SMS · Susanne macht SchuleWissen darf lebendig sein.
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Perspektive 6 von 6 · Realität und Schlusswort

Die Pflegekraft

Der vollständige Text bleibt als künstlerische Stimme erhalten. Er ist keine statistische Darstellung, sondern macht eine politische Folge emotional erfahrbar.

Ich halte das nicht mehr allein (Stimme einer Pflegekraft) Strophe 1 Ich bin morgens da, bevor der Tag beginnt. Ich kenne eure Gesichter noch vor dem Kaffee. Ich weiß, wer Angst hat, wer nachts geweint hat und wer so tut, als wäre alles gut. Strophe 2 Ich habe gelernt, mit Händen zu sprechen, wenn Worte nicht mehr reichen. Ich habe gelernt, ruhig zu bleiben, wenn jemand schreit, weil das Gehirn nicht mehr weiß, wo es ist. Refrain Ich halte viel. Aber nicht alles. Ich halte Menschen. Ich halte Nächte. Ich halte Systeme, die längst wackeln. Aber ich halte das nicht mehr allein. Strophe 3 Man nennt mich Heldin, wenn Kameras da sind. Man nennt mich Kostenfaktor, wenn es um Geld geht. Ich bin kein Engel. Ich bin müde. Und müde Menschen machen Fehler. Strophe 4 Ich renne von Zimmer zu Zimmer mit zu wenig Zeit und zu vielen Namen im Kopf. Und manchmal bleibe ich kurz stehen und denke: So war das nicht gedacht. Refrain Ich halte eure Eltern. Ich halte eure Großmütter. Ich halte Erinnerungen, die niemand mehr abholt. Aber ich halte das nicht mehr allein. Bridge Ich habe Kolleg:innen verloren. Nicht an den Tod. An Erschöpfung. An Burnout. An den Moment, in dem jemand sagte: „Ich kann nicht mehr und niemand hört zu.“ Strophe 5 Ich brauche keine Orden. Ich brauche Kolleg:innen. Ich brauche Zeit, um Mensch zu bleiben. Und ein System, das nicht so tut, als sei Mitgefühl unendlich verfügbar. Letzter Refrain Ich bin noch hier. Aber ich werde nicht für immer hier sein, wenn sich nichts ändert. Ich halte viel. Doch eines sage ich klar: Ich halte das nicht mehr allein. Schluss Pflege ist Beziehung. Kein Notbetrieb. Und wenn ihr wollt, dass wir bleiben, dann bleibt ihr jetzt bei uns. ### ###