SMS · Susanne macht SchuleWissen darf lebendig sein.
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Perspektive 4 von 6 · Angst, Scham und Würde

Der pflegebedürftige Mensch

Der vollständige Text bleibt als künstlerische Stimme erhalten. Er ist keine statistische Darstellung, sondern macht eine politische Folge emotional erfahrbar.

Ich brauche Hilfe (Stimme des Pflegebedürftigen) Strophe 1 Ich war mal der, der getragen hat. Der Sachen repariert, der nachts aufgestanden ist, wenn jemand geweint hat. Jetzt stehe ich hier und brauche Zeit. Nicht viel. Nur genug, um nicht zu fallen. Strophe 2 Man nennt es Pflegegrad, als wäre das ein Titel. Man spricht über mich, als wäre ich ein Fall. Aber ich bin noch da. Ich höre jedes Wort. Und ich merke genau, wenn man schneller spricht, weil es unangenehm wird. Refrain Ich brauche Hilfe. Nicht Mitleid. Nicht Geduld auf Raten. Ich brauche Hände, die wissen, was sie tun. Und Gesichter, die mich ansehen, nicht die Uhr. Strophe 3 Ich weiß, was ich koste. Man hat es mir gesagt. Nicht böse, nur sachlich. Als wäre ich ein Auto mit Ersatzteilen. Ich habe genickt. Was soll man auch sagen, wenn man selbst zur Rechnung wird? Strophe 4 Ich will niemandem zur Last fallen. Ich hab diesen Satz mein Leben lang geübt. Aber jetzt wird er gefährlich, weil er mich still macht, wenn ich eigentlich sprechen müsste. Refrain Ich brauche Hilfe. Nicht als Gnade. Nicht als Ausnahme. Ich brauche Hilfe, weil ein Körper irgendwann ehrlich wird. Und weil Würde nicht daran hängen darf, ob jemand zahlen kann. Bridge Ich habe gearbeitet. Ich habe Steuern gezahlt. Ich habe geglaubt, das reicht. Jetzt hoffe ich nicht auf Dank, sondern auf Ordnung. Auf ein System, das mich nicht zu spät entdeckt. Strophe 5 Ich sehe die Angst in den Augen der Kinder. Nicht vor mir. Vor den Zahlen. Und das tut mehr weh als jedes Gelenk. Ich will nicht, dass sie sich schämen, mich zu lieben. Letzter Refrain Ich brauche Hilfe. Und ich schäme mich nicht mehr, das zu sagen. Denn ein Land, das alt werden will, muss lernen, dabei zuzuhören. Ich brauche Hilfe. Und ich bin noch ein Mensch. Schluss Wenn ihr fragt, was mich trägt: Es ist nicht Geld. Es ist die Hoffnung, dass Fürsorge kein Fehler im System ist, sondern sein Sinn. ### ###