Fabeln - Die Nachahmung der Handlungen
Vollständiger gesungener Text
Fabeln sind Nachahmungen von Handlungen.
Und Handlungen können einfach sein oder kompliziert.
Einfach, wenn die Wendung ohne Wiedererkennung geschieht.
Kompliziert, wenn sich alles plötzlich verändert —
und ein Mensch erkennt, was er zuvor nicht wusste.
Eine Handlung geht ihren Weg, Schritt für Schritt, von Ort zu Ort. Was begonnen hat, entwickelt seine Richtung immerfort.
Manchmal kommt die große Wende, ohne Zeichen, ohne Blick. Etwas kippt, das Schicksal dreht sich, doch kein Wissen kehrt zurück.
Keine Wahrheit wird enthüllt, kein Gesicht wird neu erkannt. Nur die Handlung selbst verändert ihren Lauf durch Zeit und Land.
Diese Fabel nennt man einfach, klar verbunden, fest gefügt. Eine Einheit ohne Umschlag, der Erkenntnis in sich trägt.
Einfach oder kompliziert, jede Handlung wird geführt.
Doch die Wendung muss entstehen aus dem, was zuvor geschieht.
Nicht nur danach.
Sondern daraus.
Nicht ein Zufall, nicht ein Bruch.
Was sich wendet, muss hervorgehn aus dem Gang des ganzen Stücks.
Anders ist die Handlung, wenn ein Mensch die Wahrheit sieht. Wenn aus Unkenntnis Erkenntnis in die große Wendung zieht.
Plötzlich wird aus Freundschaft Feindschaft, plötzlich Feindschaft neu erkannt. Was verborgen war, tritt offen in das Licht mit harter Hand.
Oder alles kehrt sich um: Glück wird Unglück, Nähe Pflicht. Eine Tat bekommt Bedeutung, weil ein Mensch das Ganze sieht.
Dann wird aus dem schlichten Wege eine Handlung tief und dicht. Wendung und Wiedererkennen ändern alles im Gedicht.
Einfach oder kompliziert, jede Handlung wird geführt.
Doch die Wendung muss entstehen aus dem, was zuvor geschieht.
Nicht nur danach.
Sondern daraus.
Nicht ein Zufall, nicht ein Bruch.
Was sich wendet, muss hervorgehn aus dem Gang des ganzen Stücks.
Eine Peripetie ist eine Wendung.
Eine Wiedererkennung führt von Unkenntnis zu Wissen.
Doch beides darf nicht von außen kommen.
Nicht wie ein fremdes Ereignis.
Nicht wie ein beliebiger Einfall.
Es muss in der Handlung liegen.
Schon vorbereitet.
Schon möglich.
Schon notwendig.
Denn es macht den großen Unterschied, ob etwas nur nach etwas kommt, oder weil das Frühere geschah und das Spätere daraus entstammt.
Folge ist noch keine Ordnung. Nähe ist noch kein Gesetz. Erst wenn eins das andere hervorbringt, wird die Handlung ganz und fest.
Was uns überrascht, darf dennoch nicht aus leerem Himmel falln. Es muss rückwärts Sinn ergeben, muss im Früheren widerhalln.
Dann wird Wendung zur Erkenntnis, dann wird Handlung wirklich dicht. Und das Unerwartete erscheint wie ein verborgenes Licht.
Einfach oder kompliziert, jede Handlung wird geführt.
Doch die Wendung muss entstehen aus dem, was zuvor geschieht.
Nicht nur danach.
Sondern daraus.
Nicht ein Zufall, nicht ein Bruch.
Was sich wendet, muss hervorgehn aus dem Gang des ganzen Stücks.
Eine Handlung ist einfach, wenn ihre Wende ohne Peripetie und ohne Wiedererkennung geschieht.
Sie ist kompliziert, wenn die Wende mit einem von beiden oder mit beiden verbunden ist.
Doch alles muss aus der Handlung selbst hervorgehen.
Nach Wahrscheinlichkeit.
Oder mit Notwendigkeit.
Nicht nur danach — sondern daraus.