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Jesus ist in ein Haus gegangen.
Viele Menschen kommen.
Sie wollen Jesus sehen.
Sie wollen hören, was er sagt.
Das Haus ist voll.
Es kommt keiner mehr zur Tür hinein.
Vier Menschen bringen einen Kranken
Sie wollen zu Jesus.
Sie tragen den Kranken in einer Decke.
Der Kranke Mann kann sich nicht bewegen.
Er ist gelähmt.

Die Männer können nicht zur Tür hinein.
Sie gehen um das Haus herum.
Sie steigen auf das Dach.

Die Männer brechen das Dach auf,
gerade über Jesus.

Sie lassen den Kranken in einer Decke hinunter.
Jesus sieht den Kranken. Er merkt:
Die Männer habe Vertrauen zu ihm.
Sie glauben, daß er helfen kann.

Da sagt Jesus zu dem gelähmten Mann:
Freue dich!
"Deine Schuld ist dir vergeben.
Gott ist nicht böse auf dich.
Er hat dich lieb."

Ein paar fromme Männer stehen dabei.
Sie hören, was Jesus sagt.
Sie denken:
Das darf er nicht sagen!

Jesus merkt, was sie denken.
Er sagt:
"Was kann man leichter sagen
zu so einem gelähmten Mann:
Deine Schuld ist dir verbegen,
oder steh auf?"

Jesus sagt:
"Ich will euch zeigen,
daß ich Schuld vergeben kann."

Er sagt
zu dem gelähmten Mann:
"Steh auf!
Nimm deine Decke
und geh nach Hause!"

Sofort steht der Mann auf.
Staunend steht er auf seinen Beinen.
Er nimmt seine Decke auf die Schulter
und geht hinaus.

Die Menschen staunen.
Sie loben und preisen Gott.
Sie sagen:
"So etwas haben wir noch nie gesehen!"

herausgegeben 1994 von der Deutschen Bibelgesellschaft Stuttgart
16 Jesus und der Gelähmte
Der ungewöhnliche Weg, auf dem der Gelähmte zu Jesus kommt, macht - sicher nicht nur für die Kinder - den besonderen Reiz dieser Geschichte aus. Aber auch sonst ist hier manches anders, als wir es von den Heiligungsgeschichten der Evangelisten gewohnt sind.
Jesus kann überall dort Menschen von Krankheitsnot befreien, wo ihm Vertrauen entgegen gebracht wird. In dieser Geschichte aber erleben wir, daß der Glaube nicht bei den Kranken selbst zu finden ist, sondern bei den Freunden, die ihn zu Jesus bringen. Ist der Gelähmte schon entmutigt, daß er sich die Möglichkeit einer Heilung garnicht mehr vorstellen kann?
Noch etwas anderes ist überraschend an dieser Geschichte. Anstatt daß Jesus sogleich das rettende Wort spricht, spricht er den Kranken auf seine Schuld an. Ist der Mann vielleicht ein ganz besonders schlimmer Sünder? Davon ist nirgend etwas gesagt! Jesus setzt vielmehr (mit den frommen seiner Zeit) voraus, daß Krankheit nicht nur äußere Ursachen hat. Vor allem in ihren schweren Erscheinungsformen sah man eine Strafe für menschliche Schuld. Den tiefsten Grund des Krankheitsschicksals fand der Glaube Israels in einem gestörten Verhältnis zu Gott.
Und ist daran nicht häufig etwas Wahres? Es gibt Krankheiten, an denen wir selbst Schuld sind durch mangelnde Vorsicht oder eine unvernünftige Lebensweise. Wir empfinden sie als ein Signal: So kannst du nicht weitermachen! Manchmal rührt das an noch tiefere Störungen: Wofür lebe ich eigentlich? Was habe ich aus dem mir anvertrauten Leben gemacht? Was bin ich Gott und meinen Mitmenschen schuldig geblieben?
Es ist gut, bei jeder Krankheit nach innen zu horchen und zu fragen, was sie (was Gott durch sie) mir sagen will. Aber es wäre verkehrt, in jedem Fall nach einer bestimmten Schuld zu suchen. Jesus behaftet den Gelähmten nicht bei seinen Sünden, sondern macht ihn davon frei. Er sagt zu ihm: "Was vergangen ist, darf dich nicht länger belasten. Ich schenke dir einen neuen Anfang. Gott ist mit dir gut, nichts trennt dich mehr von ihm. Das verbürge ich dir."
Noch ein weiteres Mal ist diese Geschichte für eine Überraschung gut. Die vergebende Zuwendung Jesu zu dem Gelähmten stößt auf Widerspruch. Was Jesus tut, ist in der Tat etwas Unerhörtes. Wenn er in Vollmacht, wie Gott selber, Sünden vergibt, dann ist das im Grunde ein noch viel größeres Wunder, als wenn er Kranke heilt. Sünden vergeben kann nur der, der selbst alle unsere Schuld auf sich nimmt.
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