SMS · Susanne macht Schule
Philosophie · Stoa · Alltag

Epiktet – Was liegt eigentlich in deiner Hand?

Stoisch denken, ohne zum Betonklotz zu werden.

45 Minuten möglich90 Minuten idealGesamtvideo 1:02:16
Der Ausgangspunkt:
Einige Dinge liegen in unserer Gewalt. Andere nicht. Die Kunst beginnt damit, beides nicht zu verwechseln.

Wer war Epiktet?

Epiktet lebte ungefähr von 50 bis 138 n. Chr. Er kam als Sklave nach Rom, wurde später Lehrer der stoischen Philosophie und gründete nach seiner Vertreibung aus Rom eine Schule in Nikopolis.

Er selbst schrieb seine Lehre nicht auf. Überliefert wurde sie durch seinen Schüler Arrian.

Warum ist das heute interessant?

Weil Epiktet nicht zuerst fragt: Was passiert mir? Sondern: Was davon kann ich beeinflussen – und was mache ich mit dem Rest?

Das ist keine Aufforderung zur Gefühllosigkeit. Es ist eine Schule des Urteilens.

Das Gesamtvideo

Es gibt bewusst ein einziges Gesamtvideo – keine zerstückelten Einzelclips. Das Handbüchlein darf als Ganzes wirken.

Für eine 90-Minuten-Doppelstunde kann das Video stärker einbezogen werden. Für 45 Minuten arbeitet die Klasse mit ausgewählten Textstellen und kann das Gesamtvideo anschließend zur Vertiefung nutzen.

Fünf Epiktet-Sätze, die Ärger machen dürfen

1 · Was liegt in meiner Gewalt?

„Einige Dinge sind in unserer Gewalt, andere nicht.“

Frage: Ist diese Trennung wirklich so eindeutig? Gibt es Dinge, die ich nicht kontrollieren, aber trotzdem beeinflussen kann?

2 · Gedanken sind nicht die Dinge

„Nicht die Dinge selbst, sondern die Meinungen von den Dingen beunruhigen die Menschen.“

Frage: Wo stimmt das? Und wo wäre dieser Satz unfair gegenüber realem Leid?

3 · Die Welt gehorcht dir nicht

„Verlange nicht, daß die Dinge gehen, wie du es wünschest, sondern wünsche sie so, wie sie gehen.“

Frage: Ist das Gelassenheit – oder kann daraus auch Resignation werden?

4 · Langsam zum Zorn

Wenn dich jemand ärgert, prüfe zuerst deine eigene Vorstellung von dem, was geschehen ist.

Frage: Hilft das bei Beleidigungen? Wo endet Selbstkontrolle und wo beginnt notwendiger Widerstand?

5 · Urteil statt Reflex

„Urtheile nicht vorschnell.“

Frage: Was weißt du wirklich – und was hast du nur ergänzt, vermutet oder bewertet?

In meiner Hand / nicht in meiner Hand

Klick nicht nach Gefühl. Begründe zuerst. Danach kannst du dir eine mögliche Einordnung anzeigen lassen.

Jemand schreibt: „Du bist peinlich.“
Die Bahn fällt aus.
Dein Video bekommt kaum Likes.
Die Klassenarbeit ist geschrieben.
Morgen ist die nächste Arbeit.
Eine Freundin antwortet nicht.

45 Minuten: Epiktet im echten Leben

0–5 MinZwei Spalten an die Tafel: „in meiner Hand“ / „nicht in meiner Hand“. Drei spontane Beispiele sammeln.
5–12 MinEpiktets ersten Abschnitt lesen. Begriffe klären: Meinung, Begierde, Ansehen, Amt.
12–22 MinDie sechs Situationen oben einordnen. Wichtig: „beeinflussen“ ist nicht dasselbe wie „kontrollieren“.
22–32 Min„Nicht die Dinge selbst …“ diskutieren. Gegenbeispiele ausdrücklich zulassen.
32–41 MinSMS-Auftrag: „Epiktet bekommt ein Smartphone.“ Eine kurze Szene schreiben.
41–45 MinExit: „Stoisch sein heißt für mich nicht …, sondern …“

90 Minuten: die Doppelstunde

Erste Hälfte

Die 45-Minuten-Stunde wie oben – nur mit mehr Gesprächszeit und zwei Originalpassagen.

Zweite Hälfte

20–25 Minuten aus dem Gesamtvideo gemeinsam hören/sehen, danach Gruppenarbeit mit unterschiedlichen Stellen aus dem Volltext. Abschlussdebatte: „Macht Stoizismus frei – oder manchmal zu angepasst?“

SMS-Denkwerkstatt

Epiktet bekommt ein Smartphone
Schreibe einen Chat oder inneren Monolog zu Likes, Streit, Ghosting oder einer schlechten Note.
Widersprich Epiktet
Suche einen Satz, den du für zu hart, zu einfach oder falsch hältst. Begründe deinen Einwand.
Übersetze ihn
Nimm einen Abschnitt aus dem alten Deutsch und schreibe ihn so, dass ihn heute ein 14-Jähriger versteht – ohne den Gedanken zu verfälschen.
Stoisch oder passiv?
Erfinde zwei Situationen: einmal hilft Gelassenheit, einmal wäre Wegsehen falsch.

Zum vollständigen Handbüchlein →