SMS · Susanne macht SchuleWissen darf lebendig sein.

Regenwald intensiv · Teil 1

Fünf Wünsche

Eine künstlerische Rollenrede: Jesus fragt, ein fiktiver Regenwaldbewohner antwortet. Die fünf Lieder verdichten politische und menschliche Fragen – ohne den Anspruch, für reale indigene Menschen zu sprechen.

hören · fühlen · prüfen · weiterdenken
Didaktischer Hinweis: Die Figur des „Regenwaldbewohners“ ist eine von Susanne geschriebene künstlerische Stimme. Gerade deshalb darf gefragt werden: Wer spricht hier für wen? Welche Aussagen überzeugen? Welche sind Zuspitzung? Was müsste als Sachbehauptung überprüft werden?

Gesamtfilm

Jesus fragt nach fünf Wünschen.

Denkfrage: Wer darf über verschmutztes Wasser entscheiden – und wer trägt die Folgen?

Wunsch 1

Der Fluss soll wieder leben

[Strophe 1 – Jesus] Ich bin zu euch gekommen heut, nicht mit Befehlen, nicht mit Macht. Ich will nur hören, was ihr hofft, was euer Herz am Leben hält. Sag mir, Bruder, sag mir jetzt: Was ist dein allererster Wunsch? Wenn du die Zukunft bitten dürftest — was wäre dein Beginn? [Refrain – Regenwaldbewohner] Mein erster Wunsch: Der Fluss soll leben, klar und tief und ohne Gift. Dass uns das Wasser wieder segnet, statt dass es Krankheit in sich trifft. Der Amazonas soll sich heilen, soll wieder Nahrung, Atem sein. Lasst den großen Strom in Frieden — er gehört nicht euch allein. [Strophe 2 – Regenwaldbewohner] Wir haben Fische sterben sehen, wir haben kranke Kinder hier. Wir haben Wasser trinken müssen, das nicht mehr rein war, nicht mehr wir. Und doch hört ihr nur euren Handel, nur euren Lärm, nur euren Plan. Doch unser Leben hängt am Flusse — fangt endlich an, ihn zu verschon’n. [Refrain] Mein erster Wunsch: Der Fluss soll leben, klar und tief und ohne Gift. Dass uns das Wasser wieder segnet, statt dass es Krankheit in sich trifft. Der Amazonas soll sich heilen, soll wieder Nahrung, Atem sein. Lasst den großen Strom in Frieden — er gehört nicht euch allein.
Denkfrage: Wo ist die Grenze zwischen wirtschaftlicher Nutzung und Zerstörung?

Wunsch 2

Der Wald soll nicht mehr brennen

[Strophe 1 – Jesus] Ich höre deinen ersten Wunsch, er klingt nach Leben, klingt nach Recht. Nun sag mir deinen zweiten Wunsch — was brennt dir tiefer noch im Herz? Wenn du die Welt beim Namen rufst, was soll sich endlich ändern hier? Sprich es aus, ich höre zu, und ich vergesse es nicht. [Refrain – Regenwaldbewohner] Mein zweiter Wunsch: Der Wald soll bleiben. Hört auf, ihn anzuzünd’n für Geld. Kein Feuer soll mehr Bäume fressen, kein Rauch mehr legen sich aufs Feld. Nicht Soja, nicht Profit, nicht Gier sind mehr wert als jedes Blatt. Lasst den Regenwald in Frieden — er ist das Herz, das ihr nicht habt. [Strophe 2 – Regenwaldbewohner] Für eure Tiere, eure Märkte, für euren Hunger nach noch mehr verbrennt ihr Welten, die euch nie gehörten, und nennt das Fortschritt, nennt es fair. Doch jeder Baum, der hier zu Boden und in die Flammen sinken muss, ist ein Gebet, das ihr zertretet, ein Atemzug, den ihr verlöscht. [Refrain] Mein zweiter Wunsch: Der Wald soll bleiben. Hört auf, ihn anzuzünd’n für Geld. Kein Feuer soll mehr Bäume fressen, kein Rauch mehr legen sich aufs Feld. Nicht Soja, nicht Profit, nicht Gier sind mehr wert als jedes Blatt. Lasst den Regenwald in Frieden — er ist das Herz, das ihr nicht habt.
Denkfrage: Kann Land „zurückgegeben“ werden – und was bedeutet Gerechtigkeit nach historischem Landraub?

Wunsch 3

Das Land soll zurück

[Strophe 1 – Jesus] Du sprichst von Wald, du sprichst von Schmerz, von Flammen, die kein Recht je war’n. Nun sag mir deinen dritten Wunsch — was fehlt euch tief in eurem Land? Was wurde euch genommen hier, nicht gestern nur, seit langer Zeit? Wenn Gerechtigkeit noch möglich ist — wie würde sie beginnen? [Refrain – Regenwaldbewohner] Mein dritter Wunsch: Gebt Land zurück. Nicht als Gabe — als Recht, das bleibt. Denn dort sind unsre Ahnen gegangen, dort liegt die Spur von unsrer Zeit. Wir wollen nicht die Welt beherrschen, wir wollen einfach wieder sein. Gebt das Land den Menschen wieder, die es lieben und nicht entzwei’n. [Strophe 2 – Regenwaldbewohner] Ihr zeichnet Grenzen, macht Verträge, verkauft, was niemals eures war. Doch jeder Pfad, den wir hier kennen, ist älter als euer Kommentar. Wir brauchen Raum für unsre Kinder, für unser Lied, für unser Brot, für unser Wissen, für die Toten, für Zukunft ohne neue Not. [Refrain] Mein dritter Wunsch: Gebt Land zurück. Nicht als Gabe — als Recht, das bleibt. Denn dort sind unsre Ahnen gegangen, dort liegt die Spur von unsrer Zeit. Wir wollen nicht die Welt beherrschen, wir wollen einfach wieder sein. Gebt das Land den Menschen wieder, die es lieben und nicht entzwei’n.
Denkfrage: Ist das Recht, in Ruhe gelassen zu werden, ebenfalls ein politisches Recht?

Wunsch 4

Lasst uns in Frieden

[Strophe 1 – Jesus] Ich höre Erde, Recht und Heimat, ich höre Würde, die ihr sucht. Nun sag mir deinen vierten Wunsch — was braucht ihr für ein stilles Leben? Was raubt euch Tag für Tag die Ruhe, obwohl ihr niemandem etwas schuldet? Sprich es aus vor aller Welt, damit sie es nicht wieder überhört. [Refrain – Regenwaldbewohner] Mein vierter Wunsch: Lasst uns in Frieden. Wir sind kein Bild für eure Gier. Kein Abenteuer, kein Spektakel, kein Schmuckstück eurer Neugier hier. Wir wollen Ruhe, wir wollen Würde, kein dauerndes Gestört- und Geseh’n. Lasst uns einfach Menschen bleiben — und nicht Kulisse für euer Gehn. [Strophe 2 – Regenwaldbewohner] Ihr kommt mit Kameras und Fragen, mit Staunen, das uns doch nichts gibt. Ihr nehmt Geschichten, Bilder, Zeichen, doch selten das, was wirklich liebt. Wir sind nicht da, um euch zu dienen, nicht Stoff für eure fremde Welt. Wer Frieden sucht, soll Frieden geben — und nicht nur nehmen, was gefällt. [Refrain] Mein vierter Wunsch: Lasst uns in Frieden. Wir sind kein Bild für eure Gier. Kein Abenteuer, kein Spektakel, kein Schmuckstück eurer Neugier hier. Wir wollen Ruhe, wir wollen Würde, kein dauerndes Gestört- und Geseh’n. Lasst uns einfach Menschen bleiben — und nicht Kulisse für euer Gehn.
Denkfrage: Wie unterscheidet der Text zwischen Fremden und Ausbeutern – und warum ist diese Unterscheidung wichtig?

Wunsch 5

Die Ausbeuter sollen gehen

[Strophe 1 – Jesus] Ich habe deine Wünsche gehört, sie tragen Erde, Feuer, Zeit. Nun sag mir deinen letzten Wunsch — den, der am tiefsten in dir wohnt. Wenn alles offen vor dir läg, wenn niemand dich mehr übergeht, was müsste endlich klar gescheh’n, damit ihr frei noch leben könnt? [Refrain – Regenwaldbewohner] Mein fünfter Wunsch: Dass die, die rauben, den Regenwald endlich verlass’n. Dass die, die fällen, kaufen, töten, nicht länger über Leben fass’n. Wer nur nimmt und nichts versteht, soll nicht mehr Herr in unserm Land. Geht dahin, woher ihr kommet — und nehmt die Gier aus eurer Hand. [Strophe 2 – Regenwaldbewohner] Nicht jede fremde Haut ist Feindschaft, doch jede Gier ist ein Verrat. Nicht jeder Mensch von außen schadet, doch jeder, der zerstört, ist hart. Wir wollen keine neuen Herren, kein neues Recht aus altem Zwang. Wir wollen nur, dass unser Leben uns wieder selbst gehören kann. [Refrain] Mein fünfter Wunsch: Dass die, die rauben, den Regenwald endlich verlass’n. Dass die, die fällen, kaufen, töten, nicht länger über Leben fass’n. Wer nur nimmt und nichts versteht, soll nicht mehr Herr in unserm Land. Geht dahin, woher ihr kommet — und nehmt die Gier aus eurer Hand.
Nicht jede emotionale Aussage ist eine Sachquelle. Aber eine emotionale Aussage kann eine Frage sichtbar machen, die eine Sachquelle anschließend prüfen muss.