Folge 29: (medizinisch) Ich funktioniere nur noch.
Frage:
Ich arbeite in der Intensivpflege.
Schicht um Schicht.
Jeder will was. Keiner sagt Danke.
Ich spüre nichts mehr – außer Wut.
Was ist mit mir passiert?
Antwort:
Mystisch gesehen stirbt nicht dein Mitgefühl –
sondern dein Selbstschutz.
Du bist nicht kalt geworden,
sondern wund.
Du brauchst kein neues Herz –
sondern einen heiligen Ort in dir,
der dich wieder atmen lässt.
[Intro – müde, stumpf, echt]
Ich steh auf.
Ich zieh’s durch.
Ich mach die Arbeit.
Ich geb die Medis.
Ich halte Hände.
Ich hör das Piepen.
Ich halt die Fresse.
Und innerlich –
brüll ich.
[Vers 1]
Ich war mal anders.
Warm.
Offen.
Ich wollte retten.
Heilen.
Da sein.
Aber jetzt?
Ich zähl Minuten.
Ich dreh mich weg.
Ich wünsch mir:
Kein Notfall mehr.
Bitte nicht.
[Vers 2]
Ich fühl mich falsch.
Weil ich nichts mehr fühl.
Ich hasse mich –
für meine Kälte.
Aber was bleibt mir übrig?
Ich kann nicht mehr weinen.
Nicht mehr bitten.
Nur noch: weiter.
[Vers 3 – mystisch]
Vielleicht
bist du nicht leer –
sondern voll.
Übervoll.
Deine Seele
hat keinen Ausgang mehr.
Zu viel Leid
auf zu wenig Platz.
Kein Wunder,
dass du erstarrst.
[Refrain – fast flüsternd]
Du brauchst Raum.
Nicht Urlaub –
sondern Innenraum.
Wo du nicht musst.
Wo du wieder wirst.
Nicht Pflegekraft –
sondern Mensch.
[Schluss – leise Hoffnung]
Vielleicht stirbt dein Mitgefühl nicht.
Vielleicht ruht es nur.
Bis du wieder sagen kannst:
„Ich bin hier.“
Nicht für alle.
Aber zuerst –
für mich.
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