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Vorwort - Loccum - Einkehr Stille Gebet - Wer bin ich - Der Tag - Das Jahr - Ich und die anderen - Ich und die Welt - Mein Glaube - Unser Leid unsere Hoffnung - Quellenangaben

Einkehr - Stille - Gebet

Seid stille und erkennt,

daß ich Gott bin.

Psalm 46,11

 

Das Gebet beginnt im Schweigen

und endet im Schweigen:

der Erfahrung der Gegenwart Gottes.

Gerd Heinz-Mohr

 

 

 

du da du alles schon weißt,

mag ich nicht beten -

tief atme ich ein

lang atme ich aus

und siehe:

du lächelst

Kurt Marti

 

 

 

Ich lasse mich dir, Herr, und bitte dich:

Mach ein Ende aller Unrast,

Meinen Willen lasse ich dir.

Ich glaube nicht mehr, daß ich selbst verantworten kann,

was ich tue und was durch mich geschieht.

Führe du mich und zeige mir deinen Willen.

Meine Gedanken lasse ich dir.

Ich glaube nicht mehr, daß ich so klug bin,

mich selbst zu verstehen,

dieses ganze Leben oder die Menschen,

Lehre mich deine Gedanken denken.

Meine Pläne lasse ich dir.

Ich glaube nicht mehr, daß mein Leben seinen Sinn findet

in dem, was ich erreiche von meinen Plänen.

Ich vertraue mich deinem Plan an,

denn du kennst mich.

Meine Sorgen um andere Menschen lasse ich dir.

Ich glaube nicht mehr,

daß ich mit meinen Sorgen irgend etwas bessere.

Das liegt allein bei dir. Wozu soll ich mich sorgen?

Die Angst vor der Übermacht der anderen lasse ich dir,

Du warst wehrlos zwischen den Mächtigen,

Die Mächtigen sind untergegangen. Du lebst.

Meine Furcht vor meinem eigenen Versagen lasse ich dir.

Ich brauche kein erfolgreicher Mensch zu sein,

wenn ich ein gesegneter Mensch sein soll

nach deinem Willen.

Alle ungelösten Fragen, alle Mühe mit mir selbst,

alle verkrampften Hoffnungen lasse ich dir.

Ich gebe es auf, gegen verschlossene Türen zu rennen,

und warte auf dich. Du wirst sie öffnen.

Ich lasse mich dir. Ich gehöre dir, Herr.

Du hast mich in deiner guten Hand. Ich danke dir.

Jörg Zink

 

 

 

In dir sein, Herr, das ist alles.

Das ist das Ganze, das Vollkommene, das Heilende.

Die leiblichen Augen schließen,

die Augen des Herzens öffnen

und eintauchen in deine Gegenwart.

Ich hole mich aus aller Zerstreutheit zusammen

und vertraue mich dir an.

Ich lege mich in dich hinein

wie in eine große Hand.

Ich brauche nicht zu reden, damit du mich hörst.

Ich brauche nicht aufzuzählen, was mir fehlt,

ich brauche dich nicht zu erinnern

oder dir zu sagen, was in dieser Welt geschieht

und wozu wir deine Hilfe brauchen.

Ich will nicht den Menschen entfliehen

oder ihnen ausweichen,

Den Lärm und die Unrast will ich nicht hassen.

Ich möchte sie in mein Schweigen aufnehmen

und für dich bereit sein.

Stellvertretend möchte ich schweigen

für die Eiligen, die Zerstreuten, die Lärmenden.

Stellvertretend für alle, die keine Zeit haben.

Mit allen Sinnen und Gedanken warte ich,

bis du da bist.

In dir sein, Herr, das ist alles,

was ich mir erbitte.

Damit habe ich alles erbeten,

was ich brauche für Zeit und Ewigkeit.

Jörg Zink

 

 

 

Ich sitze hier vor dir, Herr,

aufrecht und entspannt, mit geradem Rückgrat.

Ich lasse mein Gewicht

senkrecht durch meinen Körper

heruntersinken auf den Boden,

auf dem ich sitze.

Ich halte meinen Geist

fest in meinem Körper.

Ich widerstehe seinem Drang,

aus dem Fenster zu entweichen,

an jedem anderen Ort zu sein

als an diesem hier,

in der Zeit noch vorn und hinten auszuweichen,

um der Gegenwart zu entkommen.

Sanft und fest halte ich meinen Geist dort,

wo mein Körper ist: hier in diesem Raum.

In diesem gegenwärtigen Augenblick

lasse ich alle meine Pläne, Sorgen und Ängste los,

Ich lege sie jetzt in deine Hände, Herr.

Ich lockere den Griff, mit dem ich sie halte,

und lasse sie dir.

Für den Augenblick überlasse ich sie dir.

Ich warte auf dich, passiv und erwartungsvoll.

Du kommst auf mich zu,

und ich lasse mich von dir tragen.

Ich beginne die Reise nach innen.

Ich reise in mich hinein

zum innersten Kern meines Seins, wo du wohnst,

An diesem tiefsten Punkt meines Wesens

bist du immer schon vor mir da,

schaffst und stärkst ohne Unterlaß

meine ganze Person.

Gott, du bist dynamisch.

Du bist in mir.

Du bist hier.

Du bist jetzt.

Du bist.

Du bist der Grund meines Seins.

Ich lasse los.

Ich sinke und versinke in dir.

Du überflutest mein Wesen.

Du nimmst ganz von mir Besitz.

Ich lasse meinen Atem

zu diesem Gebet der Unterwerfung

unter dich werden.

Mein Atem, mein Ein- und Ausatmen,

ist Ausdruck meines ganzen Wesens.

Ich tue für dich,

mit dir,

in dir.

Ich bin du 'geworden".

Du bist ich 'geworden".

Wir atmen miteinander.

Und nun öffne ich meine Augen,

um dich in der Welt

der Dinge und Menschen zu schauen.

Ich nehme die Verantwortung für meine Zukunft

wieder auf mich.

Ich nehme meine Pläne, meine Sorgen,

meine Ängste wieder auf.

Ich ergreife aufs neue den Pflug,

aber nun weiß ich,

daß deine Hand über der meinen liegt

und ihn mit der meinen ergreift.

Mit neuer Kraft trete ich

die Reise nach außen wieder an,

nicht mehr allein,

sondern mit dem Schöpfer als Partner.

Ein Theologe / Schottland

 

 

 

Schweigen

Nicht nur still werden und den

Lärm abschalten, der mich umgibt.

Nicht nur entspannen und die

Nerven ruhig werden lassen.

Das ist nur Ruhe.

Schweigen ist mehr.

Schweigen heißt: mich loslassen

nur einen winzigen Augenblick

verzichten auf mich selbst

auf meine Wünsche

auf meine Pläne

auf meine Sympathien und Abneigungen

auf meine Schmerzen und meine Freuden

auf alles, was ich von mir denke

und was ich von anderen halte

auf alle Verdienste

auf alle Taten.

Nur einen Augenblick DU sagen

und Gott da sein lassen,

Nur einen Augenblick sich lieben lassen

ohne Vorbehalt

ohne Zögern

bedingungslos

und ohne auszuschließen,

daß ich nachher brenne.

Das ist Schweigen vor Gott.

Dann ist im Schweigen

Stille

und Reden

und Handeln

und Leiden

und Hoffen

und Lieben

zugleich.

Dann ist Schweigen:

Empfangen.

Auf dieses Schweigen

weiß ich keine Antwort

als: neues Schweigen,

weil Gott größer ist,

weil jede versuchte Antwort

zu klein gerät.

Und doch habe ich keine

Angst

zu reden

und zu handeln.

Weil das Schweigen

eines Augenblicks

vor Gott

und mit Gott

und in Gott

die lauten Stunden erlöst.

Taizé

 

 

 

Stille, du meine Geliebte ...

Stille, du bist mir treu.

Ich brauche Minuten,

manchmal auch Stunden,

um dich in mich einzulassen.

Du weitest mir den Blick.

Du reinigst mich von den Sünden.

Du führst mich

zu den innersten Schichten

des Wesens,

Stille, in dir fühle ich mich daheim.

Stille, du betrügst mich nicht.

Die Oberfläche hat mich oft genarrt.

Tief innen im Wesen

sitzt die Wahrheit.

Wer sucht sie?

wer findet sie?

Du meine Geliebte, du Stille!

Du bereitest mir die größte Freude.

Durch dich lerne ich schauen,

lerne ich denken,

lerne ich beten

lerne ich, Mensch sein.

Martin Gutl

 

 

Segensspruch (nach Psalm 139):

Gott ist hinter mir,

denn von ihm komme ich, und er ist mir Rückhalt und Kraft, die mich stützt.

Gott ist vor mir,

denn von ihm kommt unablässig der Strom der Gaben und Aufgaben auf mich zu, zumal in den Menschen, die mir begegnen, Und zu ihm bin ich immer unterwegs; auf ihn gehe ich zu.

Gott ist unter mir,

denn er trägt mich im Dasein, Ohne ihn würde ich ins Nichts versinken.

Gott ist über mir,

er sieht mich und lenkt mich und läßt mich den rechten Weg finden,

Gott ist rings um mich,

denn ich komme mit meinen Fehlern zu ihm. Dann umarmt er mich wie der Vater den verlorenen Sohn und hält mich fest umfangen.

Gott ist in mir.

Er gibt mir Freude und Frieden in mein Inneres, Liebe und Geduld, Vertrauen und eine große Erwartung.

In der Stille, wo dich niemand stört, denke an den Gott, der hinter dir ist und vor dir, unter dir und über dir, rings um dich und in dir, und sprich dabei immer:

"Mein Gott, da bin ich";

Oder: 'Erbarme dich."

Dann wirst du bald erfahren, was ich erfahre, und wirst nicht nur wissen, wo Gott ist, sondern wie er da ist und was er für uns ist,"

Klemens Tilmann

 

 

 

Die längste Reise

ist die Reise nach innen.

Wer sein Los gewählt hat,

wer die Fahrt begann

zu seiner eigenen Tiefe

(gibt es denn Tiefe?) -

noch unter euch,

ist er außerhalb der Gemeinschaft,

abgesondert in eurem Gefühl

gleich einem Sterbenden

oder wie einer, den der nahende Abschied

vorzeitig weiht

zu jeglicher Menschen endlicher Einsamkeit,

Zwischen euch und jenem ist Abstand,

ist Unsicherheit -

Rücksicht.

Selber wird er euch sehen

abgerückt, ferner,

immer schwächer eures Lockrufs

Stimme hören.

Dag Hammarskjöld

 

 

 

Du, der über uns ist,

Du, der einer von uns ist,

Du, der ist -

auch in uns;

daß alle dich sehen - auch in mir,

daß ich den Weg bereite für dich,

daß ich danke für alles, was mir widerfuhr.

Daß ich dabei nicht vergesse der anderen Not.

Behalte mich in deiner Liebe,

so wie du willst, daß andere bleiben in der meinen.

Möchte sich alles in diesem meinem Wesen zu

deiner Ehre wenden,

und möchte ich nie verzweifeln.

Denn ich bin unter deiner Hand,

und alle Kraft und Güte sind in dir.

Gib mir einen reinen Sinn - daß ich dich erblicke,

einen demütigen Sinn - daß ich dich höre,

einen liebenden Sinn - daß ich dir diene,

einen gläubigen Sinn - daß ich in dir bleibe.

Dag Hammarskjöld

 

 

 

Vor dir, Vater,

in Gerechtigkeit und Demut,

mit dir, Bruder,

in Treue und Mut,

in dir, Geist,

in Stille.

Dag Hammarskjöld

 

 

 

Verstehen - durch Stille,

Wirken - aus Stille,

Gewinnen - in Stille.

'Soll das Auge die Farben gewahren, so muß es selber zuvor

aller Farben entkleidet sein."

Dag Hammarskjöld

 

 

 

Erbarme dich

unser.

Erbarme dich

unseres Strebens,

daß wir

vor dir

in Liebe und Glauben,

Gerechtigkeit und Demut

dir folgen mögen,

in Selbstzucht und Treue und Mut und in Stille

dir begegnen.

Gib uns

reinen Geist,

damit wir dich sehen,

demütigen Geist,

damit wir dich hören,

iebenden Geist,

damit wir dir dienen,

gläubigen Geist,

damit wir dich leben.

Du,

den ich nicht kenne,

dem ich doch zugehöre.

Du,

den ich nicht verstehe,

der dennoch mich weihte

meinem Geschick.

Du -

Dag Hammarskjöid

 

 

 

Andacht

Jenseits des Wortes:

die Andacht

ekstatisch und unbewegt

weder rastlos noch träge

weder hungrig noch satt

jenseits von Abschied Advent

zwischen Geburt und Tod

ewiger Augenblick

zwischen Nirvana und Nirvana

flüchtige Gegenwart

wenn das Staunen erwacht

Worte und Werke verlässt

auf das Werden zurückschaut

wie auf überwundenen Wahn

todbereit lebensbereit

Reimar Lenz

 

 

Quarrtsiluni

Majuaq war eine greise Eskimofrau. Knud Rasmussen, der Forscher, hatte sie gebeten, ihm aus der Geschichte ihres Stammes zu erzählen. Die alte Majuaq schüttelte den Kopf und sagte: 'Da muß ich erst nachdenken, denn wir Alten haben einen Brauch, der Quarrtsiluni heißt."

'Was ist Quarrtsiluni?'

'Das werde ich dir jetzt erzählen, aber mehr bekommst du heute auch nicht zu hören."

Und Majuaq erzählte mit großen Handbewegungen: "In alten Tagen feierten wir jeden Herbst große Feste zu Ehren der Seele des Wales, und diese Feste mußten stets mit neuen Liedern eröffnet werden; alte Lieder durften nie gesungen werden, wenn Männer und Frauen tanzten, um den großen Fangtieren zu huldigen. Und da hatten wir den Brauch, daß in jener Zeit, in der die Männer ihre Worte zu diesen Hymnen suchten, alle Lampen ausgelöscht werden mußten. Es sollte dunkel und still im Festhaus sein.

Nichts durfte stören, nichts zerstreuen. In tiefem Schweigen saßen sie in der Dunkelheit und dachten nach, alle Männer, sowohl die alten wie die jungen, ja sogar die kleinsten Knäblein, wenn sie nur eben so groß waren, daß sie sprechen konnten. Diese Stille war es, die wir Quarrtsiluni nannten. Sie bedeutet, daß man auf etwas wartet, das aufbrechen soll.

Denn unsere Vorväter hatten den Glauben, daß die Gesänge in der Stille geboren werden. Dann entstehen sie im Gemüt der Menschen und steigen herauf wie Blasen aus der Tiefe des Meeres, die Luft suchen, um aufzubrechen. So entstehen die heiligen Gesänge."

Eskimos

 

 

 

Wirk nicht voraus,

sende nicht aus,

steh

herein:

durchgründet vom Nichts,

ledig allen

Gebets,

feinfügig, nach

der Vor-schrift,

unüberholbar,

nehm ich dich auf,

statt aller Ruhe.

Paul Celan

 

 

 

Oh komm, Gewalt der Stille

Wir sind so sehr verraten

von jedem Trost entblößt.

In all den schrillen Taten

ist nichts, das uns erlöst.

Wir sind des Fingerzeigens,

der plumpen Worte satt.

Wir woll'n den Klang des Schweigens,

der uns erschaffen hat.

Gewalt und Gier und Wille

der Lärmenden zerschellt.

Oh komm, Gewalt der Stille,

und wandle du die Welt.

Werner Bergengruen

 

 

 

Gott sagt nicht:

"Das ist ein Weg zu mir, das aber nicht",

sondern er sagt:

"Alles, was du tust, kann ein Weg zu mir sein, wenn du es nur so tust, daß es dich zu mir führt."

Martin Buber

 

 

 

Hymne auf die Stille

Stille, du Musikantin der Früchte! Die du Keller, Kammern und Speicher bewohnst! Du Gefäß voller Honig, den der Fleiß der Bienen ansammelt! Du Ruhe des Meeres in seiner Fülle! Stille, in die ich die Stadt von der Höhe der Berge einschließe, ihren verstummten Wagenlärm, ihre Schreie und den hellen Klang ihrer Schmiedehämmer! Alles ist schon im Gefäß aufgehoben, Gott wacht über unserem Fieber, sein Mantel breitet sich über die Unruhe der Menschen.

Stille der Frauen, die nur noch Fleisch sind, in dem die Frucht reift! Stille der Frauen unter dem Vorrat ihrer schweren Brüste! Stille, in der die Eitelkeiten des Tages, des Lebens, das die Garbe der Tage ist, zur Ruhe kamen! Stille der Frauen, die Heiligtum ist und Fortdauer! Stille, in der sich, dem kommenden Tag entgegen, der einzige Lauf vollzieht, der einem Ziel entgegenführt! Sie hört das Kind, das in ihrem Leib stößt, Stille, Verwahrerin, in die ich meine ganze Ehre und mein ganzes Blut einschloß.

Stille des Menschen, der sich aufstützt und nachdenkt, der fortan ohne Aufwand empfängt und dem Gehalt seiner Gedanken eine Form gibt. Stille, die ihn erkennen läßt und seine Unwissenheit möglich macht, denn zuweilen ist es gut, daß er nicht weiß. Stille, die sich den Würmern, den Schmarotzern und den schädlichen Gräsern versagt, Stille, die dich bei der Entfaltung deiner Gedanken behütet.

Stille, die selbst die Gedanken erfüllt. Ruhe der Bienen, denn der Honig ist bereitet und soll nur noch ein vergrabener Schatz sein. Und ein Schatz, der reift. Stille der Gedanken, die ihre Flügel breiten, denn es ist schlecht, wenn du in deinem Geiste oder deinem Herzen unruhig bist.

Stille des Herzens. Stille der Sinne. Stille der inneren Worte, denn es ist gut, wenn du Gott wiederfindest, der die Stille im Ewigen ist. Wenn alles gesagt, wenn alles getan ist.

Stille Gottes, die dem Schlafe des Hirten gleicht: obwohl dann die Lämmer von den Schafen bedroht zu sein scheinen, ist es der süßeste Schlaf, wenn es keinen Hirten und keine Herde mehr gibt; denn wer vermöchte sie voneinander zu unterscheiden unter den Sternen, wenn alles Schlaf ist, wenn alles ein einziger wollener Schlaf ist.

O Herr! Möchtest DU, wenn DU unsere Schöpfung in die Scheuer einbringst, jenes große Tor der geschwätzigen Rasse der Menschen öffnen; möchtest DU ihnen im ewigen Stall ihren Platz weisen, wenn die Zeiten vollendet sind, und unseren Fragen ihren Sinn nehmen, wie man Krankheiten heilt.

Antoine de Saint-Exupéry

 

 

 

Auf dem Weg der Aktion lernte ich das Phänomen 'Bruder" kennen und lernte begreifen, was Kirche bedeuten kann, Volk Gottes auf dem Weg durch die Wüste, immer noch lm Vollzug seines Exodus der Befreiung und der inneren Eroberung. Jene Zeit hat mir eine kostbare Erinnerung zurückgelassen und eine Menge Freunde, die wie ich das Abenteuer der Liebe durchlebt haben.

Dann geriet ich in eine Krise, die in mir die Krise der Kirche vorwegnahm und die sich ungefähr so ausdrücken läßt:

  1. Verlangen nach Armut
  2. Ablehnung der Macht
  3. Unterscheidung zwischen Religion und Politik
  4. Unmöglichkeit, das Evangelium mit irgendeiner Ideologie zu identifizieren.

Damals erlebte ich das massivste Eingreifen Gottes in mein Dasein und wurde mir bewußt, wie sehr er in mein Leben eingetreten war.

Als ich ihm Fragen stellte, statt zu antworten, richtete er eine radikale Forderung an mich: 'Ich will nicht mehr dein Handeln. Ich will deine Liebe.

Laß alles hinter dir.

Komm mit mir in die Wüste. Ich werde zu deinem Herzen sprechen."

Und ich ging in die Wüste.

Ohne die Satzungen der Kleinen Brüder gelesen zu haben, trat ich in ihre Kongregation ein.

Ohne Charles de Foucauld zu kennen, folgte ich ihm nach in die Wüste der Sahara.

Hier begann der zweite Abschnitt meines Lebens, das einzigartige Abenteuer der Wüste.

Wüste bedeutet Läuterung, bedeutet Schwelgen.

Vor allem anderen bedeutet sie Armut.

Als ich von Europa aufgebrochen war, hatte ich alles verlassen. Ich hatte mein Schicksal in die Hände Jesu gelegt, der zu mir sagte: 'Verkaufe alles, was du hast,

gib es den Armen und folge mir nach."

Ja, ich hatte alles verkauft, zumindest alles, was einen Verkaufswert hatte.

Indes, ohne mir darüber Gedanken zu machen, hatte ich ein paar dicke theologische Bücher behalten.

Die hatte ich nicht verkauft.

Ich hatte sie in einem großen Koffer mitgenommen,

dort in die Dünen,

Ich glaubte, diese Bücher seien mir unentbehrlich.

Hätte ich sie zurückgelassen, so hätte ich etwas verloren, was Gott selbst anging.

Die Vorstellung, die ich von Gott hatte, war in diesen Zeilen enthalten.

Ohne die Vorstellung, die ich mir von Gott gebildet hatte, hötte ich mich verloren gefühlt. Wie wenn Gott aus meinem Leben verschwunden wäre.

Und nun war ich dort lm Wüstensand vor der Eucharistie mit meinen Büchern. Sie waren wie ein Schützengraben, in dem ich mich verschanzte..., um zu beten,

Ich konnte stundenlang lesen, was 'man über Gott sagt". Mein Novizenmeister sagte zu mir: 'Laß doch die Termiten deine Bücher verspeisen. Du stell dich arm und nackt vor Gott hin."

Aber ich verstand das nicht.

Um es mich verstehen zu lassen, schickten meine Oberen mich zur Arbeit.

Hacken in der Oase bei 40 Grad Hitze ist nicht leicht. Nach einigen Stunden anstrengender Arbeit war ich fertig, Der Kopf brummte, der Rücken war krumm,

Auf allen Vieren kroch ich in die Fraternität zurück. Und als ich in der Kapelle auf der Strohmatte vor der Eucharistie kniete, war das einzige, was ich noch fertigbrachte, zu weinen.

Du bist hierhergekommen, um Gott zu suchen und zu betrachten, doch wie willst du es anstellen mit einem Kopf, der dir rasend weh tut, und von Müdigkeit so zerschlagen, daß du fast wie ein Tier bist? Wie willst du beten, wenn du so müde bist? Nun, Brüder und Schwestern, gerade in dieser Situation äußerster Armut habe ich eine neue Dimension des Betens entdeckt, die wichtigste, die ich kenne: die Kontemplation.

Mir war es, als würde sich im Heiligsten Herzen etwas wie eine Wunde öffnen, und ich verstand zum ersten Male, daß das Gebet nicht durch das Gehirn, sondern durch das Herz geht.

Gott kannst du nicht mit dem Verstand festhalten, du erreichst ihn mit der Liebe.

Ich fühlte mich solidarisch mit allen Armen der Erde, ich fühlte mich im Chor mit allen denen beten, die nicht mehr zu beten vermögen, so müde sind sie.

Gott ist nicht mit den Reichen, mit den bequemen Leuten, die zum Beten hübsche Rasenflächen, lange Korridore brauchen.

Gott ist der Gott der Armen, der Mutter mit den vielen Kindern, die ihr um die Füße tanzen; der von der schweren Arbeit abgestumpften Bauern, denen es, wenn sie beten wollen, nur zu einem Seufzer reicht,

Alles war umgestülpt, und ich begriff, daß das wahre Gebet ein Akt der Liebe ist, dargeboten ' nachdem man die ganze Kraft des Daseins, all seine Möglichkeiten, den Brüdern zu helfen und sein eigenes Brot zu verdienen, dargeboten hat.

Das ist etwas ganz anderes.

Ich sah, daß das wirkliche Gebet nicht aktiv, sondern passiv ist. Daß es mehr Schweigen ist als Worte-machen. Daß es mehr Kreuz ist als Kultur.

Die Wüste hatte mich beten gelehrt. Die Armut hat mir den Weg gewiesen,

Ich gestehe, daß ich nie mehr von der Wüste weggegangen wäre, so glücklich war ich, und so sehr fühlte ich mich verwirklicht.

Aber ich wußte, ich würde eines Tages wieder heimkehren müssen.

Wir Kleinen Brüder betrachten die Wüste als eine Etappe, eine Pause im Leben, einen ganz bestimmten Zeitabschnitt, für die Suche nach Gott als dem Absoluten.

So war es ja auch bei Jesus.

Danach muß man zurück in die Stadt, zu den Menschen. Die Kirche ist nicht sehr für den Eremitismus als Lebenszweck, und sie hat recht.

Die Wüste, die uns erwartet, ist der Asphalt unserer Städte. Die Kontemplation, die wir suchen müssen, ist die Kontemplation auf den Straßen,

So fand ich mich wieder in Europa. Mitten in der Krise der Kirche und der Welt.

Ich sah, was für eine große Gnade es für mich war, diese langen Jahre in der Einsamkeit der Sahara zu verbringen.

Wenn ich nicht mehr erschrak vor dem, was in der Welt vor sich ging, und vor dem, was in der weltweiten Krise zu Tage kam, so verdankte ich das der Einsamkeit, die mir Kraft gegeben hatte; und noch mehr Kraft hatten mir die Nächte gegeben, die ich auf den Dünen im Gebet verbrachte.

Nun bin ich hier, wie um das Thema meines Lebens abzuschließen.

Im ersten Teil war das Handeln führend, Im zweiten Teil das Gebet.

Jetzt versuche ich, die Synthese von beiden zustandezubringen, Im Grund geht es mir wie der Kirche, die gleichzeitig aktiv und kontemplativ ist.

Es ist für den Christen nicht mehr möglich, die beiden Seinsweisen zu trennen.

Die Aktion genügt; ohne Gebet ist sie leer.

Das Gebet Iäuft Gefahr, zum Selbstbetrug zu werden, ohne den Einsatz in der Gemeinschaft der Menschen.

Schon J. Maritain hat es gesagt: "Was wir heute brauchen, ist die Kontemplation auf den Straßen."

Und das ist ein hinreißendes Abenteuer.

Carlo Coretto

 

 

 

Ich erinnere mich, daß unter den ersten Ratsuchenden, die nach meiner Priesterweihe zu mir kamen, eine alte Dame war, die klagte: 'Vierzehn Jahre lang habe ich fast ununterbrochen gebetet, doch nie habe ich ein Gefühl von der Gegenwart Gottes gehabt." Da fragte ich sie: 'Haben Sie ihm Gelegenheit gegeben, ein Wort einzuwerfen?" 'Wie das?" entgegnete sie, 'Nein, ich habe die ganze Zeit zu ihm gesprochen, ist das nicht etwa Beten?" 'Nein", sagte ich, 'ich glaube nicht, und was ich Ihnen empfehle, das ist, daß Sie sich täglich eine Viertelstunde nehmen sollten, einfach dasitzen und vor dem Angesicht Gottes stricken." So machte sie es. Und was war das Ergebnis? Schon bald kam sie wieder und sagte: 'Das ist ganz merkwürdig ... Wenn ich zu Gott bete, genauer, wenn ich zu ihm spreche, fühle ich nichts, doch wenn ich still dasitze, ihm gegenüber, dann fühle ich mich in seine Gegenwart eingehüllt."

Man wird nie imstande sein, wirklich und aus ganzem Herzen zu Gott zu beten, wenn man nicht lernt, zu schweigen und sich an dem Wunder seiner Gegenwart zu erfreuen oder, anders gesagt, glücklich zu sein über das Wunder des Zusammenseins mit ihm, obgleich man ihn nicht sieht.

Metropolit Anthony

 

 

 

Schwer ist zu Gott der Abstieg. Aber schau:

du mühst dich ab mit deinen leeren Krügen,

und plötzlich ist doch: Kind sein, Mädchen, Frau -

ausreichend, um ihm endlos zu genügen.

Er ist das Wasser: bilde du nur rein

die Schale aus zwei hingewillten Händen,

und kniest du überdies -: ER wird verschwenden

und deiner größten Fassung über sein.

Rainer Maria Rilke

 

 

 

Gott schaut dich, wer immer du seist,

so, wie du bist,

persönlich.

Er "ruft dich bei deinem Namen".

Er sieht dich und versteht dich,

wie er dich schuf.

Er weiß, was in dir ist,

all dein Fühlen und Denken,

Deine Anlagen und deine Wünsche,

deine Stärke und deine Schwäche.

Er sieht dich an deinem Tag der Freude

und an deinem Tag der Trauer.

Er fühlt mit deinen Hoffnungen und Prüfungen,

Er nimmt Anteil an deinen Ängsten und Erinnerungen,

an allem Aufstieg und Abfall deines Geistes.

Er umfängt dich rings

und trägt dich in seinen Armen.

Er liest in deinen Zügen,

ob sie lächeln oder Tränen tragen,

ob sie blühen an Gesundheit oder welken in Krankheit.

Er schaut zärtlich auf deine Hände und deine Füße.

Er horcht auf deine Stimme,

das Klopfen deines Herzens,

selbst auf deinen Atem.

Du liebst dich nicht mehr,

als er dich liebt,

Paul Newman

 

 

 

Wenn man, wozu man dem christlichen Verständnis nach gewiß berechtigt ist, den jetzigen Zustand der Welt betrachtet, das ganze Leben, wie es nun ist, dann müßte man sagen: Es ist eine Krankheit. Und wenn ich ein Arzt wäre und mich jemand fragte: Was meinst du wohl, was getan werden sollte? - ich würde antworten: Das erste, die unbedingte Bedingung dafür, daß überhaupt etwas getan werden kann, also das erste, was geschehen muß, ist: Schaff Schweigen, hilf andern zum Schweigen! Gottes Wort kann nicht gehört werden; und soll es durch lärmende Mittel bedient, ausgeschrieen werden, um in all dem Spektakel noch mitgehört zu werden, dann wird es nicht Gottes Wort. Schaff Schweigen!

0 alles lärmt, und wie man von einem hitzigen Getränk sagen kann, daß es das Blut erregt, so ist in unserer Zeit jedes, auch das unbedeutendste Unternehmen, auch die nichtssagendste Mitteilung nur darauf berechnet, die Sinne aufzupeitschen, die Massen in Bewegung zu bringen, die Menge, das Publikum, den Lärm! Und der Mensch, dieser gerissene Kopf, ist wie schlaflos geworden, um immer neue Mittel zu erfinden, den Lärm zu vermehren und ihn mit dem größtmöglichen Maßstab zu verbreiten. Ja, das Umgekehrte ist bald erreicht, die Mitteilung ist schon bald an dem tiefsten Punkt der Inhaltlosigkeit angelangt, und gleichzeitig haben die Mittellungsmittel das Höchste erreicht in Richtung auf hastige und alles überschwemmende Ausbreitung, und andererseits, was hat größere Ausbreitung als das Gewäsch! O schaff Schweigen!

Sören Kierkegaard

 

 

 

Vater im Himmel,

auf vielerlei Weise redest du zu einem Menschen.

Du, dem Weisheit und Verstand allein gehören,

du willst dich ihm dennoch verständlich machen.

Ach, und wenn du auch schweigst,

so redest du ja doch mit ihm,

denn auch der redet, der schweigt,

um den Lernenden abzuhören;

auch der redet, der schweigt,

um den Geliebten zu prüfen;

auch der redet, der schweigt,

auf daß die Stunde des Einverständnisses

um so innerlicher sei, wenn sie kommt.

Vater im Himmel, ist es nicht also?

O die Zeit des Schweigens,

wenn ein Mensch einsam und verlassen

deine Stimme nicht hört,

so ist es ihm, als sollte die Trennung für immer sein,

O Zeit des Schweigens,

wenn ein Mensch dürstet in der Wüste,

da er deine Stimme nicht hört,

da ist es ihm, als wäre sie ganz entschwunden.

Vater im Himmel, es ist ja doch nur der Augenblick des Schweigens

in der Innerlichkeit des Gesprächs,

so laß es gesegnet sein, auch dieses Schweigen,

wie jedes deiner Worte zu einem Menschen,

laß ihn nie vergessen,

daß du auch noch redest, wenn du schweigst;

schenke ihm diesen Trost, wenn er auf dich baut,

daß du aus Liebe redest,

so daß nun, ob du schweigst oder redest,

du noch derselbe Vater bist.

Sören Kierkegaard

 

 

 

Als mein Gebet immer andächtiger und innerlicher wurde,

da hatte ich immer weniger und weniger zu sagen.

Zuletzt wurde ich ganz still.

Ich wurde, was womöglich ein größerer

Gegensatz zum Reden ist,

ich wurde ein Hörer.

Ich meinte erst, Beten sei Reden.

Ich lernte aber,

daß Beten nicht nur Schweigen ist,

sondern Hören.

So ist es: Beten heißt nicht,

sich selbst reden hören,

beten heißt, still werden und still sein

und warten, bis der Betende Gott hört.

Sören Kierkegaard

 

 

 

Sieht der Kontemplative auch keine Fortschritte .... schreitet er doch weiter, als wenn er sich nur auf eigenen Füßen bewegte. Gott trägt uns in seinen Armen voran. Daher empfinden wir das Schreiten nicht, obgleich wir im Schrittmaß Gottes dahingetragen werden ... Gott ist der Wirkende ... was er im Innern formt, ist den Sinnen unzugänglich. Es vollzieht sich im Schweigen .... Der Mensch überlasse sich den Händen Gottes. Er liefere sich nicht den eigenen Händen aus.

Johannes vom Kreuz

 

 

 

Wie gut weiß ich den Quell,

der fließt und strömt,

obwohl es Nacht ist.

Ja, jene ew'ge Quelle ist verborgen.

Doch weiß ich gut, wo ihre Bleibe ist,

obwohl es Nacht ist.

Den Ursprung kenn ich nicht, denn sie hat keinen.

Doch aller Ursprung stammt aus ihr.

Ich weiß es, obwohl es Nacht ist.

Ich weiß, daß nichts so schön sein kann wie sie,

daß Himmel und die Erde aus ihr trinken,

obwohl es Nacht ist.

Ich weiß, es findet sich kein Grund in ihr,

und keines Menschen Fuß kann sie durchwaten,

obwohl es Nacht ist.

Die Klarheit, die sie hat, wird nie verdunkelt,

und alles Licht - ich weiß es - stammt von ihr,

obwohl es Nacht ist.

Ich weiß, daß ihre Ströme, reich an Wasser,

die Hölle, Himmel und die Völker tränken,

obwohl es Nacht ist.

Der Strom, den dieser Quell aus sich entläßt,

ist mächtig, ja allmächtig, wie ich weiß,

obwohl es Nacht ist.

Dem Strom, der aus den beiden hier hervorgeht,

ich weiß's, geht keiner von den zwein voran,

obwohl es Nacht ist.

Ja, diese ew'ge Quelle ist verborgen

in diesem Brot, um Leben uns zu geben,

obwohl es Nacht ist.

Von hier wird alle Kreatur gerufen,

und dieses sättigt sie - im Dunkeln,

weil es ja Nacht ist.

Den Lebensquell, nach welchem ich mich sehne,

in diesem Brot des Lebens seh' ich ihn -

jedoch bei Nacht.

Johannes vom Kreuz

 

 

 

Wann du dich willst in Gott

und seinen Abgrund senken,

so mußt du nicht an ihn,

auch nicht an dich gedenken.

Die Gottheit ist ein Brunn,

aus ihr kommt alles her,

und Iäuft auch wieder hin.

Drum ist sie auch ein Meer.

Gott wohnt in einem Licht,

zu dem die Bahn gebricht.

Wer es nicht selber wird,

der sieht ihn ewig nicht,

Wenn ich in Gott vergeh,

so komm ich wieder hin,

wo ich in Ewigkeit

vor mir gewesen bin.

Was man von Gott gesagt,

das g'nüget mir noch nicht:

Die Übergottheit ist

mein Leben und mein Licht,

Gott ist lauter Nichts,

ihn rührt kein Nun noch Hier,

je mehr du nach ihm greifst,

je mehr entwird er dir,

Die Gottheit ist mein Saft:

Was aus mir grünt und blüht,

das ist sein heiliger Geist,

durch den der Trieb geschieht.

Der Weis' ist nie allein:

Geht er gleich ohne dich,

so hat er doch den Herrn

der Dinge (Gott) mit sich.

Gott kann sich nicht entziehn,

er wirket für und für,

fühlst du nicht seine Kraft,

so gib die Schuld nur dir.

Du darfst zu Gott nicht schrein,

der Brunnquell ist in dir:

Stopfst du den Ausgang nicht,

er flösse für und für.

Halt an, wo läufst du hin?

Der Himmel ist in dir:

Suchst du Gott anderswo,

du fehlst ihn für und für.

Mensch, so du wissen willst,

was redlich beten heißt,

so geh in dich hinein

und frage Gottes Geist.

Wer in sich über sich

in Gott verreisen kann,

der betet Gott lm Geist

und in der Wahrheit an.

Gott ist so über all's,

daß man nichts sprechen kann,

drum betest du ihn auch

mit Schweigen besser an.

Angelus Silesius

 

 

 

Es ist in dir, und so du magst

eine Stunde schweigen von allem

deinem Wollen und Sinnen, so

wirst du unaussprechliche

Worte Gottes hören.

Jakob Böhme

 

 

Meditieren gilt allein von Menschen. Denn sich etwas vorstellen und denken scheinen auch Tiere zu können .... Meditieren und denken ist zweierlei; denn meditieren heißt ernst, tief und sorgfältig 'denken', eigentlich: im Herzen wiederkäuen. Meditieren ist gleichsam in der Mitte verweilen oder von der Mitte und dem Innersten bewegt werden.

Martin Luther

 

 

Es mag niemand Gott noch Gottes Wort recht verstehen, er hab's denn ohn' Mittel von dem Heiligen Geist. Niemand kann's aber von dem Heiligen Geist haben, er erfahr's, versuch's und empfind's denn. Und in derselben Erfahrung lehret der Heilige Geist wie in seiner eignen Schule, außerhalb weicher wird nichts gelehrt als nur Schein-Wort und Geschwätz.

Martin Luther

 

 

Das Wesen des Meditierens

Wenn ich aber Zeit und Raum habe außer dem Vaterunser, mache ich es mit den zehn Geboten auch so und hole ein Stück nach dem andern, damit ich ja ganz frei werde (soweit es möglich ist), zum Gebet. Und ich mache aus einem jeglichen Gebot ein vierfaches oder ein vierfach gedrehtes Kränzlein, so nämlich: Ich nehme jedes Gebot zum ersten als eine Lehre an, wie es denn an sich ist, und denke, was unser Herr Gott darin so ernstlich von mir fordert. Zum zweiten mache ich eine Danksagung daraus, zum dritten eine Beichte, zum vierten ein Gebet, nämlich so oder mit dergleichen Gedanken und Worten:

1. 'Ich bin der Herr dein Gott" usw. 'Du sollst keine anderen Götter haben neben mir" usw.

Hier denke ich erstlich, daß Gott herzliche Zuversicht zu ihm in allen Sachen von mir fordert und mich lehrt und es sein hoher Ernst ist, daß er wolle mein Gott sein, daß ich ihn dafür halten solle bei Verlust der ewigen Seligkeit, und daß mein Herz auf nichts sonst solle bauen noch trauen, es sei Gut, Ehre, Weisheit, Gewalt, Heiligkeit oder irgendeine Kreatur.

Zum zweiten danke ich seiner grundlosen Barmherzigkeit, daß er sich so väterlich zu mir verlorenem Menschen hinuntersenkt und sich selbst ungebeten, ungesucht, unverdient mir anbietet, mein Gott zu sein, sich meiner anzunehmen, und in allen Nöten mein Trost, mein Schutz, meine Hilfe und Stärke sein will. Wir armen, blinden Menschen haben doch sonst so mancherlei Götter gesucht und müßten sie noch suchen, wenn er sich nicht selbst so offenbar hören ließe und sich uns nicht in unserer menschlichen Sprache anböte, daß er unser Gott sein wolle. Wer kann ihm dafür immer und ewig genug danken?

Zum dritten beichte und bekenne ich meine große Sünde und Undankbarkeit, daß ich solche schöne Lehre und hohe Gabe durch mein ganzes Leben so schändlich verachte und mit unzähligen Abgöttereien seinen Zorn so greulich gereizt habe. Das tut mir leid, und ich bitte um Gnade.

Zum vierten bitte ich und spreche: Ach, mein Gott und Herr, hilf mir durch deine Gnade, daß ich dies dein Gebot möge täglich immer besser lernen und verstehen und mit herzlicher Zuversicht danach handeln. Behüte ja mein Herz, daß ich nicht mehr so vergeßlich und undankbar werde, keine anderen Götter noch Trost weder auf Erden noch in allen Kreaturen suche, sondern allein, rein und fein bei dir, meinem einzigen Gott, bleibe. Amen, lieber Herr Gott Vater, Amen.

Martin Luther

 

 

 

Denn er (Gott), der überall ist,

kann nicht nichtgefunden werden,

wenn er nur recht gesucht wird.

Nikolaus von Kues

 

 

 

Der Mensch soll sich in keiner Weise je als fern von Gott ansehen, weder eines Gebrechens wegen noch wegen einer Schwäche noch wegen irgendetwas sonst. Und wenn dich auch je deine großen Vergehen so weit abtreiben mögen, daß du dich nicht als Gott nahe ansehen könntest, so solltest du doch Gott als dir nahe annehmen. Denn darin liegt ein großes Übel, daß der Mensch sich Gott in die Ferne rückt.

Meister Eckhart

 

 

 

In einem jeglichen guten Gedanken oder guten Bestreben oder guten Werk werden wir allzeit neu geboren in Gott.

Solche Menschen mögen wissen, daß es das allerbeste und alleredelste, wozu man in diesem .Leben kommen kann, ist, wenn du schweigst und Gott wirken und sprechen läßt.

Wer die ewige Weisheit des Vaters hören soll, der muß innen sein und muß daheim sein und muß Eins sein, dann kann er die ewige Weisheit des Vaters hören.

Je entblößter und lediger das Gemüt Gott zufüllt und von ihm gehalten wird, desto tiefer wird der Mensch in Gott versetzt, und so empfänglicher wird er Gottes in allen seinen kostbarsten Gaben, denn einzig auf Gott soll der Mensch bauen,

Das allerkräftigste Gebet .... vor allen ist jenes, das hervorgeht aus einem ledigen Gemüt. Je lediger dies ist, um so kräftiger, würdiger, nützer, löblicher und vollkommener ist das Gebet ...

Meister Eckhart

 

 

 

Gott ist allzeit bereit, wir aber sind sehr unbereit, Gott ist uns 'nahe', wir aber sind ihm fern; Gott ist drinnen, wir aber sind draußen; Gott ist (in uns) daheim, wir aber sind in der Fremde,

Ich habe eine Kraft in meiner Seele, die Gottes ganz und gar empfänglich ist. Ich bin des so gewiß, wie ich lebe, daß mir nichts so nahe ist wie Gott. Gott ist mir ndher, als ich mir selber bin. Mein Sein hängt daran, daß mir Gott nahe und gegenwärtig sei.

Wenn man einen Tropfen in das wilde Meer gösse, so verwandelte sich der Tropfen in das Meer und nicht das Meer in den Tropfen. So (auch) geschieht es der Seele: Wenn Gott sie in sich zieht, so verwandelt sie sich in ihn, so daß die Seele göttlich wird, nicht aber Gott zur Seele ... Da bleibt die Seele in Gott, wie Gott in sich selbst bleibt.

Alle Gabe, die gab Gott nur zu dem Ende, daß er eine Gabe geben könne: die ist er selber.

lm Wesen der Seele können wir Gott erkennen; und je mehr wir mit unserer Erkenntnis dem Wesen der Seele näherkommen, desto näher sind wir der Erkenntnis Gottes. In uns liegt und wohnt die Wahrheit.

Gott finden wir am sichersten in unserem Innern.

Meister Eckhart

 

 

Niemand kann Gott erkennen, der nicht zuvor sich selbst erkennt. Kennte ich mich selber, wie ich sollte, so hätte ich die tiefste Erkenntnis aller Kreaturen,

 

 

lm Einen findet man Gott, und Eins muß der werden, der Gott finden soll. .... lm Unterschied findet man weder das Eine noch das Sein noch Gott noch Rast noch Seligkeit noch Genügen. Sei Eins, auf daß du Gott finden könntest!

Meister Eckhart

 

 

Leer werden für Gott - das ist nicht Müßiggang, nein, es ist die wichtigste aller Beschäftigungen.

(Otiosum non est vocare deo, sed negotium negotiorum omnium.)

 

 

 

Ein solches Lied kann nur der Geist der Liebe lehren,

es läßt sich nur in der Erfahrung lernen.

Wer es erfahren hat, erkennt es wieder,

und wer noch nicht, soll glühen in der Sehnsucht,

nicht: mehr von ihm zu wissen,

sondern: an der Erfahrung teilzuhaben.

Dies Lied klingt nicht im Ohr:

es jubelt auf im Herzen.

Es tönt nicht von den Lippen,

sondern erregt in tiefer Freude.

Nicht Stimmen schwingen da in eins,

sondern die Strebungen der Herzen.

Es ist nicht draußen zu vernehmen,

es schallt nicht offen auf dem Markt.

Nur die es singt, vernimmt den Klang

und der, dem sie es singt:

die Braut und ihr geliebter Bräutigam.

Bernhard von Clairvaux

 

 

 

Suche

Gott,

und du findest

Gott

und alles Gute

dazu.

 

 

 

Geschaffen

hast du uns

zu dir,

und ruhelos

ist unser

Herz,

Bis daß es

seine Ruhe hat

in dir.

Aurelius Augustinus

 

 

 

Sprache ist das Organ dieser Welt,

Schweigen das Geheimnis der künftigen.

Isaak der Syrer

 

 

 

Laßt den, der sucht, nicht aufhören, bis daß er findet!

Wenn er findet, wird er sich entzücken;

entzückt wird er das Himmelreich erreichen.

Und wenn er das Himmelreich erreicht hat,

wird er Ruhe finden.

Das Himmelreich ist in dir;

und wer immer sich kennt, der wird es finden.

Lernt daher euch selbst erkennen;

und ihr werdet gewahr werden,

daß ihr Gottes Söhne seid.

Thomas-Evangelium

 

 

 

So wie es unmöglich ist, daß jemand in einem bewegten Wasser sein Gesicht betrachten kann, so kann auch nicht die Seele, wenn sie nicht vorher von allen fremden Gedanken gereinigt wurde, gesammelt zu Gott beten.

Ein Wüstenvater

 

 

 

Hinter jedem "O HERR!", das du sprichst, steht ein tausendfaches "HIER BIN ICH".

Meviono Celaieddin Rumi

 

 

 

Wir huldigen dem Atem des Lebens,

denn dieses ganze Universum gehorcht ihm.

Er ist der Herr aller Dinge geworden,

alles hat in ihm seinen Ursprung.

Wir huldigen dir, Atem des Lebens,

wir huldigen deinem Tosen;

wir huldigen dir, Donner, und dir, Blitz;

wir huldigen dir, o Atem des Lebens,

wenn du Regen herabgießt.

Wir huldigen dir beim Einatmen,

wir huldigen dir, Lebensatem, beim Ausatmen:

wir huldigen dir, wenn du dich abwendest,

wir huldigen dir, wenn du dich uns wieder zukehrst:

Dir gebührt in allem, ja in allem Huldigung.

Der Atem des Lebens nimmt die Kreaturen als sein Gewand;

er nimmt sie wie ein Vater seinen geliebten Sohn.

Der Atem des Lebens ist der Weltenherr,

der Herr aller, die atmen,

der Herr von allem, was ohne Atem ist.

O Atem des Lebens, wende dich nicht ab von mir:

Ich selbst verschmelze mit dir.

Wie ein Lebenskeim im Wasser:

So umgebe und binde ich Dich in mir, damit ich lebe.

Atharva-Vedo

 

 

 

 

 

Wenn der Leib unaufhörlich

in Bewegung gehalten wird,

wird er müde.

Wenn der Geist unaufhörlich

in Bewegung gehalten wird,

wird er sorgenvoll;

und Sorge verursacht Erschöpfung.

Das Wesen des Wassers ist,

daß es klar wird,

wenn man es in Ruhe läßt,

und still,

wenn man es nicht stört.

Tschuang Tse

 

 

 

Wer weiß, redet nicht,

wer redet, weiß nicht.

Lao-tse

 

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Welche Kuriositäten gab es während der Renaissance?

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