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William Shakespeare - 154 Sonetten

Sonett LXV

Wenn Erz, Stein, Erde, unbegrenzte Fluth
Nicht trotzen kann der trüben Sterblichkeit,
Kann Schönheit bergen sich vor solcher Wuth,
Die keine Blum’ an Kräften überbeut?
Was soll des Sommers süßen Hauch beschützen,
Wenn heranbraus’t die rauhe Sturmesnacht,
Da schwächer selbst des Felsens mächt’ge Stützen
Und eh’rne Pforten als der Zeiten Macht?
O Angstgedanke! – Wie, ach! soll entgeh’n
Der Zeit Juwel der Zeiten Moderschrein?
Wer zwingt den flücht’gen Fuß der Zeit zum Steh’n?
Wer hält im Schönheitsraub ihr mächtig ein?
Ach, nichts! wenn nicht das Wunder einst geschieht,
Daß nie mein’ Lieb’ in schwarzer Schrift verglüht. –

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