Mystische Problemlösung für Minister

Folge M9: Mein Kind hält das Schulsystem nicht aus.

Ich bin Bildungsministerin.
Ich halte Reden über Chancen.
Über Digitalisierung.
Über Fördern und Fordern.

Ich erkläre PISA,
ich strukturiere Lehrpläne,
ich unterschreibe Reformen.

Und dann – zuhause.
Schultasche fällt auf den Boden.
Mein Kind auch.
Nicht wortwörtlich –
aber mit allem, was es hat.

„Mama, ich kann nicht mehr.
Ich kann mich nicht mehr sortieren.
Ich fühl mich wie falsch auf der Welt.“

Ich will trösten.
Aber ich spür:
Ich bin Teil des Problems.

Ich hab das System gebaut –
und mein Kind hat’s nicht überlebt.

Keine Lehrerbeschwerde.
Keine Schulverweigerung.
Nur dieser Blick,
der sagt:

"Warum wollt ihr immer mehr von mir,
wenn ich gar nicht weiß, wer ich bin?"

Ich sitze auf dem Teppich.
Neben dem Heft.
Neben den Tränen.
Und ich sag nichts.
Zum ersten Mal: nichts.

Und dann flüstert’s in mir:

Du darfst das System führen –
aber du musst deinem Kind zuhören.
Nicht als Politikerin.
Sondern als Mensch.
Als Mutter.
Als jemand, der das Maß verliert –
und wiederfindet,
genau hier.

Ministerin –
vielleicht braucht Bildung nicht nur Struktur.
Sondern Raum.
Für das,
was zwischen den Zeilen brennt.

 

 

 

 

 

 

 

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