SMS · Susanne macht SchuleWissen darf lebendig sein.
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Der gebrochene Amtseid · Folge 24

Jens Spahn – Applaus ist keine Vorsorge

Politische Kunst und moralische Anklage von Susanne Albers. Der Text wird vollständig dokumentiert und im Unterricht als prüfbare Position behandelt.

Folge 24: Jens Spahn – Applaus ist keine Vorsorge **Intro – gesprochen** Herr Spahn, dieses Video richtet sich an Sie. Sie kamen in das Gesundheitsministerium in einer Zeit, in der niemand mehr ernsthaft sagen konnte: Wir haben es nicht gesehen. Der Pflegemangel war Thema. Die Kliniken standen unter Druck. Die demografische Welle war nicht mehr Theorie. Sie war Gegenwart. Und dann kam die Pandemie. **Strophe 1** Herr Spahn, Sie standen vor Kameras, vor Krisen, vor Zahlen, vor Intensivstationen, vor einem Land, das plötzlich merkte, wie viel es denen verdankt, die sonst kaum jemand sieht. Pflegekräfte wurden beklatscht. Ärztinnen und Ärzte wurden gelobt. Menschen sprachen von Systemrelevanz, als hätten sie das Wort gerade neu erfunden. Doch Applaus ist keine Vorsorge. Applaus ist kein Dienstplan. Applaus ist kein freies Bett. Applaus zahlt keine Nachtwache. Applaus hält keinen Menschen im Beruf, wenn der Körper sagt: Ich kann nicht mehr. **Refrain** Sie wurden nicht gewählt, um vier Jahre zu überstehen. Sie wurden vereidigt, Schaden vom Land abzuwenden. Sie wurden nicht berufen, um Zukunft zu verschieben. Sie wurden vereidigt, diesem Land zu dienen. **Strophe 2** Sie wussten, wie dünn das System gespannt war. Sie sahen, wie schnell aus Belastung Gefahr wird. Sie sahen, wie abhängig ein Land ist von Pflegekräften, die man vorher oft behandelt hatte wie Kostenpunkte mit Puls. Und trotzdem blieb die große Wende aus. Nicht nur ein Bonus. Nicht nur ein Dank. Nicht nur Kampagnen. Eine wirkliche Neugründung der Pflegepolitik hätte es gebraucht. Mehr Personal als Staatsziel. Arbeitsbedingungen als Schutzauftrag. Pflege als Fundament der Republik. Gesundheit nicht als Ware, sondern als öffentliche Würde. **Refrain** Sie wurden nicht gewählt, um vier Jahre zu überstehen. Sie wurden vereidigt, Schaden vom Land abzuwenden. Sie wurden nicht berufen, um Zukunft zu verschieben. Sie wurden vereidigt, diesem Land zu dienen. **Strophe 3** Heute hört man wieder: Es fehlt Personal. Heute hört man wieder: Die Lage ist angespannt. Heute hört man wieder: Wir müssen attraktiver werden. Aber Herr Spahn, wann, wenn nicht damals? Wann, wenn nicht in jener Stunde, als ein ganzes Land sah, dass Pflege nicht Rand ist, sondern Rettung? Wann, wenn nicht damals, als die Wahrheit offen auf den Stationen lag? Wer in der Krise erkennt, was vorher übersehen wurde, muss nach der Krise anders bauen. Nicht zurück zur Normalität. Denn die Normalität war ja das Problem. **Bridge – gesprochen** Herr Spahn, die Pandemie war nicht Ihr Versagen allein. Aber sie war ein Spiegel. Und in diesem Spiegel sah man: zu wenig Reserve, zu wenig Personal, zu wenig Schutz, zu wenig langfristige Vorsorge. Man sah, wie gefährlich ein System wird, das auf Kante genäht ist. Und wenn ein Minister diesen Spiegel sieht, dann reicht es nicht, ihn nach der Krise wieder abzuhängen. Dann muss er handeln, als hätte er verstanden. **Refrain – stärker** Sie wurden nicht gewählt, um vier Jahre zu überstehen. Sie wurden vereidigt, Schaden vom Land abzuwenden. Sie wurden nicht berufen, um Zukunft zu verschieben. Sie wurden vereidigt, diesem Land zu dienen. **Outro – gesprochen** Herr Spahn, die Frage bleibt: Was war Ihr Amtseid wert, wenn die Pflege in der Pandemie als lebenswichtig erkannt wurde, aber danach nicht radikal genug aus der Dauerüberforderung befreit wurde? Was war Ihr Amtseid wert, wenn Applaus lauter war als strukturelle Vorsorge? Was war Ihr Amtseid wert, wenn die Menschen am Bett das Land getragen haben, aber das Land sie nicht entschieden genug trug? Dies ist Folge 24. Ihr habt es gewusst. Dreißig Jahre Politikversagen in Pflege und Gesundheit. Der gebrochene Amtseid. ### ###