SMS – Susanne macht SchuleWissen darf lebendig sein.
Philosophie · Bewusstsein · Wahrnehmung · Gedankenexperiment

Höhlengleichnis hoch 5

Was geschieht mit Platons Höhlengleichnis, wenn man es nicht bei einer Höhle belässt? Susanne Albers hat 2021 fünf Variablen daraus gemacht – mit ihrer Katze Nelli im Zentrum.

1🐈
Wohnung · Gefangenschaft
2🐈
Wiese · Vögel · Mäuse
3🐈
Psychose · Stimmen
4🐈
Nahtoderlebnis · Göttlichkeit
5🐈
Hirntod · Organe · Zellen
Nelli am Eingang einer leuchtenden Höhle mit einem kleinen Holzzug – Bild zum Gedankenexperiment
Nelli zwischen Höhle, Wahrnehmung und Wirklichkeit – eine künstlerische Bildidee zur Unterrichtseinheit.
Die Ausgangsposition

Du musst Susanne nicht glauben.

Ich, Susanne, gehe in diesem Gedankenexperiment davon aus, dass Nelli Bewusstsein hat. Das ist meine persönliche Überzeugung und der Ausgangspunkt meines Textes. Du kannst diese Annahme teilen, bezweifeln oder ablehnen. Entscheidend ist nicht, dass du meiner Antwort folgst. Entscheidend ist, dass du prüfst, was aus der Frage nach Wirklichkeit wird, wenn du die Bedingungen veränderst.

Diese Unterrichtseinheit liefert deshalb keine fertige Auflösung. Sie nimmt Susannes Gedankengang ernst und gibt ihn an dich weiter.

Text von Susanne Albers · 2021

Der Originaltext

Höhlengleichnis hoch 5

„Ich habe nachgedacht ...“

Ich habe nachgedacht... und bin konsequent mit dem Höhlengleichnis von Platon umgegangen, denn für mich gibt es mindestens 5 Variablen. Vorweg: ich weiß, daß unsere Katze Nelli genauso ein Bewußtsein hat, wie ich. Nun meine Überlegung: Höhlengleichnis hoch 5 1. Katze Nelli von Geburt an in Gefangenschaft hier in der Wohnung (Küken vorm Schreddern). 2. Katze Nelli ist auf der Wiese und sieht Vögel und fängt Mäuse. 3. Katze Nelli hat eine Psychose und hört Stimmen (woher?). 4. Katze Nelli hat ein Nahtoderlebnis und erlebt ihre Göttlichkeit. 5. Katze Nelli erleidet bei einem Unfall den Hirntod, die lebenserhaltenden Maschinen werden abgeschaltet und ihre Organe werden in einen anderen Körper verpflanzt (haben ihre Organe (oder gar Zellen) ein Bewußtsein?). Diesen Gesamtumfang erhoffe ich mir, wenn öffentlich über das Höhlengleichnis geredet wird.
Text: Susanne Albers, 2021
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Fünfmal ändert sich die Wirklichkeit

Jede Station verändert eine Bedingung. Die Frage bleibt offen: Was wäre in dieser Situation „Höhle“, was wäre „draußen“ – und wer könnte das überhaupt entscheiden?

1

Gefangenschaft

„Katze Nelli von Geburt an in Gefangenschaft hier in der Wohnung ...“

Denkfrage: Wenn Nelli nichts anderes kennt: Ist die Wohnung für sie die ganze Wirklichkeit?

2

Wiese

„Katze Nelli ist auf der Wiese und sieht Vögel und fängt Mäuse.“

Denkfrage: Ist das Verlassen einer Begrenzung automatisch schon Erkenntnis – oder nur eine größere Welt?

3

Stimmen

„Katze Nelli hat eine Psychose und hört Stimmen (woher?).“

Denkfrage: Was geschieht mit unserem Wirklichkeitsbegriff, wenn Erleben und gemeinsame Außenwelt nicht mehr eindeutig zusammenfallen?

4

Grenzerfahrung

„Katze Nelli hat ein Nahtoderlebnis und erlebt ihre Göttlichkeit.“

Denkfrage: Was wäre, wenn eine Erfahrung für das erlebende Wesen wirklicher erscheint als alles zuvor Erlebte?

5

Grenze des Körpers

„... haben ihre Organe (oder gar Zellen) ein Bewußtsein?“

Denkfrage: Wo würdest du die Grenze eines bewussten Wesens ziehen – und woher weißt du, dass diese Grenze stimmt?

Deine Höhle · deine Fragen

Mach dir selbst ein Bild der Wirklichkeit.

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Schlussfrage

Vielleicht ist die Höhle nicht nur ein Ort.

Wie viele Wirklichkeiten musst du zulassen, bevor du merkst, dass die eigentliche philosophische Frage nicht lautet: „Was ist draußen?“ – sondern: „Woher weiß ich, dass ich es weiß?“

Und Susannes Forderung bleibt stehen: Wenn öffentlich über das Höhlengleichnis gesprochen wird, darf der Denkraum größer sein als eine einzige fertige Deutung.