SMSSusanne macht SchuleWissen darf lebendig sein.

Religion · Kultur · Kunst · Mystik

Christi Himmelfahrt

Was fährt da eigentlich wohin?

Ein Donnerstag, drei völlig verschiedene Welten: Jesus wird „in den Himmel“ aufgenommen. Männer ziehen mit Bollerwagen los. Mystikerinnen und Mystiker fragen, ob „Himmel“ vielleicht gar kein Ort über den Wolken ist.

Diese Unterrichtseinheit entscheidet nicht für dich. Sie zeigt dir drei Deutungen – und am Ende entscheidest du selbst, welche du nachvollziehen kannst.

Die Leitfrage: Wo ist eigentlich der Himmel?
Melozzo da Forlì: Christi Himmelfahrt
Andrea Mantegna: Christi Himmelfahrt
Rembrandt: Christi Himmelfahrt
3Ebenen
1 Feiertag
90 Minuten · ein Feiertag · drei Blickrichtungen

Der Unterrichtsweg

Staunen → verstehen → lachen → hinterfragen → eigene Position. Die Klasse muss nichts glauben und nichts lächerlich finden. Sie soll unterscheiden lernen: Was erzählt ein religiöser Text? Was macht eine Gesellschaft daraus? Und wie kann ein Mensch das Symbol für sich deuten?

0–10 Min.

Einstieg: Was ist heute eigentlich los?

Vier Begriffe an die Tafel: Jesus · Himmel · Vatertag · Bollerwagen. Was gehört zusammen? Was wirkt völlig fremd?

Impuls: „Warum haben wir an diesem Donnerstag frei – und was glaubt ihr, wird da eigentlich gefeiert?“
10–35 Min.

Die christliche Ebene

Lukas lesen, die drei Kunstwerke vergleichen und klären: „Himmel“ ist in religiöser Sprache nicht einfach eine Adresse im Weltall.

35–55 Min.

Der Kulturschock: Vatertag

Wie wird aus einem kirchlichen Fest ein Ausflugs-, Herren- und Trinktag? Die Klasse verfolgt den Wandel eines Brauchs, ohne ihn vorschnell zu feiern oder zu verurteilen.

55–80 Min.

Die mystische Ebene

Was könnte „aufsteigen“ bedeuten, wenn niemand durch die Atmosphäre fliegt? Susannes persönliche Deutung wird als eine mögliche Perspektive kennengelernt – ausdrücklich nicht als Musterlösung.

80–90 Min.

Position beziehen

Vier Aussagen, vier mögliche Zugänge. Die Schüler:innen wählen, begründen oder formulieren eine fünfte eigene Antwort.

Ebene 1 · Die christliche Erzählung

Jesus fährt in den Himmel?

Wir beginnen ganz wörtlich – und schauen dann genauer hin.

Lukas 24,50–53: Jesus führt die Jünger bis in die Nähe von Betanien, segnet sie, scheidet von ihnen und „fuhr auf gen Himmel“. Die Jünger kehren mit großer Freude nach Jerusalem zurück und preisen Gott.
Erste Frage: Wenn du diese Szene filmen müsstest – was würde man sehen? Und welche Probleme entstehen, wenn man „Himmel“ nur als Ort oberhalb der Wolken versteht?

„Zur Rechten Gottes“

In der antiken Bildwelt ist rechts vom Herrscher der Ehrenplatz. Die Aussage meint deshalb nicht nur eine Himmelsrichtung, sondern Erhöhung, Würde und Nähe zu Gott.

40 Tage – oder sofort?

Die Texte erzählen nicht wie ein moderner Nachrichtendienst: In der Apostelgeschichte liegen 40 Tage zwischen Auferstehung und Himmelfahrt; Lukas 24 wirkt unmittelbarer. Genau diese Spannung ist spannend: religiöse Texte deuten ein Geschehen, sie liefern keine Kamerazeit.

Denkfrage: Muss eine religiöse Aussage wörtlich wahr sein, um etwas Wahres sagen zu wollen?
Ebene 2 · Herrentag, Vatertag, Bollerwagen

Und wo kommt jetzt das Bier her?

In Deutschland liegen zwei sehr verschiedene Traditionen auf demselben Donnerstag.

1

Kirchlicher Feiertag

Christi Himmelfahrt wird 40 Tage nach Ostern gefeiert. Prozessionen und Gottesdienste im Freien gehören seit Jahrhunderten zu den Bräuchen.

2

Raus ins Freie

Historische Bitt- und Himmelfahrtsprozessionen führten Menschen durch Felder und Landschaft. Diese Bewegung nach draußen ist eine mögliche Wurzel späterer Ausflugstraditionen.

3

Herrenpartien

Ende des 19. Jahrhunderts sind besonders aus Berlin sogenannte Herrenpartien belegt: Männer zogen gemeinsam ins Umland, mit Gesang, Essen und Alkohol. Der Brauch verbreitete sich.

4

Vatertag heute

Heute reicht die Spannweite vom Familienausflug bis zur feucht-fröhlichen Bollerwagentour. Mit Vaterschaft hat die klassische Herrenpartie nicht zwingend etwas zu tun.

Diskussion: Wem gehört ein Feiertag – der Religion, dem Staat oder den Menschen, die ihn feiern? Und ist ein Feiertag noch derselbe, wenn sein ursprünglicher Inhalt fast verschwindet?

Zur Geschichte des deutschen Herrentags gibt es verschiedene Entwicklungslinien; seriöse Darstellungen verbinden die heutigen Ausflüge unter anderem mit älteren Prozessions- und Ausflugstraditionen sowie den Berliner Herrenpartien des späten 19. Jahrhunderts. Deshalb wird hier bewusst keine einfache „So war es genau“-Legende erzählt.

Ebene 3 · Eine mystische Deutung

Was, wenn der Himmel nicht „da oben“ ist?

Hier beginnt eine andere Lesart. Sie ist nicht die einzig richtige und auch kein Dogma. Sie fragt, ob Himmelfahrt ein Bild für eine innere Veränderung sein kann.

Wichtig für den Unterricht: Der folgende Abschnitt ist ausdrücklich Susannes persönliche mystische Perspektive. Schülerinnen und Schüler sollen sie verstehen und prüfen können – sie müssen sie nicht übernehmen.
„Der Himmel ist nicht ein Ort, sondern ein Zustand … Der Aufstieg, den ihr sucht, beginnt im Innersten.“

Was zieht Menschen „nach unten“?

Angst, Hass, Abhängigkeit, Neid, Selbstzweifel, Gewalt, Verzweiflung – die Klasse sammelt eigene Beispiele.

Was könnte „aufsteigen“ heißen?

Frei werden, lieben, verstehen, loslassen, Verantwortung übernehmen, sich verändern oder sich mit etwas Größerem verbunden fühlen.

Der Himmel ist hier

Ein künstlerisch-mystischer Zugang: Himmelfahrt nicht als Weg durch den Weltraum, sondern als innere Bewegung.

Vergöttlichung – Susannes mystische Reise

Ausgangspunkt ist eine alte christliche Idee, die besonders mit Athanasius verbunden wird: Gott wird Mensch, damit der Mensch Anteil am Göttlichen gewinnen kann. Susanne verbindet diese Theosis-Idee mit eigenen spirituellen Erfahrungen.

Zum Video: Susanne macht gleich zu Beginn deutlich, dass dies keine allgemeingültige Erklärung von Himmelfahrt ist, sondern eine sehr persönliche Deutung. Vor jedem der vier Teile erzählt sie kurz, welche Erfahrung und welche Frage dahinterstehen. Gerade deshalb lässt sich das Video im Unterricht als persönliches Zeugnis lesen und anschließend kritisch mit den anderen Deutungen vergleichen.
Vier Stationen im Gesamtvideo:
1. Erhebung der Seele: Was bedeutet „aufsteigen“? Mystische Reise, inneres Wachstum und die Suche nach einem höheren Bewusstsein.
2. Licht aus dem Dunkel: Susanne erzählt von sehr schweren Erfahrungen, von Verzweiflung und einem Gotteserlebnis, das sie als Befreiung erfahren hat.
3. Auf Flügeln der Freiheit: „Himmelfahrt“ beschreibt für sie ein Gefühl grenzenloser Freiheit und der Vereinigung mit dem Göttlichen – getragen von Licht.
4. Im Licht der Wahrheit: Aus der Erfahrung entsteht für sie eine Berufung, über Mystik und göttliches Licht zu sprechen und das Erlebte weiterzugeben.
Prüffrage: Ist „Himmel“ für dich eher ein Ort, ein Zustand, ein Symbol, eine Hoffnung – oder etwas ganz anderes?
Abschluss · Keine Musterlösung

Welche Himmelfahrt kannst du nachvollziehen?

Wähle eine Aussage, widersprich ihr oder erfinde deine eigene. Entscheidend ist die Begründung.

A Jesus ist körperlich in den Himmel aufgefahren.
B Himmelfahrt bedeutet: Jesus ist endgültig bei Gott und wird „erhöht“.
C Himmelfahrt kann bedeuten: Ein Mensch erhebt sich innerlich über das, was ihn bindet.
D Für mich ist Himmelfahrt vor allem ein gesetzlicher Feiertag und Teil unserer Kultur.
Oder E: Formuliere deine eigene Antwort in zwei Sätzen.
Für Lehrkräfte

Didaktischer Kern

  • Keine Glaubensprüfung: Die Lernenden unterscheiden Deutungen und begründen Positionen.
  • Religiöse Sprache lesen: „Himmel“, „Erhöhung“ und „zur Rechten Gottes“ als Bildsprache verstehen.
  • Kulturwandel beobachten: Ein kirchlicher Feiertag kann säkularisiert, umgedeutet und neu ritualisiert werden.
  • Perspektiven sauber markieren: Christliche Tradition, historische Forschung und Susannes persönliche Mystik werden nicht vermischt.
  • Offener Abschluss: Auch die Position „Ich kann mit keiner religiösen Deutung etwas anfangen“ ist zulässig, wenn sie begründet wird.

Quellen zur Vertiefung