JENSEITS DER ZEIT

Originaltext zum Video

[Strophe 1]

Lorenzo, sag mal ganz im Ernst, habt ihr das wirklich so nötig? Maria, Jesus, Könige, Hirten — und überall seid ihr auch noch tätig. Da steht die ganze Medici-Sippe, Freunde gleich noch mit dabei. Aus einer Anbetung wird beinahe Familienfeier Nummer drei.

[Refrain]

Lorenzo, ihr wart schon ziemlich groß, ein bisschen eitel vielleicht sowieso. Doch langsam muss ich euch verstehen — ihr konntet euch ja nicht schnell fotografieren gehn.

[Strophe 2]

Ihr hattet keinen Fotoapparat, kein Handy, keinen kleinen Klick. Wenn ihr ein Familienbild wolltet, brauchte es Zeit und Malergeschick. Also kam Botticelli, malte fein, und jeder wollte irgendwo rein. Und wenn das Bild Jahrhunderte hält, dann zeigt man eben gern der Welt: „Schaut her — hier waren wir!“

[Refrain]

Lorenzo, ihr wart schon ziemlich groß, doch heute seh ich’s nicht mehr ganz so bloß. Ein Bild war damals kostbar, schwer — bei uns geht das inzwischen sehr viel mehr.

[Strophe 3]

Guck mal, Lorenzo, hier ein Foto: Meine Eltern, Hochzeit, neunzehnhundertfünfzig. Familie zusammen, einmal stillhalten — und schon war Erinnerung künftig. Und heute? Noch viel einfacher. Ich nehm mein iPhone in die Hand. Alle zusammen, bisschen lächeln — und schon entsteht ein Bild im Stand.

[Bridge]

Kein Botticelli, keine Wochen, kein Tempera, kein Auftrag groß. Ein Finger tippt — es macht nur „klick“ — und schon ist das Familienfoto los.

[Outro]

Also Lorenzo, ich nehm’s zurück — zumindest ein kleines Stück. Ihr wart vielleicht ein bisschen eitel. Aber ohne Kamera war Botticelli eben euer Familienalbum.