SMS – Susanne macht SchuleFrei zugänglich · ungewöhnlich gedacht

Psychologie · Ethik · Deutsch · Klassen 8–11 · 90 Minuten

Die Gretchenfrage

Wann muss ich Stellung beziehen? Eine Unterrichtseinheit über Gewissen, Mut, Prüfung und den Preis des Widerspruchs.

Die Gretchenfrage
Sprachentscheidung: Im Manifest spricht die Autorin bewusst in der Ich-Form. In der Unterrichtseinheit heißt es dagegen „Susanne Albers“ oder „die Autorin“. So bleibt klar: Die Klasse untersucht eine Position – sie soll sie nicht übernehmen.

Phase 1 · 10 Minuten

Vier Situationen – schweigen oder handeln?

Situation A

In einer Klassengruppe wird ein Schüler öffentlich lächerlich gemacht. Viele lesen mit, niemand antwortet.

Situation B

Eine Freundin erzählt von Gewalt und verlangt: „Sag es niemandem.“

Situation C

Eine Person behauptet etwas Politisches, das du für falsch und gefährlich hältst.

Situation D

Du bemerkst eine Ungerechtigkeit, bist aber selbst abhängig von der Person, die sie verursacht.

Auftrag: Entscheidet jeweils: schweigen, nachfragen, widersprechen, Hilfe holen oder öffentlich handeln? Nennt einen Vorteil und ein Risiko eurer Entscheidung.

Phase 2 · 10 Minuten

Eine Entscheidung braucht mehr als ein starkes Gefühl

PrüffrageWorum geht es?
Was weiß ich?Fakten, Quellen, Unsicherheiten
Was empfinde ich?Wut, Angst, Mitleid, Empörung
Welcher Wert ist berührt?Würde, Freiheit, Frieden, Loyalität, Schutz
Wen betrifft mein Handeln?Betroffene, Gegner, Unbeteiligte, mich selbst
Welche Form ist angemessen?Gespräch, Hilfe, Öffentlichkeit, Verweigerung, Protest
Merksatz: Lautstärke ist noch kein Mut. Schweigen ist noch keine Feigheit. Entscheidend sind Grund, Ziel, Mittel und Folgen.

Phase 3 · 12 Minuten

Warum Menschen unterschiedlich sprechen

Aus „Ich diene dem, der hört“:

„Nicht jeder Mensch hört gleich. Manche brauchen Fragen. Manche brauchen alte mystische Stimmen. Manche brauchen Klartext. Manche brauchen ein Manifest. Manche brauchen nur einen einzigen Satz, der etwas in ihnen öffnet.“

„Darum ist mein Werk vielstimmig. Nicht, weil ich mich verzettele. Sondern weil Liebe viele Wege kennt.“

  1. Welche fünf Ausdrucksformen nennt die Autorin?
  2. Warum kann ein Manifest stärker wirken als ein sachlicher Aufsatz?
  3. Welche Gefahr entsteht durch starke, zugespitzte Sprache?
Optionales Video: „Ich diene dem, der hört“

Sehauftrag: Notiert nicht den Inhalt vollständig. Achtet darauf, wie Bild, Stimme, Musik und Wiederholung die Botschaft verstärken.

Phase 4 · 35 Minuten

Das Manifest wird zum Gegenstand des Unterrichts

Die Klasse liest das Manifest nicht als Lehrmeinung, sondern als persönliche, radikal pazifistische Stellungnahme. Sie darf zustimmen, widersprechen, Lücken benennen und Gegenargumente entwickeln.

Gruppe 1: Krieg und Abschreckung

Prüft die Abschnitte 1–5.

Gruppe 2: Werte und Gesellschaft

Prüft die Abschnitte 6–9.

Gruppe 3: Schule, Arbeit, Konsum

Prüft die Abschnitte 10–17.

Jede Gruppe erstellt:
  1. eine zentrale These in eigenen Worten,
  2. ein starkes Argument der Autorin,
  3. eine Pauschalisierung oder logische Lücke,
  4. eine ernsthafte Gegenposition,
  5. ein vorläufiges Urteil.

Phase 5 · 18 Minuten

Fishbowl: Muss man hier Stellung beziehen?

Leitfrage: Ist radikaler Pazifismus eine mutige und notwendige Haltung – oder blendet er Gefahren und Verantwortung gegenüber Angegriffenen aus?

Regel: Jede Wortmeldung muss auf eine konkrete Aussage des Manifests Bezug nehmen. Persönliche Angriffe sind ausgeschlossen.

Abschluss · 5 Minuten

Das eigene Mini-Manifest

Eine Grenze, bei der ein Mensch nicht mehr schweigen sollte, ist …

Mein stärkster Grund lautet …

Ein möglicher Einwand ist …

Trotzdem entscheide ich mich für …