SMS · Susanne macht SchuleWissen darf lebendig sein.

Fallstudie

Vincent van Gogh

Krisen, Kunst, Diagnosen und der Preis des späten Ruhms

Bewundern wir die Bilder – und stigmatisieren weiterhin Menschen, die Krisen erleben?
Vincent van Gogh, Selbstbildnis mit verbundenem Ohr

Was wir wissen

Van Gogh erlebte in seinen letzten Lebensjahren wiederholt schwere psychische Krisen. Im Dezember 1888 verletzte er sein linkes Ohr. Er ließ sich 1889 freiwillig in Saint-Rémy behandeln und arbeitete zwischen den Krisen intensiv weiter.

Was wir nicht sicher wissen

Eine eindeutige moderne Diagnose ist rückblickend nicht möglich. Das Van Gogh Museum weist ausdrücklich darauf hin, dass die genaue Art seiner Erkrankung unbekannt ist. Forschende diskutieren mehrere, teils kombinierte Erklärungen.

Der Markt

Seine Werke erzielen heute zweistellige und teilweise dreistellige Millionenbeträge. Christie's nennt für ein Werk 117 Millionen US-Dollar im Jahr 2022; „Champs près des Alpilles“ wurde 2022 für 51,915 Millionen US-Dollar verkauft.

Die unbequeme Frage

Wird ein Mensch gesellschaftlich erst rehabilitiert, wenn sein Werk einen enormen Marktwert besitzt? Kunstwert ersetzt keine Menschenwürde.

Arbeitsfragen

Warum suchen Menschen bis heute nach der „richtigen“ Diagnose für Van Gogh?

Was geht verloren, wenn sein Werk nur als Produkt einer Krankheit erklärt wird?

Was sagt der Gegensatz zwischen Armut zu Lebzeiten und Millionenpreisen heute über Gesellschaft und Kunstmarkt?

Quellen: Van Gogh Museum, „Vincent’s Illness and the Healing Power of Art“ und Inclusive Language Style Guide; Christie's Künstler- und Auktionsergebnisse; Nolen u. a. 2020, „New vision on the mental problems of Vincent van Gogh“.