vorheriges Rätsel - Startseite - News - Renaissance Forum - Chat - Quiz - Rätselverzeichnis - Wie alles begann ... - Zufallsrätsel - Zufallsspiel - nächstes Rätsel

Galerie - A - B - C - D - E - F- G - H - I - J - K - L - M - N - O - P - Q - R - S - T - U - V - W - X - Y - Z

Warum wird klassische Nachahmung betrieben???

 

 

Des Rätsels Lösung anzeigen
Des Rätsels Lösung verstecken

 

 

 

In der Italienischen Toskana stehen die schönsten Renaissance - Villen, die man sich denken kann. Mehrere davon hat Andrea Palladio entworfen. Die "Villa Capra" genannt La Rotonda bei Vicenza dient den Architekturhistorikern als das Musterbeispiel für die Neuzeit der Klassik schlechthin.

Es fällt auf, daß sie absolut symmetrisch ist und von allen Seiten gleich aussieht:

 

 

 

Andrea Palladio hat den Entwurf dieser Villa für Giulio Capra in seinen vier Büchern zur Architektur von 1570 ausführlich dargestellt:

 

 

 

Im Zusammenhang mit dieser Villa steht die Auseinandersetzung mit der griechischen und römische Klassik.

Dabei stellen sich zwei Fragen:

  1. Warum fühlten sich die Menschen zu Zeit der Renaissance so sehr zu diesen alten Gebäuden hingezogen, daß sie sie nachbauen mußten?
  2. Was ist die klassische antike Architektur?

Nach mehr als 1000 Jahren zeigten die Baumeister der Renaissance großes Interesse an den klaren Formen des klassisschen Altertums. Die überlieferten Grundformen der Antike wurden mit Hilfe der Erfindung der Zentralperspektive genauestens studiert und nachgeahmt. Aussgestattet mit den sich daraus ergebenden mathematischen Regeln und wissenschaftlicher Exaktheit machten sich die Baumeister daran, die überlieferten Grundformen der Antike zu ihrem höchsten Vorbild zu machen. Genau dieser Umstand erklärt das Wort "Renaissance". Es ist die Wiedergeburt der antiken griechischen und römischen Kunst.

Zur Beantwortung der 2. Frage entführe ich dich zunächst nach Segesta auf Sizilien. Dort findest du einen, zwar unvollkommenen, allerdings sehr gut erhaltenen dorischen Tempel (5. Jhdt. v. Chr.)

 

 

Und hier siehst du den dazugehörigen Grundriß:

 

 

Die Form des Tempels nennt sich dorische Form. Wie dann zum Beispiel eine Säule auszusehen hat, ist genauesten in einer Säulenordnung (überliefert von Vitruv) definiert.

Die Dorische Säulenordnung:

 

 

  1. Säule, Säulenschaft
  2. Kanneluren
  3. Kerbe
  4. Hals
  5. 5 Anuli (Ringe)
  6. Echinus (Polster)
  7. Abakus (Brett)
  8. Architrav (Epistylion)
  9. Regula (Plättchen) mit Guttae (Tropfen)
  10. Taenia (Stirnband)
  11. Fries
  12. Triglyphe (Dreisteg)
  13. (Reliefierte) Metope
  14. Mutulus (Hängeplatte) mit Guttae (Tropfen)
  15. Geison (Kranzgesims)
  16. Sima (Traufrinne)
  17. Wasserspeier (Löwenköpfe)
  18. Stirnziegel

 

Es gibt aber nicht nur eine Säulenordnung, sondern mindestens drei. Analog zur Zeitgeschichte gab es zuerst die dorische- dann die ionische- und schließlich die korinthische Säulenordnung.

Für die Ionische Säulenordnung wähle ich als Beispiel das Erechteion auf der Akropolis in Griechenland. Durch die zwei Anbauten wirkt es im Gegensatz zum vorher beschriebenen Tempel eher verworren. Aber dank seines Erhaltungsgrades ist von seiner Grandiosität heute vielleicht noch ein wenig zu spüren:

 

 

Auf alten Zeichnungen ist dargestellt, wie dieser ionische Tempel mit seinen Anbauten einmal ausgesehen hat:

 

 

Sinn und Zweck dieses Tempels, der zwischen 421 und 406 vor Christus errichtet wurde, war die Beherbergung der Athena Statue nachdem der Athenatempel zerstört worden war.

 

Die ionische Säulenordnung:

 

  1. Basis
    1. Plinthe
    2. Trochilos (Hohlkehle)
    3. Torus (Wulst)
  2. Kapitell
    1. Echinus
    2. Voluten
    3. Abakus (Brett)
  3. Gebälk
    1. Architrav, Epistylion (drei Faszien)
    2. Ionisches Kyma
    3. Zahnschnitt (Geisipodes)
    4. Geison (Kranzgesims)
    5. Sima (Traufleiste)

     

     

    Die ionische Säulenordnung verwendete Palladio für die Villa Rotonda.

Vielleicht hast du beim Erechteion die Frauenstatuen gesehen, die am Anbau zur Säule degradiert worden sind. Sie nennen sich Karyatiden. Der Sage nach sind die Griechen in einen Kampf gezogen und haben die Frauen des unterlegenen Volkes als Säulengestalt verewigt.

 

Der römische Tempel "Maison Carree" von 5 n. Chr. in Nimes in Frankreich, gilt als der besterhaltenen Tempel. Zuerst war er Augustus, dann Gajus und schließlich Julius Cäsar geweiht. Ihn habe ich als Besipiel für die korinthische Säulenordnung gewählt:

 

 

Die korinthische Säulenordnung:

 

 

 

  • Krepidoma
    1. Stylobat (Oberste Plattform)
  • Basis
    1. Torus (Wulst)
    2. Trochilus (Hohlkehle)
  • Säulenschaft
    1. Kanneluren
  • Kapitell
    1. Akanthusblätter (Bärenklau)
    2. Voluten
    3. Abakus
    4. Abakusblume
    1. Gebälk
      1. Architrav (Epistylion)
      2. Fries (Zophoros)
      3. Geison (Kranzgesims
      4. Sima (Traufrinne)

    Neben all den gelungenen Nachbauten gibt es allerdings einige Gebäude, die wohl eher eine sehr zweifelhafte Architektur aufweisen. Die Umsetzung der ionischen Säulenordnung läßt zu wünschen übrig.

     

     

    vorheriges Rätsel - Startseite - News - Renaissance Forum - Chat - Quiz - Rätselverzeichnis - Wie alles begann ... - Zufallsrätsel - Zufallsspiel - nächstes Rätsel

    Galerie - A - B - C - D - E - F- G - H - I - J - K - L - M - N - O - P - Q - R - S - T - U - V - W - X - Y - Z

    Jacob Burckhardt - Die Kultur der Renaissance in Italien. Ein Versuch

    Leonardo da Vinci Wissenschaftler - Erfinder - Künstler

    Venedig - Eine Liebeserklärung an eine Stadt

    William Shakespeare animiert (wahrscheinlich oder zufällig...2/3 zu 1/3) William Turner

    Philosophie für Schnelldenker - Besinnliche Philosophie

    Philosophie der Renaissance


    Gästebuch

    Startseite - © Copyright 2004- - Susanne Albers - Kiehlufer 125-129 - D 12059 Berlin