Originaltext zum Video
[Intro]
Susanne, du staunst und fragst mich leis: Warum, Dürer, malst du nur diesen einen Flügel? Warum nicht gleich den ganzen Vogel? Ich sage dir: Weil manchmal ein Flügel reicht, um den Himmel zu verraten.
[Strophe 1]
Sieh nur das Blau, dieses tiefe, kühle Blau, und daneben Grün, und dann ein Schimmer, der fast schon schwarz wird, doch nie ganz dunkel ist. Ein Vogel trägt hier Farben, die kein Fürst bestellen kann und kein Goldschmied erfindet. Darum halte ich inne. Darum male ich genau.
[Refrain]
Ich male ihn so, weil Staunen Form verlangt. Weil Schönheit nicht verschwinden soll im schnellen Blick. Weil eine Feder mehr lehren kann als mancher gelehrte Satz. Im Flügel liegt Ordnung, im Farbenspiel Gesetz, und mitten im Gesetz liegt Gnade.
[Strophe 2]
Du sagst vielleicht: Es ist doch nur ein Teil. Ja, nur ein Teil. Doch Teile sprechen. Der ganze Vogel fliegt vielleicht davon. Der Flügel aber bleibt mir hier wie eine offene Schrift. An ihm kann ich lesen, wie fein die Welt gebaut ist, wie präzise, wie verschwenderisch schön.
[Break]
Nicht ich erfinde das Wunder. Ich diene ihm nur mit Hand und Auge. Ich ordne Linien, ich mische Farben, ich taste mich heran. Und doch bleibt selbst im besten Bild immer noch mehr, als ich fassen kann.
[Strophe 3]
Darum male ich nicht hastig. Darum ehre ich jede Federkante, jeden Übergang, jedes leise Leuchten. Denn wenn ich wahr male, dann sage ich: Die Welt ist nicht roh. Sie ist gedacht. Sie ist gefügt. Sie ist ein stilles Fest für den, der schaut.
[Finaler Refrain]
Ich male ihn so, weil Staunen bleiben muss. Weil Blau nicht bloß blau ist, sondern Tiefe, Lob und Rätsel zugleich. Wenn du den Flügel siehst, sollst du nicht nur denken: Wie schön. Du sollst auch fühlen: Wie groß muss der Gedanke sein, der so etwas ersinnt.
[Outro]
Darum, Susanne, male ich den Flügel und nicht nur den Vogel. Denn manchmal genügt eine einzige Schwinge, damit das Herz begreift: Die Schöpfung ist größer als unser Begriff von ihr.