Originaltext zum Video
[Intro – gesprochen]
Susanne… du bist also aus der Zukunft gekommen. Fünfhundert Jahre. Wegen… Augenbrauen?
[Strophe 1]
Du stehst in meiner Werkstatt, zeigst auf mein berühmtes Bild und sagst ganz ernst: „Leonardo, bei uns wird darüber seit Jahrhunderten diskutiert.“ Ich frage: Perspektive? Das Lächeln? Das Licht? Die Landschaft? Du sagst: „Nein. Die Augenbrauen fehlen.“
[Refrain]
Oh Susanne, welche Not, eure Zukunft scheint bedroht. Fünf Jahrhunderte, welch ein Grauen — alle suchen Augenbrauen. Nun gut, gib mir einen Pinsel her, so schwer kann dieses Wunder nicht sein. Zwei feine Bögen, links und rechts — und endlich kehrt der Frieden ein.
[Strophe 2]
Ich habe Körper aufgeschnitten, Flüsse, Wolken, Flug studiert, Maschinen, Schädel, Muskelzüge und den Menschen analysiert. Doch niemals hätte ich gedacht, dass eines Tages jemand spricht: „Leonardo, alles wunderbar — aber mal ihr bitte Augenbrauen ins Gesicht.“
[Zwischenspiel – gesprochen]
Susanne… ich hoffe wirklich, das ist euer größtes Problem.
[Strophe 3]
Also setze ich mich wieder hin, mische Braun mit etwas Licht, ziehe vorsichtig zwei Linien über dieses stille Gesicht. Nicht zu dick und nicht zu streng, weich wie Schatten, fein und klein. Dann drehe ich mich zu dir um: „So, Susanne. Zufrieden?“
[Refrain]
Oh Susanne, schau sie an, nun ist alles endlich dran. Mona Lisa, neu versehen — jetzt könnt ihr beruhigt gehen. Fünf Jahrhunderte Streit vorbei, Kunstgeschichte ist wieder frei. Und falls euch morgen etwas fehlt — bitte schreibt erst, bevor ihr reist.
[Bridge]
Doch vielleicht, Susanne, liegt das Geheimnis gerade darin: Dass Menschen dort Fragen sehen, wo Bilder schweigen. Dass ein fehlender Strich mehr Gespräche erzeugt als hundert gemalte. Vielleicht… hätte ich sie also doch weglassen sollen.
[Outro]
Susanne? Tu mir einen Gefallen. Wenn du wieder in deine Zeit zurückgehst… sag niemandem, dass ich sie wegen dir gemalt habe. Sonst kommen sie alle.