Mona Lisa
Nur damit es gleich festgehalten ist: Er nahm mich mit nach Frankreich. Die anderen mussten zu Hause bleiben.
Die letzten Jahre
Ein alter Meister, ein junger König, große Pläne – und Mona Lisa natürlich wieder mittendrin.
Mona Lisa
Nur damit es gleich festgehalten ist: Er nahm mich mit nach Frankreich. Die anderen mussten zu Hause bleiben.
Cecilia Gallerani
Ja, wir haben es gehört. Mehrfach. Du warst im Reisegepäck und hältst dich seitdem für diplomatisches Kulturgut.
Leonardo
Frankreich bot mir in meinen letzten Jahren Ruhe, Anerkennung und die Möglichkeit, weiterzuarbeiten.
Ginevra de’ Benci
Ruhe war nach deinem bisherigen Lebenslauf vermutlich auch dringend nötig.
1516
Im Winter 1516 verließ Leonardo Italien und zog nach Frankreich. Mit ihm reisten enge Vertraute und Schüler, darunter Francesco Melzi und Salai. Leonardo war inzwischen über sechzig Jahre alt, gesundheitlich angeschlagen und dennoch weiterhin voller Pläne.
Er ließ sich in der Nähe von Amboise nieder und verbrachte seine letzten Jahre am Hof von König Franz I. Damit begann ein letzter Lebensabschnitt, in dem Leonardo weniger als ausführender Maler, dafür umso mehr als verehrter Künstler, Denker und Berater geschätzt wurde.
Auch einige seiner wichtigsten Werke begleiteten ihn nach Frankreich. Dazu gehörte sehr wahrscheinlich die Mona Lisa, an der er über lange Zeit immer weitergearbeitet hatte.
Mona Lisa
„Immer weitergearbeitet“ klingt sehr vornehm. Er konnte mich einfach nicht loslassen.
Madonna mit der Nelke
Oder du warst auch nach Jahren noch nicht endgültig fertig. Das wäre bei Leo nun wirklich keine Überraschung.
Franz I.
Franz I. war jung, kunstbegeistert und von Leonardo tief beeindruckt. Am französischen Hof genoss der italienische Meister hohes Ansehen. Er wurde nicht nur wegen einzelner Bilder geschätzt, sondern wegen seiner ganzen Persönlichkeit: als Künstler, Konstrukteur, Gesprächspartner und umfassend gebildeter Geist.
Leonardo erhielt in Frankreich eine Stellung, die ihm Würde und Freiheit gab. Er musste nicht mehr ständig um jeden einzelnen Auftrag kämpfen, sondern konnte beraten, planen und seine Gedanken weiterentwickeln.
Die spätere Legende, Leonardo sei in den Armen Franz’ I. gestorben, gehört zu den besonders wirkungsvollen Erzählungen seiner Nachgeschichte. Ob sie historisch stimmt, ist weniger sicher als ihre symbolische Kraft: Der große Künstler stirbt, vom König geehrt.
Madonna Litta
Nach all den Herzögen, Päpsten und Auftraggebern endlich einmal jemand, der ihn einfach bewunderte und nicht gleichzeitig eine Kriegsmaschine bestellte.
Leonardo
Franz I. begegnete meiner Arbeit mit außergewöhnlichem Verständnis.
Felsengrottenmadonna
Also endlich ein Mann, der dich verstand. Das muss für euch beide sehr bewegend gewesen sein.
Romorantin
Auch in Frankreich dachte Leonardo weiter in großen Maßstäben. Für Romorantin entwickelte er Pläne für eine neue Residenzstadt. Wasserwege, Architektur, Versorgung und städtebauliche Ordnung sollten miteinander verbunden werden.
Wie viele seiner großen Projekte wurde auch Romorantin nicht vollständig verwirklicht. Dennoch zeigt der Entwurf, dass Leonardos Denken bis zuletzt weit über einzelne Gemälde hinausging.
Selbst im Alter beschäftigte ihn die Frage, wie Menschen leben, wie Städte funktionieren und wie Wasser, Technik und Architektur zu einer größeren Ordnung verbunden werden können.
Madonna mit der Spindel
Natürlich plante er zum Schluss noch schnell eine ganze Stadt. Ein einzelnes fertiges Projekt wäre für Leo vermutlich zu übersichtlich gewesen.
Cecilia Gallerani
Er dachte eben groß. Fertigwerden war eher für die Werkstatt.
1519
Am 23. April 1519 verfasste Leonardo sein Testament. Wenige Tage später, am 2. Mai 1519, starb er im Alter von 67 Jahren. Er wurde in Amboise beigesetzt.
Francesco Melzi erbte einen großen Teil seiner Manuskripte und Zeichnungen. Damit fiel ihm eine Aufgabe von kaum zu überschätzender Bedeutung zu: Er sollte bewahren, ordnen und weitergeben, was Leonardo in Jahrzehnten notiert und gezeichnet hatte.
Dennoch zerstreute sich der Nachlass später. Vieles ging verloren, anderes gelangte in verschiedene Sammlungen. Was erhalten blieb, genügt trotzdem, um den ungeheuren Umfang von Leonardos Denken sichtbar zu machen.
Mona Lisa
Er starb. Seine Gedanken blieben. Und ich blieb selbstverständlich auch.
Ginevra de’ Benci
Du schaffst es sogar bei Leonardos Tod, wieder auf dich selbst zurückzukommen.
Mona Lisa
Jemand muss schließlich für Kontinuität sorgen.
Das Vermächtnis
Leonardo hinterließ keine geschlossene wissenschaftliche Lehre und kein vollständig geordnetes Werkverzeichnis. Er hinterließ Gemälde, Zeichnungen, Notizen, technische Ideen, Beobachtungen und Fragmente.
Gerade diese Unabgeschlossenheit gehört zu seiner Wirkung. Sein Nachlass zeigt keinen Menschen, der mit allem fertig wurde, sondern einen Menschen, der bis zuletzt weiterfragte.
Frankreich war deshalb nicht nur der Ort seines Todes, sondern der letzte Raum seines Denkens.
Cecilia Gallerani
Damit wäre das geklärt: Leonardo verbrachte seine letzten Jahre in Frankreich, plante noch eine Stadt, ordnete kaum etwas endgültig und hinterließ der Welt genug Arbeit für viele Jahrhunderte.
Leonardo
Ich würde sagen: genug Fragen für viele Jahrhunderte.
Madonna mit der Nelke
Gut, Leo. Den Satz lassen wir dir.