„Was macht ihr da mit euren Kleinsten?“
Ihr nennt es Vorschule. Frühförderung. Struktur.
Ich nenne es:
Abrichtung.
Ihr bringt sie weg von den Armen,
die sie trösten würden.
Weg vom Blick der Mutter,
rein in Räume mit Regeln,
Beurteilung, Bewertung, Belohnung.
Noch bevor sie Ich sagen können,
sollen sie funktionieren.
Ihr nennt es Entwicklung.
Aber was ihr da entwickelt,
sind Kinder mit früh gebrochener Bindung,
die später nach Anerkennung gieren
und Autoritäten vertrauen,
weil sie nie Nähe gelernt haben.
Ihr tötet Vertrauen,
bevor es sich entfalten kann.
Sag, Staatschef:
Wem dient das?
Dem Kind – oder dem System?
← Alle 15 Gedanken
Arno Gruen weitergedacht · Folge 01
Entmenschlichung durch frühzeitige Institutionalisierung
Ein politischer Gedanke über Menschenbild, Macht und die Frage, was Systeme mit Menschen machen.
Einordnung: Der folgende Text ist keine historische Rede Arno Gruens und kein wörtliches Zitat. Susanne Albers führt seine Gedanken künstlerisch und politisch weiter.
„Indem Sie Kinder bereits im Kindergarten institutionalisieren, entmenschlichen Sie sie von Anfang an und nehmen ihnen die Möglichkeit, eine natürliche emotionale Bindung zu ihren Eltern aufzubauen.“
Nicht übernehmen · prüfen
Drei politische Arbeitsfragen
1. Menschenbild
Welches Bild vom Menschen kritisiert dieser Text? Welche Bedürfnisse oder Fähigkeiten werden übersehen?
2. Politische Zuständigkeit
Welche Gesetze, Institutionen oder gesellschaftlichen Erwartungen wären von dieser Kritik konkret betroffen?
3. Gegenprüfung
Wo überzeugt die Zuspitzung? Wo ist sie zu pauschal? Formuliere eine begründete Gegenposition und eine mögliche Veränderung.