„Wozu erzieht ihr eigentlich – zum Leben oder zum Funktionieren?“
Sie sind zwölf,
und ihr fragt sie, was sie mal „werden wollen“.
Als wären sie noch nichts.
Als müssten sie sich bewerben –
um Daseinsberechtigung.
Ihr drängt sie in Profile,
statt Räume zu öffnen.
Ihr nennt es Orientierung.
Ich nenne es:
Geleitete Entfremdung.
Sie sollen wählen –
aber nur aus dem,
was ihr vorgebt.
Sie sollen planen –
aber nach Norm,
nicht nach Neigung.
Wo bleibt das Recht auf Nichtwissen,
auf Umwege,
auf Selbstentdeckung?
Sag, Staatschef:
Was ist eure Angst –
dass Kinder sich zu Menschen entwickeln,
die nicht in eure Raster passen?
Oder dass sie anfangen,
etwas Eigenes zu wollen?
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Arno Gruen weitergedacht · Folge 03
Berufszwang und Mangel an Selbstbestimmung
Ein politischer Gedanke über Menschenbild, Macht und die Frage, was Systeme mit Menschen machen.
Einordnung: Der folgende Text ist keine historische Rede Arno Gruens und kein wörtliches Zitat. Susanne Albers führt seine Gedanken künstlerisch und politisch weiter.
„Das starre System, das Kinder dazu zwingt, einen vordefinierten Beruf zu erlernen, nimmt ihnen die Möglichkeit zur Selbstbestimmung und fördert nicht ihre individuellen Fähigkeiten und Interessen.“
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Drei politische Arbeitsfragen
1. Menschenbild
Welches Bild vom Menschen kritisiert dieser Text? Welche Bedürfnisse oder Fähigkeiten werden übersehen?
2. Politische Zuständigkeit
Welche Gesetze, Institutionen oder gesellschaftlichen Erwartungen wären von dieser Kritik konkret betroffen?
3. Gegenprüfung
Wo überzeugt die Zuspitzung? Wo ist sie zu pauschal? Formuliere eine begründete Gegenposition und eine mögliche Veränderung.