SMS Susanne macht SchuleWissen darf lebendig sein.

Leonardo anders · Unterricht mit Perspektivwechsel

Die Frauen übernehmen die Stunde.

Leonardo darf bleiben. Aber er hat heute nicht das letzte Wort.

Diese Unterrichtswelt beginnt nicht mit Jahreszahlen, Geniekult und einer Liste von Erfindungen. Sie beginnt mit den Frauen, die seit Jahrhunderten angesehen, beschrieben und namenlos gemacht werden.

Sie sprechen zurück. Sie widersprechen. Sie erklären, was an den Bildern wirklich interessant ist. Und ganz nebenbei entsteht ein Zugang zu Porträtkunst, Renaissance, Symbolik, Bildanalyse und Macht.

Ausschnitt aus Susanne Albers' Leonardo-Projekt mit den Frauenporträts
Kein Geniekult ohne Gegenrede. Das ist keine Dekoration, sondern die Methode.
Der Unterrichtsfall

Wer darf ein Kunstwerk erklären?

Normalerweise sprechen Kunsthistoriker über die dargestellten Frauen. Hier wechseln wir die Blickrichtung: Die Frauen betrachten Leonardo, die Kunstgeschichte und uns.

Zentrale Frage

Was verändert sich, wenn ein Bild zurückspricht?

Wird Kunst dadurch weniger ernst? Oder sehen wir genauer, weil plötzlich jemand widerspricht?

Geeignet als Einstieg in Kunst, Geschichte, Deutsch, Ethik und fächerübergreifende Projekte.
Mona
Lisa
„Mein Lächeln ist nicht die ganze Geschichte.“Vom berühmten Detail zur Frage nach Erwartungen, Projektionen und Ruhm.
Cecilia
Gallerani
„Ich habe einen Namen. Das Hermelin ist nicht meine Biografie.“Identität, Symbolik und die Macht späterer Bildtitel.
Ginevra
de’ Benci
„Warum fehlen mir eigentlich die Hände?“Bildformat, Beschneidung, Restaurierung und das, was verloren ging.
Leonardo
„Ich möchte nur kurz etwas erklären.“Natürlich darf er. Aber erst, nachdem die Frauen ihre Fragen gestellt haben.
Drei Formate

Wie viel Zeit habt ihr?

Derselbe ungewöhnliche Zugang kann als kurze Stunde, Doppelstunde oder größeres Projekt funktionieren.

45 Minuten

Ein Bild spricht zurück

Ein kompakter Einstieg für eine einzelne Unterrichtsstunde.

  1. Ein Porträt ohne Titel zeigen.
  2. Erste Eindrücke sammeln.
  3. Die Figur in der Ich-Form sprechen lassen.
  4. Beobachtung und Interpretation trennen.
  5. Mit einem historischen Fakt abschließen.
90 Minuten

Die Frauenredaktion

Mehrere Porträts treten miteinander und mit Leonardo in ein Gespräch.

  1. Gruppen übernehmen je eine Bildfigur.
  2. Jede Gruppe formuliert drei Gegenfragen.
  3. Dialoge werden vorgelesen oder gespielt.
  4. Symbolik und Bildaufbau werden geprüft.
  5. Zum Schluss: Was war erfunden, was belegt?
Projekt

Eine Ausstellung mit Gegenstimmen

Aus Kunstbetrachtung wird eine eigene digitale oder analoge Ausstellung.

  1. Porträts auswählen und recherchieren.
  2. Bildtexte aus zwei Perspektiven schreiben.
  3. Quellen, Vermutungen und Fiktion markieren.
  4. Audio, Video, Plakat oder Webseite gestalten.
  5. Besucher über Wirkung und Haltung abstimmen lassen.
SMS-Werkstatt

Nicht nur fragen: „Was sehen wir?“ Sondern auch: „Wer bestimmt, was wir sehen sollen?“

1 · Genau hinsehenFarben, Blickrichtung, Hände, Kleidung, Hintergrund und Bildausschnitt beschreiben.
2 · Eine Stimme erfindenDie Figur darf kommentieren, widersprechen, lachen oder sich beschweren.
3 · Fakten prüfenWelche Aussage ist historisch belegt, welche ist Interpretation, welche bewusst erfunden?
4 · Haltung entwickelnWas verändert sich im eigenen Blick auf das Bild?
Was dabei gelernt wird

Mehr als ein Künstlername

Die Methode ist spielerisch. Der Inhalt bleibt ernsthaft und fachlich anschlussfähig.

01

Porträt und Identität

Wie wird ein Mensch dargestellt – und was wissen wir wirklich über ihn?

Kunst · Geschichte
02

Symbol und Bedeutung

Hermelin, Wacholder, Nelke und Landschaft werden nicht nur erkannt, sondern befragt.

Bildanalyse
03

Stimme und Perspektive

Ein Perspektivwechsel macht sichtbar, wer in traditionellen Erzählungen sprechen darf.

Deutsch · Ethik
04

Fakt und Erfindung

Historische Information, Deutung und künstlerische Fiktion werden sauber unterschieden.

Medienbildung
„Die Frauenporträts übernehmen die Führung.“

Dieser Satz ist nicht nur witzig. Er verändert die Ordnung der ganzen Seite und damit auch den Lernweg. Erst kommen die Frauen, dann Leonardo, dann das übliche Genie-Narrativ.

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