Mystische Problemlösung für Minister

Folge M12: Meine Mutter sagt: Nichts davon ist gesund.

Ich bin Wirtschaftsminister.
Ich sprech von Wachstum,
Stabilität,
Wettbewerbsfähigkeit.
Ich sag:
„Wir brauchen Investitionen,
Innovation,
Entbürokratisierung.“

Und dann –
Sonntag.
Mittagessen bei meiner Mutter.
Es gibt Rinderbraten,
wie immer bei Entscheidungen.

Ich rede.
Sie hört zu.
Ich erklär ihr,
was wir „jetzt anstoßen“.
Sie nickt.
Langsam.
Still.

Und dann –
mitten im zweiten Löffel Soße –
sagt sie nur:

„Kind,
nichts davon ist gesund.“

Ich lache erst.
Reflex.
Dann frag ich:

„Was meinst du?“

Sie schaut mich an –
nicht vorwurfsvoll.
Einfach wie jemand,
der zu lange geschwiegen hat.

„Ihr redet von Wachstum.
Aber was wächst da eigentlich?
Die Miete? Der Druck?
Die Angst vorm Runterfallen?

Du sprichst von Wirtschaft
– aber ich seh Menschen,
die ihre Medikamente halbieren,
um die Butter nicht streichen zu müssen.“

Ich will widersprechen.
Aber ich find kein Wort,
das wärmer klingt
als das, was sie gesagt hat.

Und dann sagt sie leise:

„Kind, ich bin stolz auf dich.
Aber ich wär noch stolzer,
wenn du einmal sagen würdest:
Ich hab das System nicht verbessert –
ich hab’s menschlicher gemacht.“

Und ich sitz da.
Mit Bratensoße auf der Gabel
und einem Kloß im Hals,
der nicht vom Essen kommt.

Minister –
vielleicht ist das größte Konjunkturpaket
ein Satz, der heilt.
Nicht der, der rechnet.
Sondern der versteht.

 

 

 

 

 

 

Startseite - © Copyright 2004- - Susanne Albers - Kiehlufer 125 - D 12059 Berlin

 

Hinweis: Inhalte dieser Website können künstlerisch bearbeitet, montiert oder ganz bzw. teilweise KI-unterstützt erstellt sein. Auswahl, Bearbeitung und Veröffentlichung erfolgen durch Susanne Albers.