Susanne macht SchuleWissen darf lebendig sein.

Medienkompetenz · KI · Quellenkritik

Unterrichtseinheit 134 · ca. 45 Minuten

Wenn die KI sich selbst widerspricht.

Zwei Screenshots. Dieselbe Suchanfrage. Fünf Minuten Abstand. Ein sehr einfacher Fall zeigt, warum eine KI-Antwort nicht automatisch eine Tatsache ist – auch dann nicht, wenn sie bei Google steht.

Beobachte zuerst – erkläre später

Was ist hier passiert?

Google-Suche nach mystikonline.de um 23:35 Uhr mit widersprüchlicher KI-Übersicht
23:35:33 Uhr: Oben zeigt Google mystikonline.de als Treffer. Die KI-Übersicht behauptet darunter trotzdem, dort sei derzeit keine aktive oder näher beschriebene Website im öffentlichen Index verzeichnet.
Google-Suche nach mystikonline.de um 23:40 Uhr mit korrekterer KI-Übersicht
23:40:28 Uhr: Dieselbe Suche. Nun beschreibt die KI mystikonline.de als persönliche Website und Online-Präsenz von Susanne Albers mit spirituellen Themen und Mystik.
↓ fünf Minuten später ↓
Erste Aufgabe: Schreibe nur auf, was du auf den beiden Screenshots tatsächlich beobachten kannst. Noch keine Vermutung darüber, warum es passiert ist.

Drei Ebenen sauber trennen

Beobachtung, Schlussfolgerung, Behauptung

1 · Beobachtung„Die beiden KI-Antworten widersprechen sich.“ Das ist direkt auf den Screenshots überprüfbar.
2 · Schlussfolgerung„Mindestens eine der Antworten ist falsch oder unzuverlässig.“ Das folgt logisch aus dem Widerspruch.
3 · Behauptung„Google hört das Mikrofon ab.“ Das lässt sich aus diesen beiden Bildern nicht beweisen. Dafür bräuchte man zusätzliche Belege.

Arbeitsauftrag

Was darf ich glauben?

AussageWas würdest du tun?
„Die KI klingt sicher, also stimmt es.“Prüfe, ob Sicherheit im Ton wirklich ein Beleg ist.
„Google zeigt die Website oben als normalen Treffer.“Vergleiche die KI-Aussage mit dem sichtbaren Suchergebnis und öffne möglichst die Quelle selbst.
„Fünf Minuten später sagt die KI etwas anderes.“Frage: Welche Aussage wird durch Quellen gestützt? Welche nicht?
„Die zweite Antwort kam nach unserem Gespräch.“Das ist zeitliche Nähe. Zeitliche Nähe allein beweist noch keine Ursache.

Diskussion: Was ist gesellschaftlich problematischer: dass eine KI Fehler macht – oder dass sie Fehler in einem sehr überzeugenden Ton als fertige Antwort präsentiert?

45-Minuten-Ablauf

So kann die Stunde laufen

Nur gucken

Beide Screenshots zeigen. Schülerinnen und Schüler notieren Unterschiede, ohne Erklärungen zu erfinden.

Widerspruch finden

Welche Aussagen können nicht gleichzeitig stimmen? Welche Information liefert die normale Google-Suche selbst?

Wissen oder Vermutung?

Die Klasse sortiert Aussagen in Beobachtung, Schlussfolgerung und unbelegte Behauptung.

Was macht KI glaubwürdig?

Besprechen: Sprachstil, bekannte Marke, Quellenhinweise, Geschwindigkeit, Bequemlichkeit. Warum kann das Vertrauen erzeugen?

Ein Satz zum Mitnehmen

Jede Person beendet: „Wenn eine KI mir etwas behauptet, dann …“

Hinweis für Lehrkräfte

Der didaktische Kern

Die Stunde soll nicht vermitteln, dass „KI lügt“ oder dass Suchmaschinen grundsätzlich unbrauchbar sind. Sie zeigt etwas Präziseres: Generierte Antworten können falsch, widersprüchlich oder instabil sein. Deshalb bleibt Quellenkritik auch bei sehr moderner Technik notwendig.

Besonders stark ist dieser Fall, weil keine komplizierte Fachfrage nötig ist. Die Lernenden können den Widerspruch mit eigenen Augen erkennen. Genau deshalb eignet er sich als Einstieg in KI- und Medienkompetenz.