Mystische Problemlösung für Minister

Folge M2: Ich weiß morgens nicht, wo ich bin.

Das Piepen vom Aufzug – sechste Etage.
Fenster geht nicht auf. Wieder Glasfassade.
Der Vorhang beige, der Teppich braun,
mein Körper wach, mein Kopf im Traum.

Wo bin ich? Leipzig? Brüssel? Bern?
Ich hab nur Ministertermine –
keinen Stern.

Ich dusch wie ein Roboter.
Krawatte wie Autopilot.
Ich bin unterwegs. Ich bin präsent.
Aber meine Seele?

Die wohnt woanders.
Ich hab sie ausquartiert –
zwischen Hotelgutschein und Fluggate vier.

Und plötzlich – im Spiegel:
Ein Blick,
der nicht mehr mitspielt.

Ich weiß, wo mein Büro ist.
Ich weiß, wo mein Flieger geht.
Aber ich weiß nicht mehr,
wo mein Herz morgens steht.

Ich rede von Transformation.
Von Globalvernetzung.
Von Effizienz.
Aber weißt du was?

Ich kann dir jede Weltkarte zeichnen –
außer die von mir selbst.

Und dann –
mit Zahnbürste im Mund
und Schlips in der Hand –
kommt ein Satz,
ganz warm, ganz rund:

Minister, flieg, wenn du musst –
aber land in dir.
Nicht auf der Bühne,
sondern im Hier.

Und vielleicht…
ist ein leerer Morgen im Hotel
die erste heilige Messe
deines Lebens.

Minister, du darfst ankommen.
Nicht bei Terminen.
Sondern bei dir.

 

 

 

 

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