Wie ich auf diesen Gedanken kam

Friedrich Schiller, 15. Brief über die ästhetische Erziehung des Menschen
Schiller unterscheidet Sinnentrieb, Formtrieb und Spieltrieb. Das Schöne nennt er „lebende Gestalt“: Leben und Form, Empfindung und Denken sollen nicht gegeneinander arbeiten, sondern zusammenkommen. Sein „Spiel“ meint deshalb nicht bloß Unterhaltung.
Der 15. Brief – gesungen
Die folgende Liedfassung übersetzt zentrale Gedanken des 15. Briefes in eine heutige, musikalische Form. Sie ist eine künstlerische Bearbeitung – nicht Schillers Originaltext.
Strophe 1
Leben ist der Sinnentrieb,
Gestalt ist Form und Geist.
Doch Schönheit wird geboren,
wo beides sich umkreist.
Nicht bloß Gefühl, nicht bloß Gedanke,
nicht nur Körper, nicht nur Licht.
Schönheit ist lebende Gestalt,
wo Welt zur Seele spricht.
Refrain
Lebende Gestalt,
Schönheit, die uns trägt.
Wo das Leben Form gewinnt
und Form zu leben schlägt.
Lebende Gestalt,
frei von Zwang und Muss.
Wo der Mensch im Spiel sich findet,
wird aus Ernst ein Kuss.
Strophe 2
Ein Marmorblock kann leben,
wenn Form ihn auferweckt.
Ein Mensch kann tot erscheinen,
wenn keine Form ihn deckt.
Erst wenn die Form im Fühlen lebt,
das Leben sich gestaltet,
wird das Schöne gegenwärtig,
das uns innerlich verwandelt.
Bridge
Mit Schönheit spielen heißt nicht:
das Leben leicht verachten.
Es heißt: im höchsten freien Sein
den ganzen Menschen achten.
Refrain
Lebende Gestalt,
Schönheit, die uns trägt.
Wo das Leben Form gewinnt
und Form zu leben schlägt.
Lebende Gestalt,
frei von Zwang und Muss.
Wo der Mensch im Spiel sich findet,
wird aus Ernst ein Kuss.
Outro
Der Mensch ist nur da ganz Mensch,
wo er wirklich spielt.
Wo Pflicht und Neigung schweigen
und Freiheit sich enthüllt.
Jetzt wird es spannend
Sondern: „Was nehmen wir einem Menschen, wenn wir ihm keinen freien Spielraum lassen?“