SMS · Susanne macht SchuleWissen darf lebendig sein.

100. Unterrichtseinheit · Ethik · Gesellschaft · ab Klasse 8

Was ist ein Mensch?

Identität · Vielfalt · Queerness · Würde. Menschen tragen viele Namen, Rollen und Zugehörigkeiten. Aber kein einzelnes Wort erklärt einen ganzen Menschen.

ab Klasse 845–90 MinutenEthik & Gesellschaftmit Revue als zweitem Lernweg
Finalbild der Revue Glitzer gegen Untergang mit einer bunten Bühnenensemble-Szene

Die Revue ist der musikalische zweite Zugang. Die Unterrichtseinheit selbst beginnt mit einer einfachen Frage: Wie viel von einem Menschen steckt in einem Etikett?

Einstieg

Wer bist du?

Menschen können sich mit vielen Begriffen beschreiben. Manche sind selbst gewählt, andere werden ihnen von außen zugeschrieben. Einige sind wichtig, einige verändern sich, einige sagen fast nichts darüber aus, wie jemand denkt, fühlt oder handelt.

MädchenJungeFrauMannlesbischschwulbitransqueerheterogesundkrankbehindertohne Behinderunghelle Hautdunkle Hautgläubignicht gläubigdeutsche Herkunftandere HerkunftarmreichSchüler/inFreund/insportlichängstlichmutiglautleise
Welcher dieser Begriffe ist ein Mensch?

Die kurze Antwort

Keiner. Es sind Beschreibungen, Rollen, Zugehörigkeiten, Merkmale oder Zustände eines Menschen. Ein Mensch kann queer oder hetero, gesund oder krank, behindert oder nicht behindert sein, helle oder dunkle Haut haben. Aber kein einzelnes Wort erklärt den ganzen Menschen.

Und was ist mit „normal“?

Genau das ist die nächste Frage. Wer entscheidet eigentlich, was „normal“ ist? „Normal“ ist kein Gegenbegriff zu queer, krank, behindert oder irgendeiner anderen menschlichen Eigenschaft. Das Wort kann beschreiben, was häufig vorkommt – aber es darf nicht darüber entscheiden, welcher Mensch mehr oder weniger dazugehört.

Begriffe verstehen

Wovon reden wir überhaupt?

Begriffe helfen nur, wenn wir ungefähr wissen, was sie bedeuten. Sie sollen Menschen nicht in Schubladen sperren.

lesbischFrauen, die sich romantisch oder sexuell zu Frauen hingezogen fühlen.
schwulMänner, die sich romantisch oder sexuell zu Männern hingezogen fühlen.
bisexuell / biMenschen, die sich zu mehr als einem Geschlecht hingezogen fühlen können.
transMenschen, deren Geschlechtsidentität nicht oder nicht vollständig dem Geschlecht entspricht, das ihnen bei der Geburt zugeordnet wurde.
queerEin Sammel- und Selbstbegriff, den manche Menschen für sexuelle Orientierungen oder Geschlechtsidentitäten außerhalb heterosexueller bzw. traditioneller Geschlechternormen verwenden.
heterosexuell / heteroMenschen, die sich romantisch oder sexuell zu einem anderen Geschlecht hingezogen fühlen.

Wichtig: Niemand muss sich mit einem bestimmten Begriff bezeichnen. Selbstbezeichnungen können persönlich sein und sich im Laufe eines Lebens verändern.

Die Kontroverse

Wann hilft ein Etikett – und wann wird es zum Käfig?

Ein Begriff kann helfen

Er kann sichtbar machen, was sonst verschwiegen wird. Er kann Menschen helfen, sich selbst zu verstehen, andere mit ähnlichen Erfahrungen zu finden und Diskriminierung überhaupt benennen zu können.

Ein Begriff kann zu eng werden

Problematisch wird es, wenn wir glauben, das Wort erkläre den ganzen Menschen. Aus „Sie ist lesbisch“ darf nicht werden: „Jetzt weiß ich, wie sie denkt, lebt oder liebt.“

Wie viele Etiketten braucht man, bis man einen Menschen kennt?
Kann eine Eigenschaft gleichzeitig wichtig sein – und trotzdem nicht alles erklären?
Warum wollen Menschen manchmal ausdrücklich sichtbar machen, dass sie queer, schwul, lesbisch, bi oder trans sind?
Gilt dasselbe auch für Begriffe wie krank, gesund, behindert, arm, reich oder Herkunft?
Wann beschreibt „normal“ nur eine Mehrheit – und wann wird das Wort benutzt, um andere auszugrenzen?
Warum kann es verletzend sein, einen Menschen nur auf eine einzige Eigenschaft zu reduzieren?
Welche Eigenschaften von dir dürften andere niemals benutzen, um zu glauben, sie wüssten schon alles über dich?

Würde

Der gemeinsame Boden

Identität darf sichtbar sein

Menschen müssen sich nicht verstecken, um akzeptiert zu werden.

Unterschiede dürfen bleiben

Gleichwertigkeit bedeutet nicht Gleichförmigkeit. Menschen müssen nicht gleich sein, um die gleiche Würde zu besitzen.

Der Mensch ist größer

Jeder Mensch ist mehr als Geschlecht, Orientierung, Herkunft, Diagnose, Religion, Leistung oder Rolle.

Merksatz

Identität ist wichtig. Und der Mensch ist größer als jede Identität.

Zweiter Lernweg

Glitzer gegen Untergang

Die queere Revue erzählt dieselbe Frage nicht als Definition, sondern mit Bühne, Humor, Verletzlichkeit, Liebe, Trotz und Musik. Sie kann komplett angesehen werden – oder in sieben einzelnen Nummern.

So kann die Stunde laufen

45 Minuten

  1. Begriffe aus dem Einstieg sortieren: Mensch oder Beschreibung?
  2. Kurze Begriffsklärung.
  3. „Begriff hilft / Begriff wird Käfig“ diskutieren.
  4. Eine Nummer der Revue auswählen.
  5. Abschluss mit dem Merksatz.

90 Minuten

  1. Einstieg und Begriffsklärung.
  2. Vier Kontroversfragen in Gruppen.
  3. Gesamtvideo oder mehrere Revue-Nummern.
  4. Lyrics mit Denkfragen bearbeiten.
  5. Eigene Antwort schreiben: „Was ist ein Mensch?“

Gesprächsregel: Niemand muss die eigene sexuelle Orientierung, Geschlechtsidentität oder private Erfahrungen offenlegen. Die Stunde handelt über Begriffe, Menschenwürde und Gesellschaft – nicht über die privaten Lebensgeschichten der Lernenden.