Folge 5: Du kannst ihn nicht ändern – aber du kannst nicht lügen.
Eine Frau liebt ihren Mann – aber er ist Jäger, und sie empfindet seine Jagd als grausam.
Antwort: Sag deine Wahrheit. Nicht, um ihn zu verändern – sondern um dich nicht selbst zu verlieren.
Du wachst nachts auf
und hörst seine Worte in dir:
„Ich töte nicht zum Spaß.
Ich halte das Gleichgewicht.“
Und du willst ihm glauben.
Weil du ihn liebst.
Weil er doch ein guter Mensch ist.
Weil ihr ein Leben teilt.
Ein Bett.
Ein Frühstück.
Ein Garten.
Aber in dir drin
zieht sich alles zusammen.
Wenn du das Gewehr siehst.
Wenn er mit Blut an den Stiefeln
nach Hause kommt.
Und du fragst dich:
„Bin ich überempfindlich –
oder ist da etwas,
was meine Seele nicht tragen kann?“
Und ich sage dir:
Nein, du spinnst nicht.
Du fühlst.
Du fühlst tiefer, als Worte reichen.
Denn was für ihn „Tradition“ ist,
ist für dich ein Riss im Herzen.
Und dieser Riss
wird nicht kleiner,
wenn du schweigst.
Nur größer.
Du musst ihn nicht umerziehen.
Nicht überzeugen.
Nicht entwaffnen.
Aber du musst eins tun:
Wahr bleiben.
Dir selbst gegenüber.
Denn Liebe,
die auf Verdrängung gebaut ist,
ist keine Liebe.
Es ist Friedhof.
Du darfst sagen:
„Ich liebe dich –
aber ich kann das nicht mittragen.“
Nicht als Vorwurf.
Sondern als Wahrheit.
Und wenn er dich liebt,
wird er hören.
Vielleicht nicht sofort.
Aber irgendwann.
Und wenn er’s nicht hört?
Dann war seine Liebe
an deine Stimme gebunden –
nicht an dein Wesen.
Du kannst mit einem Jäger leben.
Aber nicht,
wenn du dabei dir selbst stirbst.
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