SMS · Susanne macht SchuleWissen darf lebendig sein.

Politik · Geschichte · Satire · Medienbildung

Die Krankenkasse,
der Teufel
und die Currywurst.

Eine alte Spaßseite wird zur Unterrichtseinheit: links die offizielle Geschichte der gesetzlichen Krankenversicherung, rechts eine satirische Netzversion – und darunter ein neues Lied namens „Pommes auf Rezept“.

Die Pointe ist der Einstieg. Der Unterricht beginnt dort, wo wir fragen: Wofür gibt es die gesetzliche Krankenversicherung eigentlich – und was macht Satire daraus?
Pommes auf Rezept: satirisches Bild mit Currywurst, Gesundheitskarte und Rezept
Neu für diese Einheit: ein eigenes Liedbild zu „Pommes auf Rezept“ – zwischen Imbissbude, Kabarett und Krankenkassenkarte.

Worum geht es?

Ernstes Thema. Alberner Zugriff. Gute Unterrichtschance.

01

Sozialstaat

Die gesetzliche Krankenversicherung gehört zu den wichtigsten Absicherungen moderner Gesellschaften: Krankheit soll nicht unmittelbar in Armut führen.

02

Satire

Die Netzfassung überzeichnet das Thema brutal: Brokkoli gegen Sahne, Laufschuhe gegen Kabelfernsehen, Herzinfarkt gegen Solidarprinzip.

03

Prüfen statt schlucken

Die Klasse darf lachen – und soll danach genauer denken: Was ist Pointe, was ist Vorurteil, was ist Realität und was fehlt völlig?

Hinweis: Diese Seite arbeitet bewusst mit Satire. Die satirische Version erklärt die gesetzliche Krankenversicherung nicht, sondern verspottet auf übertriebene Weise Essgewohnheiten, Bequemlichkeit und Konsum.

Der Kern der Seite

Die Geschichte der gesetzlichen Krankenversicherung – in zwei Versionen

Offizielle Version

Historische Entwicklung

Historischer Quellenhinweis der alten Seite: deutsche-sozialversicherung.de/de/krankenversicherung/geschichte.html (heute nach Auskunft nicht mehr online).

1883Die gesetzliche Krankenversicherung entsteht im Rahmen der Bismarckschen Sozialgesetzgebung. Zentrale Prinzipien: Solidarität, Sachleistung, paritätische Finanzierung, Selbstverwaltung und Pluralität.
1911 / 1914Die Reichsversicherungsordnung systematisiert Kranken-, Renten- und Unfallversicherung und bündelt sie in einem einheitlichen Gesetzeswerk.
1933–1945Im Nationalsozialismus werden Aufbau und Aufsicht der Krankenkassen grundlegend verändert; die Selbstverwaltung wird abgeschafft.
1945–1969Nach der Gründung der Bundesrepublik wird die Selbstverwaltung wiederhergestellt. 1969 bringt das Lohnfortzahlungsgesetz die Gleichstellung von Arbeitern und Angestellten im Krankheitsfall.
1970–1989Leistungsverbesserung, Rehabilitationsgesetz und Erweiterung des versicherten Personenkreises. Gleichzeitig sollen Kostendämpfungsgesetze die Ausgaben begrenzen.
1990 / 1991Mit der deutschen Einheit gilt das bundesdeutsche Krankenversicherungsrecht auch in den neuen Bundesländern.
1993–2000Neue Organisationsreformen, Wahlfreiheit der Krankenkassen, Risikostrukturausgleich, Einführung der Pflegeversicherung und weitere Gesundheitsreformen.
Merksatz: Die offizielle Version erzählt von sozialer Absicherung, Rechtsansprüchen, Reformen und dem Versuch, Krankheit solidarisch abzusichern.
Inoffizielle Version

Die andere Schöpfungsgeschichte

Historischer Quellenhinweis der alten Seite: gamepad.de/cgi-bin/yabb2/YaBB.pl?num=1156243450/1020 (heute nach Auskunft nicht mehr online).

Am Anfang bedeckte Gott die Erde mit Brokkoli, Blumenkohl und Spinat, grünen und gelben und roten Gemüsesorten aller Art, damit Mann und Frau lange und gesund leben konnten.

Und Satan schuf Mövenpick und Bahlsen. Und er fragte: „Noch ein paar heiße Kirschen zum Eis?“ – und Mann und Frau antworteten begeistert. Die ersten Kilos waren gewonnen.

Gott schuf Joghurt. Der Teufel brachte weißes Mehl und Zucker. Die Kleidergröße wuchs. Gott schlug frischen Gartensalat vor. Der Teufel erfand Sahnedressing und Knoblauchtoast.

Gott gab Gemüse und Olivenöl. Der Teufel legte Bries, Camembert, Hummerstücke in Butter und Hähnchenbrustfilets dazu. Die Cholesterinwerte des Menschen gingen durch die Decke.

Gott brachte Laufschuhe, damit seine Kinder ein paar Pfunde verlören. Der Teufel schuf Kabelfernsehen mit Fernbedienung, damit der Mensch sich nicht einmal mit dem Umschalten belasten müsse.

Dann schuf Gott die Kartoffel, arm an Fett und voll wertvoller Nährstoffe. Der Teufel entfernte die gesunde Schale, machte Chips daraus, briet sie in tierischem Fett und bestreute sie mit Unmengen Salz.

Schließlich schuf Gott mageres Fleisch. Der Teufel schuf McDonalds und den Cheeseburger für 99 Cent und fragte: „Pommes dazu?“

Der Mensch sagte: „Klar – ’ne extra große Portion mit Majo!“ Der Teufel sagte: „Es ist gut.“ Und der Mensch erlitt einen Herzinfarkt.

Gott seufzte und schuf die vierfache Bypassoperation am Herzen.

Pointe: „Und der Teufel erfand die gesetzliche Krankenversicherung.“

Musikalische Zuspitzung

„Pommes auf Rezept“

Unter der alten Currywurst-Idee steht jetzt ein eigenes Lied. Es bleibt lustig, greift den Satireton auf – und dreht am Ende in Richtung Solidarität.

YouTube-Einbau: https://youtu.be/aua1BEdssfs

Didaktischer Clou: Die Klasse kann vergleichen, wie sich ein Thema verändert, wenn es als offizielle Darstellung, als Netzsatire und als Lied auftaucht.
Lyrics

Pommes auf Rezept

Strophe 1 Ich wollt heut wirklich vernünftig sein, ein bisschen Gurke, Wasser, klein. Dann roch es plötzlich zwei Straßen weit, nach Fett, nach Salz, nach Seligkeit. Der Kopf sagt: „Mensch, nun reiß dich ein!“ Der Bauch sagt: „Curry muss jetzt sein.“ Und irgendwo tief in meinem Portemonnaie liegt meine Karte von der AOK – olé. Refrain Pommes auf Rezept, Curry hinterher, ein bisschen Mayo – komm, das schadet doch nicht mehr. Der Doktor sagt: „Bewegen!“ – ich sag: „Ja, irgendwann.“ Denn wenn der Imbiss offen hat, fängt das Leben wieder an. Pommes auf Rezept, Ketchup obendrauf, der Mensch nimmt sich das Gute vor und gibt es wieder auf. Und wenn der Cholesterinwert singt: „Jetzt wird es langsam Zeit!“ Dann steht die Krankenkasse da in voller Einsatzbereitschaft. Strophe 2 Bismarck hatte sicher keinen Plan, was man mit Curry alles machen kann. Er dachte an Arbeiter, Krankheit und Pflicht, an Krankengeld – an Pommes dachte er nicht. Heute gibt’s Apps und Prävention, Bonusheft und Herzsportaktion. Ich kriege Punkte fürs Fahrradfahr’n – und fahr zum Imbiss. Man muss ja sparen. Refrain Pommes auf Rezept, Curry hinterher, ein bisschen Mayo – komm, das schadet doch nicht mehr. Der Doktor sagt: „Bewegen!“ – ich sag: „Ja, irgendwann.“ Denn wenn der Imbiss offen hat, fängt das Leben wieder an. Sprechpart Und natürlich wissen wir: Die Krankenkasse wurde nicht wegen der Currywurst erfunden. Aber stellen Sie sich einmal vor, sie wäre es. „Name?“ „Albers.“ „Beschwerden?“ „Zweimal Curry, einmal Pommes.“ „Mit Mayo?“ „Leider ja.“ „Familienversichert?“ „Nur die Currywurst.“ Bridge Wir wollen gesund sein, schlank und fit, doch manchmal macht die Seele nicht mit. Dann braucht sie keine Chiasamenkur, dann braucht sie Fett. Mit 180 Grad Temperatur. Und morgen essen wir Gemüse. Bestimmt. Ganz ehrlich. Morgen. Letzter Refrain Pommes auf Rezept, Curry hinterher, das Leben ist schon ernst genug, da braucht man manchmal mehr. Solidarisch zahlen alle ein, ob Läufer oder Couchverein. Und vielleicht ist das die schönste Pointe hier: Wenn einer krank wird, lassen wir ihn nicht allein.

Zum Schluss noch Chemie

Die Fettformel darf nicht fehlen.

Chemische Formel

Fett (C51H96O6)

CH2-O-CO-(CH2)6-CH=CH-(CH2)6-CH3 | CH-O-CO-(CH2)14-CH3 | CH2-O-CO-(CH2)14-CH3

100 g Öl haben: 899 kcal / 3761 kJ
Eiweiß: 0 g – Fett: 99 g – Kohlenhydrate: 0 g

Warum das hier steht

Die alte Spaßseite hatte einen eigentümlichen Schluss.

Nach Geschichte, Satire, Currywurstbild und Musik kam plötzlich die chemische Formel des Fetts. Genau dieses leicht absurde Umschalten – von Sozialstaat zu Imbiss zu Chemie – ist Teil des Charakters der ursprünglichen Seite und bleibt deshalb erhalten.

Wichtig im Unterricht: Die Fettformel ist kein moralischer Zeigefinger. Sie eignet sich eher als kleines Augenzwinkern oder als Brücke zu Naturwissenschaft, Ernährungslehre und der Frage, wie Medien Themen mischen.

Gesprächsimpulse

Vier gute Fragen für den Unterricht

1 · Wofür ist die Krankenkasse da?

Was erzählt die offizielle Version über Rechte, Schutz und Solidarität – und was blendet die satirische Version aus?

2 · Worüber lacht die Satire?

Verspottet sie die Krankenversicherung, ungesunde Lebensweise, Konsum, Bequemlichkeit – oder alles zugleich?

3 · Wann wird Satire unfair?

Welche Krankheiten, Lebenslagen oder sozialen Fragen kommen in der Pointe überhaupt nicht vor, obwohl sie für Krankenversicherung wichtig sind?

4 · Was macht das Lied anders?

Warum kippt „Pommes auf Rezept“ am Ende vom Spott zur Solidarität? Ist das nur nett – oder inhaltlich der stärkste Teil?

Quellenlage

Historische Quellenhinweise

Quellenvermerk: Die beiden ursprünglich auf der alten Spaßseite genannten Internetquellen sind nach Auskunft der Bearbeitung heute nicht mehr online. Die hier wiedergegebenen Inhalte beruhen auf der überlieferten Altseite von Susanne Albers. Die historischen Herkunftsangaben bleiben sichtbar, damit die Entstehung der Seite nachvollziehbar bleibt.

Offizielle Version – historischer Link:
http://www.deutsche-sozialversicherung.de/de/krankenversicherung/geschichte.html

Inoffizielle Version – historischer Link:
http://www.gamepad.de/cgi-bin/yabb2/YaBB.pl?num=1156243450/1020