Leonardo
Danke. Ich möchte an dieser Stelle festhalten, dass mein Leben durchaus einen eigenen Abschnitt verdient.
Nun darf er auch einmal
1452 bis 1519 – die Lebensgeschichte des umfassendsten Genies der Renaissance.
Leonardo
Danke. Ich möchte an dieser Stelle festhalten, dass mein Leben durchaus einen eigenen Abschnitt verdient.
Mona Lisa
Du bekommst sogar eine ganze Seite. Nach unseren Porträts, dem Abendmahl und der Verkündigung. Mehr Entgegenkommen war nicht drin.
Cecilia Gallerani
Und bitte kurz halten, Leo. Wir wissen, dass du überall gleichzeitig warst.
1452
Leonardo da Vinci wurde 1452 geboren, vermutlich in Vinci, einem Bergdorf rund 50 Kilometer westlich von Florenz. Seine Familie war seit mehreren Generationen dort ansässig und gehörte als Grundbesitzer zur angesehenen oberen Mittelschicht. Sein Vater Ser Piero war Notar, wie bereits mehrere Vorfahren vor ihm.
Leonardo wäre vielleicht ebenfalls für diesen Beruf bestimmt gewesen, wenn sein Vater nicht bereit gewesen wäre, ihn bei dem bedeutenden Florentiner Künstler Andrea del Verrocchio in die Lehre zu geben. Seine Mutter Caterina entstammte einer niedrigeren gesellschaftlichen Schicht und war mit Ser Piero nicht verheiratet.
Eine bekannte Anekdote erzählt von einem hölzernen Schild, den Leonardo als Jugendlicher mit einem furchterregenden Mischwesen bemalte. Das Ungeheuer soll so lebendig gewirkt haben, dass Ser Piero erschrak. Der Schild wurde später mit Gewinn verkauft – ein frühes Zeichen dafür, dass Leonardos Talent nicht nur außergewöhnlich, sondern auch wirtschaftlich verwertbar war.
Ginevra de’ Benci
Vier Generationen Notare, und dann kommt einer mit Eidechsen, Fledermäusen und einem Monsterschild. Das nennt man einen klaren Berufswechsel.
Leonardo
Der Schild bewies immerhin früh meine Beobachtungsgabe und meine Fähigkeit zur überzeugenden Darstellung.
Madonna mit der Nelke
Oder dass du schon mit vierzehn gern Leute erschreckt hast. Auch eine Begabung.
Florenz
Aus Leonardos ersten zwanzig Lebensjahren sind keine sicher bekannten Werke überliefert. Erst 1472, als er als Meister in die Florentiner Lukasgilde aufgenommen wurde, tritt er deutlicher in Erscheinung. Die Ausbildung in Verrocchios Werkstatt brachte ihn mit Malerei, Bildhauerei, technischen Aufgaben und dem breiten handwerklichen Wissen der Renaissance in Verbindung.
1476 wurde Leonardo zusammen mit anderen jungen Männern anonym der Sodomie beschuldigt. Das Verfahren wurde mangels Beweisen eingestellt. Der Vorgang gehört dennoch zu den häufig erwähnten Episoden seiner Biografie.
Schon früh zeigt sich ein Muster, das Leonardo sein ganzes Leben begleiten sollte: große Begabung, enorme Neugier, viele Interessen – und eine ausgesprochene Schwierigkeit, Aufträge pünktlich oder überhaupt fertigzustellen.
Madonna mit der Spindel
Also war das Unfertiglassen kein später Tick, sondern ein durchgehendes Lebenskonzept.
Madonna Litta
Viele Interessen, viele Projekte, wenig Abgabe. Heute würde man vermutlich sagen: kreatives Multitasking mit Terminproblem.
Mailand
1482 bewarb sich Leonardo am Hof der Sforza in Mailand als Militäringenieur. Eingestellt wurde er zunächst als Musiker. Innerhalb kurzer Zeit machte er sich jedoch auch als Maler, Bildhauer, Architekt und Stadtplaner einen Namen.
In Mailand entfaltete sich Leonardos Vielseitigkeit besonders deutlich. Er arbeitete an Kunstwerken, Festinszenierungen, technischen Entwürfen und städtebaulichen Fragen. Gleichzeitig gründete er eine eigene Werkstatt und versammelte Schüler und Mitarbeiter um sich.
Nach dem politischen Umbruch von 1499 verließ Leonardo Mailand und bereiste verschiedene Städte. Im Jahr 1500 kehrte er nach Florenz zurück. Wenig später arbeitete er im Umfeld Cesare Borgias als Militäringenieur und beschäftigte sich mit Befestigungen, Karten, Maschinen und technischen Planungen.
Cecilia Gallerani
Er bewirbt sich für Kriegsmaschinen und wird als Musiker eingestellt. Man muss schon sagen: Sein Lebenslauf war nie ganz linear.
Leonardo
Meine Fähigkeiten ließen sich eben nicht auf eine einzige Berufsbezeichnung reduzieren.
Felsengrottenmadonna
Das stimmt. Maler, Musiker, Ingenieur, Stadtplaner – und nebenbei zuständig für problematische Wandtechniken.
Forschung
1506 kehrte Leonardo erneut nach Mailand zurück. Dort setzte er seine anatomischen Studien fort und sezierte Leichen, um den menschlichen Körper genauer zu verstehen. Zugleich entwarf er mechanische Geräte, Flugapparate und beschäftigte sich mit Naturbeobachtung und wissenschaftlichen Fragen.
Leonardo erforschte Wasserbewegungen, den menschlichen Körper, technische Mechanismen, Licht, Geologie und viele weitere Bereiche. Seine Notizbücher zeigen einen Geist, der beständig verglich, fragte, skizzierte und neue Zusammenhänge suchte.
Sein Denken folgte dabei nicht der späteren modernen Wissenschaft mit reproduzierbaren Experimenten und festen Naturgesetzen. Es war vielmehr ein bewegliches, bildhaftes Forschen: Leonardo wollte verstehen, wie Natur funktioniert, um dieses Wissen in Zeichnung, Malerei und Technik zu übertragen.
Mona Lisa
Und während er Wasser, Muskeln, Flügel und Weltuntergänge untersuchte, saßen wir vermutlich irgendwo herum und warteten auf die nächste Malschicht.
Ginevra de’ Benci
Kein Wunder, dass meine Hände irgendwann aus dem Bild verschwunden sind. Der Mann war gedanklich schon wieder bei einer Flugmaschine.
Leonardo
Meine Forschungen dienten auch der Verbesserung meiner Kunst.
Madonna mit der Nelke
Natürlich, Leo. Wir nennen das einfach eine sehr ausführliche Vorbereitung.
Rom
1513 folgte Leonardo einer Einladung nach Rom und bezog ein Atelier im Palazzo del Belvedere im Vatikan. In dieser Zeit arbeitete er weiter an verschiedenen Projekten und beschäftigte sich intensiv mit Wasser, Naturkräften und Weltuntergangsszenarien.
Die Mona Lisa begleitete ihn über einen langen Zeitraum. Sie wurde nicht einfach rasch fertiggestellt und abgegeben, sondern von Leonardo offenbar immer weiter bearbeitet. Auch das passt zu seiner Arbeitsweise: Ein Bild war für ihn nicht nur ein Auftrag, sondern ein fortdauernder Denkprozess.
In Rom erkrankte Leonardo schwer. In seinen Zeichnungen von Sintfluten, Strömungen und gewaltigen Naturbewegungen verbinden sich wissenschaftliche Beobachtung, Vorstellungskraft und eine tiefe Beschäftigung mit Vergänglichkeit.
Mona Lisa
„Fortdauernder Denkprozess“ klingt viel vornehmer als: Er konnte sich einfach nicht von mir trennen.
Cecilia Gallerani
Du warst eben das einzige Bild, das selbst nach Jahren noch nicht genug Sfumato hatte.
Frankreich
Im Winter 1516 zog Leonardo mit seinen Schülern und Vertrauten Francesco Melzi und Salai nach Frankreich. Dort verbrachte er seine letzten Jahre am Hof von König Franz I. und arbeitete an Plänen, Entwürfen und repräsentativen Projekten.
Leonardo plante unter anderem für Romorantin und blieb bis zuletzt ein gefragter Künstler, Denker und Berater. Francesco Melzi erbte später einen großen Teil seines schriftlichen und zeichnerischen Nachlasses.
Am 23. April 1519 verfasste Leonardo sein Testament. Am 2. Mai 1519 starb er im Alter von 67 Jahren und wurde in Amboise beigesetzt. Sein Nachlass zeigt bis heute einen Menschen, der Kunst, Technik, Naturbeobachtung und Vorstellungskraft auf außergewöhnliche Weise verband.
Mona Lisa
Damit wäre sein Leben zusammengefasst: geboren in Vinci, überall beschäftigt, selten fertig, ständig neugierig – und am Ende nahm er mich mit nach Frankreich.
Leonardo
Ich hätte mir für mein Lebenswerk eine etwas feierlichere Schlussformel gewünscht.
Madonna Litta
Nun hab dich mal nicht so. Du hast eine ganze Seite bekommen.