SMS · Susanne macht SchuleWissen darf lebendig sein.

100. Unterrichtseinheit · musikalischer Lernweg

Glitzer gegen Untergang

Eine queere Revue in sieben Nummern. Gesamt ansehen oder einzeln arbeiten: Jede Nummer verbindet Bühne und Musik mit einer Frage nach Identität, Würde, Selbstbild, Normen, Liebe und Sichtbarkeit.

7 NummernGesamt ca. 19 MinutenVideos stickymit vollständigen Lyrics
Bühne im goldenen Pfau bei der Revue Glitzer gegen Untergang

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Alles am Stück

Die komplette Revue

Wer die Revue als Ganzes erleben möchte, beginnt hier. Darunter folgen alle sieben Nummern einzeln – jeweils mit Szenenbild, Video, Lyrics und Denkfragen.

Kapitel: 00:05 Willkommen im goldenen Pfau · 02:52 Ich bin nicht falsch, ich bin fantastisch · 05:29 Der Spiegel hat heute frei · 08:16 Hinter der Schminke wohnt ein Herz · 10:54 Die Moralpolizei kommt nicht rein · 13:31 Küss mich, bevor die Welt vernünftig wird · 16:18 Wir gehen nicht leise.

Nummer 1 von 7

Willkommen im goldenen Pfau

Szenenbild zu Nummer 1: Willkommen im goldenen Pfau
Denkfragen
  • Warum beginnt die Revue ausgerechnet in einem Club?
  • Was könnte „Glitzer gegen Untergang“ bedeuten?
  • Wann kann ein Ort zum Schutzraum werden?
[Intro – gesprochen]
Meine Damen, meine Herren,
und alle, die klug genug sind, beides nicht so eng zu sehen:
Willkommen im goldenen Pfau.
Draußen brennt die Welt.
Drinnen brennt nur das Bühnenlicht.

[Strophe 1]
Die Straßen sind grau, die Nachrichten schwer,
die Herren der Ordnung erklären uns mehr.
Sie sagen: Seid still, seid normal, seid bereit.
Wir sagen: Schatz, nicht in diesem Kleid.

Der Vorhang geht auf, die Nacht wird lackiert,
wer hier noch Angst hat, wird umdekoriert.
Ein Kuss auf die Krise, ein Tritt auf den Zwang,
wir tanzen den Staub von der Weltuntergangswand.

[Refrain]
Glitzer gegen Untergang,
Pailletten gegen Pflicht.
Wenn die Erde schon bebt,
dann bitte im Licht.

Glitzer gegen Untergang,
Feder, Herz und Mut.
Wer uns für zu bunt hält,
sieht im Dunkeln nicht gut.

[Strophe 2]
Da sitzt die Diva mit dem falschen Nerz,
ein echter Kerl mit gebrochenem Herz.
Die Barfrau kennt jeden, der nachts nicht mehr kann,
und schenkt ihm ein Lächeln mit Rum dabei an.

Die Tänzerin küsst, wen sie küssen will,
der Pianist schweigt und spielt trotzdem schrill.
Der Türsteher sagt: „Hier kommt niemand rein,
der glaubt, Liebe müsste genehmigt sein.“

[Refrain]
Glitzer gegen Untergang,
Pailletten gegen Pflicht.
Wenn die Erde schon bebt,
dann bitte im Licht.

Glitzer gegen Untergang,
Feder, Herz und Mut.
Wer uns für zu bunt hält,
sieht im Dunkeln nicht gut.

[Outro]
Willkommen, willkommen,
legt eure Scham an der Garderobe ab.
Hier wird nicht normal getanzt.
Hier wird überlebt.

Nummer 2 von 7

Ich bin nicht falsch, ich bin fantastisch

Szenenbild zu Nummer 2: Ich bin nicht falsch, ich bin fantastisch
Denkfragen
  • Wer oder was gibt einem Menschen das Gefühl, „falsch“ zu sein?
  • Ist Selbstbehauptung dasselbe wie Überheblichkeit?
  • Was bedeutet der Satz „nicht Problem und nicht Skandal“?
[Strophe 1]
Ich kam schon schräg auf diese Welt,
mit einem Hüftschwung zu viel.
Die Tante sagte: „Das Kind ist anders.“
Ich sagte: „Danke, mein Stil.“

Im Spiegel stand kein Fehler rum,
nur jemand wunderbar.
Doch draußen rief die kleine Welt:
„So geht das nicht, ist klar.“

[Refrain]
Ich bin nicht falsch, ich bin fantastisch,
nicht zu laut und nicht zu viel.
Ich bin kein Unfall der Natur,
ich bin ihr Lieblingsspiel.

Ich bin nicht falsch, ich bin fantastisch,
nicht Problem und nicht Skandal.
Wenn Gott mich so gemalt hat,
war ihm langweilig normal.

[Strophe 2]
Sie wollten mich in Rollen näh’n,
doch ich passte nicht hinein.
Ich riss die Nähte lachend auf
und tanzte mich daheim.

Mein Herz trägt High Heels, Stiefel, Samt,
mal Bart und mal Rubin.
Wer fragt: „Was bist du eigentlich?“
kriegt: „Schatz, ein Neubeginn.“

[Refrain]
Ich bin nicht falsch, ich bin fantastisch,
nicht zu laut und nicht zu viel.
Ich bin kein Unfall der Natur,
ich bin ihr Lieblingsspiel.

Ich bin nicht falsch, ich bin fantastisch,
nicht Problem und nicht Skandal.
Wenn Gott mich so gemalt hat,
war ihm langweilig normal.

[Bridge]
Ich habe mich nicht ausgesucht,
um anderen zu gefallen.
Ich bin gekommen, um zu leuchten,
nicht um leise umzufallen.

[Outro]
Also bitte:
Licht auf mich.
Wenn schon Urteil,
dann mit Applaus.

Nummer 3 von 7

Der Spiegel hat heute frei

Szenenbild zu Nummer 3: Der Spiegel hat heute frei
Denkfragen
  • Wer bestimmt, was schön oder „richtig“ aussieht?
  • Wie stark kann der Blick anderer das eigene Selbstbild prägen?
  • Was könnte es bedeuten, den Spiegel einmal „freizugeben“?
[Strophe 1]
Der Spiegel sagt seit Jahren schon:
„Ach Kind, sei mal perfekt.“
Ich hab ihn heut mit rotem Kuss
und Lippenstift bedeckt.

Er wollte meine Falten zählen,
mein Bauchgefühl verpetzen.
Ich sagte: „Liebling, heute nicht.
Heut geh ich Herzen hetzen.“

[Refrain]
Der Spiegel hat heute frei,
ich mach mich selber schön.
Ich muss mich nicht zerlegen,
um endlich rauszugehn.

Der Spiegel hat heute frei,
ich bin genug im Licht.
Wer Liebe sehen kann,
braucht meine Maße nicht.

[Strophe 2]
Die Strümpfe sitzen nicht ganz brav,
der Lidstrich lebt gefährlich.
Mein Kleid ist eine Kriegserklärung,
aber ausgesprochen ehrlich.

Ein bisschen Haut, ein bisschen Trotz,
ein bisschen goldner Rauch.
Ich trag den Abend auf der Brust
und Freiheit um den Bauch.

[Refrain]
Der Spiegel hat heute frei,
ich mach mich selber schön.
Ich muss mich nicht zerlegen,
um endlich rauszugehn.

Der Spiegel hat heute frei,
ich bin genug im Licht.
Wer Liebe sehen kann,
braucht meine Maße nicht.

[Bridge]
Schönheit ist kein Richterspruch,
kein Filter und kein Zwang.
Schönheit ist, wenn jemand sagt:
„Ich bleib bei mir entlang.“

[Outro]
Und wenn die Welt mich scannt,
dann zwinker ich zurück.
Mein Körper ist kein Antrag.
Mein Körper ist mein Glück.

Nummer 4 von 7

Hinter der Schminke wohnt ein Herz

Szenenbild zu Nummer 4: Hinter der Schminke wohnt ein Herz
Denkfragen
  • Warum wirkt diese Nummer nach den ersten drei besonders verletzlich?
  • Was sehen wir oft nicht, wenn jemand stark, laut oder glamourös auftritt?
  • Warum ist Verletzlichkeit kein Gegensatz zu Stärke?
[Strophe 1]
Der Applaus ist wie Champagner,
doch er perlt nicht bis nach Haus.
Nach der Show zieht die Königin
still die Wimpern aus.

Da liegt die Feder auf dem Stuhl,
der Glanz hängt schief im Raum.
Und unter allem Bühnenlicht
atmet ein alter Traum.

[Refrain]
Hinter der Schminke wohnt ein Herz,
das manchmal leise bricht.
Hinter dem Lachen sitzt ein Kind
und sucht ein bisschen Licht.

Hinter der Schminke wohnt ein Herz,
so weich, so wund, so weit.
Wer uns nur glitzern sieht,
verpasst die Zärtlichkeit.

[Strophe 2]
Der schöne Mann mit Diamant
hat gestern noch geweint.
Die Freche an der Bar hat Angst,
dass keiner sie wirklich meint.

Wir machen Witze, weil es hilft,
wir tanzen, weil es trägt.
Wir sind nicht stark, weil nichts uns traf,
wir sind stark, weil etwas schlägt.

[Refrain]
Hinter der Schminke wohnt ein Herz,
das manchmal leise bricht.
Hinter dem Lachen sitzt ein Kind
und sucht ein bisschen Licht.

Hinter der Schminke wohnt ein Herz,
so weich, so wund, so weit.
Wer uns nur glitzern sieht,
verpasst die Zärtlichkeit.

[Bridge]
Leg kurz die Krone neben dich,
ich halt sie für dich fest.
Du musst hier niemand spielen,
wenn du nicht mehr spielen lässt.

[Outro]
Und morgen kommt die Farbe wieder.
Nicht als Lüge.
Als Beweis:
Wir sind noch da.

Nummer 5 von 7

Die Moralpolizei kommt nicht rein

Szenenbild zu Nummer 5: Die Moralpolizei kommt nicht rein
Denkfragen
  • Wer oder was ist mit „Moralpolizei“ gemeint?
  • Wo liegt der Unterschied zwischen gemeinsamen Regeln und Kontrolle über andere?
  • Wer darf bestimmen, was „normal“ ist?
[Strophe 1]
Da klopft es hart an unsre Tür,
drei Herren streng und bleich.
Sie sagen: „Dieses Treiben hier
gefährdet unser Reich.“

Der Türsteher hebt die Augenbrau’n:
„Ach Schatz, wie reizend spät.
Die Moralpolizei kommt nicht rein,
weil sie auf der Liste fehlt.“

[Refrain]
Die Moralpolizei kommt nicht rein,
heut Nacht wird frei geküsst.
Wer Liebe kontrollieren will,
hat Liebe nie vermisst.

Die Moralpolizei kommt nicht rein,
kein Stempel auf die Lust.
Wir tragen unser Ja und Nein
mit Glitzer auf der Brust.

[Strophe 2]
Sie fragen: „Wer ist Mann, wer Frau?“
Wir sagen: „Kommt drauf an.“
Sie fragen: „Was ist denn normal?“
Wir sagen: „Nicht euer Plan.“

Sie drohen mit Ordnung, Gesetz und Pflicht,
mit Anstand und Kultur.
Wir drehen die Musik noch lauter
und lachen in Dur.

[Refrain]
Die Moralpolizei kommt nicht rein,
heut Nacht wird frei geküsst.
Wer Liebe kontrollieren will,
hat Liebe nie vermisst.

Die Moralpolizei kommt nicht rein,
kein Stempel auf die Lust.
Wir tragen unser Ja und Nein
mit Glitzer auf der Brust.

[Bridge – gesprochen]
Meine Herren,
Sie dürfen draußen gern weiter normieren.
Wir sind hier drinnen beschäftigt.
Wir leben.

[Outro]
Und falls Sie doch noch tanzen wollen:
erst Schuhe aus,
Herz auf,
Macht abgeben.

Nummer 6 von 7

Küss mich, bevor die Welt vernünftig wird

Szenenbild zu Nummer 6: Küss mich, bevor die Welt vernünftig wird
Denkfragen
  • Was hat diese Nummer mit Freiheit und Nähe zu tun?
  • Warum kann Liebe in einer stark normierten Gesellschaft als Widerstand erlebt werden?
  • Was unterscheidet eine freie Entscheidung von bloßer Anpassung?
[Strophe 1]
Die Welt schreibt wieder Warnungen
in grauem Amtsdeutsch auf.
Der Mond hängt wie ein Kronleuchter
und nimmt das alles auf.

Du stehst da mit verschmiertem Glanz,
ich mit Kaffee und Gin.
Die Nacht sagt: „Macht doch endlich was,
bevor ich morgen bin.“

[Refrain]
Küss mich, bevor die Welt vernünftig wird,
bevor sie uns erklärt, was sich gehört.
Küss mich, solange noch ein Lied riskiert,
dass es den braven Frieden stört.

Küss mich, bevor die Welt vernünftig wird,
bevor sie uns in Regeln presst.
Wenn schon Untergang, dann nah bei dir,
bis keine Angst mehr übrig ist.

[Strophe 2]
Dein Hemd ist offen, meine Scham
liegt irgendwo im Flur.
Wir sind nicht jung genug für Unsinn,
doch alt genug dafür.

Ein bisschen sündig sieht es aus,
ein bisschen wie Gebet.
Wenn eine Hand die andre findet,
ist es nie zu spät.

[Refrain]
Küss mich, bevor die Welt vernünftig wird,
bevor sie uns erklärt, was sich gehört.
Küss mich, solange noch ein Lied riskiert,
dass es den braven Frieden stört.

Küss mich, bevor die Welt vernünftig wird,
bevor sie uns in Regeln presst.
Wenn schon Untergang, dann nah bei dir,
bis keine Angst mehr übrig ist.

[Bridge]
Wir machen nichts kaputt,
wir machen etwas heil.
Ein Kuss ist keine Flucht,
ein Kuss ist manchmal Teil
von allem, was noch lebt,
von allem, was noch brennt.
Von einer Welt, die Liebe
immer noch beim Namen nennt.

[Outro]
Also küss mich.
Nicht, weil morgen endet.
Sondern weil heute lebt.

Nummer 7 von 7

Finale – Wir gehen nicht leise

Szenenbild zu Nummer 7: Finale – Wir gehen nicht leise
Denkfragen
  • Für wen singt das Finale?
  • Was bedeutet Sichtbarkeit?
  • Warum endet die Revue nicht mit „Wir haben gewonnen“, sondern mit „Wir gehen nicht leise“?
[Strophe 1]
Der Morgen steht schon vor der Tür,
die Schminke ist verschmiert.
Der Club ist müde, aber wach,
weil keiner sich verliert.

Die Welt da draußen bleibt verrückt,
die Miete bleibt zu hoch.
Doch irgendwas in dieser Nacht
sagt: Wir leben doch.

[Refrain]
Wir gehen nicht leise,
wir gehen im Licht.
Mit Glitzer auf den Narben
und Trotz im Gesicht.

Wir gehen nicht leise,
wir gehen zu viel.
Zu bunt für eure Ängste,
zu wahr für euer Spiel.

[Strophe 2]
Für alle, die man ausgelacht,
für alle, die man bog.
Für alle, die man „anders“ nannte
und aus dem Zimmer schob.

Für alle, die noch heimlich weinen,
weil keiner sie versteht.
Wir singen laut, bis jede Seele
wieder aufrecht steht.

[Refrain]
Wir gehen nicht leise,
wir gehen im Licht.
Mit Glitzer auf den Narben
und Trotz im Gesicht.

Wir gehen nicht leise,
wir gehen zu viel.
Zu bunt für eure Ängste,
zu wahr für euer Spiel.

[Bridge]
Hebt die Gläser, hebt die Stimmen,
hebt die Herzen aus dem Staub.
Wer noch liebt, ist nicht verloren,
wer noch tanzt, ist nicht beraubt.

Keine Krone ohne Tränen,
keine Bühne ohne Schmerz.
Doch aus tausend kleinen Funken
wird ein unverschämtes Herz.

[Finale-Refrain]
Glitzer gegen Untergang,
Pailletten gegen Pflicht.
Wenn die Erde schon bebt,
dann bitte im Licht.

Wir gehen nicht leise,
wir gehen nicht klein.
Wir waren nie euer Fehler —
wir werden euer Zeichen sein.

[Outro – gesprochen über Musik]
Der goldene Pfau schließt nicht.
Er atmet nur kurz durch.
Morgen wieder geöffnet.
Für alle, die noch leuchten wollen.