Mystische Problemlösung für Minister

Folge M10: Mein Sohn will Pazifist werden.

Ich bin Verteidigungsminister.
Ich sprech von Verantwortung.
Von Abschreckung.
Von Allianzen.
Ich sage:
„Wir müssen stark sein,
wenn wir Frieden wollen.“

Und dann – Sonntag.
Familienkaffee.
Mein Sohn, sechzehn.
Haare zerzaust, Stimme klar:

„Papa,
ich find Waffen falsch.
Ich glaub nicht an Krieg.
Ich will nicht schießen.
Nicht denken wie ihr.
Nicht sprechen wie du.“

Alle werden still.
Nur das Besteck klappert.
Ich sage nichts.
Weil ich nichts hab,
das nicht nach Politik klingt.

Ich verteidige ein Land –
aber ich kann meinen Sohn nicht überzeugen.
Und vielleicht…
will ich das auch nicht.

Ich hab gelernt,
was Sicherheit kostet.
Er zeigt mir,
was sie kosten darf.

Ich geh später raus.
In den Garten.
Er kommt nach.
Setzt sich still neben mich.

Und sagt:

„Papa,
du musst nicht aufhören Verteidigungsminister zu sein.
Aber vielleicht…
könntest du anfangen,
mit mir zu reden
wie ein Mensch,
der weiß, wie Angst sich anfühlt –
nicht wie ein General.“

Und ich –
ich wein fast.
Nicht aus Schwäche.
Sondern weil da
zum ersten Mal seit Jahren
nicht ein Feind,
sondern ein Spiegel saß.

Minister –
du kannst befehlen.
Aber du kannst nicht lieben,
ohne zuzuhören.

 

 

 

 

 

 

 

 

Startseite - © Copyright 2004- - Susanne Albers - Kiehlufer 125 - D 12059 Berlin

 

Hinweis: Inhalte dieser Website können künstlerisch bearbeitet, montiert oder ganz bzw. teilweise KI-unterstützt erstellt sein. Auswahl, Bearbeitung und Veröffentlichung erfolgen durch Susanne Albers.