SMS – Susanne macht SchuleFrei zugänglich · ungewöhnlich gedacht

Geschichte · Ethik · Politik · Klassen 8–11 · 90 Minuten

Hiroshima und Nagasaki

Nicht nur Daten lernen: Entscheidungen rekonstruieren, Argumente prüfen und ein historisches Urteil bilden.

Hiroshima und Nagasaki
Würdiger Unterricht: Die Einheit verzichtet auf drastische Opferbilder. Sie arbeitet mit Sachtext, Zeitleiste, Entscheidungssituation und Urteilsbildung. Opferzahlen sind Schätzungen.

Phase 1 · 8 Minuten

Leitfrage

War der Einsatz der Atombomben militärisch notwendig – oder wurde eine Grenze überschritten, die niemals hätte überschritten werden dürfen?
Vorwissen: Schreibe drei Dinge auf, die du bereits weißt, und eine Frage, die du heute klären möchtest.

Phase 2 · 15 Minuten

Zeitleiste: Entscheidungen in wenigen Wochen

16. Juli 1945
Beim Trinity-Test in New Mexico wird erstmals eine Atombombe gezündet.
26. Juli 1945
Die Potsdamer Erklärung fordert Japans bedingungslose Kapitulation.
6. August 1945
„Little Boy“ detoniert gegen 8:15 Uhr über Hiroshima.
8. August 1945
Die Sowjetunion erklärt Japan den Krieg.
9. August 1945
„Fat Man“ wird über Nagasaki abgeworfen.
15. August 1945
Japan gibt die Annahme der Kapitulationsbedingungen bekannt.
  1. Welche Ereignisse liegen besonders eng beieinander?
  2. Welche Entscheidung hätte an welchem Punkt noch anders ausfallen können?

Phase 3 · 15 Minuten

Was geschah in den Städten?

Hiroshima

Die Uranbombe „Little Boy“ explodierte in etwa 600 Metern Höhe. Druckwelle, Hitze, Feuer und Strahlung zerstörten große Teile der Stadt. Bis Ende 1945 starben nach Schätzungen etwa 140.000 Menschen.

Nagasaki

Die Plutoniumbombe „Fat Man“ traf am 9. August die Stadt. Das hügelige Gelände begrenzte die Ausbreitung teilweise. Bis Ende 1945 starben nach Schätzungen etwa 70.000 bis 74.000 Menschen.

Langzeitfolgen

Viele Menschen starben nicht sofort. Verbrennungen, Verletzungen, akute Strahlenkrankheit und spätere Krebserkrankungen prägten das Leben der Überlebenden. Die Hibakusha, die Überlebenden der Atombombenabwürfe, wurden zudem teilweise gesellschaftlich ausgegrenzt.

Arbeitsauftrag: Warum verändert die Strahlung die moralische Bewertung einer Waffe zusätzlich zur unmittelbaren Explosion?

Phase 4 · 25 Minuten

Vier Positionen zur Entscheidung

A: Krieg schnell beenden

Der Einsatz habe Japan zur Kapitulation gezwungen und eine verlustreiche Invasion verhindert.

B: Andere Wege waren möglich

Eine Demonstration der Bombe, veränderte Kapitulationsbedingungen oder weiteres Abwarten hätten geprüft werden können.

C: Politisches Signal

Der Einsatz habe nicht nur Japan, sondern auch der Sowjetunion die neue militärische Macht gezeigt.

D: Unzulässige Grenze

Der massenhafte Tod von Zivilisten und die Langzeitfolgen seien durch kein militärisches Ziel zu rechtfertigen.

Gruppenauftrag:
  1. Formuliert eure Position in einem Satz.
  2. Nennt das stärkste Argument.
  3. Nennt eine Schwäche oder offene Frage.
  4. Bereitet eine 60-Sekunden-Stellungnahme vor.

Phase 5 · 17 Minuten

Historisches Urteil statt Bauchgefühl

KriteriumFrage
Kenntnisstand 1945Was wussten die Entscheidenden damals – und was wissen wir erst heute?
AlternativenWelche realistischen Handlungswege bestanden?
VerhältnismäßigkeitStand der erwartete militärische Nutzen im Verhältnis zum Leid?
ZivilbevölkerungWelche Verantwortung bestand gegenüber Nichtkombattanten?
LangzeitwirkungWie verändert Strahlung die Bewertung?
Urteilssatz: „Nach Abwägung der Argumente halte ich den Einsatz für …, weil … . Das stärkste Gegenargument lautet … .“

Optionaler Abschluss · 10 Minuten

„Give us Peace“ – ein englischer Friedensappell

Das etwa zweiminütige Video ist kein Geschichtsfilm und ersetzt keine Quellenarbeit. Es dient als emotionaler Abschluss.

  1. Welche Bilder oder Begriffe wiederholen sich?
  2. Welche Stimmung erzeugen Musik, Stimme und Tempo?
  3. Was kann Kunst leisten, was ein Sachtext nicht leistet?
  4. Wo bleibt ein Lied notwendigerweise ungenau?

Weiterdenken

Aus der historischen Frage entsteht eine persönliche: Wann genügt Erinnerung nicht mehr – und wann muss ein Mensch Stellung beziehen?

Zur Unterrichtseinheit „Die Gretchenfrage“