s. als Prioren von Zünften und als Gonfalonieri della giustizia auch an der Regierung ihrer Heimatstadt teil. 1434 lösten sie die herrschende Adelsfamilie der Albizzi als fakt. Stadtherren ab, doch blieb die republik. Form desStaatswesens bestehen, bis Alessandro de Medici nach zweimaliger Vertreibung der Medici aus Florenz (1492-1512, 1527-30) dann 1531 den Herzogstitel erhielt.

1439 1439—1440: Konzil in Firenze über Union mit der Byzantinischen Kirche.   Piero della Francesca (19—29) wird als Gehilfe Domenico Venezianos bei Ausführung der Chor-Fresken von S. Egidio in Firenze erwähnt (einziger Aufenthalt in Firenze)
1440     Piero della Francesca (20—30) Zwischen 1440 und 1450: Battesimo di Cristo (London).
1444   * Giovanni Cavalcanti († 1509), Dichter  
1445     Piero della Francesca (25—35) Erhält in Borgo S. Sepolcro den Auftrag seiner Mitbürger für das Polittico della Misericordia (Sansepolcro)
(*) Sandro Botticelli, ca. 1445 geboren in Florenz als Sohn des Mariano di Vanni Filipepi

1448

Gutenberg: bewegliche Lettern

1449   * Lorenzo il Magnifico (†1492)  
 

Fugger

1451 Johann Gutenberg richtet eine Druckerei ein (und druckt von 1454 bis 1456 die 42zeilige Bibel)
Marsilio Fincio (18) Studiert in Firenze, u.a. bei Piero di Antonio Dini; Repetitor für Piero de’ Pazzi
1452   * Savonarola (‡1498)  

1453

Oström. Reich Untergang ° Konstantinopel wird zu Istanbul
Eroberung von Konstantinopel durch die Türken

1454     Marsilio Fincio (21) Verfasst scholastische Traktate (Summa philosophiae Marsilii ad Michaelem Miniatensem u.a.), wohl unter Einfluss seines Lehrers Niccolò Tignosi (Prof. für Medizin und Philosophie, †1474)
1455 Vermutlich 1455 kommt ein Codex mit den kleinen Schriften des Tacitus nach Italien [Textüberl. 541/2]   Marsilio Fincio (22) Epistola a’ fratelli
1456     Marsilio Fincio (23) Institutiones ad Platonicam disciplinam für Christoforo Landino (verloren).
Landino und Cosimo raten Ficino, die platonische Literatur in den Quellen zu studieren. Beginn der Griechischstudien, wohl bei Francesca da Castiglione.

1457

Alberti: Der Mensch kann, was er will
Marsilio Fincio (24) De furore divino, De voluptate, De virtutibus moralibus vel De magnificentia, De quatuor sectis philosophorum, Di dio et anima

1459   (*) 1459: Conrad Celtes (†1508)  
1460 Räderuhr mit Hemmwerk

Errichtung von Buchdruckereien in Straßburg und Bamberg

1463     Marsilio Fincio (30) Ficino erhält von Cosimo ein Haus in Careggi (bei Fi.) und Platons Werk in zwei Hs., um für ihn griechische Philosophen zu übersetzen.
Er überträgt Traktate aus dem Corpus Hermeticum sowie Werke von Alkinoos, Speusippos, Xenokrates, Ps-Pythagoras (1464 Cosimo gewidmet, dann 1467 Cavalcanti) und beginnt mit der vollständigen Übersetzung Platons (bis wohl 1469).
Entstehung der Platonischen Akademie.

(*) Giovanni Pico della Mirandola, geboren am 24. Februar 1463 in Mirándola bei Modena
1464 † Cosimo il Vecchio (*1389).
Nachfolger: Piero il Gottoso.
   
1468     Marsilio Fincio (35) Übersetzt Dante, De monarchia.

1469

† Piero il Gottoso.
Nachfolger: Lorenzo il Magnifico.

Schweiz: Tell Sage

Marsilio Fincio (36) Kommentar zu Platons Symposion: De amore.
Vermutlicher Abschluss der Platon-Übersetzung.
Beginn der Arbeit am Kommentar zu Platons Phaidros.
Beginn der Arbeit am Hauptwerk Theologia Platonica, bis ca. 1474.
1470 † Tommaso Benci Leonardo da Vinci: Verkündigung an Maria (1470/75)
Sandro Botticelli (25) hat um 1470 eine gewisse Bekanntheit erlangt: ihm wird die Fortitudo anvertraut, eine der Virtutes für das Tribunale della Mercatanzia.
1471 Bau leistungsfähiger Handelsschiffe

1472 Neue Planetentheorie

Cristoforo Landino, Disputationes Camaldulenses.
Georg Peuerbach: Theorcai novae planetarum
Sandro Botticelli (27) wird 1472 Teil der Compagnia di San Luca; Einfluss von Filippino Lippi
1473 Baubeginn der Sixtinischen Kapelle in Rom
Marsilio Fincio (40) De felicitate als Brief an Lorenzo.
Ficino wird Prister.

1474

1. gedrucktes Kochbuch: "De honneste voluptate"

Bellini: Bildnis eines Fugger
Marsilio Fincio
(41) Vermutlicher Abschluss der Arbeit am Hauptwerk Theologia Platonica.
Sandro Botticelli (29) malt im Camposanto in Pisa
1475     Sandro Botticelli (30) malt wiederum im Camposanto in Pisa. Adorazione dei Magi, Version in den Uffizien, ca. 1475.
1476     Marsilio Fincio (43) De raptu Pauli, Laus philosophiae, De lumine,
1477 † Antonio degli Agli Gründung der Universität Tübingen
Marsilio Fincio (44) Disputatio contra iudicium astrologorum,
Giovanni Pico della Mirandola (14) Studiert in Bologna kanonisches Recht
1478 In Firenze Verschwörung der Pazzi gegen die Medici;, von Sixtus IV unterstützt; bei Attentaten stirbt Giugliano de’ Medici, Lorenzo überlebt und schlägt den Aufstand nieder, König Christian I. gründet die Universität Kopenhagen
Marsilio Fincio (45) Ficinos Vater stirbt
Sandro Botticelli (33) Malt im Auftrag der Medici die Pazzi-Verschwörer als Gehenkte am Palazzo Vecchio (?).
La Primavera, ca. 1478 für die Villa Castello, nach einer Apuleius-Passage: Frühling, Grazien, Boreas (Uffizien).
Portrait Giugliano de’ Medici, ca. 1478 (Berlin).
1479 Errichtung einer Buchdruckerei in London
Marsilio Fincio (46) Consiglio contra la pestilentia
Giovanni Pico della Mirandola (16) Widmet sich in Ferrara den studia humanitatis und der Philosophie
1480 Silber Deutschland liefert 80% der europäischen Silberproduktion
Marsilio Fincio (47) De vita liber I: De studiosorum sanitate tuenda.
Sandro Botticelli (35) Malt den Heiligen Augustinus für die Chiesa di Ognissanti
Giovanni Pico della Mirandola (17) studiert 1480 bis 1482 in Padua Philosophie: Aristotelismus bei Niccoletto Vernia, arabisches und hebräisches Gedankengut bei dem jüdischen Averroisten Elia del Medigo
1481     Sandro Botticelli (36) Christophoro Landinos Dante-Kommentar erscheint, mit Abb. des Inferno nach Entwürfen Botticellis.
Geht im September mit anderen Florentiner Malern nach Rom, zur Ausstattung der Sixtinischen Kapelle.
1482     Marsilio Fincio (49) Die Theologia Platonica erscheint im Druck.
Sandro Botticelli (37) Adorazione dei Magi, Version in Washington, 1481—1482
1483     Sandro Botticelli (38) Madonna del Magnificat (mit Granatapfel, kreisförmig), ca. 1483 (Uffizien).
1484     Marsilio Fincio (51) Druck von Ficinos Platon-Übersetzung.
Beginn der Arbeit am (zweiten) Timaios-Kommentar. Beginn der Plotin-Übersetzung (bis 1486) auf Rat Picos hin.
Giovanni Pico della Mirandola (21) Kommt nach Firenze, trifft dort Ficino.
1485     Sandro Botticelli (40) La nascita di Venere (Uffizien), ca. 1485 als Gegenstück der Primavera; folgt Stanzen von Poliziano, bildet die Himmlische Venus ab, zugleich Ideal-Rekonstruktion der Venere Anadiomene des Apelles.
Madonna con il Battista e San Giovanni Evangelista (Berlin), ca. 1485.
In den folgenden Jahren zunehmender Einfluss Savonarolas [[ab wann genau?]].
Giovanni Pico della Mirandola (22) Begibt sich nach Paris, vertieft sich 9 Monate in das Studium der Scholastik, kehrt dann nach Firenze zurück.
1486     Marsilio Fincio (53) Abschluss der Plotin-Übersetzung (seit 1484), Beginn der Plotin-Kommentare (bis 1490).
Sandro Botticelli (41) Fresken in der Villa Lemmi, heute im Louvre.
Giovanni Pico della Mirandola (23) Picos Jahr: bereitet die Disputation seiner 900 Thesen vor. Die Thesen, die Oratio de hominis dignitate und der Commento entstehen.
Verbot der Disputation durch Innocentius VIII und Verurteilung der Thesen.
Pico flieht nach Frankreich; findet endlich Zuflucht in Firenze dank der Protektion Lorenzo de’ Medicis.
1487

Fugger

Ratgeber: "Hexenhammer"

beherrschen den Tiroler Bergbau
Marsilio Fincio (54) Wird Canonicus am Duomo von Firenze.

Sandro Botticelli (42) Pala di San Barnaba (Uffizien), ca. 1487.
"Hexenhammer " (malleus maleficarum)

1488

(*) 1488: Ulrich von Hutten (†1523) Marsilio Fincio (55) Übersetzungen aus Synesios, Psellos, Iamblichos, Priscian, Prophyrios, Proklos.
Sandro Botticelli (43) Krönung für San Marco.
Verkündigung für San Maria Maddalena de’ Pazzi.
Giovanni Pico della Mirandola ( 25) Steht in seinen letzten Lebensjahren zunehmend unter dem Einfluss Savonarolas [[ab wann genau?]].
1489 Lorenzos Sohn Giovanni de’ Medici wird Kardinal (†1521 als Leo X.) Palazzo Strozzi in Florenz; - B. Notke: Lübecker Totentanz - Johann Widmann: Behennd und hübsch Rechnung uff allen Kauffmannschaften, Rechenbuch (erstmals mit heute üblichen Ziffern und Zeichen)
Marsilio Fincio (56) De vita liber III [!]: De vita coelitus comparanda, als Kommentar zu Plotin IV iii 2; danach De vita liber II [!]: De vita longa. Druck von De vita im Dezember 1989.
 

Säkularisierung

1490 A. Dürer: Bildnis des Vaters, Florenz (frühestes datiertes Gemälde)
Marsilio Fincio (57) Abschluss der Plotin-Kommentare (seit 1486).
Übersetzung und Kommentar zu Pseudo-Dionysios Areiopagita, Mystica theologia und De divinis nominibus, Druck 1496/7.
Sandro Botticelli (45) La Derelitta (Rom), ca. 1490, Zuschreibung strittig.
1491 Deutschlandkarte 1491 tauchen in Poitiers die Schriften des Martianus Capella und Annaeus Cornutus auf [Textüberl. 544] von Nicolaus von Kues - 1491 Johann Froben gründet in Basel eine eigene Druckerei

1492

Columbus bricht nach Indien auf
† Lorenzo il Magnifico.
Nachfolger: Piero lo Sfortunato (1471—1503)

1492 so genannte Entdeckung Amerikas durch Cristoforo Colombo
Piero della Francescas: Untersuchung über die Perspektive erscheint zu Florenz im Druck
Leonardo da Vinci zeichnet eine Flugmaschine

(?) Piero della Francesca stirbt am 12. x. 1492, am Tag der Entdeckung einer neuen Welt
Marsilio Fincio (59) Druck der Plotin-Übersetzung und -Kommentare.
Philebos-Kommentar beendet, Parmenides-Kommentar begonnen
1493 Seit 1493 tauchen aus Bobbio Codices u.a des Terentianus und anderer Grammatiker, die Hymnen des Dracontius sowie Gedichte von Dracontius, Rutilius Namatianus und der Pseudo-Sulpicia auf. Mit den Funden von Bobbio lässt Remigio Sabbadini die heroische Epoche der Entdeckungen zu Ende gehen. [Textüberl. 545/6] Hartmann Schedel: Weltchronik mit Holzschnitten vornehmlich nach Michael Wohlgemut, dem Lehrer Dürers - Dürer illustriert in Basel S. Brants "Narrenschiff"
Giovanni Pico della Mirandola (30) Picos Exkommunikation wird aufgehoben.
1494 Vertreibung von Piero lo Sfortunato, Zusammenbruch des Handelshauses der Medici. Fugger eröffnen in Antwerpen eine Faktorei - Botticelli: Die Geburt der Venus - Sebastian Brant: Das Narrenschiff -
Marsilio Fincio 61) Sophistes-Kommentar.
Zieht sich nach dem Ende der Medici aus der vita activa zurück.
Sandro Botticelli (49) La Calunnia di Apelle (Uffizien), ca. 1494, letzte Apelles-Ideal-Rekonstruktion.
Giovanni Pico della Mirandola (31) Seine Adversus astrologos libri xii erregen Aufsehen [Flasch/Burckh.].
Stirbt im 32. Lebensjahr am 17. November 1494, am gleichen Tag, da Karl VIII in Firenze einzieht. In San Marco beigesetzt, die tlw. tadelnde Leichenrede hält Savonarola.
1495 Metall Nürnberger Metallwerke führend
Marsiolio Fincio (62) Erstdruck der gesammelten Briefe
1496     Marsilio Fincio (63) Nach 1496: Kommentar zum Römer-Brief, aus Vorlesungen enstranden.
1497 Baubeginn der Schlosskirche in Wittenberg (bis 1509)
1498 1498 Savonarola wird zusammen mit zwei anderen Dominikanern als Häretiker verbrannt.
† Cristoforo Landino (*1424)
Dürer: Apokalypse (D.s erster Holzschnittzyklus)
Marsilio Fincio (65) Apologia contra Savonarolam
1499     Marsilio Fincio (66) Stirbt am 1. Oktober 1499 in Careggi; wird im Duomo von Firenze beigesetzt.
1500 Anwendung der Kolbenpumpen im Bergbau- ca. 60 Papiermühlen in Deutschland - Hieronymus Bosch: Garten der Lüste

1500------

Kunst der Renaissance und Architektur

Kunstgeschichte
vom 16. bis 18. Jahrhundert

Späte Renaissance Kunst, Manierismus:

Während Michelangelo, Titian, und Raphael an einem robusten metaphorischen Stil arbeiteten, bewegten sich andere Zeitgenossen in eine lyrischere und dekorative Richtung, man entfernte sich vom klassischem Altertum und entschied sich unerwarteter und unvorhersehbarer. Die Arbeit dieser Meister zeigt den Anfang eines neuen Stiles, genannt Manierismus, es verkündet eine Änderung, weg von der Hohen Renaissance. Jacopo Carrucci, genannt Pontormo, war ein besonders talentierter Maler, der in Florenz unter dem Einfluß von Michelangelo aufwuchs. Sein vornehmer Stil, der auf sorgfältige Zeichnungen, blasse unnatürliche Farben, und verlängerte Formen basierte, greift auf das von Botticelli zurück. Beide Künstler spielten dreidimensionale Form zugunsten von einer flacheren, dekorativeren Oberflächenaktivität herunter. Eines von Pontormo's schönsten Arbeiten ist die Absetzung (1526), in der Kirche von Santa Felicità in Florenz, in dem die eng zusammengedrückten Figuren schwierig anatomisch zu deuten sind. Die Formen werden durch Pontormo's Palette unterstrichen, bestehend aus zerbrechlichen noch elektrifizierenden Farben. In seiner Verfeinerung und Zierlichkeit ist Pontormo's Stil anders als Michelangelo's, wessen Kunst ihn trotzdem beeinflußte. Pontormo's extreme Sensibilität grenzte an einen Exzentriker, und in seinem persönlichen Leben war er zurückhaltende und unsozial. Ein anderer Florentiner, Rosso Fiorentino, arbeitete in einer ähnlichen Weise, aber, anders als Pontormo reiste er beträchtlich, beendete seine Karriere in Frankreich unter der Protektion von Francis I. Rosso, infolgedessen war er besonders einflußreich im Ausbreiten von frühem florentinischem Manierismus, besonders beim königlichen Palast von Fontainebleau. Die Absetzung (1521, Pinacoteca, Volterra), eines seiner erfolgreichsten Bilder, ist eine offenere und weniger zusammengedrückte figurale Zusammenstellung als Pontormo's, aber, gleichzeitig, ist es komplizierter und eben weniger leserlich. Durch die Reaktion zur Hohen Renaissance Klarheit und dem monumentalen Klassizismus im Jahre 1520, wurde dem Künstler das antiklassische bewußt. Einige wendeten es zur nördlichen europäischen Kunst wie ein Gegenmittel, insbesondere um bereitwillige leicht zugängliche Drucke für alternative Lösungen zu bekommen. Die kalligraphischen Qualitäten wurden von Rosso's Kunst hergeleitet, ein Teil, von deutschen Gravierungen, die zu jene Zeit sehr in Italien geschätzt wurden. In der nächsten Generation fingen jüngere Künstler an, die scheinbar unübertrefflichen Modelle abzulehnen, die von Michelangelo, Raphael, und Titian hinterlassen wurden, um andere Alleen von künstlerischem Ausdruck zu suchen. Die tief individualisierten Qualitäten, die sowohl in Rosso als auch in Pontormo gefunden wurden, wurden populär. In der Periode um 1530 folgte die Plünderung von Rom im Jahre 1527 bis zum Ende des 16. Jahrhunderts der italienischen Kunst, die sich zu einer zusammenhängenden Mode entwickelte. Während dieses Manierismusses, oder der Späten Renaissance, ist eine Periode entstanden die eine große Anzahl von bedeutenden Meister in allen Künsten hervorbrachte. Unter den Architekten war der einflußreichste Andrea Palladio. Ausgebildet als ein Steinbildhauer in seiner einheimischen Stadt von Vicenza, wurde er nur ein Architekt in Midlife. Seine außerordentlichen Arbeiten sind ein Serie von Landvillen im Gebiet um Venedig. Besonders bedeutungsvoll ist die Villa Rotonda, oder Villa Capra (1550-1551), nahe Vicenza. Er baute einen zierlichen Anstieg an, das kuppelförmige Gebäude hat auf allen vier Seiten identische Fassaden, vervollständigt mit imposanten Flügen von Stufen und einen sechs Säulen Tempelvorbau. Mehr als irgendein anderes von seinen Gebäuden, war die Villa Rotonda die Inspiration für den Palladianismus, die englische architektonische Bewegung, die die dominierenden Gebäude des 18. Jahrhunderts in England und in seinen amerikanischen Kolonien, entwarf. Palladio's Plan für die Kirche von Il Redentore (angefangen 1577) in Venedig war kompliziert im benutzen von zwei Sets von übereinandergelegten Säulen auf die Fassade, eine Bearbeitung die im 17. Jahrhundert wichtig wurde.
Der Architekt Jacopo Sansovino war in Venedig einige Jahrzehnte vor Palladio aktiv. Er wurde in Florenz in Plastik ausgebildet, und seine gut bekannte Arbeit in jenem Element ist der marmorne Bacchus (1514, Bargello). Sansovino's Libreria Vecchia (Alte Bibliothek, 1536-1588) im Piazzetta San Marco in Venedig, ist das am meisten bewunderte Renaissance Gebäude seiner Art. Eine analoge Struktur in Florenz, der Uffizi (1560-1580), wurde von Giorgio Vasari für das Haus der Medici Familie entworfen; es ist jetzt ein Museum. Vasari schrieb die erste systematische Biographie der italienischen Künstler, Leben der Künstler (1550, erweitert 1568, übersetzt 1912-1914, 10 Bände).
Als ein Maler kombinierte er Merkmale, die sowohl von Michelangelo als auch von Raphael geborgt wurden. Vasari war verantwortlich für die Freskogemälde Dekoration der gigantischen Kuppel der Florenz Kathedrale und für die Renovierung des Inneren von Palazzo Vecchio. Benvenuto Cellini war einer der führenden Bildhauer und Goldschmiede der Späten Renaissance. Cellini's abenteuerliches Leben wird von seiner bemerkenswerten Autobiographie, die zwischen 1538 und 1562 geschrieben wurde, gut geschildert, die übliche englische Ausgabe wurde 1960 veröffentlicht. Wie Rosso, ging er auch, zum Palast von Fontainebleau um dort zu arbeiten. Cellini's erfolgreichste Arbeit ist seine heldenhafte Bronzestatue Perseus und Medusa (1545-1554, Loggia dei Lanzi, Florenz). Der Nakte, muskulöser Held hält den blutigen abgetrennt Kopf von Medusa hoch in der Luft, als er den Piazza della Signoria, der Hauptplatz von Florenz, überschaut. Die Arbeit von Giambologna, genannte Jean Boulogne in Frankreich, ein Flämischer Bildhauer und Architekt der nach Italien umsiedelte, ist charakteristisch für ein Manneristen. Die Vergewaltigung der Frau Sabine (1583), welches in der Nähe von Cellini's Perseus im Loggia dei Lanzi steht, wird aus drei verbundenen nackten Figuren zusammengesetzt. Diese Skulptur, die Giambologna aus einem einzelnen Block Marmor meißelte, bei dem er absichtlich die Vorderseite vermied, versuchte er einen Effekt von gewaltsamer Bewegung zu erreichen, wenn man es von irgendeiner Seite ansieht. Einer von Pontormo's Nachfolgern, der Maler Agnolo Bronzino, war im Manierismus der meiste exquisiteste Portraitist, der sehr von den Medici angesehen wurde. Er malte in einer sorgfältigen Weise. In seinem melancholischen Eleonora von Toledo und Ihrem Sohn Giovanni (1545?, Uffizi), dessen Gemälde vom prächtigen Kleid von Cosimo de' Medici's Frau die Figuren im Bild visuell überwältigt.
Der größte manieristische Maler in Venedig war Jacopo Robusti, genannt Tintoretto, er versuchte die reiche Farbe von Titian mit der mächtigen Linie von Michelangelo zu kombinieren. Er zeigte eine schreckliche Virtuosität in der Handhabung von Ölfarbe und führte seine zahlreichen und oft monumentalen großen Kommissionen schnell durch. Tintoretto wurde für optische Wirkungen, außergewöhnliche Zusammenstellungen und Wiedergabe von Licht verwendet, alles herrliche demonstrierte er in seinen 56 riesigen Gemälden für den Scuola di San Rocco in Venedig.

1500 - 1600

Reformation

 

Manierismus

1501 Michelangelo: Marmordavid Florenz
1502 Friedrich der Weise von Sachsen gründet die Universität Wittenberg
1504 Franz Taxis richtet öffentliche Reiterpost zwischen Brüssel und Wien ein - Erasmus von Rotterdam: Enchiridion multis christiani
1505 Technik Drehbank mit Fußantrieb - Leonardo da Vinci entwirft Schleifmaschine / Gewindebohrer

1504

Leonardo und Michelangelo in Florenz

1506 Johannes Reuchlin: Rudimenta hebraica (Lehrbuch der hebräischen Sprache) - Leonardo da Vinci vollendet die "Mona Lisa"

1506 - 1626

Bau des Petersdoms in Rom

1507 Führende Rolle des deutschen Bergbaus in der europäischen Wirtschaft 1507 Venedig: Verbesserung der Technologie zur Herstellung von Spiegeln - Peter Henlein (Nürnberg) baut tragbare Uhren mit Federzug
1508 (†) 1508: Conrad Celtes (*1459) Fugger erwerben umfangreiche Ländereien
1509 Lucas Cranach d. Ä. : Venus und Amor
1510 Leonardo da Vinci erfindet horizontale Wasserräder - England: Bau von Zweideckschiffen (Segel-Linienschiffe) mit 70 Kanonen
Sandro Botticelli (65) Stirbt 1510 in Firenze; begraben in der Chiesa di Ognissanti am 17. März 1510
1512 Thomas Murner: Satiren "Narrenbeschwörung" und "Schelmenzunft"
1513 Frankreich: Entwicklung von staatlichen Manufakturen (Waffen und Tapeten) Machiavelli: "Il Principe" ("Der Fürst", gedruckt 1532)
1515 Grünewald: Isenheimer Altar Johann Schöner: Erdglobus - La Casa brandmarkt in Spanien die grausame Behandlung der Indianer, Tizian "Zinsgroschen"- H. Brüggemann: Der heilige Christopherus (Schleswiger Dom) - Erster Teil der "Epistolae obscurorum virorum" ("Briefe der Dunkelmänner") hauptsächlich von Crotus Rubianus

1516

Kaffee in Europa

Thomas Morus: Utopia

1524 - 1526

Bauernkriege

gewaltsame Erhebung der Bauern und einiger Städte in Süd- und Mitteldeutschland 24/25 und Tirol 26

1517 Martin Luther schlägt 95 lateinische Thesen an die Schlosstür der Kirche in Wittenberg Zweiter Teil der Dunkelmännerbriefe unter Mitarbeit von Ulrich von Hutten zur Verteidigung der Humanisten Hans Sachs: "Das hofgesind Veneris" (erstes Fastnachtsspiel)
1518 Fahrbare Feuerspritze - Entwicklung einer Brille für Kurzsichtige - Adam Riese: Rechenbuch
1520 Martin Luther: Reformatorische Schriften "An den christlichen Adel deutscher Nation von des christlichen Standes Besserung", "Von der Freiheit eines Christenmenschen" Ulrich von Hutten: "Vadiscus oder die römische Dreifaltigkeit" (Kampfaufruf gegen Rom) Erasmus: "Antibarbari"(gegen die Scholastik) Jakob Wimpheing: "Gravamina nationis Germanicae" (wider kirchliche Missstände)
1521 † Leo X. (= Lorenzos Sohn Giovanni de’ Medici) Michelangelo arbeitet bis 1534 an der Grabkapelle der Medici in S. Lorenzo 1521 Philipp Melanchthon: "Loci communes rerum theologicarum" (Lehrbuch des evangelischen Glaubens) Heinrich VIII. von England: "assertio septem sacramentorum" (Verteidigung des alten Glaubens gegen Luther)
1522 Thomas Murner: "Von dem großen Lutherischen Narren" - Erster Druck von Luthers Übersetzung des Neuen Testaments. Ulrich Zwingli: "Vom Erkiesen und Freiheit der Speisen" (gegen die Fastengebote)
1523 A. Dürers erste Fassung der Proportionslehre (†) 1523: Ulrich von Hutten (*1488) Martin Luther: "Von der Ordnung des Gottesdienstes in der Gemeinde" Hans Sachs: "Die Wittenbergisch Nachtigall"
1524 Erasmus: "De libero arbitrio" (Abhandlung vom freien Willen)
1525 Martin Luther: "Wider die mörderischen und räuberischen Rotten der Bauern"

1526

Dürer: "Erasmus" ° "Melanchton"

1527

Baldassar Castiglione: "Il Cortegigiano" (höfische Bildungslehre)
1528 Kaiser Karl V. verpfändet (bis 1546) Venezuela an das Handelshaus der Welser und gewährt Sklavenhandelsmonopol - Dürer: Vier Bücher von der menschlichen Proportion 1528 Erasmus: "Ciceronianus" (Dialog gegen die Überbewertung Ciceros) - L. Cranach d. Ä.: Das Urteil des Paris
1529 Ulrich von Hutten: "Arminius"(Als Vorbild für den deutschen Kampf gegen Rom)"
1531 Antwerpen: Eröffnung der ersten Börse
1533   (*) Michel Eygiem de Montaigne, geboren am 28. Februar 1533  
1534 Lutherbibel
1536 Hanse verliert Einfluss in Skandinavien nach der Niederlage Lübecks

ab1536

Paracelsus: "Große Wundarzney" Paracelsus *11.11.1493 +24.09.1541 War der Wegbereiter der neuzeitlichen Medizin und verfasste neben zahlreiche medizinische Werke auch theologische, religionsphilosophische und sozialpolitische Schriften.
1539 Gegossene Bleiröhren für Wasserleitungen
1540 Ausbreitung der spanischen Mode
1541 Paracelsus verwirft die Alchemie
1542 Schreibfeder aus Metall
1543 Kopernikus' Buch über die Umläufe der Himmelskörper De revolutuionibus arbium coelestium (Über die Kreisbewegungen der Himmelskörper)

1544

Martin Luther: "Wider das Papsttum zu Rom, vom Teufel gestiftet"
1545 Perseus-Statue in Florenz
1547 "Holländische Windmühlen" mit drehbarer Dachhaube
1548 Kartoffel nach Europa
1549 Sigismund von Herberstein: "Rerum Moscoviticarum Commentarii" (Reisebericht über Russland, dt. Übersetzung 1557)

1552

Etienne Jodelle : "Cléopatre captive" (erste französische Renaissancetragödie)
1554 Gerhard Mercator : Europakarte "Das Leben des Lazarillo de Tormes" (erster spanischer Schelmenroman)
1555 Augsburger Religionsfriede Jörg Wickram: "Rollwagenbüchlein" (Schwanksammlung)
1558 Hamburg: Eröffnung einer Börse P. Bruegel: Kinderspiele
1559 P. Bruegel: Sprichwörter
1560 Leichensezierung wieder gestattet
1560 Giorgio Vasari beginnt die Uffizien in Florenz
1561 Julius Caesar Scalinger: Poetik (klassische Regeln der Dichtkunst)
1562 Torquato Tasso: Epos "Rinaldo"

1563

Brueghel: "Turmbau zu Babel"

Ambroise Pare: Fünf Bücher über Chirurgie
1566 England: Gründung von Banken P. Bruegel: Bauernhochzeit
1567 London: Gründung einer Börse
 

Kolonialisierung

1571

20.5.: Heilige Liga zwischen Pius V., Phillip II., Venedig, Savoyen, Genua und Johannitern gegen die Türken. 7.10.: Die gemeinsame Flotte unter Don Juan d´Austria besiegt die türkische Flotte in der Bucht von Lepanto vernichtend.

24.5.: Die Krimtataren erscheinen zum letztenmal in Moskau und brennen es nieder.

Gründung von Manila (Hauptstadt der Philippinen).

Kepler 27.12.1571 um 14 Uhr 30 geboren in Weil der Stadt (Württemberg)

Bartolomeu Ammanati Neptunsbrunnen vor dem Palazzo Vecchio in Florenz.

Tizian malt die "Dornenkrönung"

Francois Vieta: "Canon mathematicus" ( Tafel der Winkelfunktionen).

1572

13.05. wird Gregor XIII. Papst. Er war Vertreter der Gegenreformation.

18.07.: Nach der Eroberung von Briel an der Maasmündung durch die Seegeusen erheben sich Seeland und Holland gegen die spanische Herrschaft und ernennen Wilhelm von Oranien zu ihrem Stadthalter.

Auf Pius V. folgt Ugo Boncompagni als Papst Gregor XIII.

Massaker an Hugenotten in Frankreich

In Polen endet die Jagiellonen-Dynastie

Bartholomäusnacht

Geschütze verdrängen endgültig die Steinschleudern

Pierre de Ronsard: "La Franciade".

Luis de Camôes: "Os Lusiadas".

Fertigstellung des Maximilangrabmals in der Hofkirche in Innsbruck

Tycho Brahe entdeckt im Sternbild Cassiopeia einen neuen Stern ("Nova"); er weist nach, daß Kometen keine Erscheinung der Erdatmosphäre sein können.

1573

Die Konföderation arbeitet die "Pacta conventa" aus, auf die sich jeder zukünftige polnische König verpflichten muß, u.a. Verzicht auf die Erblichkeit der Krone. Polen wird damit zur Wahlmonarchie.

Julius Echter von Mespelbrunn wird Fürstbischof von Würzburg und Herzog von Franken. Gregor XIII. setzt eine Kardinalskongregation ein, um die Durchführung der tridentinischen Beschlüsse in Deutschland zu über-wachen.

Francois Hotmann: "Francogallia".

Paolo Veronese: "Gastmahl des Levi";

Kathedrale von Mexico-City bis 1667.

Der polnische Mathematiker Strumienski beschreibt erstmals eine Wasserwaage.

1574

Deutschland: Erste öffentliche Geldlotterien

Die Spanier besiegen das oranische Heer auf der Mooker Heide. Spanien verliert Tunis endgültig an die Türken. Der im Vorjahr zum polnischen König gewählte Heinrich von Anjou wird in Krakau gekrönt, verläßt aber nach dem Tod seines Bruders Karl IX. Polen und besteigt als Heinrich III. den französischen Thron. Erneuter Ausbruch des französischen Bürgerkrieges.

Beginn des Sklavenhandels der Portugiesen nach Brasilien.

Torquato Tasso verfaßt das Epos "La Gerusalemme liberata" (Das befreite Jerusalem)

1574

Bauernkriege

1575

Kaiser Maximilians Sohn Rudolf wird zum König von Böhmen gewählt. Stephan Báthory setzt sich gegen den mit ihm in Doppelwahl zum polnischen König gewählten Kaiser Maximilian durch.

Gründung der Universitäten Warschau und Leyden.

Kaiser Maximilians Sohn Rudolf wird zum König von Böhmen gewählt. Stephan Báthory setzt sich gegen den mit ihm in Doppelwahl zum polnischen König gewählten Kaiser Maximilian durch.

Gründung der Universitäten Warschau und Leyden.

Die nichtkatholischen Stände Böhmens geben sich ein gemeinsames Glaubensbekenntnis, die "Confessio Bohemica". Gregor XIII. erkennt das von Filippo Neri gegründete Oratorium als Kongretation an.

Gründung der calvinischen Universität Leiden.

Sie wird zum Zentrum für neue Naturwissenschaften

1576

Keplers Eltern übersiedeln mit ihm nach Leonberg.

Nach dem Tod Maximilians II. folgt sein Sohn als Kaiser Rudolf II. Die südlichen und nördlichen Provinzen der Niederlande vereinigen sich zur Vertreibung der Spanier und zur Aufrechterhaltung ihrer Privilegien in der "Pazifikation von Gent". Heinrich von Navarra stellt sich an die Spitze der Hugenotten, die im Frieden von Beaulieu weitgehende Rechte erhalten.

Pest in Venedig, Ende des venezianischen Wohlstands.

Std-Ausgabe der Werke Ficinos erscheint in Basel (als Op. zitiert)

Bau des ersten ständigen Theaters vor den Toren Londons.

Johann Fischart: "Das Glückhaft Schiff von Zürich". Jean Bodin "Six livres de la République" (natürliche Lehre von der Souveränität.)

Der Meistersinger Hans Sachs stirbt in Nürnberg.

Tycho Brahe errichtet auf der Insel Hven im Sund seine Sternwarte Uranienborg.

Herzog Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel gründet die Universität Helmstedt.

Florenz: Medici-Porzellan (Nachahmung des chin. Porzellans)

1577

Der neue Generalstatthalter Don Juan d´Austria (30) bestätigt im "Ewigen Edikt" die Genter Pazifikation, jedoch unter alleiniger Anerkennung der katholischen Religion. Dagegen Protest Hollands, Seelands und Wilhelms von Oranien. Danzig huldigt König Stephan Báthory von Polen.

Auf den Theologenkonventen zu Torgau und Klosterberge wird die neue streng lutherische Bekenntnisschrift, die "Konkordienformel", redigiert.

Gründung des Botanischen Gartens in Leiden.

1578

Kepler besucht unregelmäßig die Schulen, da seine Eltern öfters umziehen.

Alessandro Farnese (33), Sohn Margaretes von Parma, folgt nach dem Tod Juan d´Austrias als Statthalter der Niederlande und gewinnt die südlichen Provinzen für Spanien zurück.

Erzherzog Karl (38) macht den protestantischen Ständen in seinen innerösterreichischen Landen im "Brucker Libell" Zugeständnisse. Duldung der Mennoniten in den Niederlanden. Marokkaner besiegen Portugiesen, innere Krise in Portugal.

Polen besiegen Russen bei Wenden (Livland).

Johann Fischart (32) "Ehezuchtbüchlein".

Gründung der Universität Wilna aus einer Jesuitenschule.

Martin Frobisher sucht nördlichen Seeweg um Amerika nach Asien; er gelangt bis zur Baffin-Insel (Frobisher Bay) und in die Hudson-Straße.

Johann Fischart: "Ehezuchtbüchlein"

1579

Die südlichen Provinzen der Niederlande vereinigen sich im Bund von Arras und schließen gegen die Zusicherung ihrer alten Verfassung und unter Wahrung der katholischen Religion Friede mit Spanien. Demgegenüber verbünden sich die nördlichen Provinzen in der "Utrechter Union". Irischer Aufstand gegen die englische Herrschaft (bis 1583).

Krieg des Türkischen Reiches gegen Persien (bis 1590).

Entsendung des ersten päpstlichen Nuntius in die Schweiz. Gründung des "Collegium Anglicanum" in Rom.

Edmund Spenser (etwa 27): "The Shepherd`s Calendar" (Schäfergedichte).

Tintoretto malt "Das Paradies".

1580

Kepler kann bis 1583 überhaupt keine Schule besuchen, da er auf dem Land arbeiten mußte.

Die Niederlande beginnen die Kolonisierung von Guayana. Philipp II. von Spanien (53) setzt nach dem Tod König Heinrichs (68) seine Erbansprüche mit Waffengewalt durch und vereinigt Portugal in Personalunion mit Spanien (bis 1640). Herzog Alba (73) besiegt die Portugiesen in der Schlacht von Alcántara bei Lissabon. Die Schweden unter Pontus de la Gardie (50) erobern im Kampf gegen die Russen Estland und Ingermanland (bis 1581).

"Konkordienbuch", Sammlung der lutherischen Bekenntnisschriften als Lehrgrundlage für das orthodoxe Luthertum.

Torquato Tasso (36): "Aminta" (Schäferspiel).

Wollaton-Castle bei Nottingham begonnen. Andrea Palladio (72) Teatro Olimpico in Vicenza.

1581

Niederlande sagen sich vom spanischen Reich los.

Gründung des Großherzogtums Finnland (bis 1917).

Entstehung des Ambraser Liederbuches.

Orlando di Lasso gewinnt beim Musikwettbewerb in Evreux für die beste Cäcilienmotette die Silberne Orgel.

1582

Beginn der russischen Eroberung Sibiriens.

Wirtschaftliche Blüte des Ming-Reiches in China.

Anfänge von Zuckerrohr-Anbau auf Barbados und Martinique.

Einführung des Gregorianischen Kalender durch Gregor XIII.

Erfindung eines Pumpenwerkes für die Londoner Wasserversorgung.

Gründung der Universität Würzburg.

Fürstbischof Julius Echter gründet die gegenreformatorische Universität Würzburg

1583

Kepler besteht die Aufnahme in die Klosterschule von Adelsberg (Unterstufe des theologischen Seminars).

Erste russische Sträflinge nach Sibirien verbannt.

Spielkartensteuer in Frankreich.

Frankreich: Spielkartensteuer

"Raub der Sabinerin": Kapitelstreit zwischen evangelischen und katholischen Domherren.

Pendelbeobachtungen Galileo Galileis am Kronleuchter im Dom zu Pisa.

1584

Franz von Anjou stirbt Heinrich von Navarra ist Anwärter auf den französischen König.

Fjodor I. wird Zar von Rußland, Regierung führt sein Schwager Boris Godunow.

Gründung der zeitweiligen englischen Kolonie Virginia in Nordamerika.

Gründung der Hafenstadt Archangelsk durch die Russen.

Justus Lipsius: "De constantia" (Wiedererweckung des Stoizismus)

Giordano Bruno veröffentlicht in England "Von der Ursache, dem Prinzip und dem Einen" sowie "Vom unendlichen All und den Welten".

Schnell-Ladegewehr

1585

Alesandro Farnese unterwirft Flandern und Brabant und erobert Antwerpen.

Elisabeth I. sendet den niederländischen Aufständischen Hilfstruppen.

Die Liga, unterstützt von Spanien und dem Papst, zwingt Heinrich III,. alle den Hugenotten gewährten Freiheiten zurückzunehmen.

Frankfurter Börse gegründet.

Amsterdam wird neuer, führender Börsen- und Handelsplatz.

Der dänische Astronom Tycho Brahe stellt ein Weltsystem mit der Erde als Mittelpunkt auf.

Herzog Karl von Steiermark gründet die katholische Universität Graz.

1586

Kepler besteht die Aufnahme in das Gymnasium in Maulbronn (Oberstufe des theologischen Seminars).

Elisabeth I. erzwingt von Jakob VI. Vertrag zum Schutz der protestantischen Kirche in Schottland.

El Greco malt "Begräbnis des Grafen Orgaz".

Neuaufstellung des ägyptischen Obelisken vor dem Petersdom.

Von Siomon Stevin, flämischer Physiker, erscheinen 3 Bücher über Mechanik (mit Beschreibung des hydrostatischen Paradoxons).

1587

Maria Stuart wird hingerichtet.

Sigismund III. (katholische Linie des Hauses Wasa) wird König von Polen; konsequente Gegenreformation auch in Polen.

Erste Christenverfolgungen in Japan.

Entstehen des Volksbuches "Historia von D. J. Fausten".

Von Christopher Marlowe erscheint "Tamburlaine the Great".

Venedig: Erste öffentliche Girobank

1588

Niederlage der Armada gegen England.

Dänemark wird führende Wirtschaftsmacht Skandinaviens (bis 1620).

Elisabeth I. und Pirat Drake vernichten die Armada

Erste gedruckte Ausgabe der "Historia von D. Johann Fausten" in Frankfurt a. M. 1588 Christopher Marlowe: "The Tragicall Historie of Doctor Faustus" (gedruckt 1604)

1588 - 1679

Materialismus

Thomas Hobbes

 

Thomas Hobbes (1588 - 1679)

Thomas Hobbes (1588 - 1679)

Der englische Philosoph Thomas Hobbes studierte am Magdalen College in Oxford. Er hatte in England Verbindung mit Francis Bacon und Herbert of Cherbury. Auf seinen Reisen auf dem europäischen Kontinent lernte er Galilei und den Kreis um Mersenne kennen. Hobbes gehörte zum Newcastle-Circle um William und Charles Cavendish.

Seine philosophische Tätigkeit begann relativ spät. Wie Galilei und Descartes betrachtet Hobbes die geometrische Methode als die einzige, die uns sichere Erkenntnis geben kann.

Hobbes hat die Logik als die Wissenschaft von den Wegen und Methoden der Unterscheidung von Lüge und Wahrheit definiert.

Hobbes war in der Logik ein Anhänger der nominalistischen Lehre der Stoiker. Das Denken ist nach Hobbes Verbinden und Trennen von Namen. Addieren und Subtrahieren kann man nicht nur Größen und Körper, sondern auch Begriffe (Namen), Beziehungen, Sätze und Wörter.

Die Addition von zwei Begriffen ergibt ein Urteil, die Addition von zwei Urteilen einen Syllogismus, und die Addition von mehreren Syllogismen eine Beweisführung.

Namen unterteilt Hobbes in positive und negative, in individuelle und allgemeine, einfache und zusammengesetzte, eindeutige und vieldeutige, primäre und sekundäre.

Um einen Begriff zu bestimmen, muß man nach Hobbes eine Bedeutung des Namens fixieren und von allen anderen Bedeutungen abgrenzen. Eine Definition ist ein Urteil, dessen Prädikat das Subjekt zergliedert, wenn das möglich ist, und es erklärt, wenn dies nicht möglich ist.

Das Urteil definiert Hobbes als verbalen Ausdruck aus zwei Namen, die durch eine Kopula verbunden sind.

Die Urteile unterteilt er in bejahende und verneinende, in allgemeine, partikuläre und indefinite, in apodiktische und akzidentielle, kategorische und bedingte.

Die bedingten Urteile hat Hobbes näher analysiert. Er nahm an, daß man mit bedingten Urteilen sicherer schließt als mit Hilfe kategorischer Urteile.

Hobbes akzeptierte nur drei Figuren des kategorischen Syllogismus. Als Beweis bezeichnet Hobbes eine Folge von Syllogismen, die auf der Definition von Begriffen aufbauen und bis zum letzten Schluß durchgeführt sind.

Die Grundbegriffe der Metaphysik von Hobbes stammen aus Galileis Kinematik und Mechanik. Hobbes überträgt diese Begriffe auch auf die Humanwissenschaften und die politische Philosophie.

Das Universum mit allem, was es beinhaltet, ist Stoff und Materie, ist in ständiger Bewegung. Dies gilt auch für mentale Phänomene und für die Gesellschaft als ganze.

Hobbes teilt mit Descartes die Ansicht, daß ein Körper nur dann einen anderen beeinflussen kann, wenn er durch Berührung auf diesen eine Bewegung überträgt. Die Welt, die wir sinnlich wahrnehmen, ist die Wirkung der bewegenden Materie auf unsere Sinnesorgane. Die Sinnesqualitäten (Farbe, Geschmack, Geruch usw.) sind also subjektiv.

Empiristisch ist auch die Auffassung, daß jede Idee, gleichgültig ob es sich um eine Wahrnehmung, eine Erinnerung, eine bloße Vorstellung oder einen Begriff handelt, die Wirklichkeit repräsentiert, indem sie sie abbildet. Alles Denken, so Hobbes, ist Berechnung, wie wir sie von der Mathematik her kennen.

Hobbes ist Determinist. Alles was geschieht, hat eine Ursache, die das, was geschieht, notwendig macht. Es gibt nur eine Art Ursachen, nämlich wirkende Ursachen.

Hobbes bestreitet nicht, daß wir einen freien Willen haben. Es ist aber, strenggenommen, nicht der Wille, der frei ist; frei sind Handlungen und Menschen. Freiheit besteht in der Abwesenheit von äußeren Hindernissen. Ein freier Mensch ist daher eine Person, die nicht durch äußere Verhältnisse daran gehindert wird zu tun, was sie will. Freiheit ist Handlungsfreiheit, und diese kann mehr oder weniger groß sein. Determinismus und Freiheit sind daher vereinbar.

Hobbes hat seine politische Philosophie u. a. in seinem Leviathan (1651) dargelegt. In diesem Werk argumentiert Hobbes mittels eines Gedankenexperiments für die Notwendigkeit einer absoluten, unteilbaren Regierungsmacht (Souverän). Er fordert den Leser auf, sich vorzustellen, was geschehe, wenn die zentrale politische Macht aufgelöst würde. Gäbe es keinen Souverän, würden die Menschen in einem gesellschaftslosen Zustand leben, in dem sich alle gegenseitig bekriegen. Dies liegt daran, daß die Menschen egoistisch sind und vor allem vom Selbsterhaltungstrieb bewegt werden.

Es ist möglich, eine Reihe von Gesetzen zu formulieren, von denen die Menschen sich leiten lassen, wenn sie im Naturzustand vernünftig, d. h. in Übereinstimmung mit ihrem wohlverstandenen Eigennutzen handeln. Diese Gesetze sind das Naturrecht. Ihm zufolge gibt es nur einen Grund, daß wir einander nicht aus Unsicherheit bekriegen: die Existenz einer Zentralmacht, die die Menschen vor gegenseitigen Übergriffen schützt. Befindet sich eine Gruppe von Menschen im Naturzustand, dann wäre es vernünftig, zu diesem Zweck einen Souverän einzusetzen und einen Vertrag zu schließen, der eine Gemeinschaft bzw. Gesellschaft stiftet.

1589

Im Bethener Vertrag verzichtet Österreich auf Polen.

Heinrich IV. von Navarra, König von Frankreich (bis 1610), Dynastie der Bourbonen.

Eßgabeln am französischen Hof eingeführt.

Kepler studiert in Tübingen Theologie, Astronomie und Mathematik.

"Neue geistliche und weltliche Lieder mit fünf und vier Stimmen" von Johannes Eccard erschienen.

Galileo Galilei lehrt an der Universität Pisa.

Richard Hakluyt veröffentlicht "The principal navigations, voyages, traffiques und discoveries of the English nation".

1590

Heinrich IV. belagert Paris; spanische Truppen in der Bretagne.

Deutschland: Steinkohlegewinnung im Ruhrgebiet

Galileo Galilei unternimmt Fallversuche

Jakob Handl, genannt "Gallus", beendet Herausgabe seines "Opus musicum harmoniarum".

Tintoretto malt "Das Paradies" (Riesenfresko im Dogenpalast in Venedig).

Erfindung des Mikroskops.

Beginn der Kohlewirtschaft.

1591

Einfall des Paschas von Bosnien in das österreichische Kroatien.

Spanische Truppen in Paris; Beginn der niederländischen Gegenoffensive gegen Spanier

Windmühlen als Antriebsmaschinen.

Kepler erlangt den Grad eines Magisters und immatrikuliert an der Theologischen Fakultät.

Francois Viete führt in seinem Buch "Ars analytica" die algbebraische Schreibweise ein, gilt als Erfinder der modernen Algebra.

1592

John Davis entdeckt die Falkland-Inseln.

Sigismund III. (Wasa), König von Polen, wird auch König von Schweden (bis 1599).

Koreanische Seesiege gegen japanische Invasionsversuche.

William Shakespeare "Richard III."

Galilei erhält den Lehrstuhl für Mathematik an der Universität Padua.

Steingutherstellung in Delft (Niederlande).

Michel de Montaigne (59) Stirbt am 13. September 1592 auf St. Michel de Montaigne

1592

* Montaigne

Michel E. de Montaigne (1533 - 1592)

Der französische Humanist und Philosoph Michel de Montaigne bildet studierte Rechtswissenschaften. Er wurde 1557 Parlamentsrat, später Bürgermeister von Bordeaux. 1570 gab er dieses Amt auf und zog sich auf seinen Herrensitz zurück. Dort schrieb er seine Essais, die seine stoische Geringschätzung für den Wert und die Bedeutung äußerer Dinge zum Ausdruck bringen.

In seiner Apologie für Raimond Sebond versucht er unter Berufung auf Sextus Empiricus, einen milden, konservativen Skeptizismus zu entwickeln. Montaigne verband dabei die an der römischen Stoa geschulte Renaissancephilosophie mit der antiken Skepsis.

Nach Montaigne können weder die Sinne noch die Vernunft des Menschen wahre Erkenntnis geben. Der Versuch einer rationalen Begründung der Erkenntnis gerät entweder in einen unendlichen Regreß oder einen Zirkelschluß. Die einzige Möglichkeit eines fundierten Wissens in einer sich dauernd verändernden und die Menschen verwirrenden Welt ist - so Montaigne - deshalb die Gewohnheit.

Mit seinen Essais schuf Montaigne die literarische Form des Essays.

1593

Heinrich IV. tritt zum katholischen Glauben über. "Paris ist eine Messe wert".

Österreich wehrt türkische Eroberung des habsburgischen West-Ungarns ab (bis 1615). Japanische Armee besetzt Korea, von den Chinesen zum Rückzug an die Südküste gezwungen.

Shakespeare verfaßt die Lyrikbände "Venus und Adonis" sowie "Die Schändung der Lucretia".

Galilei entwickelt das erste Thermometer (mit Gasfüllung), das Temperaturänderungen anzeigt, aber nicht messen kann.

1594

Huggenottenkönig Heinrich III. wird als Heinrich IV. zum König von Frankreich gewählt.

Kepler im April: Übersiedlung nach Graz als Lehrer für Astronomie an der Stiftsschule und Landschaftsmathematiker.

Auffühung der ersten Oper in Florenz: "Daphne" von J. Peri.

Erster Bücherkatalog auf der Leipziger Messe.

2. 12.: stirbt Kartograph Mucatr 82-jährig in Duisburg. Berühmt für: Zylinderprojektion, für Darstellung der Erdoberfläche.

Galileo Galilei entdeckt die "Goldene Regel" der Mechanik, das mechanische Energieerhaltungsgesetz

1595

Heinrich IV. erklärt Phillip II. von Spanien den Krieg.

Michael der Tapfere verbündet sich mit Kaiser Rudolf II. und besiegt die Türken bei Calugareni.

In Schweden wird der katholische Gottesdienst verboten

9. Juli: Kepler entdeckt das "Weltgeheimnis"; Geheimnis des Weltbaus

erster Kalender.

Shakespeare: "Merchant of Venice", "Ein Sommernachtstraum", "Romeo und Julia", "Richard II.", "Der Widerspenstigen Zähmung".

Torquato Tasso stirbt. In Schweden wird der katholische Gottesdienst verboten.

Michelangelo da Caravaggio malt "Bacchus".

Erste niederländische Expedition ins heutige Indonesien.

1596

Heinrich IV. verbündet sich mit England und den Niederländern gegen Spanien.

Sigismund III. verlegt polnische Hauptstadt von Krakau nach Warschau.

Niederösterreichischer Bauernaufstand (bis 1597).

Erzherzog Ferdinand weist protestantische Prediger aus Graz aus.

Kepler "Mysterium Cosmographicum" veröffentlicht.

Shakespeare: "König John".

Hans Haßler komponiert "Neue teutsche Gesang".

Barentsz entdeckt Spitzbergen und überwintert auf Nowaja Semlja;

Rene Descartes geboren; Galileo Galilei erfindet das Thomaskop.

1596 - 1716

Kontinentaler Rationalismus

Descartes 1596-1650

Spinoza 1632-1677

Leibnitz 1646-1716

Sokrates -- Platon -- Augustinus -- Descartes

Sie hielten die Vernunft für die einzige sicher Quelle der Erkenntnis. Nach umfassenden Studien erkannte Descartes, daß auf das überlieferte Wissen aus dem Mittelalter nicht notwendigerweise Verlaß war. Ihn beschäftigte das, was wir wissen können, also die Frage nach der Sicherheit unserer Erkenntnis. Die zweit große Frage, war das Verhältnis zwischen Körper und Seele.

1596 - 1650

René Descartes

René Descartes

Der französische Philosoph und Mathematiker René Descartes (lat. Renatus Cartesius) Descart wurde an der Jesuitenschule in La Flèche ausgebildet.

Nachdem Descartes einige Jahre mit juristischen und medizinischen Studien verbracht hatte, ging er 1618 auf Reisen und beschäftigte sich mit den Arbeiten Galileis. 1618 trat er in den Militärdienst ein, der ihn auch nach Deutschland führte. Hier faßte er den Entschluß, eine einheitliche Naturwissenschaft auf mathematischer Basis zu errichten. Descartes gab 1621 den Kriegsdienst auf und reiste in den folgenden acht Jahren durch Europa, um Forschungen zu betreiben und mit den verschiedensten Gelehrten zu diskutieren.

Er entwickelte seine Philosophie in Konfrontation mit der mittelalterlichen Philosophie. Er forderte die Gelehrten auf, sich von vorgefaßten und überlieferten Ansichten, vom Glauben an die Autorität zu befreien.

Der Erkenntnisprozeß muß nach Descartes mit dem Zweifel, mit der kritischen Prüfung des Erreichten beginnen, aber man darf nicht an der Tatsache des Zweifels selbst zweifeln. Cognito, ergo sum (ich denke, also bin ich), sagte Descartes.

Der Zweifel ist nach Descartes ein Verfahren zur Ermittlung von unbestreitbaren Wissenselementen.

In der aristotelischen Logik sah Descartes viele gute Regeln. Aber an ihnen haftet, so Descartes, Schädliches und Überflüssiges. So erklärt der Syllogismus seiner Ansicht nach eher das, was wir bereits wissen, als das, was wir wissen müßten.

Anstelle der großen Anzahl von Regeln der Logik schlug Descartes vier Regeln vor:

das Evidente als wahr nehmen,

das Ganze in Teile zerlegen,

die Untersuchung mit dem Einfachsten und Kleinsten beginnen und

nichts auslassen

Klarheit und Zerlegbarkeit, das sind nach Descartes die Wahrheitskriterien, und zur Wahrheit führen Intuition, Deduktion, Induktion, Komparation und Analogie.

1597

Auf Nowaja Semlja bricht Skorbut aus.

Spanische Flotte wird beim Angriff auf England vom Sturm zerstört.

Post wird kaiserliches Regal

Kepler 27. April: Heirat mit Barbara Müller.Er wohnt in der Stempfergasse; arbeitet auch als Erfinder.

Einrichtung einer ständigen Nuntiatur für die spanischen Niederlande in Brüssel.

Giovanni Gabrieli: "Sacrae symphoniae".

Erste Monatszeitschrift erscheint in Augsburg.

20. 6. stirbt Polarforscher Barentsz vor der Westküste der Inselgruppe.

Wiliam Shakespeare: "The Gentle Craft" (Handwerkerroman)

1598

Heinrich IV. und Phillip II. schließen Frieden.

Boris Godunow besteigt den russischen Thron.

Niedergang Spaniens unter Philipp III.

Hansekontor in London im Konflikt der Hanse mit England geschlossen (Niedergang der Hanse).

Die evangelische Stiftsschule in Graz wird geschlossen, alle protestantischen Prediger und Lehrer müssen die Stadt verlassen.

Keplers erstes Kind wird geboren, stirbt aber nach einem Monat. Wird zum ersten Mal aus Graz vertrieben.

Shakespeare: "Heinrich IV. und Heinrich V.", "Viel Lärm um Nichts"

Merry Wifes of Windsor

Von Lope di Vega erscheint "Arcadia".

Zweite niederländische Expedition nach Indonesien.

Blütezeit der alchemistischen Goldherstellung

1599

Kalabrischer Aufstand wird von der spanischen Regierung in Neapel niedergeworfen.

Mit Absetzung Sigismund III. als König von Schweden Scheitern der Gegenreformation in Schweden.

Erstes Gewächshaus in Leiden.

Marseille: Erste Handelskammer

Kepler darf nach Graz zurückkehren. Briefwechsel mit Tycho Brahe.

Shakespeares Theater in London in "Globe" umbenannt. As You Like It - Julius Caesar

Von Ben Jonson erscheint "Every man out of his humor".

Tycho Brahe wird kaiserlicher Hofastronom in Prag.

William Gilbert, englischer Naturforscher und Arzt, begründet die Lehre vom Erdmagnetismus.

Geburt von Velasquez und van Dyke.

1600

Moritz von Oranien, Statthalter der Niederlande, besiegt das spanische Heer bei Newport und befreit den Norden.

Gründung der englischen East India Company, Beginn der englischen Handelsexpansion in Übersee.

Niederländische Brillenmacher erfinden das Fernrohr

Galileo Galilei erkennt das Trägheitsgesetz der Körper

Kepler beobachtet eine Sonnenfinsternis am Hauptplatz von Graz. Ausweisung aus Graz, Übersiedlung nach Prag zu Tycho.

Shakespeare: "Julius Caesar", "Die lustigen Weiber von Windsor", Was ihr wollt".

Tommaso Campanella entwirft "Sonnenstaat", die Utopie eines von Priesterphilosophen geleiteten Staats.

Peter Paul Rubens geht nach Italien.

Caravaggio malt "Die Bekehrung des Saulus".

John Napier, schottischer Mathematiker, erfindet Rechenstäbchen.

Giordano Bruno wird von der Inquisition in Rom verbrannt.

1600 - 1770

Barock

aus der it. Renaissance und dem Amnierismus entstandener Kunststil, der sich über Europa und seine Kolonien verbreitet. Üppige, kontrastreiche Formen. Spannung zwischen unversöhnlichen Wiedersprüchen. Eitelkeit, Torheit, Vergänglichkeit der Dinge

30 jh. Krieg zwischen Protestanten und Katholiken, Klassenunterschiede - Hof von Versailles

Als geistesgeschichtliche Epoche umfaßte das Barock vor allem das 17. Jahrhundert, in dem die Erfahrungen des 30 jährigen Krieges das Lebensgefühl prägten. Tod und Verderben kontrastierten mit Visionen praller Lebendigkeit, und von Gott glaubte man, daß er nun doch wieder seinen Platz einnahm unter (oder über) den Menschen. Zwie lat. Sinnsprüche markieren die Pole der zwischen Furcht und Freude nur notdürftig ruhiggestellten barocken Weltsicht:

Carpe diem - Nutze den Tag

memento mori - Bedenke, daß du sterben mußt

 

Rubens

 

Rembrandt

 

Velazques

1600

Giordano Bruno wird auf dem Blumenmarkt in Rom verbrannt

Giordano Bruno (1548 - 1600)

Der italienische Denker Giordano Bruno knüpfte an die pantheistischen Gedanken der Antike an, nach denen Gott, das unpersönliche Prinzip, identisch mit der Natur ist. Daher muß - so Bruno - der Mensch nach der Erkenntnis der Natur streben und nicht nach der Erkenntnis irgendeines übernatürlichen Wesens.

Da Bruno die Verfolgungen der Kirchenhierarchie fürchtete, lebte er u. a. in Frankreich, England und Deutschland.

Zu Beginn der 90er Jahre lockte man ihn in provokatorischer Absicht nach Italien, beschuldigte ihn der Häresie und übergab ihn der Inquisition, die ihn nach langjährigem Gefängnisaufenthalt auf dem Scheiterhaufen verbrannte.

Bei Bruno beruht Wissen auf einer Erkenntnishierarchie. Nach der Wahrnehmung übersetzt der diskursive Verstand (ratio) die einzelnen im Gedächtnis gespeicherten Dinge in ein Allgemeines und ordnet sie in einer logischen Aufeinanderfolge durch analytische Beweisführung. Die Vernunft (intellectus) nimmt durch eine Intuition in einer inneren Anschauung die Ergebnisse des Verstandes auf. Schließlich identifiziert der Geist (mens) die vorherigen Ebenen miteinander und erfaßt unmittelbar, wie in einem lebendigen Spiegel, alle Formen und Gestalten ohne logisch-diskursives Denken. Wissen findet sich nur auf der höchsten Stufe.

In der Geschichte der Logik spielten seine Ideen von der unendlichen Natur und der Vielzahl von Welten im All, über die Monade als einheitliches Prinzip der Welt, über die Beseeltheit der Materie, in welcher in Einheit das Körperliche und das Geistige, das Objektive und das Subjektive gegeben sind, eine Rolle.

Unter dem einfluß von Lullus unterzog Bruno die mittelalterliche Logik einer Kritik. Er kommentierte die Arbeiten von Lullus und versuchte, die Regeln der Kombination mit Termini der logischen Technik von Lullus zu verknüpfen.

Giordano Bruno starb als Opfer der Kirche auf dem Scheiterhaufen in Rom.

1601

Armengesetz Elisabeth I: Unterstützung der Armen und Zwang zur Arbeit in Manufakturen.

Hungersnot in Rußland mit Millionen Toten.

Kepler wird nach Tycho Brahes Tod kaiserlicher Hofastronom in Prag.

William Shakespeare: "Troilus and Gressid", "Hamlet".

1602

Schweizer Orte bekräftigen ihre Soldallianz mit Frankreich.

Gründung der "Vereinigten Niederländischen-ostindischen Kompanie.

Kepler beschäftigt sich mit der Bahnbestimmung des Planeten Mars

Adriaen de Vries vollendet den Herkulesbrunnen in Augsburg.

Galilei veröffentlicht "De motu" (Betrachtungen über den Freien Fall)

1603

Elisabeth I. stirbt kinderlos.

König Jakob I. wird Elisabeths Nachfolger.

Ende der Tudor-Dynastie.

Schah von Persien eröffnet Krieg gegen Türken.

Gründung der naturwissenschaftlichen "Academia dei Lincei" zu Rom.

1604

Jakob I. schließt mit Philipp III. von Spanien Frieden.

"Zeit der Wirren" in Rußland (bis 1612).

Perser erobern Teile Armeniens

Kepler Geburt seines Lieblingssohnes Friedrich. "Astronomiae pars optica" erscheint (erste Abhandlung über Optik).

William Shakespeare: "Othello", "Maß für Maß".

Jakob I. verbietet den Puritanern auf der Kirchenversammlung von Hampton Court kirchliche Freiheit.

Von Lope de Vega erscheinen 28 Bände "Comedias".

El Greco malt "Großinquisitor".

Pont neuf in Paris vollendet.

Ein neuer Stern ("nova") erscheint am Himmel.

1605

Paul V. neuer Papst.

Kaiser Rudolf überträgt seinem Bruder Matthias die Führung des ungarischen Krieges.

Nach dem Tod von Boris Godunow besetzen Polen Moskau (bis 1612).

Heinrich IV. von Frankreich regt erste Stadtplanung an.

Kepler "Neue Astronomie" im Manuskript fertiggestellt.

William Shakespeare: "King Lear", "MacBeth",

Johann Arnd: "Vier Bücher vom wahren Christentum".

Erste periodisch erscheinende Zeitung in Antwerpen.

1606

Ende des Türkenkrieges mit Waffenstillstand von Zsitva-Torok: Rest-Ungarn bleibt habsburgisch.

Gründung von Mannheim.

Kepler "De Stella Nova" erscheint: Abhandlung über die Nova von 1604.

Von Miguel de Cervantes erscheint der erste Teil von "Don Quijote" (zweiter Teil 1615).

Kapitän Willem Jansz landet an der nordaustralischen Küste.

1607

Maximillian V. von Bayern vollstreckt die vom Kaiser über die überwiegend protestantische Reichsstadt Donauwörth verhängte Reichsacht.

König Sigismund von Polen wirft einen Aufstand des protestantischen Adels nieder.

Englische Siedler landen in Virginia und gründen Jamestown, die älteste Dauersiedlung in Nordamerika; Tabakanbau in Virginia.

Gründung von Göteborg (Schweden)

Kepler Streit mit Tycho Brahes Erben um Erscheinen der "Neuen Astronomie".

William Shakespeare: "Antony and Cleopatra", "Coriolan".

Claudio Monteverdi: Oper "Orfeo".

Gründung der hessisch-darmstädtischen Universität Gießen.

1608

Erzherzog Matthias stellt sich an die Spitze der österreichisch-ungarischen und mährischen Ständeposition und zwingt seinen Bruder Kaiser Rudolf im Vertrag von Lieben, ihm die Herrschaft in diesen Ländern abzutreten.

Protestantische Reichsstände gründen Union als Verteidigungsbündnis.

Quebec (Kandada) von Franzosen gegründet.

Domenichino: "Martyrium des heiligen Andreas".

Caravaggio malt "Enthauptung Johannes des Täufers".

Monteverdi: Oper "Adrianna".

Der Holländer Hans Lippershey erfindet das Fernrohr.

1609

Waffenstillstand zwischen Spanien und den Niederlanden.

Gründung der Katholischen Liga unter Führung von Herzog Maximilian I. von Bayern.

Rund 600 "Hexen" im Baskenland zum Tode verurteilt.

Friedensvertrag Koreas mit Japan.

Kepler: Ellipsen

Kepler "Neue Astronomie" erscheint. Das Buch enthält die ersten beiden Planetengesetze (für den Planeten Mars).

Die 1. deutsche wöchentliche Zeitung "Straßburger Rebellion" wird herausgegeben.

Baubeginn der "Blauen Moschee" in Istanbul (bis 1616).

Henry Hudson entdeckt die nach ihm benannte Hudson-Straße und -Bay.

Galilei verbessert das in Holland erfundene Fernrohr und führt Himmelsbeobachtungen durch..

1610

Heinrich IV. von Frankreich wird ermordet.

"Aktie" erstmals bei der Niederländisch-Ostindischen Kompanie gebraucht.

Gründung des Missionsstaats der Jesuiten in Paraguay.

Kepler antwortet auf Galileis Fernrohrbeobachtungen in "Dissertatio cum nuncio sidereo".

Ben Jonson schreibt "The Alchimist"

Galilei veröffentlicht den "Sternenboten": Fernrohrbeobachtungen der vier Jupitermonde, Venusphasen und Mondgebirge.

Johann von Fabricius entdeckt Sonnenflecken und Achsendrehung der Sonne.

1611

Die böhmischen Stände setzen Rudolf II. als König von Böhmen ab. Sigismund von Polen erobert Smolensk.

Gustav II. Adolf König von Schweden.

Gründung von Montreal (Kanada) von Franzosen.

Schiffe der Niederländisch-Ostindischen Kompanie laufen die Westküste Australiens in unregelmäßigen Abständen an.

Kepler Tod der ersten Frau und seines Lieblingssohnes. Werk: "Dioptrice".

Erfindet das astronomische Fernrohr.

Endgültige Ausgabe der engl. Bibel. ("King-James-Bible").

Shakespeare vollendet Drama "Der Sturm".

"Toledo im Gewitter", Gemälde von El Greco.

Kepler beschäftigt sich mit den Schneekristallen und ihrer sechseckigen Struktur.

1612

Nach dem Tod Rudolfs II. wird sein Bruder Matthias zum Kaiser gewählt. Die Englisch-Ostindische Kompanie errichtet die erste englische Niederlassung in Indien.

Ein Aufstand in Moskau vertreibt die polnische Besatzung.

Kepler übersiedelt nach Linz als Landschaftsmathematiker. Wird von den Protestanten von der Kommunion ausgeschlossen

In Deutschland von Paaren ausgeführter Schreittanz "Allemande", in Frankreich Lauftanz "Courante", Paartanz "Bourree".

"Krakowiak" als Rundtanz in Polen, "Mazurka" als Sprung- und Drehtanz.

Simon Marius entdeckt den Andromedanebel.

1613

Der calvinische Magnat Bethlen Gábor wird zum Fürsten von Siebenbürgen gewählt.

Durch den Frieden von Knäred kommt die Festung Elfslorg, der einzige Zugang Schwedens zur Nordsee, in dänischen Pfandbesitz.

Mit der Wahl Michail Romanows zum Zaren enden die russischen "Wirren".

Holländische und englische Piraten im Roten Meer.

Benin in Westnigeria wird Zentrum des Sklavenhandels.

Kepler sucht eine Frau (aus 11 Anwärterinnen).2. Ehe mit Susanne Reutinger, 7 Kinder.

Kurfürst Johann Sigismund von Brandenburg tritt zum Calvinismus über.

Shakespeare und Fletcher vollenden das Historienspiel "Heinrich VIII.".

Claudio Monteverdi wird Kapellmeister am Markusdom in Venedig.

Der Jesuit Christoph Scheiner bestimmt die Sonnenrotation.

1614

Im Vertrag von Xanten wird der Clevesche Erbfolgestreit beigelegt: Pfalz-Neuburg erhält die Herzogtümer Sülich und Berg, Brandenburg das Herzogtum Cleve und die Grafschaften Mark, Ravensberg und Ravenstein.

Durch Maria von Medici werden die französischen Generalstände zum letztenmal vor der Großen Revolution einberufen. Schweden greift von dem seit 1611 besetzten Nowgorod aus Moskau an.

Rubens vollendet seine "Kreuzesabnahme".

El Greco malt "Mariä Himmelfahrt".

Sohn Napier "Marifici logarithmorum canonis descriptio" (Erfindung und Namengebung der natürlichen Logarithmen).

Gründung der Universität Paderborn.

Eröffnung der calvinischen Universität Groningen.

1615

George Villiers, später Herzog von Buckingham, wird einflußreichster Berater Jacobs I., Ludwig XII. wird mit der Prinzessin Anna von Österreich vermählt.

Der französische Klerus erkennt die tridentinischen Reformdekrete als verbindlich an.

Kepler "Neue Stereometrie": Über die Inhaltsbestimmung von Weinfässern.

Von Michael Praetorius erscheint sein enzyklopädisches Werk "Syntagma musicum" (bis 1620).

Rubens malt "Amazonenschlacht", "Venus vor dem Spiegel".

Simon Stevin begründet die moderne Statik.

William Baffin (England) entdeckt auf der Suche nach einer Nordwest-Durchfahrt in der Arktis die Baffin-Bay.

1616

Zweiter Friede von Zsitva-Torok beendet endgültig Türkenkriege mit Habsburg.

+ Shakespeare ° Cervantes

Protestantische Kirchen wurden gebaut.

Galilei wird vom Heiligen Offizium in Rom ermahnt.

Die kopernikanische Lehre darf nicht behauptet oder verteidigt werden.

1617

Erzherzog Ferdinand (II.) zum König von Böhmen gewählt, beginnt gewaltsame Rekatholisierung.

Verfahren gegen Mutter Keplers wegen Vorwurf der Hexerei eingeleitet.

Henry Briggs stellt die erste Tafel der dekadischen Logarithmen auf.

1618

Erste britische Festung in Westafrika auf der Insel St. James.

Herzogtum Preußen fällt durch Erbschaft an Brandenburg.

Böhmischer Aufstand und Prager Fenstersturz: Beginn des 30-jährigen Krieges.

Beginn der Sklaverei in Nordamerika (Virginia).

Kepler 1. Teil von "Epitome Astronomiae Copernicanae (Zusammenfassung der Kopernikanischen Astronomie).

In den "Affeti musicali" von Biagio Marini ist eine der frühesten Sonaten für Violine solo enthalten.

1618 - 1648

30 jähriger Krieg

1619

Die protestantischen Stände von Böhmen und Österreich verbünden sich gegen Kaiser Ferdinand .

Kepler "Harmonice mundi" (Die Harmonie der Welt) erscheint. Es enthält das

dritte Gesetz der Planetenbewegungen.

Jakob Böhme veröffentlicht "Drei Prinzipien des göttlichen Wesens".

Von Heinrich Schütz erscheinen die "Psalmen Davids".

1620

Aufstand des protestantischen Veltlin gegen die graubündische Herrschaft. Protestantenmorde am 19.07.

Schlacht am weißen Berg in Prag: Sieg der katholischen Liga über die protestantische Union, Ende der politischen Eigenständigkeit der Tschechen (bis 1918).

Puritanische Auswanderer aus England segeln mit der "Mayflower" über den Atlantik nach Neu-England.

Kepler reist nach Württemberg, um seiner Mutter zu helfen.

"Novum organum scientiarum" von Francis Bacon, begründet den Empirismus und weist den Weg zu einer experimentellen Naturwissenschaft.

Kopernikus' Buch wird (mit wenigen Korrekturen) wieder freigegeben.

1621

Unteilbarkeit von Österreich wird erlassen.

Aufstand der Hugenotten gegen die Katholizierung.

Niederlande, England und Dänemark finanzieren protestantische Armeen gegen die kaiserlichen Katholiken.

Organisierung von Sklavenjagd-Expeditionen nördlich der Golfküste (bis 1701).

Gründung der Holländisch-Westindischen Gesellschaft.

Keplers Mutter wird ermahnt und freigesprochen. 2.Teil von "Epitome Astronomiae Copernicanae".

Baubeginn des Wallenstein-Palais in Prag.

Von Thomas Ravenscroft erscheint "Whole Book of Psalmes".

Gründung der Universität Straßburg.

Snellius entdeckt das Gesetz zur Brechung des Lichtes.

Pierre Gassendi beginnt mit Nordlichtbeobachtungen.

1622

Spanischer Feldzug gegen die Niederlande (bis 1628).

Massachusetts von Puritanern in Neu-England gegründet.

Erste deutsche Auswanderer nach Amerika.

Keplers Mutter stirbt.

Gianlorenzo Bernini beginnt die Plastik "Apollo und Daphne".

Gründung der ersten wissenschaftlichen Gesellschaft Deutschlands zur Pflege von Mathematik und Naturwissenschaft.

1623

Persien erobert Bagdad.

Holländer (Peter Steuyvesand) kaufen den Indianern die Insel Manhattan für 24 Dollar ab.

Patentgesetz in England

Kepler arbeitet an einem astronomischen Tafel-werk.

Baumeister Inigo Jones baut Queen's Chapel im St. James' Palace in London

Galileo Galilei "Il Saggiatore" (Streitschrift um neue wissenschaftliche Erkenntnisse).

Höhere Lehranstalt für Theologie und Philosophie in Salzburg wird zur Universität erhoben.

1624

Kolonisation von Indien durch England.

Kaiser verfaßt harte Rekatholisierungsbestimmung für Oberösterreich.

Unter Kardinal Richelieu Ausbildung der absoluten Monarchie in Frankreich, Großmachtpolitik gegen Habsburg.

Auf Anordnung des Papstes wird die Bibelübersetzung Luthers von 1534 verbrannt.

Kepler Die "Rudolfinischen Tafeln" sind im Manuskript abgeschlossen. Er erstellt ein Horoskop für Wallenstein.

1624 - 1677

christliche Mystik

Angelius Silesius

Das Tröpflein wird das Meer, wenn es ins Meer gekommen, die Seele Gott, wenn sie in Gott aufgenommen ist.

1625

Albrecht von Wallenstein, Herzog von Friedland, stellt dem Kaiser eigenes Heer zur Verfügung und wird Generalissimus aller kaiserlichen Truppen.

Dänisch-niedersächsischer Krieg.

Verstärkter Anbau von Kartoffeln in ganz Deutschland wegen der Not des Krieges.

Niederländer setzen sich am Hudson-River, zwischen Virginia und Neu-England fest. Kolonie Neu-Niederlande mit Fort Oranje (heute Albany) und Neu-Amsterdam)

Rubens vollendet Maria-de-Medici-Zyklus.

Frans Hals malt "Singender Knabe mit Flöte".

Weihe des Neubaus der Peterskirche in Rom.

1626

Wallenstein besetzt protestantische Bistümer Magdeburg und Halberstadt.

Pietro della Valle bringt den Kaffee nach Rom und Venedig.

Linz wird 2 Monate von protestantischen Bauern belagert.

Kepler Viele Reisen wegen Geld-problemen und des Drucks seiner Planeten-tafeln

Rembrandt van Rijn malt "Die Geldwechsler"

Der italienische Arzt Santorio verwendet erstmals ein Wasserthermometer.

Weiterentwicklung der Metallverarbeitung in Schweden.

1627

Ein kaiserliches Edikt verfügt die Ausweisung aller protestantischen Geistlichen und Schulmeister.

Invasion der Mandschus in Korea.

Kepler "Tabulae Rudolphinae" erscheinen; sie bleiben über ein Jahrhundert das maßgebliche Tafelwerk. Er verläßt Linz.

Heinrich Schütz schreibt erste deutsche Oper "Daphne"

1628

Der protestantische Adel von Innerösterreich wird aufgefordert, den katholischen Glauben anzunehmen. Mehrere hundert Adelige verlassen das Land.

Niedersachsen wird von den Kaiserlichen erobert.

Petition of Rights in England.

Höchste Blüte des Mogul-Reichs in Indien.

Kepler wird Hofmathematiker bei Wallenstein und zieht nach Sagan in Schlesien (heute Polen).

Der englische Arzt William Harvey entdeckt den großen Blutkreislauf, beschreibt das Herz als Pumpe.

1629

Wallenstein scheitert vor Stralsund, Friede mit Dänemark.

Restitutionsedikt (Rückgabe aller geistlichen Gebiete, die nach 1552 in protestantischen Besitz gekommen sind.)

Kepler beginnt mit dem Druck von "Somnium" (Traum einer Reise zum Mond) (erscheint 1634).

1630

Kurfürstentag zu Regensburg: Maximilian I. von Bayern erzwingt Entlassung Wallensteins. Schweden greift unter Gustav Adolf II. auf seiten der Protestanten in Deutschland ein.

Hunderte "Hexen" und "Hexer" werden hingerichtet.

Kepler begibt sich zum Reichstag nach Regensburg. Kepler stirbt am 15. November in Regensburg.

Die Fuge als kontrapunktische Behandlung eines musikalischen Themas entsteht in Deutschland.

Anthonis von Dyck malt "Susanne im Bade".

Galilei beendet das Manuskript zum Buch "Dialog über die beiden hauptsächlichen Weltsysteme".

Santoro Santorio konstruiert medizinische Waage zum Studium des Stoffwechsels.

1631

1632

1632 - 1677

Baruch Spinoza

Baruch Spinoza

Der holländische Philosoph im Ghetto von Amsterdam als Sohn eines wohlhabenden jüd. Kaufmanns geboren. Talmud und die Philosophie von Maimonides

Er lernte als angehender Rabbiner das Schleifens optischer Gläser, studierte Descartes und Hobbes.

Spinoza entfernte sich vom jüdischen Glauben und wurde 1657 aus der Synagoge ausgeschlossen.

Spinoza schuf, nachdem er Gott als Schöpfer der Welt abgelehnt hatte, ein monistisches System, in dem Denken und Ausdehnung Attribute, d. h. unabdingbare Eigenschaften einer einheitlichen Substanz sind, der Natur, die Ursache ihrer selbst ist.

In der Erkenntnistheorie war Spinoza Rationalist. Er identifizierte logische Zusammenhänge und kausale Zusammenhänge und meinte, daß das Wesen einer Sache aus ihrer Definition ableitbar ist.

Intuition bzw. die unmittelbare Wahrheitsentscheidung hielt er für die höchste Form des Wissens, Klarheit und Anschaulichkeit für die Kriterien der Wahrheit.

Spinoza unterscheidet zwischen verschiedenen Graden oder Gattungen der Erkenntnis. Die erste und unterste Gattung bildet die Erkenntnis aus vager Erfahrung. Sie besteht in verworrenen Vorstellungen oder Meinungen und ist von zufälligen, ungeordneten Assoziationen abhängig. Diese Gattung umfaßt auch die Begriffe der Umgangssprache.

Das Wissen von den grundlegendsten Eigenschaften der ausgedehnten Körper, gehört zur zweiten Gattung, der adäquaten Erkenntnis. Adäquate Vorstellungen (Ideen) oder selbstevidente Urteile handeln von den logisch notwendigen Beziehungen zwischen den Eigenschaften eines Gegenstands. Wer eine wahre oder adäquate Vorstellung besitzt, weiß zugleich unmittelbar von ihrer Wahrheit. Dazu bedarf es keines Wahrheitskriteriums, da die Wahrheit die Norm für sich selber und für Falschheit ist.

Die dritte und höchste Gattung der Erkenntnis schließlich liegt in dem intuitiven Wissen von Gott, d. h. in der Einsicht, daß die Welt "unter dem Gesichtspunkt der Ewigkeit" (lat. sub specie aeternitatis) rational geordnet ist.

Seine Ethik wird dem Eudämonismus zugerechnet. Lust heißt, daß die individuelle Macht der Selbsterhaltung oder die Energie vergrößert wird, während Unlust das Gegenteil besagt. Lust und Unlust gehören zu den primären Affekten, d. h. den grundlegenden Gefühlen. Ebenso die Begierde (oder der Trieb). Die Begierde wird als Drang definiert, sich bewußt auf ein spezifisches Objekt zu richten. Nach Spinoza lassen sich aus Lust, Unlust und alle anderen menschlichen Affekte erklären.

1632 - 1776

Englischer Empirismus (Erfahrungsphilosophie)

Locke 1632-1704

Hume 1711-1776

Berkeley 1685-1753

Im Gegensatz zum Rationalismus, der sich gern mit Vernunft bgriffen schmückt, setzt der Empirismus auf die ursprüngliche Kraft der Sinneswahrnehmung. Jede Wirklichkeitsauffassung, die mitteilbar werden soll, geht von den Sinnen aus. Sie liefern das Datenmaterial, das den Erkenntnisleistungen zugrunde liegt. Begründet wurde der Empirismus, wenn man so will, durch Epikur, weltanschaulich ausgebaut dann von den britischen Philosophen Locke, Hume, Mill, denen auch ihr Landsmann Berkeley, allerdings wohl gegen seine eigentlichen Absichten, zuaarbeitete. Ein möglichst umfassend abgesichertes emprisches Wissen ist zum Ideal der exakten Wissenschaft geworden, die sich den eigenen Nöten gehorchend, über klassischen Empirismus allerdings schon länger hinausbemüht haben.

1632 - 1704

John Locke (1632 - 1704)

John Locke (1632 - 1704)

John Locke wurde am 29.08.1632 in Wrington bei Bristol geboren.

Locke's Vater war Rechtsanwalt und verfügte über einen kleinen Grundbesitz. Er ermöglicht dem Sohn den Besuch der Westminster School in London. Anschließend studierte am Christ Church College in Oxford. Unbefriedigt von der scholastischen Philosophie, wendet er sich den Schriften von Descartes zu. Er studiert neben der Philosophie hauptsächlich Medizin und Chemie. Locke erwirbt die akademischen Grade Bachelor und Master of Arts (1658).

Locke arbeitet in verschiedenen Stellungen an der Univ. Oxford, ist für kurze Zeit Sekretär der englischen Botschaft beim Kurfürsten von Brandenburg in Cleve, kehrt erneut nach Oxford zu medizinische Studien zurück und tritt 1667 in die Dienste von Anthony Ashley Cooper, des späteren Lord Ashley und Earl of Shaftesbury.

Bedeutend für seine Entwicklung war die Bekanntschaft mit dem Physiker und Chemiker Robert Boyle, mit dem Mediziner Sydenham und mit Newton. 1667 - 1675 lebte Locke als Arzt und Erzieher im Hause Shaftesbury.

1671 beginnt Locke mit der Ausarbeitung seines philosophischen Hauptwerkes Concerning Human Understanding (Versuche über den menschlichen Verstand), das er erst 1689/90 veröffentlichte, nachdem vorher ein von Locke verfaßter Auszug von Leclerc ins Französische übersetzt worden war.

Ab 1672 erhielt Locke von Shaftesbury, der zum Lordkanzler ernannt wurde, mehrere Sekretärsposten in staatlichen Einrichtungen, die er wieder verlor, als Shaftesbury in Ungnade fiel. 1675 - 1679 lebte Locke in Frankreich. Da Shaftesbury wieder in Gunst stand, kehrte Locke 1679 nach England zurück. 1683 folgte Locke Shaftesbury, der in England Repressalien ausgesetzt war, nach Holland. In Holland lebte Locke in verschiedenen Städten (Amsterdam, Utrecht, Cleve), um sich den Verfolgungen zu entziehen. 1689 kehrte Locke nach England zurück und übernahm ein Staatsamt.

1682 lernte er die Philosophin Damaris Cudworth Masham, mit der ihn, nach einer kurzen Zeit der Verliebtheit, aus der noch Liebesbriefe erhalten sind, eine langjährige Freundschaft verband.

Ab 1691 lebte er bis zu seinem Tode größtenteils auf dem Lande. In dieser Zeit veröffentlichte er:

  • Einige Betrachtungen über die Folgen der Herabsetzung des Zinses und der Erhöhung des Münzwertes (1692)
  • Einige Gedanken über Erziehung (1693)
  • Über die Vernunftmäßigkeit des Christentums (1695)

Von 1689 bis 1692 erschienen seine Briefe über Toleranz.

Locke, dessen körperliche Schwäche in den letzten Jahren sehr zunahm, lebte zuletzt in Oates (Essex) im Hause von Francis Masham und starb dort am 28.10.1704.

Die Philosophie von Locke ist erkenntnistheoretisch orientiert. Er setzt sich mit den Anschauungen von Descartes von den angeborenen Ideen und sittlichen Prinzipien auseinander und gelangt zu einem Sensualismus.

Zentral in Locke's Erkenntnistheorie ist der Begriff der Idee oder Vorstellung (idea).

Das einzige, was direkt Gegenstand unserer Erkenntnis sein kann, sind die Ideen. Diese sind das Material der Erkenntnis und repräsentieren das, wovon sie Ideen oder Vorstellungen sind. Sie können als Zeichen (signa) verstanden werden, die die Wirklichkeit repräsentieren. Die Ideen werden in dieser Weise als Verbindungsglieder zwischen dem erkennenden Bewußtsein und der erkannten Wirklichkeit gedacht.

Locke vertritt damit eine Repräsentationstheorie des Wissens.

Für Locke besteht ein enger Zusammenhang zwischen Gültigkeit und Genese der Erkenntnis. Nach seiner Meinung nehmen die Rationalisten (z. B. Descartes) zu Unrecht an, daß bestimmte Ideen und Prinzipien, wie logische Prinzipien und allgemeingültige moralische Normen, angeboren sind. Wir werden nicht mit Ideen geboren, sondern mit einer Fähigkeit, solche Ideen zu bilden. Diese Fähigkeit ist das Erkenntnisvermögen.

Der Verstand des Menschen ist bei seiner Geburt eine tabula rasa. Nichts ist im Verstand, was nicht vorher in den Sinnen gewesen ist. Alle Kenntnisse und Ideen gründen sich auf Erfahrung bzw. sinnliche Wahrnehmung.

Locke unterscheidet zwei Quellen der Erfahrung. Die Sensation, die von den äußeren materiellen Dingen ausgeht und die Reflexion, die sich auf die inneren Operationen unseres Geisten bezieht.

Da nach Locke jede Erkenntnis aus Ideen gebildet wird, unterscheidet er einfache und zusammengesetzte Ideen. Die einfachen Ideen entsprechen den Sinnesempfindungen. und sind von gleichförmiger und homogener Erscheinung. Einfache Ideen sind passiv. Sie lassen sich nicht auf einfachere Ideen zurückführen. Beispiele sind Ideen von Farben, Gerüchen und anderen Sinnesqualitäten.

Die Wahrnehmungsideen sind durch die Einwirkung äußerer physischer Körper auf unsere Sinnesorgane verursacht. Diese Einwirkung beruht darauf, daß die Gegenstände Eigenschaften haben, von denen sich unsere Sinnesorgane beeinflussen lassen.

Locke unterscheidet primäre und sekundäre Qualitäten. Primäre Qualitäten sind vom Körper nicht zu trennende Eigenschaften, wie Ausdehnung, Festigkeit, Gestalt, Bewegung, Ruhe und Zahl. Die primären Qualitäten, bewirken Ideen, die den Eigenschaften der Gegenstände gleichen.

Sekundäre Qualitäten sind Farbe, Geschmack, Geruch und Schall. Sekundäre Qualitäten sind subjektive Empfindungen, werden durch die in den Dingen existierenden primären Eigenschaften ausgelöst, sind ihnen aber nicht ähnlich.

Zusammengesetzte Ideen erfordern die Aktivität des Geistes.

Sensation und Reflexion, die beiden Quellen der Erfahrung, erschließen einfache Ideen, die durch Wiederholung bzw. Erinnerung, Vergleichung und Abstraktion zu zusammengesetzten Ideen verbunden werden. Alle allgemeinen, abstrahierten Ideen sind Schöpfungen des Verstandes, die auf der Ähnlichkeit der Dinge beruhen.

Lockes Lehre von den primären und sekundären Qualitäten knüpft an Positionen von Demokrit, Descartes und Galilei an.

Die Erkenntnisse unterteilt Locke in Wissen und in wahrscheinliche Kenntnisse. Wissen liegt vor, wenn die Verbindung zweier Ideen nachgewiesen werden kann. Wenn der Zusammenhang zwischen Ideen nur ungenau nachgewiesen werden kann und erst durch Argumente beschrieben werden muß, haben die Kenntnisse nur einen höheren oder niedrigen Grad der Wahrscheinlichkeit.

Nach dem Grad der Gewißheit unterscheidet Locke drei Gruppen von Wissen: Intuition, Demonstration und sensitive Erkenntnis.

Die Intuition bietet die sicherste Erkenntnis, da durch den Vergleich zweier Ideen deren Wahrheit bzw. Falschheit erkannt werden kann.

Durch die Demonstration werden Erkenntnisse mittels Beweis gewonnen, indem zwei Ideen durch Vermittlung über andere Ideen verglichen werden (Mathematik).

Die sensitive Erkenntnis stellt die Wahrnehmung der Existenz der Dinge bzw. der einzelnen Fakten dar. Ihr Grad der Gewißheit ist niedriger als der der demonstrativen Erkenntnis. Sie kann aber noch als Wissen aufgefaßt werden.

Locke kritisiert skeptische Anschauungen hinsichtlich der Existenz der Außenwelt.

Als einer der Begründer des Deismus versucht Locke Glauben und Vernunft zu versöhnen. Er lehnt die Glaubenslehren im traditionellen Sinne ab und befürwortet eine rational begründete, natürliche Religion. Er verteidigt das Recht der Vernunft gegenüber den Glaubensangelegenheiten, sieht aber die Vernunfterkenntnis als beschränkt an, so daß er dem Glauben, d. h. der Offenbarung, einen Platz neben der Vernunft zuweist.

Locke zeigt sich in religiösen Fragen als Verfechter der Toleranz.

Sein Hauptwerk zur Politischen Philosophie sind die Two Treatises of Government Die erste Abhandlung, die um 1683 verfaßt worden ist, enthält einen Angriff auf Robert Filmers Theorie einer auf Gottes Gnade beruhenden Alleinherrschaft. Die zweite Abhandlung ist ein klassischer Text liberalistischen politischen Denkens.

Seine Lehre vom Staat entwickelt Locke, anknüpfend an Hobbes, auf der Grundlage einer Naturrechtstheorie.

Während bei Hobbes der Naturzustand ein rechtloser Zustand, ein Krieg aller gegen alle ist, sichert bei Locke bereits das Naturrecht das Recht auf Leben und Freiheit.

Die den Menschen nach Locke von Gott verliehene Freiheit der Person äußert sich vornehmlich in der Freiheit, rechtmäßig über das Resultat seiner Arbeit zu verfügen.

Um sich gegen Verbrecher, die einen Kriegszustand hervorrufen, zu schützen, schließen sich die freien Individuen mit Hilfe eines Gesellschaftvertrags zusammen und setzen als souveränes Volk eine Regierung ein. Jede gesetzliche Regierung beruht auf der Einwilligung des Volkes. Auf dieser beruht auch die Teilnahme später geborener Bürger an dem Gesellschaftsvertrag. Diese Einwilligung ist im Grunde bereits dort gegeben, wo wir uns freiwillig auf einem bestimmten staatlichen Territorium aufhalten. Das Volk verliert seine Souveränität jedoch nicht, wenn es eine Regierung einsetzt oder billigt.

Locke empfiehlt eine Gewaltenteilung. Der Monarch nimmt die ausführende und urteilende Gewalt wahr, das Parlament die Gesetzgebung. Die Macht des Königs ist daher durch die Verfassung, die diese Gewaltenteilung vorschreibt, sowie die Gesetze, die das Parlament beschließt, begrenzt. Das Überschreiten seiner Befugnisse legitimiert das Volk zum Aufstand.

Die Möglichkeit zur ungleichen Eigentumsverteilung liegt für Locke in der Entstehung des Geldes begründet. Während Verbrauchsartikel verderblich sind und ihre Anhäufung widersinnig wäre, stellen Gold und Silber dauerhafte Gegenstände dar. Geld läßt sich horten, und es entsteht ungleicher Besitz. Da er auf keiner Verletzung des natürlichen Rechts beruht, verdient er unbedingten staatlichen Schutz.

Locke's Ethik ist eudämonistisch.

Locke verwirft die Idee von den angeborenen moralischen Prinzipien bzw. vom Unterscheidungsvermögen zwischen Gut und Böse im Naturzustand.

In seiner Arbeiten zur pädagogischen Philosophie fordert Locke, daß die moralische Erziehung des Kindes sich auf das gute Beispiel der Mäßigung der Eltern stützen soll, und nicht so sehr auf Regeln und Vorschriften. Er entwickelt die Ideen von der freundschaftlichen Beziehung zwischen Eltern und Kind und von der Förderung der natürlichen Anlagen des Kindes.

Locke's Philosophie war von großem Einfluß auf Hume, Leibniz und Kant.

Nach Locke beschäftigt sich die Logik oder Semiotik mit der Untersuchung der Zeichen für das Verständnis der Dinge und für die Mitteilung des Wissens an andere.

1633

Galileis Prozeß ° Inquisition

Galileo Galilei (1564 - 1642)

Der italienische Mathematiker und Naturwissenschaftler wendete die modernen naturwissenschaftlichen Methoden auf das Studium der Astronomie und der Erdbewegung anwendete.

Bei Galilei ist Erfahrung identisch mit methodisch kontrolliertem Beobachten und Experimentieren, durch das wir unser Wissen über die Welt erweitern. Es wird damit auf die Bedeutung des experimentellen Forschens für unsere Erkenntnis verwiesen.

1637

Erstausgabe Descartes "Abhandlung über die Methode"

Descartes stellt die Frage, mit welcher philosophischen Methode ein Philosoph ein Problem lösen soll. Descartes erklärt zunächst, daß wir nichts als wahr betrachten dürfen, solange wir nicht klar und deutlich erkannt haben, daß es wahr ist. um das zu erreichen, müssen wir vielleicht ein kompliziertes problem in so viele Einzelteile wie möglich zerlegen. Nun können wir bei den allereinfachsten Gedanken anfangen. man kann sagen, daß jeder einzelne Gedanke gewogen und gemessen wird, ungefähr so, wie Galilei alles messen und das Nichtmeßbare meßbar machen wollte. Descartes glaubte, der Philosoph könne vom Einfachen zum Komplizierten weitergehen. Auf diese Weise könne eine neue Erkenntnis aufgebaut werden. Bis ganz zum Schluß müsse man dann durch ständiges Nachrechnen und Kontrollieren überprüfen, daß man nichts ausgelassen hat. Nun könne man zu philosophischen Schlußfolgerungen kommen.

1648 westfälischer Friede beendet den 30-jährigen Krieg    

1649

Commenwealth

Staatengemeinschaft des britischen Weltreiches

1650 - 1800

Aufklärung

Allgemein eine Kultur- und Geistesbewegung, die das Ziel verfolgt, auf Tradition und Autorität zurückgreifende Ansichten (z. B. religiöser oder politischer Art) einer kritischen sich an der Autonomie der menschlichen Vernunft orientierenden Prüfung zu unterziehen und diese Ansichten, falls sie der Prüfung nicht standhalten, zu revidieren bzw. durch andere, am Maßstab der Vernunft entwickelte Überzeugungen zu ersetzen. Kants klassisch gewordene Definition der A. lautet: "Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Vermögen sich seines Verstandes ohne Leitung eines Anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern an der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner Leitung eines anderen zu bedienen."

Im engeren Sinne wird als Aufklärung der Prozeß bezeichnet, der vom 16. -18 Jh. in Europa stattgefunden hat; in England hat die Aufklärung einen eher religiösen und politischen (seit dem 16. Jh.), in Frankreich (seit dem 17. Jh.) einen eher moralkritischen und gesellschaftlichen Charakter; in Deutschland (seit dem 18. Jh.) hat sie den Charakter der Besinnung des Einzelnen auf sich selbst (in der Philosophie und der Literatur)

1655

+ Cyrano de Bergerac

 

Absolutismus

Regierungsform, in der alle Gewalt unumschränkt in der Hand des Monarchen liegt.

1662

Nachtbekleidung

1670

Newton: F = m*a

 

Klassizismus

Nachahmung des klassischen antiken Vorbildes. (bes. in der Literatur des 16. und 17. Jahrhunderts. / Baustil der in Anlehnung an die Antike die Strenge der Glliederung und die Gesertzmäßigkeit der Verhältnisse betont. / Europäischer Kunststil etwa von 1770 bis 1830

1683

Türken vor Wien

1685

George Berkeley (1685 - 1753)

George Berkeley (1685 - 1753)

Der irische Philosoph und Theologe George Berkeley studierte am Trinity College in Dublin, wo er ab 1707 als Dozent tätig war.

1724 wurde B. Domprobst in Derry und brach 1728 mit seiner Familie zu den Bermudas auf, um dort ein College zu gründen, das Kinder der Eingeborenen zu Priestern ausbilden sollte.

Berkeley kehrte 1731 wieder nach Irland zurück und wurde 1734 Bischof von Cloyne.

Berkeley wird zusammen mit Locke und Hume zu den englischen Empiristen gezählt.

Er wollte zeigen, daß das Sein im ganzen im Grunde geistig, von Gott geschaffen und seine Erhaltung in jedem Augenblick direkt von seinem Willen als dem Garanten der Seinserhaltung abhängig ist.

Er leugnete die Existenz der materiellen »Außenwelt«. Er bestritt damit, daß Gegenstände wie Stühle, Stöcke und Steine wirklich sind und unabhängig von unserem Wissen von ihnen existieren (common sense-Auffassung).

Gegen die common sense-Annahme brachte Berkeley mehrere Einwände vor

  1. Die Unterscheidung zwischen primären und sekundären Qualitäten ist nicht haltbar, da Lockes Argumente dafür, dem Bewußtsein die sekundären Qualitäten zuzuschreiben, ebenso für die primären Qualitäten Geltung haben. Auch diese können nur im Bewußtsein existieren, nicht in irgendeiner bewußtseinsunabhängigen Außenwelt.
  2. Es ist sinnlos, davon zu reden, daß Erlebnisse Kopien äußerer Dinge sind oder diesen ähneln. Ein Ding kann nur einem Ding derselben Art gleichen, nicht aber einem, das seinsmäßig von völlig anderer Art ist.
  3. Es ist unverständlich, wie Erlebnisse von äußeren Dingen verursacht sein sollen, wie etwas Räumliches auf etwas Nicht-Räumliches einwirken können soll.
  4. Das Verursachen ist eine Aktivität, ein Handeln und damit Wesen mit Bewußtsein vorbehalten; die leblose Materie ist davon ausgeschlossen.
  5. Selbst wenn die Hypothese von einer bewußtseinsunabhängigen Außenwelt einen gewissen Sinn hätte, wäre sie völlig nutzlos, da es macht keinerlei Unterschied für unsere Erfahrung macht, ob diese Annahme wahr oder falsch ist.

1697

Spanier vernichten Mayakultur

1700 - 1800

Idealismus

Anschauung, die die Welt und das Sein als Idee, Geist, Vernunft, Bewußtsein bestimmt und die Materie als deren Erscheinungsform versteht. Gegensätze: Realismus, Materialismus.

1703

Peter der Große gründet Petersburg

1711 - 1776

David Hume

David Hume 1711-1776

Seine Philosophie gilt heute als die wichtigste empirische Philosophie. Von wesentlichter Bedeutung war er auch, weil er den großen Pholosophen Immanuel Kant zu seiner eigenen Philosophie inspirierte. Mehr als jeder andere nimmt er seinen Ausgang von der Alltagswelt. Als Empiriker betrachtete Hume es als seine Aufgabe, alle unklaren Begriffe und Gedankenkonstruktionen abzuschaffen, die die Philosophen sich bis dahin ausgedacht hatten. Damals war in Schrift und Gespräch allerlei altes Treibholz aus dem Mittelalter und aus den rationalistischen Philosophien des 17. Jahrhunderts im Umlauf. Hume wollt zurück zum ursprünglichen menschlichen Empfinden der Welt. Keine Philosophie werde uns jemals hinter die täglichen Erfahrungen führen oder uns Verhaltensregeln geben können, die anders sind als die, die wor durch unser Nachdenken über das tägliche Leben erhalten, meinte er. Zu Humes Zeiten war die Vorstellung verbreitet, daß es Engel gibt. Unter einem Engel verstehen wir eine Männergestalt mit Flügeln. Hume zufolge sind Engel eine zusammengesetzte Vorstellung. Sie besteht aus zwei verschiedenen Erfahrungen, die allerdings nicht in Wirklichkeit zusammengesetzt sind, sondern erst in der menschlichen Phantasie zusammengekoppelt wurden. Mit andern Worten, die Vorstellung ist falsch und muß über Bord geworfen werden. Auf diese Weise müssen wir in all unseren Gedanken und Vorstellungen aufräumen. Denn wie Hume gesagt hat: "Greifen wir irgendeinen Band heraus, etwa über Gotteslehre und Schulmetaphysik, so sollten wir fragen: Enthält er irgendeinen abstrakten Gedankengang über Größe oder Zahl? Nein. Enthält er irgendeinen auf Erfahrungen gestützten Gedankengang über Tatsachen und Dasein? Nein. Nun, so werft ihn ins Feuer, denn er kann nichts als Blendwerk und Täuschung enthalten."

Aber übrig bleibt die Welt, frischer und schärfer in ihren Konturen als früher. Hume wollte dazu zurück, wie ein Kind die Welt erlebt - ehe Gefanken und Reflexionen im Bewußtsein Platz wegnehmen. Hume stellte zuerst fest, daß der Mensch zum einen Eindrücke und zum anderen Vorstellungen hat. Unter einem Eindruck versteht er das unmittelbare Empfinden der äußeren Wirklichkeit. Unter einer Vorstellung versteht er die Erinnerung an einen solchen Eindruck.

Zwischen 1734 und 1737 entstanden die ersten beiden Bücher von A Treatise of Human Nature (Abhandlung über die Natur des Menschen), die 1739 zur Veröffentlichung kamen und anfangs kaum beachtet wurde. 1740 folgte das III. Buch Of Morals (Über Moral).

Hume vertritt eine Philosophie des gesunden Menschenverstandes. Er wendet sich gegen die traditionelle Metaphysik, die er als Quelle des Irrtums ansieht, da sie durch die Suche nach Prinzipien den Menschen von den mannigfaltigen Bedürfnissen des menschlichen Lebens ablenke.

Hume sieht als Sensualist und Empiriker die Quelle des Wissens in der Erfahrung. Sie besteht lediglich als ein Strom von Eindrücken (Empfindungen, Erlebnissen und Emotionen), die sich in Vorstellungen (Gedanken, Ideen) niederschlagen.

Das Denken ist von sekundärer Bedeutung und hat nur die Fähigkeit der Verbindung, Umstellung, Vermehrung oder Verminderung des Stoffes zu leisten, den uns Sinne und Erfahrung liefern. So etwas wir abstrakte und allgemeine Vorstellungen im eigentlichen Sinne gibt es nicht.

Die Einbildungskraft (Imagination) verknüpft die Vorstellungen nach dem Prinzip der Assoziation, welches auf die ganze Menschheit den gleichen Einfluß ausübt.

Die drei Arten von Assoziationen (Ähnlichkeit, Berührung in Raum und Zeit, Beziehung von Ursache und Wirkung - bilden die Grundlage der verschiedenen Wissensgebiete.

Hume behauptet die intuitive und demonstrative Gewißheit des mathematisch-logischen Wissens, das unabhängig von der Erfahrung existiere. Diese Erkenntnisse sind durch die reine Tätigkeit des Denkens zu entdecken, ohne von irgendeinem Dasein in der Welt abhängig zu sein.

Die Beziehungen zwischen Ursache und Wirkung beruhen nur auf Erfahrung, d. h. auf der gewohnheitsmäßig feststellbaren Abfolge bestimmter Ereignisse. Die Ursache der Ursache anzugeben ist nicht möglich. Alle Ableitungen aus Erfahrung sind daher Wirkungen der Gewohnheit, aber nicht der Vernunfttätigkeit.

Nach Hume ist "die Darlegung der Prinzipien und Operationen unseres Denkvermögens und der Beschaffenheit unserer Vorstellungen" Aufgabe der Logik.

Hume führt die Induktion auf Gewohnheit zurück.

Er lehnt jede positive Religion ab. Ihre Entstehung schreibt er der Furcht und dem Hoffnungsglauben der Menschen zu. Er lehnt sowohl die religiösen Wunder, da sie jeglicher Erfahrung widersprechen, als auch den rationalistischen Gottesbeweis ab. Er fordert Toleranz für die verschiedenen religiösen Lehren.

In den ethischen Anschauungen vertritt Hume, im Gegensatz zu dem in den klassischen Naturrechtstheorien verkündeten Egoismus, einen Utilitarismus, der in der unveränderlichen, natürlichen Neigung der Menschen zur Lust bzw. Unlust die Ursache und Triebkraft aller Handlungen sieht.

Das Nützliche ist mit dem Streben nach dem Angenehmen für das Individuum verbunden und fördert das Wohlwollen gegenüber den Mitmenschen.

Für Hume ist, wie schon für Locke, der Naturzustand des Menschen, der von Grotius und Hobbes als Kriegszustand gekennzeichnet wurde, durch bestimmte Formen des gesellschaftlichen Zusammenlebens bestimmt, die durch das Gefühl des gemeinsamen Interesses zwischen den Menschen zustande kommen.

Hume lehnt in den staatstheoretischen und historischen Darlegungen die Vertragstheorie ab. Er befürwortet die auf dem Prinzip der Gewaltenteilung beruhende konstitutionelle Monarchie, da sie der natürlichen Eigenart der Menschen am besten entspreche.

Hume bestreitet die Existenz einer objektiven Grundlage für das Schöne. Das Schöne ist keine Eigenschaft der Dinge. Das Schöne existiert nur im Bewußtsein des Betrachters. Jedes Bewußtsein nimmt eine besondere Schönheit wahr.

In seinen ökonomischen Ansichten ist Hume ein Vorläufer der Freihandelstheorie von Smith und Ricardo.

Erst der Handel stimuliert seiner Lehre zufolge die agrarische Produktion mehr zu erzeugen, als die Landbevölkerung selbst verbraucht, da er für das überschüssige Produkt ein nützliches Äquivalent herbeischafft. Auf diese Weise befördert er auch die Manufakturen und die Verfeinerung der handwerklichen Tätigkeit.

Je entwickelter Landwirtschaft, Manufakturen und Handel sind, desto größer ist die Macht des Staates.

Den Geldzins leitet er aus dem Handelsprofit ab. Die Höhe des Zinsfußes stellt für Hume eine Maß dar, an dem man ablesen kann, wie das wirtschaftliche Leben der Gesellschaft floriert.

1719

Neumann: Würzburger Residenz

1720 -

Rokoko

1724 - 1804

Immanuel Kant

Immanuel Kant (1724 - 1804)

 

Der deutsche Philosoph stammte aus einer pietistischen Handwerkerfamilie in Königsberg. Dort studierte er 1740 - 1746 Philosophie, Mathematik und Theologie. Das Studium verdiente er sich durch Privatstunden und durch Gewinne beim Billiard.

Nach dem Studium, durch den Tod des Vaters dazu genötigt, arbeitete Kant als Hauslehrer.

In der Entwicklung seines Denkens unterscheidet man zumeist zwei Perioden: die vorkritische (bis Anfang der 1770er Jahre) und die kritische. Letztere Phase ist durch seine Hauptwerke Kritik der reinen Vernunft, Kritik der praktischen Vernunft und Kritik der Urteilskraft charakterisiert.

In der vorkritischen Phase befasste sich Kant umfangreich mit naturwissenschaftlichen und naturphilosophischen Problemen.

In seiner ersten wissenschaftlichen Arbeit, den Gedanken von der wahren Schätzung der lebendigen Kräfte (1749) versucht Kant einen mathematischen Streit zwischen Cartesianern und Leibnizianern durch eine Relativierung des Standpunktes zu lösen.

In seiner anonym erschienen Arbeit Allgemeine Naturgeschichte und Theorie des Himmels (1755) erklärt er die Himmelsentstehung physikalisch und stellt die Hypothese auf, dass sich das Sonnensystem aus einer rotierenden Nebelmasse, die aus kleinsten im Raum verteilten Materieteilchen besteht, den Newtonschen Gesetzen gemäß in seiner gegenwärtigen Gestalt entwickelt habe. Diese Erklärung der Entstehung der Himmelskörper nimmt die Theorie von Laplace vorweg.

Bedeutend für Kants naturwissenschaftliche Auffassungen war auch die Annahme der Existenz von Galaxien außerhalb der Milchstraße sowie die Idee von der Hemmung der Erdrotation durch die Flutwelle.

1755 kehrte Kant an die Königsberger Universität zurück. Er promovierte 1755 mit der Arbeit De igne und habilitierte sich im selben Jahr mit Nova dilucidatio. Bereits hier fragt Kant nach den Bedingungen der Möglichkeit unserer Erkenntnis. Allerdings sieht er sie hier noch in einem göttlichen Verstand begründet.

Nach der Habilitation war Kant Privatdozent an der Universität Königsberg.

Im Versuch, die negativen Größen in die Weltweisheit einzuführen (1763) unterscheidet Kant zwischen logischem und Realgrund sowie zwischen logischem Widerspruch und realer Entgegensetzung (von Kant Realprugnanz genannt).

Ab 1770 wirkte Kant als Professor für Logik und Metaphysik.

Nach der Dissertation De mundi sensibilis atque intelligibilis forma et principiis (1770) veröffentlichte Kant elf Jahre nichts.

In seiner kritischen Periode geht Kant davon aus, dass es notwendig ist, die Erkenntnisfähigkeit des Menschen kritisch zu untersuchen. Erst danach können theoretische Philosophie, Ethik und Naturphilosophie positiv ausgearbeitet werden kann.

In der Kritik der reinen Vernunft (1781) und ihrer Popularisierung Prologomena zu einer jeden künftigen Metaphysik, die als Wissenschaft wird auftreten können (1783) untersucht Kant die Frage, ob und wie allgemeines, notwendiges Wissen möglich ist. Kant folgt Hume in der Auffassung, dass solches Wissen nicht der Erfahrung entspringen kann. Derartiges Wissen kann nur den a priori gegebenen Formen der sinnlichen Erkenntnis und der Verstandeserkenntnis entspringen.

Allgemeines und notwendiges Wissen existiert in Gestalt von Urteilen.

Dabei unterscheidet Kant analytische und synthetische Urteile. In analytischen Urteilen enthält das Prädikat nur, was bereits im Subjekt enthalten ist. Sie sind Urteile a priori und vermitteln im strengen Sinne kein neues Wissen.

In synthetischen Urteilen enthält das Prädikat immer etwas, was im Subjekt nicht enthalten ist. Damit bringen synthetische Urteile neues Wissen.

Synthetische Urteile, die neues Wissen enthalten, das nicht allgemeingültig ist, nennt Kant Urteile a posteriori. Ihn interessiert jedoch der Möglichkeit synthetischer Urteile a priori, d. h. die Möglichkeit von Urteilen, die allgemeingültiges und zugleich neues Wissen enthalten. Diese Frage diskutiert Kant sowohl für die Mathematik als auch für die reine Naturwissenschaft und die Metaphysik.

Es gibt nach Kant sowohl in der Mathematik als auch in der reinen Naturwissenschaft synthetische Urteile a priori. Zu beantworten ist daher die Frage wie derartige Urteile möglich sind. Für die Metaphysik ist die Frage zu klären, ob sie synthetische Urteile a priori enthält. Dabei entspricht bei Kant dieses Problem der Frage, ob Metaphysik als theoretische Wissenschaft möglich sei.

Der Beanwortung dieser Fragen widmet sich die Kritik der reinen Vernunft. Sie ist daher in drei Hauptabschnitte gegliedert: Die transzendentale Ästhetik untersucht die sinnliche Anschauung, die transzendentale Analytik untersucht die Tätigkeit des Verstandes, die transzendentale Dialektik die Vernunft.

Die transzendentale Analytik und die transzendentale Dialektik faßt Kant zur transzendentale Logik zusammen.

In der Mathematik beruht die Möglichkeit synthetischer Urteile a priori nach Kant auf Anschauungsformen a priori, die den Gegenstand der mathematischen Erkenntnis bilden. Kant unterscheidet zwei derartige Anschauungsformen: Raum als Form des äußeren Sinnes und die Zeit als Form des inneren Sinnes.

Die Möglichkeit der geometrischen Urteile a priori beruht nach Kant auf der Apriorität des Raumes. Die Möglichkeit der arithemtischen Urteile a priori beruht dagegen auf der Apriorität der Zeit.

Wie die Dinge an sich, d. h. unabhängig von der menschlichen Anschauung, beschaffen sind, ist nach Kant grundsätzlich nicht erkennbar.

Die Möglichkeit von Urteilen a priori in der theoretischen Naturwissenschaft beruht auf den apriorischen Formen der Verstandestätigkeit. Diese Formen bezeichnet er als die allgemeinen Verstandesbegriffe oder Kategorien.

Kant unterscheidet Kategorien der Quantität (Einheit, Vielheit, Allheit), der Qualität (Realität, Negation, Einschränkung), der Relation (Substanz, Ursache, Gemeinschaft) und der Modalität (Möglichkeit, Dasein, Notwendigkeit). Die ersten beiden Kategorien jeder Gruppe faßt Kant als gegensätzlich auf. Die letztere ist für ihn die Einheit der ersten beiden.

Die Kategorien leitet Kant aus der traditionellen Klassifizierung der Urteile ab. Jeder Urteilsform liegt ein reiner Begriff der Synthesis zugrunde, die entsprechende Kategorie.

Mit Hilfe der Kategorien, deren Funktion es ist das Angeschaute synthetisch zusammenzufassen, wird das Mannigfaltige der Anschauung als Gegenstand gedacht.

Jedes Ding wird durch die Kategorien bestimmt. Wie die Anschauungsformen Raum und Zeit sind auch die Kategorien allgemeingültig. Da die Kategorien allgemeingültig sind, muß auch - so Kant - das mit dem Hilfe der Kategorien gedachte allgemeingültig sein. Damit sei allgemeingültiges, notwendiges Wissen in den reinen Naturwissenschaften möglich.

Der Vermittlung von sinnlicher Anschauung und begrifflichem Denken dienen bei Kant die Schemata der reinen Verstandesbegriffe und die produktive Einbildungskraft. Die synthetische Einheit des in den Sinnen gegebenen Mannigfaltigen, die der Verstand mit Hilfe der Kategorien herbeiführt, begründet Kant mit der transzendentalen Einheit der Apperzeption.

In der transzendentalen Dialektik untersucht Kant die Vernunfterkenntnis. Er stellt die Frage, ob Metaphysik als Wissenschaft möglich ist.

Vernunfterkenntnis besteht in der Tätigkeit des menschlichen Denkens, das begriffliche Denken zur Einheit zu bringen und zum Bedingten der Verstandeserkenntnis das Unbedingte zu finden. Die Vernunft geht von den Grundsätzen des reinen Verstandes aus.

Die Vernunft geht über die Grenzen möglicher Erfahrung hinaus. Damit wird sie transzendent. Die Vernunft führt zu Ideen. Ideen sind Vernunftbegriffe, denen kein entsprechender Gegenstand in der Anschauung gegeben werden kann.

Die Idee der Seele ist die vollständige Einheit des denkenden Subjektes. Die Idee der Welt ist die unbedingte Einheit der Reihe der Bedingungen aller Erscheinungen. Die Idee Gottes ist die absolute Einheit aller Erscheinungen überhaupt.

Da die Ideen transzendent sind, enthalten sie bei Kant keine im strengen Sinne wissenschaftliche Erkenntnis. Diese müßte sich auf Verstand und Anschauung stützen.

Das Denken gerät bei der Untersuchung der Idee der Welt in Antinomien.

Kant unterscheidet mathematische und dynamische Kategorien.

Mathematische Kategorien enthalten die antinomischen Aussagen über die Endlichkeit oder Unendlichkeit der Welt bzw. über die Zusammensetzung der Welt aus einfachen oder aus unendlich teilbaren Teilen. Diese Antinomien sind auflösbar, indem man nachweist, dass sowohl These als auch Antithese falsch sind.

Dynamische Kategorien beinhalten die antinomischen Aussagen auf die Fragen, ob alles in der Welt nur notwendig sei oder ob es auch Ursachen durch Freiheit gibt bzw. ob es in der Welt ein schlechthin notwendiges Wesen gibt. Diese Antinomien löst Kant, indem er These und Antithese verschiedenen Ebenen zuordnet. So löst er seine dritte Antinomie dadurch, dass der Mensch als empirisches Wesen ganz der Notwendigkeit, den Naturgesetzen unterliege, während er als intelligibles, als Vernunftwesen über Freiheit verfüge.

In seinem ethischen Hauptwerk Kritik der praktischen Vernunft (1788) schreibt Kant der Vernunft als praktischer Vernunft im Unterschied zur theoretischen gesetzgebende und nicht nur regulative Bedeutung zu. Kant betont die Würde, den Wert und die Freiheit jedes Menschen.

Kant geht davon aus, dass der Mensch nicht nur ein Naturwesen, sondern auch ein Vernunftwesen ist. Der Mensch kann als Vernunftwesen in seinem sittlichen Willen nicht durch materielle und empirische Beweggründe wie Interessen und sinnliche Triebe bestimmt werden, sondern nur durch ein allgemeines Vernunftgesetz. Ein solches Gesetz der praktischen Vernunft kann nur die Form einer allgemeinen Gesetzgebung haben. Kant formuliert als Grundgesetz der reinen praktischen Vernunft (Sittengesetz):

"Handle so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne"

Das Sittengesetz ist ein kategorischer Imperativ, da der Mensch, soweit er als Vernunftwesen handelt, vollständig dem Gesetz unterworfen ist. Moralisch ist eine Handlung nur dann, wenn sie allein aus Achtung vor dem Sittengesetz geschieht. Eine Handlung die dem Sittengesetz entspricht, aber aus anderen Motiven geschieht, ist bloß legal.

Die Autonomie des Willens besteht in der Bestimmtheit des Willens durch die Vernunft. Die Autonomie des Willens ist Ausdruck der Freiheit. Der Mensch ist frei, wenn sein Wille durch die Vernunft bestimmt wird.

In der Kritik der Urteilskraft versucht Kant theoretische und praktische Vernunft zu vermitteln. Die menschliche Vernunft ist nach Kant genötigt, die Natur in weiner Weise zu denken, als ob in ihr Zwecke nach Freihheitsgesetzen realisiert würden. Diese Zweckmäßkeit kommt nicht von der Natur selbst. Sie ist ein Denknotwendigkeit eines besonderen Vermögens der Vernunft, der reflektierenden Urteilskraft. Diese Urteilskraft betrachtet die vielfältigen besonderen Naturgesetze so, als ob sie einer allgemeinen Zweckmäßigkeit untergeordnet wären.

Die reflektierende Urteilskraft ist entweder ästhetisch oder teleologisch.

Im ästhetischen Urteil wird die Schönheit des Gegenstandes als Form der Zweckmäßigkeit betrachtet. Das ästhetische Urteil beruht nicht auf dem Begriff, sondern auf dem Gefühl der Lust oder Unlust. Die ästhetische Urteilskraft ist formal und hat keine Beziehung zu menschlichen Zwecken und Interessen. Damit ist das Wohlgefallen am Schönen nach Kant interessenlos. Das Schöne muß vom Angenehmen und Guten unterschieden werden, da diese mit Interessen verbunden sind. Subjekt der Kunst ist für Kant das Genie, das fähig ist Kunstwerke frei von Nachahmung zu schaffen.

Die reflektierende Urteilskraft kann auch teleologisch sein. Dinge als Naturzweck sind organisierte Wesen. Sie sind natürliche Organismen, die zu sich selbst wechselseitig als Ursache und Wirkung verhalten. Ihre Teile sind zur Einheit verbunden, dass sie wechselseitig Ursache und Wirkung ihrer Form sind. Ein organisiertes Wesen ist nicht bloß Maschine. Sie verfügt nicht nur über eine bewegende, sondern auch über eine bildende Kraft.

Als Gegenstände wissenschaftlichen Verstandesdenkens müssen die Organismen unter dem Gesichtsmunkt der mechanischen Naturgesetzlichkeit betrachtet werden. Als Gegenstände der Vernunft sind sie unter dem Gesichtspunkt der Zweckmäßigkeit zu betrachten.

Dabei ist jedoch der Naturzweck für Kant kein konstitutiver Verstandesbegriff, sondern ein regulativer Begriff für die reflektierende Urteilskraft.

Kants Gesellschafts- und Geschichtsphilosophie findet sich vor allem in der Idee zu einer allgemeinen Geschichte in weltbürgerlicher Absicht (1784) und in der Arbeit Zum ewigen Frieden (1795).

Der Staat ist für Kant eine Vereinigung von Menschen unter Rechtsgesetzen. Die Freiheit besteht im Recht jedes Menschen, sich nur den Gesetzen zu unterwerfen, denen er seine Zustimmung gegeben hat.

Kant befürwortet die Gewaltenteilung.

Die Geschichte ist trotz des Chaos und der Zufälligkeit der einzelnen Handlungen gesetzmäßig. Sie verläuft insgesamt in eine fortschrittliche Richtung. Grundlage des Fortschritts ist der Antagonismus zwischen dem Hang der Menschen, in Gesellschaft zu treten, und dem Hang der Menschen, sich zu vereinzeln. Kant bezeichnet dies mit dem Oxymoron ungesellige Geselligkeit. Ohne diese würden die Menschen in Stagnation verfallen.

Das Ziel der geschichtlichen Bewegung ist für Kant ein allgemeiner Rechtszustand, der nicht nur die Verhältnisse zwischen den Individuen, sondern auch zwischen den Völkern umfasst. In einem Zustand soll weder Krieg zwischen den Individuen noch zwischen den Völkern sein. Obwohl diese Idee in absehbarer Zeit nicht realisiert werden kann, sollte sie in wachsendem Maße das Handeln der Menschen bestimmen. Dadurch kommt die Menschheit dem Ziel näher.

1729

BACH

1743 - 1819

Nihilismus

Jacobi 1743 - 1819

Der Bgriff leitet sich vom lateinischen "nihil", nichts, ab und meint auch eine Weltanschauung, der man es mit nichts (mehr) recht machen kann: Der Nihilist ist chronisch müde, weil er alles durchschaut, alles begriffen hat und aus all dem vor allem die eine Konsequenz zieht: Es lohnt nicht, das Leben, denn an seinem horizont sind die großen Erwartungen, Hoffnungen, Träume verzogen, und man sieht nur noch, was vorher schon dort zu sehen war, nämlich nichts. In die Philosophie hat den Begriff Nihilismus der deutsch Philosoph Jacobi (1743 - 1819) eingebracht, der damit einen Tadel an seinem kollegen Fichte aussprach. Bekannt wurde der Nihilismus später noch durch den Roman "Väter und Söhne" des russischen Dichters Turgenjew. Ein Motiv für nihilistisches Denken hat Nietzsche genannt - der Mensch sieht sich um seine eigene Wichtigkeit gebracht: "Seit Kopernikus scheint der Mensch auf eine schiefe Ebene geraten, - er immer schneller, nunmehr aus dem Mittelpunkte weg - wohin? ins Nichts? ins durchbohrende Gefühl seines Nichts?"

1737

Voltaire ° Friedrich II der Große

1740

Kokshochöfen in England

1752

Franklin: Blitzableiter

1760

Russen besetzen Berlin

1770 - 1830

Neuhumanismus

Humboldt, Goethe, Schiller, Herder

1770 - 1831

Georg Wilhelm Friedrich Hegel

Hegel

 

Bürgerliche und Industrielle Revolution

 

Romantik

Caspar David Friedrich

1772 - 1801

Novalis

Novalis

Friedrich Leopold Freiherr von Hardenberg

1773

Boston: Tea Party

1789

Liberté, Egalité, Fraternité

1791

Urmeter in Paris

1808

Goethe: Faust 1

1809 - 1882

Charles Darwin

Charles Darwin 1809 - 1882

Eine einzige, allerdings fünf Jahre währende Reise war es, die den ansonsten bodenständigen Charles Darwin dazu brachte, ein neues Weltbild zu entwickeln, dessen Konsequenzen noch immer nicht abzusehen sind. Darwin, Sohn eines gewichtigen Landarztes, war ein unauffälliger Schüler, der weder durch besondere begabungen noch durch überzogene Streiche von sich reden machte. Er sammelte Käfer, betätigte sich als Nachwuchs-Ornitologe, widmete sich aber auch genauso gern seinen Tagträumen, in denen er "oft nicht mehr wußte, wer er "war". Diese Unauffälligkeit behielt er auch als Student bei: Er studierte Theologie, Medizin, Zoologie und Geologie in Edinburgh und Cambridge, ohne dabei die ganz große Begeisterung zu verspüren, die er allenfalls bei der Jagd zeigte. Im Jahre 1831 schließlich wurde er zu jener Reise überredet, die sein Leben veränderte: Auf dem Forschungsschiff seiner Majestät, der HMS "Beagle", die auf Expeditionsfahrt nach Südamerika und Ostindien gehen sollte, sucht man noch einen jungen Wissenschaftler, den man für naturkundliche Forschungen einsetzen konnte. Darwin nahm das Angebot an. Er fand sich mit den Bedingungen an Bord, der Beengtheit, dem andauernden Schakeln des Schiffes ("das mich zunächst ständig seekrank hielt") und vor allem den Launen des cholerischen Kapitäns FitzRoy besser ab als befürchtet. In seiner Arbeit, die ihm von Tag zu Tag interessanter vorkam, entwickelte er enormen Eifer und eine bemerkenswerte Gewissenhaftigkeit. Als die"Beagle" im Oktober 1836 nach England zurückkehrte, glaubte er endgültig zu wissen, was "den Wert des Lebens" ausmachte. Er ordnete die naturkundlichen Sammlungen, die er unterwegs angelegt hatte; er heiratete, setzte (zehn) Kinder in die Welt, arbeitete als Sekretär, Privatgelehrter und Schriftsteller, dem mit der Veröffentlichung seiner Reiseberichte sogar (ein) erster Bestseller gelang. von Geldsorgen wurde Darwin ohnehinnicht geplagt; dafür sorgte auch das väterliche Erbteil, das ihn beizeiten finanziell unabhängig machte. Sein Hauptwerk ("Die Entstehung der Arten durch natürliche Zuchtwahl") erschien allerdings erst 23 Jahre nach Beendigung der großen Reise, so lange hatte der gewissenhafte Forscher Darwin gebraucht, um seine Theorie in einem Buch auszubreiten, das nun für Aufsehen sorgte. Schon am ersten Tag war die erste Auflage ausverkauft; das Werk wurde zum meistgelesenen wissenschaftlichen Werk des 19. Jahrhunderts. An der Diskussion, ja an den erhitzten Debatten, die seine Theorie auslöste, beteiligte er sich nur am Rande: Er schrieb noch das eine oder andere Buch, las dickleibige Romane ("die immer gut ausgehen " mußten) und führte sein unauffälliges Leben zu Ende. Am Tag vor seinem Tode soll er gesagt haben: "ich habe nicht die geringste Furcht zu sterben."

Darwin gilt als der Begründer der biologischen Evolutionstheorie. Sie besagt, daß Lebewesen einem Selektionsprozeß unterliegen, in dem vor allem diejenigen Organismen überleben,die am zweckmäßigsten ausgestattet sind und sich am besten an die Bedingungen ihrer Umwelt anzupassen vermögen. Die Belege für diese Theorie fand Darwin während seiner Reise mit der "Beagle"; besonders die Galapagos-Inseln ("eine Welt für sich") boten ihm reichhaltiges Anschauungsmaterial. Der "Kampf ums Überleben", den alle Lebensformen führen müssen, wird bereits innerhalb einer Art eingeleitet, in der sich, bedingt durch Fortpflanzung und Mutation, nur die jeweils wiederstandsfähigsten Exemplare durchsetzen können, die dann dem Überlebensdruck auf höherer Ebene, d.h. im Konflikt mit anderen Tier- und Pflanzenarten, ausgesetzt werden. Die Evolutionsgeschichte, einfältig betrachtet, könnte demnach auch als umfangreiche Familienchronik gelesen werden, die vorwiegend von Siegertypen berichtet; in diesem Sinne hat sich der "Sozialdarwinismus" ihrer angenommen und angebliche Überlegenheiten von angeblich besser ausgestatteten Rassen aus ihr abgeleitet. Darwin selbst, der seine Gemütsruhe nur dann aufgab, wenn er auf die von ihm heftigst verabscheute Sklaverei zu sprechen kam, hätte mit solchen Interpretationsversuchen große Schwierigkeiten gehabt, für ihn bedeutete die Evolutionsgeschichte kaum mehr als eine Überlebensstatistik, die allerdings der behutsamsten Auswertung bedarf - was sicher auch für die Abstammungslehre gilt, aus der Darwins Gegner zu seinen Lebzeiten schon die niederschmetternde bis empörte Erkenntnis bezogen, das der Mensch vom Affen herkommt -- ein Tatbestand, der allerdings bis auf den heutigen Tag nicht recht strafbar gemacht werden kann.

1813 - 1855

Existenzphilosophie

Sören Kierkegaard,

Jean-Paul Sartre

Der Begriff läßt schon anklingen, worum es geht: um die Existenz des Menschen, jenes zeitlos-rätselhafte Faktum, von dem das Philosophieren oftmals erst anhebt - ist der Mensch doch (und bleibt es wohl leider auch) sich selbst der Nächste, was ihm zugleich seine eigene, wiederkehrende Freiheit beschert. Obwohl sie vom Naheliegenden ausgeht (der individuellen Daseinsweise des jeweiligen Ich), ist die Existenzphilosophie nicht gerade breitenwirksam gewesen; es scheint so, als ob ein geheimes Unbehagen mitschwingt, wenn sich der Mensch zu sehr mit dem eigenen Bezirk seines Wirkens befaßt.

1815

Waterloo

1825

Erste Eisenbahn in England

1827

Die weibliche Eizelle wird nachgewiesen

1837

+ Bücherer: "Woyzeck"

1840-

Historismus

1844 - 1900

Friedrich Nietzsche

Friedrich Nietzsche (1844 - 1900)

Der deutsche Philosoph Friedrich Nietzsche studierte Theologie (ein Semester) und Philologie in Bonn und Leipzig. Von 1870 bis 1879 war er Professor für Klassische Philologie in Basel. Seit Januar 1889 gilt Nietzsche als geisteskrank.

Nietzsche hat der Philosophie eine Faszination verliehen, die sie bis dahin nicht hatte. Das lag vor allem daran, daß Nietzsche mindestens so sehr Dichter wie Philosoph war: Er schrieb eine glänzende Prosa, die alle Nuancen der Welt- und Ich-Erfahrung ausdrücken konnte. Ein weiterer Grund für Nietzsches Ruhm ist der Umstand, daß er sein Leben selbst in Philosophie umsetzte: Er lauscht ihm all die Befindlichkeiten, Visionen, Ängste, auch den Zorn und Hochmut ab, die er mit sich herumschleppte, und braut aus ihnen philosophische Erkenntnisse zusammen, die ebenso wahr, wie übertrieben, ebenso großartig wie kleingeistig anmuten, - Nietzsches Leben gleicht einer äußeren Leidensgeschichte: Er begann als Junggenie, wurde schon mit 24 Professor für klassische Philologie in Basel und mußte dann aus Krankheitsgründen frühzeitig pensioniert werden. Seine Krankheit, die schließlich in den Wahnsinn führte (über beide Bereiche, über Krankheit und Wahnsinn, streiten sich noch die Fachleute), wurde er nicht mehr los. Nietzsche führte nach seiner vorzeitigen Pensionierung ein unstetes Reiseleben, in dem euphorisch-hellsichtige Phasen mit tiefen Depressionen abwechselten. Seinen Philosophie entstand ohne größere Anregungen von außen; das verleiht ihr besondere Suggestivkraft, den Eindruck auch eines unmittelbar erlebten Erfahrungsgehalts, der in akademisch-philosophischen Erörterungen nicht anzutreffen ist. Nietzsches Denken vollzieht sich auf einem selbstgewählten Höhenweg, der schließlich nur noch an Abgründen vorbeiführt. Der Philosoph macht sioch auf seinem gang selber Mut; er befeuert seine Gedankenwelt, macht sie radikal und Menschenfeindlich, obwohl er selbst, im privaten Umgang, ein liebenswürdig-bescheidener, zurückhaltender, ja oft schüchterner Menschblieb. So konzipiert er, aus all dem, was er selnst nicht sein kann, den "Übermenschen", der, ungerührt von allem, die zukünftige weelt regieren soll; er berauscht sich am "Willen zur Macht" - und er wird nicht müde, seine eigen Lieblingsidee auszumalen, die "ewige Wiederkunft des Gleiche", be deren Beschreibung der Dichter Nietzsche zu ganz großer Form aufläuft: "Und wißt ihr auch, was mir die Welt ist? Soll ich sie euch in meinem Spiegel zeigen? Diese Welt: ein Ungeheuer von Kraft, welche nicht größer, nicht kleiner wird, die sich nicht verbraucht, nur verwandelt, als Ganzes unveränderlich groß, ein Haushalt ohne Ausgaben und Einbußen, aber ebenso ohne Zuwachs, ohne Einnahmen, vom "Nichts" umschlossen als von seiner Grenze, nichts Verschwimmendes, Verschwendetes, nichts Unendlich-Ausgedehntes, sonder als bestimmte Kraft einem bestimmten Raum eingelegt..., ein Meer in sich stürmender und flutender Kräfte, ewig, sich wandelnd, zurücklaufend, mit ungeheuren Jahren der Wiederkehr, mit einer Ebbe und Flut seiner Gestalten, aus den einfachsten in die vielfältigsten hinaustreibend, aus dem Stillsten, Starrsten, Kältesten, hinaus in das Glühendste, Wildeste, Sichselber-Wiedersprechendste, und dann wieder aus der Fülle heimkehrend zum Einfachen, aus dem Spiel der Wiedersprüche zurück bis zur Lust des Einklangs, sich selber bejahend noch in dieser Gleichheit seiner Bahnen und Jahre, sich selber segnend als das, was ewig wiederkommen muß..."

Nietzsche erhält für seine Untersuchung über Diogenes Laertios einen Universitätspreis und er wird in Fachkreisen bekannt. Trotzdem scheint er sich seiner Bestimmung zur Philologie nicht völlig sicher, denn er trägt sich nicht nur mit Plänen einer philosophischen Dissertation zu dem Thema Der Begriff des Organischen seit Kant - (ein Titel der auch seine naturwissenschaftlichen Interessen erkennen läßt -, sondern erwägt einen Fachwechsel zur Chemie.

1848

Paulskirche Nationalversammlung

1850

Haussmann: Pariser Achsen

1856 - 1939

Sigmund Freud

Sigmund Freud

1861

Reis: Telefon

1876

Little Big Horn

1883

Nietzsche: Also sprach Zarathustra

1889 - 1976

Martin Heidegger

Martin Heidegger (1889 - 1976)

Nach kurzem Studium der Theologie begann Martin Heidegger an der Freiburger Universität (u. a. bei Rickert) Philosophie zu studieren.

1914 erschien seine Dissertation über den Psychologismus, 1916 seine Habilitation über Duns Scotus.

Heidegger war 1916-17 Privatdozent an der Freiburger Universität, 1917-23 war Heidegger Husserls Assistent und diente zwischenzeitlich als Soldat. 1923-28 war er Professor für Philosophie in Marburg.

Zu seinen Kollegen aus jener Zeit zählen u.a. Bultmann, Friedländer, Hartmann und Natorp, zu seinen Schülern Gadamer und Löwith.

1928, nach der Herausgabe des Hauptwerks Sein und Zeit (1927) wurde er Professor für Philosophie an der Freiburger Universität. Heidegger war 1933 vorübergehend Rektor der Universität und Mitglied der NSDAP. 1945-51 hatte er gemäß Befehl der alliierten Besatzungsmächte Unterrichtsverbot.

1895

Freud: Psychoanalyse

1900

Moderne, u.a.
Expressionismus
Kubismus
Futurismus
Abstraktion (inkl. Bauhaus)
Dadaismus
Surrealismus
Neue Sachlichkeit
Pop-Art
Fluxus
Photorealismus

I. Weltkrieg (1914-1918), Russische Revolution (1917), Weimarer Reichsverfassung (1919), Schwarzer Freitag (1929) und Weltwirtschaftskrise, Nationalsozialismus (ab 1933), II. Weltkrieg (1939-1945), Gründung Israels (1948), Gründung der EWG/EU (1957), Mauerbau in Berlin (1961) und Kalter Krieg (Sozialismus versus Kapitalismus), APO (außerparlamentarische Opposition der BRD, Studentendemos etc., 1968), Vietnamkrieg (1964-1976) etc.
Expressionismus (ca. 1900-1930): Vincent van Gogh (1853-1890, Maler), Henri Matisse (1869-1954, Maler), Die Brücke (Erich Heckel, Emil Nolde, Max Beckmann, Oskar Kokoschka, Käthe Kollwitz etc.), Der blaue Reiter (Wassiliy Kandinsky, August Macke, Paul Klee etc.), Berliner Secession (Walter Leistikow, Hans Baluschek, Max Liebermann etc.)
Kubismus (ca. 1907-1915): Pablo Picasso (1881-1973, Maler)
Bauhaus (ca. 1919-1933): Walter Gropius (1883-1969, Architekt), Lyonel Feininger (1871-1956)
Surrealismus: Salvador Dali (1904-1989, Maler, Bildhauer), Joan Miró (1893-1983, Maler, Bildhauer)
Neue Sachlichkeit (ca. 1920-1933): Georg Grosz (1893-1959, Maler), Otto Dix (1891-1969, Maler)
Pop-Art (ca. 1959-1970): Andy Warhol (1928-1987, Maler, bekanntestes Werk: Marylin)
Fluxus (ca. 1960-1975): Joseph Beuys (1921-1986, Bildhauer, Installationskünstler)
Friedensreich Hundertwasser (1928-2000, Maler, Architekt, Stil: Jugendstil & Abstraktion, u.a. Hundertwasser-Haus in Wien, Österreich

1903

Die Kabbala von Papus

1905

Einstein: E = m * c²

Albert Einstein (1879-1955)

Der deutsche Physiker Albert Einstein, der mit Gedankenexperimenten und mathematischen Formeln die Betrachtung von Raum und Zeit revolutioniert hat. Seine spezielle (1905) und allgemeine (1915) Relativitätstheorie berücksichtigten die Rolle des Beobachters bei der Betrachtung der Physik.

1910

Ford: Tin Lizzy

1913 - 1960

Albert Camus (1913-1960)

Der französische Schriftsteller und Philosoph Albert Camus starb im Januar 1960 bei einem Verkehrsunfall.

Ihn bewegt die Frage, wie der Mensch handeln soll, wenn er weder an Gott noch an die Macht der Vernunft glaubt.

In Le mythe de Sisyphe (1942) entwickelt Camus die Philosophie des Absurden. Die Situation des Menschen ist absurd, weil die Welt an sich keinen Sinn hat und dem Menschen immer fremd bleibt.

Weil Camus den Begriff des Absurden mit Sartre teilt, wurde er dem Existentialismus zugerechnet. Camus lehnte den Existentialismus jedoch ab, weil er ihn als philosophisches System auffaßte, d. h. als Ausweichen vor der Anerkennung des Absurden.

Im seinem Werk L'homme révolté (1952) vertritt Camus, die These, daß durch die Revolte gegen das Absurde, durch den Kampf für die Würde des Menschen, das Leben Sinn bekommen kann.

1927

Disney: Mickey Mouse

1930

Analytische Philosophie

Ludwig Wittgenstein

1889-1951

Man hat Abschied genommen von von den metaphysischen Systemkonstruktionen des 19. Jh. und beschränkt sich auf das Mach - und Sagbare. Der tatsächliche Gebrauch von Aussagen und Begriffen wird untersucht, dazu der (nicht immer gleich durchschaubare) Kontext ihrer Anwendungsmöglichkeiten. Die Philosophie darf dabei nur noch vergleichsweise kleine Brötchen backen: Keine großen Visionen werden ihr mehr zugestanden, sondern nur noch solide Definitionen, für deren brauchbarkeit z. B. die genaue Untertsuchung (Analyse) der Sprache, im besonderen der "normalen Sprache" (ordinary language) entscheidend ist.

1937

Picasso: Guernica

1945

Holocaust

1957

Sputnik - Schock

1964

Sartre lehnt den Nobelpreis für Literatur ab

Jean Paul Sartre

* 21. Juni 1905 in Paris; † 15. April 1980 in Paris

Philosophie
Hauptpunkt seiner früheren Thesen (allen voran in L'être et le néant, 1943) ist, dass der Mensch zur Freiheit verurteilt sei: er trifft in jeder seiner Handlungen eine Wahl, und sei es nur die (z.B. unter Folter), zu leben oder zu sterben. Äußerliche Zwänge aufgrund äußerer gesellschaftlicher, natürlicher oder göttlicher Direktiven leugnet Sartre - dies sind Konstruktionen, die dem Menschen die Verantwortung für das, was er tut, nicht abnehmen. Er sagt: "Die Hölle, das sind die anderen": die Erwartungen und Projektionen, die durch Mitmenschen an einen gerichtet werden, manipulieren dessen Handeln, wenn er ihnen gerecht zu werden versucht - aus Bequemlichkeit, weil er der Verantwortung ausweicht, sich selbst stets neu erfinden zu müssen. Am bündigsten formuliert er seine These mit dem Satz "Die Existenz geht dem Wesen voraus" ("L'existence précède l'essence") - einzig sein nacktes Dasein ist dem Menschen vorgegeben; was ihn am Ende ausmacht, muss er erfinden.

Dass diese Haltung angesichts der historischen Wirklichkeit (Krieg, Holocaust) abstrakt ist, erfährt Sartre am eigenen Leibe, als er einberufen wird. Aus dieser Erfahrung, die ihm nicht freiwillig widerfährt, modifiziert er seine Philosophie hin zu einer politischen, auf dem Prinzip des Engagements fundierten Stellung: die große Bedeutung des Bildes, das sich Mitmenschen von einem machen und dessen Handeln modifizieren, veranlasst ihn spätestens seit Le diable et le bon dieu (1951) und der Critique de la raison dialectique (1960) zur Einsicht, dass das Wesen des Menschen, die Realität seines Daseins und Tuns, nachhaltig gesellschaftlich geprägt ist.

Atheistischer Existenzialismus
Ontologischer Ansatz: (Onto-logie: Lehre vom Seienden in seiner höchsten Abstraktheit): Der Mensch ist das einzige Seiende, bei dem die Existenz (dass er ist) der Essenz (was er ist) vorausgeht. Begründung: Für sein Wesen bestimmende Grundzüge (was er sein soll, damit er eigentlich Mensch ist) gibt es nicht. Es gibt keinen Gott, in dem diese Werte begründet wären. Es gibt keine objektiv verbindliche Ethik (wie etwa bei Kant oder Schopenhauer).

Beweis gegen Kants kategorischen Imperativ: Wenn Werte im Konflikt stehen, versagen die allgemeinen Prinzipien. Soll ich bei meiner kranken Mutter bleiben und ihr beistehen oder sie verlassen und mich der Résistance anschließen? Was soll allgemeines Gesetz werden?

Die Lage des Menschen ist also durch absolute Freiheit gekennzeichnet oder: "Der Mensch ist dazu verdammt, frei zu sein" oder: "Der Mensch ist der Statthalter des Nichts" (der Statthalter der Entwicklung (Beifügung ohne Heidegger)!) (Heidegger). Dieser Grund-Situation hat sich der Mensch zu stellen. Alles andere wäre eine Selbsttäuschung. „Es gibt keine Natur des Menschen, die den Menschen lebt, sondern der Mensch ist das, wozu er sich macht.“

Daraus folgen einige Feststellungen: - "Der Mensch ist voll und ganz verantwortlich“, zunächst für seine Individualität: Mit seinem Tun "zeichnet er sein Gesicht". Dann aber zugleich für die ganze Menschheit. Denn mit seinen Entscheidungen entwirft er ein Modell, einen "Typus" des Menschen. Insofern ist er immer auch ein Gesetzgeber.

"Der Mensch ist Angst."

"Der Mensch ist Verlassenheit."

"Der Mensch ist Verzweiflung." Sartre führt diesen Begriff im Zusammenhang mit der Tatsache ein, dass man in seinen Projekten für die Zukunft nur auf das bauen kann, was in den eigenen Kräften steht. Es ist nie sicher, dass andere etwa die eigenen politischen Pläne fortsetzen werden. Es gibt also keine sicheren Hoffnungen über das Leben hinaus. Auch die anderen sind frei. Aber: "Man braucht nicht zu hoffen, um etwas zu unternehmen."

"Es gibt Wirklichkeit nur in der Tat." oder: "Der Mensch ist das, was er vollbringt." Der Mensch ist nicht seine Möglichkeiten. Die Liebe ist für Sartre die verwirklichte Liebe, das Genie das verwirklichte Genie. Es gibt keine Entschuldigungen für das, was nur innen bleibt. Sartres psychologische Begründung: Ob z.B. Zivilcourage echt ist, kann man nur sagen, wenn jemand sie im Leben zeigt.

Historische Situation und menschliche Bedingung: "Die historische Situation ändert sich ... Was sich nicht ändert, ist die Notwendigkeit, in der Welt zu sein, darin an der Arbeit, darin inmitten der anderen zu sein und sterblich zu sein.

Die Bedeutung der anderen: Der Existenzialist "gibt sich Rechenschaft, dass er nichts sein kann (im Sinne, wie man sagt, einer ist geistreich, einer ist bösartig, einer ist eifersüchtig) außer wenn die anderen ihn als solchen anerkennen. Um irgendeine Wahrheit über mich zu erfahren, muss ich durch den anderen hindurchgehen. Der andere ist meiner Existenz unentbehrlich, ebenso wie er der Erkenntnis, die ich von mir selber habe, unentbehrlich ist. Unter diesen Bedingungen enthüllt die Entdeckung meines Innersten mir zugleich den anderen als eine mir gegenübergestellte Freiheit, die nur für oder gegen mich denkt und will. Somit entdecken wir sofort eine Welt, die wir "Zwischen-Ichheit" (Intersubjektivität) nennen wollen, und in dieser Welt entscheidet der Mensch, was er ist und was die anderen sind." Man wählt im Angesicht der anderen, und man wählt sich im Angesicht der anderen. Sartre zeigt in einer Analyse des Angeblicktwerdens ("Der Blick" in: "Das Sein und das Nichts"), wie der andere mir erscheint: als Konkurrent in dem Kampf um die Perspektivierung des Menschseins und der Wirklichkeit.

Die existentialistische Moral: Sartre betont die Ähnlichkeit mit dem Akt künstlerischen Schaffens. Man muss die Moral mit der Gestaltung eines Kunstwerkes vergleichen. Gründe: Ein Künstler lässt sich nicht durch festgelegte Regeln leiten. Er muss auch kein bestimmtes Bild machen. Der Künstler bindet sich in die Gestaltung seines Bildes ein; und das Bild, das zu machen ist, ist genau das Bild, das er gemacht haben wird. Wir befinden uns mit unserer Moral in einer vergleichbaren nach Kreativität verlangenden Lage. Der Inhalt ist immer konkret und daher unvorhersehbar; es ist immer Erfindung vorhanden. Was allein zählt, ist, zu wissen, ob die Erfindung, die getätigt wird, im Namen der Freiheit getätigt wird.

Kann ich ein moralisches Urteil über andere fällen? Wenn der Mensch einmal erkannt hat, dass er in Verlassenheit Werte setzt - dann kann er nur eines noch wollen, nämlich die Freiheit als Grundlage aller Werte. So kann ich im Namen der menschlichen Befindlichkeit als Freiheit Urteile fällen über diejenigen, die danach trachten, die Autonomie ihres Daseins und ihre totale Freiheit zu verbergen.

Die Transzendenz: ist ein konstitutives Merkmal des Menschen, aber nicht in dem Sinne, dass ein Bezug zu Gott hergestellt wird. Das geht nicht mehr als Konsequenz der atheistischen Einstellung. Vielmehr ist Transzendenz bei Sartre das Überschreiten der Ichheit, in dem Sinne, wie der Mensch nicht in sich selber eingeschlossen ist, sondern dauernd gegenwärtig ist in einem menschlichen All.

Der Existentialismus ist ein Humanismus: "... weil wir (die Existentialisten) den Menschen daran erinnern, dass es außer ihm keinen anderen Gesetzgeber gibt und dass er in seiner Verlassenheit über sich selbst entscheidet; und weil wir zeigen, dass nicht durch Rückwendung auf sich selbst, sondern immer durch die Suche nach einem Ziel außerhalb seiner, welches diese oder jene Befreiung, diese oder jene besondere Verwirklichung ist - dass dadurch der Mensch sich als humanes Wesen verwirklichen wird. "

1965

Gott ist tot Theologie

 

Dorothee Sölle vertritt auf dem Hamburger Kirchentag die Meinung, daß Gott Auschwitz nicht verhindert habe, und erklärte ihn für tot. Die Gott ist tot Theologie ist eine Strömung aus den 60er Jahren in den USA. Bei D. Sölle, einer Schülerin Fr. Gogartens, erleidet Gott durch den Tod Jesu endgültig das Todeslos des Menschen, so dass die Menschen nur noch "atheistisch an Gott glauben" (Buchtitel) können.

1969

Woodstock

1979

Iran: islamische Revolution

1989

"Wir sind das Volk"

Postmoderne

Glasnost und Perestroika (offene russische Politik und Reformen unter Gorbatschow, ca. ab 1985) brachten das Ende der meisten sozialistischen Regierungen, Fall der Berliner Mauer (1989), Wiedervereinigung Deutschlands (1990), Ende des Kalten Krieges, rasante Technisierung in allen Lebens- und Arbeitsbereichen und Siegeszug des Internets
Jeff Koons (Installationskünstler)
Norman Foster (geb. 1935, Architekt, u.a. Umbau des Reichstages in Berlin)
Daniel Libeskind (geb. 1946, Architekt, u.a. Jüdisches Museum in Berlin)

2000

www.2000.de

2002 Digitale Revolution  
Es wird angenommen, dass es der Menschheit im Jahr 2002 das erste Mal möglich war, mehr Informationen digital als im Analogformat zu speichern, was deshalb als der Beginn des „Digitalen Zeitalters“ gesehen werden kann.
2004-2016.. :-)))

www.susannealbers.de....:-)))

Diese Seiten sind seit dem 2. April 2004 online. Zuerst war es eine riesen Homepage mit zeitweise ca. 6000 Seiten, die sich im Laufe der Jahre 2004 bis 2008 5,5 Mio Besucher mit 35 Mio Seitenabrufen angesehen haben. Pro Tag waren es ca. 8000 - 10000 Gäste, die täglich etwa 10GB Transfervolumen verbrauchten. Dann war die Homepage eine zeitlang gesperrt und passwortgeschützt, und ist nun seit Anfang 2008 als Rätselbuch der Renaissance mit ca.14.000 Seiten und etwa 1 Mio Seitenzugriffen pro Monat wieder zu erreichen.
ab 2011 Industrie 4.0  

Zur Hannovermesse 2011 wurde erstmals der Begriff Industrie 4.0 in der Öffentlichkeit formuliert, und geht zurück auf die Forschungsunion der Bundesregierung und ein gleichnamiges Projekt in der Hightech-Strategie des Bundes. Technologische Grundlage sind cyber-physische Systeme und das „Internet der Dinge“. Diese vierte industrielle Revulotion beschreibt die nahtlose Kommunikation vom Sensor bis in das Internet. Gab es in der dritten industriellen Revolution erstmals Computer unterstützte Fertigung (Computer Integrated Manufactoring), spielt jetzt das Internet der Dinge die wesentliche Rolle der Kommunikation zwischen Menschen, Maschinen und Produkten.
Forschungsgruppen (der Arbeitskreis Industrie 4.0) übergaben der Bundesregierung im Oktober 2012 Umsetzungsempfehlungen für dieses Zukunftsprojekt. Siegfried Dais (Robert Bosch GmbH) und Henning Kagermann (acatech) waren die Vorsitzenden dieses Arbeitskreises.
Die Ziele sind im Wesentlichen klassische Ziele der produzierenden Industrie wie Qualität, Kosten- und Zeiteffizienz, aber auch Ressourceneffizienz, Flexibilität, Wandlungsfähigkeit sowie Robustheit (oder Resilienz) in volatilen Märkten.
Die zuständige Promotorengruppe der Forschungsunion blieb auch nach Vorlage des Berichtes noch aktiv, so u. a. in der Arbeitsgruppe Industrie 4.0 der gleichnamigen Plattform Industrie 4.0, einem Zusammenschluss der Branchenverbände Bitkom, VDMA und ZVEI. Die Plattform Industrie 4.0 wurde seitdem weiter ausgebaut und steht inzwischen unter der Leitung der Bundesministerien für Wirtschaft und Energie (BMWi) sowie Bildung und Forschung (BMBF). Ziel der Plattform ist die Weiterentwicklung des Begriffes der Industrie 4.0 im Dialog von Gewerkschaften, Wirtschaftsverbänden, Unternehmen, Wissenschaft und Politik.

  WAS NOCH BEARBEITET WERDEN MUSS  
 

Indogermanen

Hinduismus, Buddhismus

 

Semiten

Juden, Moslems, Christen

 

Israel

 

Jesus

 

Paulus

 

Romanik, Romantik

 

Alle Angaben sind aus den unterschiedlichsten Büchern und Quellen zusammengetragen, sowie einigen Tabellendaten von Phillex, Philosphenlexikon und Roman Eisele - Es ist eine sehr umfangreiche Tabelle, die auch "Kleinigkeiten" berücksichtigt - wer von Euch Lesern noch andere Quellen wie z. B. die Kepler Tafeln weiß, oder wer noch über zusätzliche relevante Daten verfügt, denn bitte ich um eine Mail zu den Quellenangaben - oder besser noch: einfach die Tabelle schicken, ich füge das dann hier ein - Dateigröße ist jetzt schon bei 565kB - aber mein grundsätzliches Ziel war: es soll eine einzige Liste bleiben, um keinen der Bereiche zu "übervorteilen" - (

Kepler Tafeln: Die Rudolfinischen Tafeln stellen eine Sammlung von verschiedenen Tafeln und Regeln zur Vorhersage der Planetenstellungen dar. Nachdem Johannes Kepler im Jahr 1600 Assistent von Tycho Brahe in Prag wurde, erhielten Brahe und Kepler von Kaiser Rudolf II. einen Auftrag für die Berechnung von neuen genaueren Planetentafeln, die nach dem Kaiser Rudolfinische Tafeln benannt wurden. Nachdem Tycho Brahe im Oktober 1601 verstarb, wurde Kepler dessen Nachfolger als kaiserlicher Mathematiker Rudolfs II. und er arbeitete allein an den Tafeln weiter. Im Mai 1612 erhielt Kepler eine Anstellung in Linz, wo er weiter an den Rudolfinischen Tafeln arbeitete. Die Herausgabe der Rudolfinischen Tafeln zögerte sich jedoch unerwartet hinaus als während des Oberösterreichischen Bauernkriegs 1626 in Linz die Druckerei in der die "Tabulae Rudolfinae" gedruckt werden sollten in Flammen aufging. Kepler übersiedelte daraufhin nach Ulm (1626 - 1627), um dort die Tafeln im September 1627 fertigzustellen. Die Rudolfinischen Tafeln waren das letzte große Werk Keplers, das zu seinen Lebzeiten erschien, und stellen eine beachtliche Leistung Keplers in praktischer Astronomie dar. Das Werk bildete bis zum 18. Jahrhundert die Grundlage vieler astronomischer Berechnungen. Der englische Mathematiker und Physiker Sir Isaac Newton stützte sich bei der Formulierung seiner Theorie der Gravitationskraft auf die Keplerschen Theorien und Beobachtungen. Das von Kepler entworfene Frontispiz wurde vom Frankfurter Kupferstecher Georg Keller ausgeführt. Es zeigt eine Allegorie der Geschichte der Astronomie. - Textauszug von Quelle de.wikipedia.org - Das letzte große Werk, das zu Keplers Lebzeiten erschien, war Tabulae Rudolfinae (1627, Rudolphinische Tafeln). Es enthielt neue Tabellen der Planetenbewegung, die auf Brahes Daten basierten. Die mittleren Fehler konnten von fünf Grad auf zehn Minuten Abweichung von der wirklichen Planetenposition reduziert werden. Das Werk bildete für die kommenden 200 Jahre die Grundlage vieler astronomischer Berechnungen. Der englische Mathematiker und Physiker Sir Isaac Newton stützte sich bei der Formulierung seiner Theorie der Gravitationskraft stark auf die keplerschen Theorien und Beobachtungen. - Textauszug von Quelle de.encarta.msn.com - Kepler, Johannes, Astronom Nach dem Tode Rudolfs II. war er 1612-26 Professor in Linz, vollendete hier die »Tabulae olphinae« (»Rudolfinische Tafeln«, 1627), einen Sternkatalog mit Sonnen-, Mond- und Planetenörtern. - Textauszug von Quelle lexikon.meyers.de -

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