Ich bin Außenminister.
Ich trage Anzüge, Abkommen, Verantwortung.
Ich spreche diplomatisch, korrekt, abgeklärt.
Ich bin gesichert, begleitet, gebrieft.
Wir stehen in einem Camp.
Kein Wasser. Keine Fenster.
Fliegen auf dem Brot.
Kinder, die nicht spielen,
weil sie nichts wiegen.
Ich nicke. Ich höre. Ich notiere.
Und dann –
brechen mir die Knie weg.
Einfach so.
Wie unter der Last der Wahrheit.
Ich stütze mich an einer Wand,
die nur aus Wellblech ist.
Ich will sprechen –
aber ich spüre:
Ich müsste mich übergeben.
Nicht vor Ekel.
Sondern vor Scham.
Ich habe Berichte gelesen.
Zahlen gekannt.
Dossiers unterzeichnet.
Aber nichts davon…
bereitet dich darauf vor,
wie Armutsgeruch wirklich riecht,
wenn du gleichzeitig
dein Staatsessen geplant hast.
Ich hab mich zusammengerissen.
Für die Kameras.
Für das Protokoll.
Aber in mir –
hat sich etwas zerlegt.
Und dann –
in einem windstillen Moment –
hör ich, wie ein Mädchen auf mich zeigt
und auf Arabisch fragt:
„Wer ist der Mann, der nicht stehen kann?“
Und ich denke:
Der einzige Mensch hier,
der weiß, dass das hier
nicht mehr erklärbar ist.
Außenminister –
du darfst das nicht wegpressen.
Du darfst es nicht beschwichtigen.
Du darfst dich auch nicht entschuldigen.
Du darfst einfach…
nicht mehr so tun,
als wärst du unbeteiligt.
Minister –
manchmal ist der größte Dienst,
nicht stark zu bleiben.
Sondern
echt zu brechen.
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