Originaltext zum Video
[Intro – Romero, ruhig]
Susanne, du fragst mich: Wie fühlt es sich an, dort oben zu stehen? Westminster Abbey. Ein Märtyrer. Ein Erzbischof aus El Salvador an einer Kirche in London. Und ich denke zuerst: Wie weit ein Name reisen kann.
[Strophe 1]
Ich stand nicht auf, weil ich ein Held sein wollte. Ich stand auf, weil Menschen litten. Weil Angst zu Alltag geworden war. Weil Macht sich daran gewöhnte, nicht mehr zuzuhören. Und irgendwann wird Schweigen selbst zu einer Antwort.
[Refrain]
Wenn Schweigen nicht mehr möglich ist, musst du sprechen. Nicht weil du sicher bist. Nicht weil du stark bist. Sondern weil ein anderer Mensch deine Stimme braucht. Das ist kein Heldentum. Das ist Verantwortung.
[Strophe 2]
Ich war Priester. Bischof. Erzbischof. Aber ein Titel schützt dich nicht vor der Frage: Wem dienst du? Der Ruhe? Der Ordnung? Der eigenen Sicherheit? Oder den Menschen, deren Stimmen niemand hören will? Diese Frage wurde lauter. Und irgendwann konnte ich ihr nicht mehr ausweichen.
[Break]
Susanne, du fragst: Wie ist das Wort „Märtyrer“ für dich? Schwer. Denn es schaut auf das Ende. Ich möchte lieber, dass ihr auf den Weg schaut. Auf jeden Augenblick, in dem Schweigen noch möglich war. Und auf die Entscheidung, es nicht zu tun.
[Strophe 3]
Heute steht meine Figur in Westminster. Menschen fotografieren sie. Vielleicht lesen sie meinen Namen. Vielleicht wissen sie, wie ich starb. Aber ich hoffe, sie fragen auch: Wem höre ich heute nicht zu? Wo wird Leid zu Hintergrundgeräusch? Wo wird Unrecht normal?
[Finaler Refrain]
Wenn Schweigen nicht mehr möglich ist, sprich. Auch leise. Auch zitternd. Auch wenn deine Stimme nicht alles verändert. Denn Schweigen verändert ebenfalls etwas. Es lässt die Welt so, wie sie ist. Wenn meine Statue einen Sinn haben soll, dann diesen: Gewissen ist kein Denkmal. Es muss benutzt werden.
[Outro]
Susanne, ich bin nicht stolz auf meinen Tod. Aber ich hoffe, dass mein Leben jemanden daran erinnert, rechtzeitig zu sprechen.