[Strophe 1]
Das Wasser steht wie Mauern neben mir,
mein Volk zieht durch, Schritt für Schritt.
Hinter uns Ägypten, vor uns Freiheit,
und jeder Atem sagt: Geh mit.
Ich hob die Hand, ich folgte dem Ruf,
ich wusste nur: Wir müssen fort.
Da stehst du plötzlich neben mir, Susanne,
mit deiner Frage an diesem Ort.
[Refrain]
Du fragst mich: Mose, wie geht das?
Wie kann ein Meer sich einfach teilen?
Ich sage: Ich weiß nicht, wie Gott handelt.
Ich wusste nur: Wir durften nicht verweilen.
Doch dann schaust du hinter mich
und deine Stimme wird ganz still:
„Mose, was passiert mit denen,
wenn das Wasser zurückkehren will?“
[Strophe 2]
Ich sehe Wagen, Pferde, Männer,
ich sehe Angst in ihrem Gesicht.
Sie jagen uns. Sie wollen uns zurück.
Doch plötzlich weiß ich selbst nicht mehr:
Ist Rettung nur dann Rettung,
wenn der andere untergeht?
Kann Freiheit heilig heißen,
wenn hinter ihr ein Toter steht?
[Refrain]
Susanne fragt mich:
„Wenn Gott allmächtig ist,
warum musste Rettung so aussehen?
Warum konnte er sie nicht nur stoppen?
Warum mussten Menschen untergehen?“
Ich wollte mein Volk retten.
Ich wollte keine Toten im Meer.
Doch zwischen Angst und Freiheit
war kein leichter Ausweg mehr.
[Bridge]
Vielleicht erzählt die Geschichte
vom Ende einer Gewalt.
Vielleicht erzählt sie aber auch,
wie schnell der Gerettete vergisst,
dass selbst der Feind ein Mensch ist.
Und ich höre deine Frage, Susanne:
„Mose, freust du dich wirklich,
wenn sie dort sterben?“
Nein.
Nein.
Ich freue mich über Freiheit.
Nicht über den Tod.
[Strophe 3]
Das Meer schließt sich.
Der Lärm wird still.
Mein Volk steht auf der anderen Seite.
Und ich frage mich zum ersten Mal,
ob auch Rettung eine Wunde hinterlässt.
[Outro]
Vielleicht ist das die schwerste Frage:
Nicht nur:
Wer wurde gerettet?
Sondern auch:
Wer musste dafür sterben?
Und hätte es keinen anderen Weg gegeben?