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Esau und Jakob

Isaak ist groß geworden.
Er hat jetzt selbst Kinder.
Seine Frau heißt Rebekka.
Sie kommt von weit her,
aus dem Land, wo Abraham früher war.
Der ältere Sohn ist Esau, der jüngere Jakob.

Esau wird ein Jäger.
Er jagt das Wild in Feld und Wald.
Vater Isaak ißt gern gebratenes Wild.
Er liebt Esau,
weil Esau ihm leckeren Braten bringt.

Jakob ist der Liebling seiner Mutter Rebekka.
Er bleibt lieber zu Hause.
Er sorgt für die Schafe.
Es war schon vor der Geburt von Esau und Jakob,
da hat Gott zu Rebekka gesagt:
"Der jüngere Sohn wird der Herr,
der ältere Sohn wird sein Knecht."

Isaak ist alt und blind.
Er ruft Esau und sagt:
"Ich will dich segnen, bevor ich sterbe.
Du bist der Ältere, du sollst der Erbe sein.
Jage mir ein Wild,
und mach mir einen leckeren Braten.
Wenn ich mich gestärkt habe, segne ich dich."

Rebekka hat es gehört.
Sie ruft Jakob und sagt:
"Den Segen mußt doch du bekommen!
Hol schnell zwei junge Ziegenböckchen.
Ich mache daraus einen leckeren Braten."

Jakob sagt:
"Der Vater wird merken, daß ich nicht Esau bin.
Meine Haut ist glatt, die Haut von Esau ist rauh."
Rebekka holt die Sonntagskleider von Esau.
Sie nimmt das rauhe Fell von den Ziegenböckchen.
Sie wickelt es Jakob um die Arme.

Jakob geht zu seinem Vater.
Isaak kann ihn nicht sehen.
Er fragt:"Wer ist da?"
Er betastet Jakobs Hände.
Jakob sagt:
"Ich bin es, dein Sohn Esau."
"Isaak sagt:
"Die Stimme ist von Jakob,
aber die Hände sind von Esau."
Isaak ißt den leckeren Braten.

Isaak segnet Jakob.
Er legt ihm die Hände auf sagt:
"Auf dir soll der Segen ruhen!
Dir soll das Land gehören,
das Gott meinem Vater Abraham versprochen hat.
Gott schenkt dir Korn und Wein in Fülle!
Du sollst der Herr sein,
und dein Bruder der Knecht."

Schnell geht Jakob weg.
Schon kommt Esau mit dem gebratenen Wild.
Esau sagt: "Vater segne mich!"
Isaak erkennt die Stimme.
Er erschrickt.
Er ruft: "Ja, du bist Esau!
Und ich habe den Segen deinem Bruder gegeben!"

Esau schreit laut auf.
Er schwört:
"Das soll Jakob mir büßen!"
Esau will Jakob totschlagen.
Rebekka sagt zu Jakob:
"Lauf weg! Bring dich in Sicherheit!
Geh zu meinen Verwandten.
Dorthin, wo dein Großvater Abraham herkam.
Dein Bruder will dich töten."

Jakob läuft,
bis es dunkel wird.
Dannn sich er sich einen Platz zum Schlafen.
In der Nacht hat Jakob eine Traum.

Er sieht:
Das Himmeltor ist offen.
Eine Treppe geht vom Himmel bis auf die Erde.
Engel kommen auf der Treppe zur Erde herunter,
andere Engel steigen zum Himmel hinauf.
Ganz oben auf der Treppe steht Gott.
Er sagt zu Jakob:

"Ich bin der Gott deines Vaters Isaak
und der Gott deines Großvaters Abraham.
Ich gehe mit dir.
Ich bringe dich wieder hierher zurück.
Das Land auf dem du liegst,
das soll dir und deinen Kindern gehören.
Ich segne dich.
Ich mache dich zum Vater von einem großen Volk."

Jakob erwacht.
Er ruft: "Hier wohnt Gott!
Hier ist das Himmelstor!
Wennn ich widerkomme,
dann willl ich hier ein Haus für Gott bauen."
Jakob wandert weiter. Er hat keine Angst mehr.
Er weiß: Gott hilft mir. Gott geht mit.

00 Vorwort
01 Gott erschafft die Welt 1. Mose (Genesis) 1,1 - 2,4
02 Der Regenbogen 1. Mose (Genesis) 6,5 - 9,17
03 Abraham Aus 1. Mose (Genesis) 12 - 25
04 Esau und Jakob Aus 1. Mose (Genesis) 25,19 - 28,22
05 Josef Aus 1. Mose (Genesis) 37,1 - 45,15
06 Der Auszug aus Ägypten Aus 2. Mose (Exodus) 1 - 14
07 Der Weg ins versprochene Land Aus 2. Mose (Exodus) 16-20; 34; 37; 4. Mose (Numeri) 10, 11-28; Josua 3, 1 - 8
08 Rut Aus Rut 1 - 4
09 David wird König Aus 1. Samuel 16 und 17; 2. Samuel 5 und 6; 1. Könige 6 und 8
10 Jona Aus Jona 1 - 4
11 Zacharias und Elisabeth Lukas 1,5 - 79
12 Jesus ist geboren Lukas 2,1 - 20; Matthäus 2,1 - 12
13 Der zwölfjährige Jesus Lukas 2, 40 - 52
14 Die Hochzeit in Kana Johannes 2, 1 - 11
15 Jesus und seine Jünger Aus Matthäus 4 - 10
16 Jesus und der Gelähmte Markus 2, 1 - 12
17 Jesus und der Sturm Markus 4, 35 - 41
18 Jesus besiegt den Tod Aus Markus 5, 21 - 43
19 Der barmherzige Samariter Lukas 10, 25 - 37
20 Der verlorene Sohn Lukas, 15, 11 - 32
21 Bartimäus Markus 10, 46 - 52
22 Zachäus Lukas 19, 1 - 10
23 Die Arbeiter im Weinberg Matthäus 20, 1 - 16
24 Jesus in Jerusalem Matthäus 21, 1 - 11 und 26, 17 - 36
25 Jesus ist auferstanden Aus Markus 14-16, Johannes 19 und Lukas 24
26 Himmelfahrt und Pfingsten Aus Apostelgeschichte 1 und 2
27 Ein Afrikaner wird getauft Apostelgeschichte 8, 26 - 39
28 Hilfen zum Verständnis

illustriert von Kees de Kort

herausgegeben 1994 von der Deutschen Bibelgesellschaft Stuttgart

ISBN 3-438-04142-1

04 Esau und Jakob

Die Geschichte der Zwillingsbrüder Esau und Jakob ist rätselhaft und anstößig. Da hintergeht der jüngere Sohn auf Anstiften der Mutter den alten, erblindeten Vater und erschleicht den Segen, der dem Erstgeborenen zusteht. Er muß es büßen durch jahrzehntelange Verbannung in die Fremde; aber er bleibt der Gesegnete. Der Betrug erscheint auch noch gerechtfertigt, weil durch ihn die Zusage in Erfüllung geht, die Gott der Mutter schon vor der Geburt der beiden gegeben hat: "Der Ältere wird dem Jüngeren dienen." (1.Mose 25,23)

Es gibt Züge im Bild Esaus, die (im Bilderbuch nicht dargestellt) seine Zurücksetzung in gewisser Weise verständlich machen. Er heiratet heidnische Frauen, und er achtet sein Erstgeburtsrecht so gering, daß er es, in einer augenblicklichen Anwandlung für ein Linsengericht seinem Bruder Jakob verkauft (1.Mose 25,29-34). Aber auch Jakob ist kein Heiliger. Er ist durchtrieben und ist mit allen Mitteln auf seinen Vorteil bedacht.

Menschlich gesehen gibt es keine Erklärung dafür, daß Jakob bevorzugt wird. Die Geschichte der Zwillingsbrüder ist ein Musterbeispiel dafür, daß Gottes Entscheidungen frei und unerforschlich sind. Man kann an ihr lernen, Gott nicht mit unseren menschlichen - auch moralischen - Maßstäben zu messen. Was uns als "Schicksal" widerfährt, ist nicht nach dem Schema von Lohn und Strafe zu verrechnen. Es ist eher eine Aufforderung, etwas daraus zu machen, daran zu wachsen und zu reifen, Die angemessene Frage ist nicht: Warum?, sondern: Wozu?

Kinder haben ein ausgesprochenes Gerechtigkeitsgefühl. Sie werden es nicht leicht haben, sich mir dieser Geschichte abzufinden. Natürlich geht es im Leben nicht immer gerecht zu; aber wenigsten Gott sollte eine unverrückbare moralische Instanz sein. Kommt sonst nicht alles ins Wanken?

Man wird hier auf eine Unterscheidung hinweisen müssen: Es heißt in der Geschichte nicht, daß Esau von Gott "verworfen" -(verdannt) ist. Auch er bekommt einen Segen, was im Bilderbuch nicht dargestellt ist; aber er kann eben nicht der Erste sein. Das ist eine Situation, mit der sich gerade Kinder (unter Geschwistern, in der Schule) auseinandersetzen müssen.

 

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