SMS · Susanne macht Schule
Mensch · Gesellschaft · Beobachtung

Der Mikrokosmos

Wie wird aus einer kleinen Beobachtung eine große Gesellschaftskritik?

1 · Was passiert?
Erzähl den Text in zwei oder drei eigenen Sätzen. Mehr nicht.
2 · Wo sticht es?
Such einen Satz, der lustig, gemein, traurig oder überraschend ist. Warum genau der?
3 · Und heute?
Gibt es das Problem noch? Nenne ein heutiges Beispiel – oder widersprich Tucholsky.

Leseregel: Du musst nicht jedes alte Wort kennen. Markiere Unklares, aber verliere darüber nicht die Pointe.

Originaltext

(Theobald Tiger, Weltbühne 22, 27.5.20)

Daß man nicht alle haben kann _! Wie gerne möcht ich Ernestinen Als Schemel ihrer Lüste dienen! Und warum macht mir Magdalene, Wenn ich sie frage, eine Szene? Von jener Lotte ganz zu schweigen - Ich tät mich ihr als Halbgott zeigen. Doch bin ich schließlich ein Stück Mann... Daß man nicht alles haben kann -!

Gewiß: der Spiegel ist etwas alt. Ich weiß, daß zwischen Spree und Elbe Das Dramolet je stets dasselbe, Doch denk ich alle, alle Male: Entfern ich diesmal nur die Schale - Was wird sich deinen Blicken zeigen? Was ist, wenn diese Lippen schweigen? Nur diesmal greifts mich mit Gewalt... (Gewiß: das Spiel ist etwas alt.)

Daß man nicht alles haben kann_! Das läßt sich zeitlich auch nicht machen... Ich weiß, jetzt wirst du wieder lachen! Ich komm doch stets nach den Exzessen Zu Dir und kann dich nicht vergessen. So gib mir denn nach langem Wandern Die Summe aller jener andern. Sei du die Welt für einen Mann... Weil er nicht alle haben kann.

Wenn du tiefer willst

Wie macht der Text Druck?

Finde Übertreibung, Gegensatz, Wiederholung, Rollenwechsel oder einen Satz, der bewusst unfair klingt. Welche Wirkung hat das?

Schreib zurück.

Formuliere drei Sätze an Tucholsky: einen Satz Zustimmung, einen Widerspruch und eine Frage.