JENSEITS DER ZEIT

Originaltext zum Video

[Franz]

Susanne, du möchtest wissen, was Ehrfurcht ist. Ist es Angst vor Gott? Ein Zittern vor Macht? Ein Ducken vor Größe? Nein. Ehrfurcht beginnt dort, wo du spürst: Das Leben gehört dir nicht. Und gerade deshalb ist es kostbar. Der Baum atmet nicht für dich allein. Der Vogel singt nicht, damit du ihn besitzt. Das Wasser fließt nicht, weil du es bestellt hast. Alles ist mehr als dein Gebrauch davon.

[Refrain]

Ehrfurcht heißt: Ich staune. Ich greife nicht nach allem. Ich nenne die Welt nicht mein Eigentum. Ich gehe behutsam. Ich sehe das Kleine. Ich ehre das Leben, weil es heilig ist. Vielleicht beginnt Ehrfurcht mit einem Schritt langsamer. Mit einem Blick, der nicht nur nimmt. Mit einer Hand, die nicht alles pflücken muss. Mit einem Herzen, das danken kann. Nicht aus Pflicht. Aus Liebe. Der Geist macht dich nicht ängstlich. Er macht dich achtsam. Er zeigt dir: Du bist nicht der Mittelpunkt. Aber du bist verbunden. Mit Erde und Himmel. Mit Tier und Mensch. Mit Wind und Licht.

[Refrain]

Ehrfurcht heißt: Ich staune. Ich beute nicht aus. Ich trete nicht hart auf. Ich vergesse nicht, dass alles lebt. Und dass auch ich nur Gast bin in dieser wunderbaren Welt. Wenn du Ehrfurcht lernst, Susanne, wird die Welt nicht kleiner. Sie wird tiefer. Und vielleicht ist genau das der Anfang von Frieden.

[Schluss]

Ehrfurcht heißt nicht: Fürchte dich. Sondern: Werde still genug, um zu merken, wie groß das Leben ist. Und wie zart. Und wie heilig.